Lärm und Lärmschutz im Schienenverkehr: Die Bahnen werden leiser

Wie laut ist der Zug? Für einen nachhaltigen Lärmschutz sind regelmäßige und genaue Messwerte wichtig.
Wie laut ist der Zug? Für einen nachhaltigen Lärmschutz sind regelmäßige und genaue Messwerte wichtig.

Nicht ohne Grund werden entlang von Bahnstrecken Lärmschutzwände gebaut: Lärm ist störend und ein Gesundheitsrisiko. Der physikalische Schallpegel kann das Gehör schädigen und zu Schwerhörigkeit führen. Und insbesondere der lärmbedingte psychische Stress kann krank machen: Epidemiologische Studien zeigen beispielsweise ein erhöhtes Herz-Kreislaufrisiko bei Personengruppen, die chronisch durch Verkehrslärm belastet werden. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass allein durch den Straßenverkehrslärm jährlich ca. 4.000 Herzinfarkt-Fälle verursacht werden. Lärmschutz ist daher ein wichtiger Teil von Verkehrspolitik und Verkehrsplanung. Und weil das Verkehrsaufkommen stetig steigt, wird der Lärmschutz immer wichtiger.

Die Bahnen erreichen bei rein technischer Messung der Geräuschemissionen und identischem Abstand zu ebenso schnell fahrenden Fahrzeugen ein ähnliches Lärm-Niveau wie ihre Konkurrenten auf der Straße. Vor allem ältere Bremssysteme verursachen unangenehm laute Rollgeräusche, indem sie die Waggonräder und damit die Gleise aufrauen. Schon hier fängt der Lärmschutz an: Je glatter Rad und Schiene sind, desto leiser fährt der Zug. Fakt ist: Auch die Bahnen müssen möglichst schnell leiser werden.

Leise Bremssohle: Lärmschutz an der Quelle

Die gute Nachricht, der Lärmschutz bei den Bahnen wird ernst genommen. Nicht nur werden Lärmschutzmaßnahmen entlang der Strecke weiterentwickelt (zum Beispiel Schallschutzwände bzw. Lärmschutzwände), auch gibt es inzwischen technische Lösungen beim Lärmschutz, die die unangenehmen Geräusche direkt an der Quelle eindämmen. Zum Beispiel die Flüsterbremse, eine Verbundstoff-Bremssohle, die die Waggonräder nicht mehr aufraut und so den Schienenverkehrslärm um bis zu 10 Dezibel vermindert. In der menschlichen Wahrnehmung kommt das einer Halbierung des Lärmpegels gleich.

 

Lärmschutz-Messung im Rahmen der Veranstaltung zum Pilotprojekt „Leiser Rhein“ in Bingen am 1.10.2012
Lärmschutz-Messung im Rahmen der Veranstaltung zum Pilotprojekt „Leiser Rhein“ in Bingen am 1.10.2012

 

Neue Waggons werden schon seit einigen Jahren mit Flüsterbremsen ausgerüstet. Ältere Waggons fahren zumeist jedoch noch mit den älteren, lauten Grauguss-Bremssohlen, da die Umrüstung kostspielig ist. Um den Lärmschutz bei der Eisenbahn nachhaltig voran zu treiben, ist eine Förderung durch die öffentliche Hand notwendig, bei gleichzeitiger Schaffung von Anreizen zum Einsatz leiserer Güterwaggons. Mit der Einführung lärmabhängiger Trassenpreise geht der Bund einen ersten Schritt in diese Richtung. Ab 2013 zahlen laute Züge mehr als leise.

Interaktive Karte: Übersicht zu Lärmschutzmaßnahmen am Schienennetz des Bundes (Link)

Laute Güterzüge: Verbot ab 2020

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat in den vergangenen Jahren weitere Programme für den verbesserten Lärmschutz bei den Bahnen und an den Gleisen aufgelegt. Der wichtigste Schritt ist sicherlich das geplante Verbot von lauten Güterwagen ab dem Jahr 2020. Um die älteren Güterwagenflotten mit Flüsterbremsen auszurüsten hat das BMVI zudem ein Förderprogramm über 152 Millionen Euro aufgelegt. Das Zukunftsinvestitionsprogramm der Bundesregierung für die Jahre 2016 bis 2018 sieht weitere Investitionen beim Lärmschutz vor.

Mit einer Innovationsprämie für leise Güterwagen sollen Eisenbahnverkehrsunternehmen und Spediteuren weitere Anreize für mehr Lärmschutz gegeben werden. Die Prämie erhalten Güterwagenhalter, deren Waggons leiser sind, als die europäischen Lärmschutzstandards vorschreiben.

Plattform leise Bahnen: Leitfaden der Allianz pro Schiene und des Umweltbundesamtes für die Eisenbahn

Lärm droht die Akzeptanz des Schienenverkehrs, und damit des umweltfreundlichsten Verkehrsmittels zu gefährden. Deshalb muss noch mehr für den Lärmschutz, insbesondere im Güterverkehr, getan werden. Gemeinsam mit Organisationen aus der Zivilgesellschaft und der gesamten Bahnbranche stellte die Allianz pro Schiene im Projekt „Plattform Leise Bahnen“ einen Fahrplan für einen leiseren Schienenverkehr auf. Ergebnis des Dialogs ist der Lärmschutz-Leitfaden „Sieben Schritte auf dem Weg zu einem leiseren Schienengüterverkehr“.