Marktanteile: Die Bahnen sind auf dem Vormarsch

S-Bahn

Seit Jahren gewinnt die Schiene Marktanteile hinzu und noch nie sind hierzulande so viele Menschen mit den Bahnen gefahren wie zurzeit. 2012 waren knapp 2,6 Milliarden Menschen in Deutschland mit dem Zug unterwegs. Die Nutzer von U- und Straßenbahnen sind dabei noch nicht einmal mitgerechnet. Mit den Fahrgastzahlen ist auch die Verkehrsleistung gewachsen – also das Produkt aus Reisendenzahl und zurückgelegter Strecke: bis 2012 auf 88,3 Milliarden Personenkilometer (Pkm). Hinzu kommt die Verkehrsleistung von U- und Straßenbahnen mit 16,6 Milliarden Pkm. Damit kommt der Schienenpersonenverkehr in Deutschland auf einen Marktanteil von knapp zehn Prozent.

Höherer Marktanteil ist kein Selbstläufer

Die Wachstumsrate des Schienenpersonenverkehrs in Deutschland ist beachtlich: In den vergangenen 20 Jahren seit der Bahnreform wuchs die Verkehrsleistung um 39,1 Prozent. Nach Berechnungen der Allianz pro Schiene entspricht das einem Plus von 70,2 Prozent im Nahverkehr und einem Plus von 11,3 Prozent im Fernverkehr jeweils für den Zeitraum von 1993 bis 2012.

Die Aufgabe der Politik besteht jetzt darin, durch zusätzliche Kapazitäten auf der Schiene den Menschen mehr Alternativen zu bieten. Denn im öffentlichen Verkehr schlummert noch ein enormes Wachstumspotenzial. Allerdings ist der Trend zur Schiene kein Automatismus. Das zeigt das EU-Projekt USEmobility, das unter Projektleitung der Allianz pro Schiene die Verkehrsmittelwahl der Bürger in sechs europäischen Ländern untersucht hat.

Die Reisenden sind wechselfreudig

Danach sind die Reisenden in Deutschland und Europa bei der Wahl ihres Verkehrsmittels überraschend wechselfreudig: fast 50 Prozent der Befragten aus sechs europäischen Ländern veränderten in den vergangenen Jahren ihren Mobilitäts-Mix, wie die Umfrage im Rahmen des EU-Projekts USEmobility ergeben hat. Ihren neuartigen Ansatz zur Erforschung von realen Wechselentscheidungen erprobten die Verkehrsforscher repräsentativ für Deutschland, Österreich, Ungarn, Kroatien, den Niederlanden und Belgien. Die Hälfte aller Verkehrsteilnehmer sind bei der Wahl des Verkehrsmittels pragmatisch.

Die Marktanteile der Verkehrsträger im Personenverkehr

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Der Verkehr in Deutschland verteilt sich auf verschiedene Verkehrsträger. Auf Grundlage der Verkehrsstatistik kann der Anteil jedes Verkehrsträgers am Gesamtverkehr, der so genannte „Modal Split“, berechnet werden.

Die Ergebnisse der Berechnung hängen wesentlich davon ab, welche Bezugsgrößen dabei gewählt werden. Gängig sind eine Differenzierung nach Personen- und Güterverkehr sowie eine Berechnung auf Basis der Verkehrsleistung. Im Personenverkehr wird die Verkehrsleistung in Personenkilometer (Pkm) gemessen: die zurückgelegten Kilometer multipliziert mit der Zahl der Reisenden. Im Güterverkehr wird die Verkehrsleistung in Tonnenkilometer (tkm) gemessen: die zurückgelegten Kilometer multipliziert mit der beförderten Gütermenge in Tonnen.

Berechnungsgrundlage

Das jährlich aktualisierte Standardwerk „Verkehr in Zahlen“, das vom Bundesverkehrsministerium herausgegeben wird, legt außerdem folgende Parameter zugrunde:

Vier Verkehrsträger werden einbezogen:

  • Eisenbahnen (einschließlich S-Bahnen)
  • übriger öffentlicher Landverkehr (Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen)
  • Luftverkehr
  • motorisierter Individualverkehr (Pkw und motorisierte Zweiräder)

Die räumliche Abgrenzung ist je nach Verkehrsträger unterschiedlich:

  • Inlandsprinzip: Bei Eisenbahnen, dem übrigen öffentlichen Landverkehr und dem Luftverkehr gilt das Inlandsprinzip. Das heißt: Betrachtet wird der Verkehr auf deutschem Gebiet, bei grenzüberschreitenden Verkehren von und bis zur deutschen Grenze.
  • Inländerprinzip: Beim motorisierten Individualverkehr gilt das Inländerprinzip. Das heißt: Betrachtet wird der Verkehr mit deutschen Fahrzeugen im In- und Ausland, jedoch nicht der Verkehr mit ausländischen Fahrzeugen in Deutschland.

 

Erklärvideo: Größe und Berechnung der Marktanteile der Verkehrsträger in Deutschland (2:57 min)