08. Juli 2016

Verkehrsverlagerung als Ziel unstrittig

Dialogprojekt „Mehr Klimaschutz mit Schienenverkehr“ zeigt, wie Praxis gelingt

Wascosa Güterzug: Verkehrsverlagerung auf die Schiene ist ein Beitrag zum Klimaschutz
Seit Jahrzehnten will die Politik Güter von der Straße auf die umweltfreundliche Schiene verlagern. Nun sind die Praktiker gefragt: Wo braucht die Güterbahn Rückenwind, damit die Klimaziele erreichbar sind?

Berlin, den 8. Juli 2016. Klimaschützer sind auf den Verkehr nicht gut zu sprechen. Prädikate wie „Klimasünder“ oder „Sorgenkind“ hängen dem Sektor inzwischen an. Während Industrie, verarbeitendes Gewerbe oder Energieerzeuger ihren CO2-Ausstoß seit 1990 deutlich gesenkt haben, sind die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs in der gleichen Zeit nicht zurückgegangen. Die Allianz pro Schiene hat daher wichtige Akteure der Schienenbranche am Freitag in Berlin zum Dialog über Strategien zur Verkehrsverlagerung zusammengerufen. Um zu erkunden, was die Bahnen in Deutschland und Europa nach dem Gipfel in Paris für die Klimabilanz tun können, kamen 180 Vertreter des Bahnsektors zum Auftakt des vom Umweltbundesamt (UBA) geförderten Projekts „Dialog: Mehr Klimaschutz mit Schienenverkehr“ ins Bundesumweltministerium (BMUB).

Verkehrsverlagerung: „Ziele gibt es, die Praxis hakt“

Verkehrsverlagerung: Auf dem Klima Dialog ein grpßes Thema

„Seit Jahren und Jahrzehnten ist es in Politik und Gesellschaft unstrittig, dass wir mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern wollen“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, bei der Auftaktveranstaltung im BMUB. „Zahllose Experten und Studien haben dargelegt, dass Verkehrsverlagerung volkswirtschaftlich und umweltpolitisch richtig ist. Was uns fehlt, sind nicht die Ziele, sondern die passende Praxis dazu“, sagte Flege. Der „Klimadialog“ solle im Auftrag des UBA genau diesen Mangel beheben und Strategien für eine nachhaltige Verkehrsverlagerung liefern. „Wir brauchen einen Zweiklang: Politische Bewegung und praktischen Fortschritt. Dass die Macher an einen Tisch kommen, dass Wirtschaft und Politik die Aufgabe ressort- und unternehmensübergreifend anpacken, dazu wollen wir einen Beitrag leisten.“

Flege verwies auf zwei aktuelle UBA-Studien zum Güterverkehr. „Darin zeigen die Wissenschaftler, dass Verkehrsverlagerung kein Wunschdenken ist, sondern dass die Güterbahnen in Deutschland mächtige Potenziale haben.“ Im Personenverkehr seien es die Menschen selbst, die einen anderen Verkehr wollten. „Der Wandel hin zum öffentlichen Verkehr, hin zum Fahrrad, hin zur Fußgänger freundlichen Städten vollzieht sich in den Ballungszentren“, sagte Flege. „Die Bürger wollen eine Mobilitätswende, die Politik muss jetzt nachziehen.“

Rede Dirk Flege, Geschäftsführer Allianz pro Schiene

BASF für besseren Rahmen bei der Eisenbahn

„BASF setzt bevorzugt die umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene und Binnenschiff ein“, sagte der für Eisenbahn zuständige Vize Präsident des Chemiekonzerns, Thorsten Bieker. „Am Standort Ludwigshafen werden bereits über zwei Drittel der Transportmengen mit diesen beiden Verkehrsträgern durchgeführt. Um den Anteil der Eisenbahn-Transporte weiter steigern zu können, muss der Verkehrsträger Eisenbahn allerdings wettbewerbsfähiger werden“, sagte Bieker. „Das ist aus Sicht der Verlader nur möglich, wenn Innovationen im Eisenbahntransport und bei den Güterwagen schneller eingeführt werden, der Zulassungsprozess kostengünstiger gestaltet und die Infrastruktur für längere Güterzüge ertüchtigt wird. Hier muss der Gesetzgeber die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.“

Vortrag: BASF – Nachhaltigkeit im Transport

Zippel beklagt Preisschere bei Lkw und Güterbahn

„Als Spediteur habe ich die freie Wahl, wie ich die Güter transportieren will“, sagte Axel Kröger, geschäftsführender Gesellschafter von Konrad Zippel. „Im direkten Vergleich Schiene und Straße transportiert Konrad Zippel 70 Prozent der Ladung mit der Güterbahn.“ Allerdings seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Schienengüterverkehrs zur Zeit denkbar ungünstig. „Sinkende Lkw-Maut und niedrige Dieselpreise verschaffen dem Straßengüterverkehr Oberwasser“, sagte Kröger. „Gerade weil die Politik aus Klimaschutzgründen auf die Güterbahnen setzen muss, wäre eine deutliche Senkung der Trassengebühren eine dringliche Maßnahme.“

Vortrag: Nachhaltige und intelligente Logistiklösungen bei Zippel

VBB wünscht sich Rückenwind bei der E-Mobilität

„Die Eisenbahn ist jetzt schon ein Musterbeispiel für eine funktionierende Elektromobilität. Was die Politik auf der Straße erst anstoßen muss, ist im öffentlichen Personenverkehr bereits selbstverständlich“, sagte die Geschäftsführerin des VBB Verkehrsbunds Berlin-Brandenburg, Susanne Henckel. „Trotzdem wollen wir uns mit einem elektromobilen Anteil von etwa 80 Prozent im Nahverkehr noch lange nicht zufrieden geben.“ Henckel plädierte für die Elektrifizierung von weiteren Strecken. „Wir können uns auch vorstellen, bald innovative Fahrzeuge einzusetzen, die auf Strecken ohne Oberleitung fahren“, sagte Henckel.

Vortrag: VBB – Nachhaltigkeit im SPNV als Zukunftsstrategie

Weitere Informationen:

Fotos der Auftaktveranstaltung können Sie ab 14 Uhr hier herunterladen

Aktuelle UBA-Studien: So viel klimapolitisches Potenzial steckt in der Verkehrsverlagerung und den Güterbahnen

Infos zur Rede von Jochen Flasbarth, Staatssekretär im BMUB

Hier geht es zur Website des Projekts „Klimadialog: Mehr Klimaschutz mit Schienenverkehr“