Flüsterbremse

Bei einer Flüsterbremse, auch „K-Sohle“ genannt, besteht die Bremssohle (Bremsklotz) aus Komposit-Materialen, die elastischer sind als ältere, metallische Grauguss-Bremssohlen. Im Komposit werden in der Regel Metallfasern, Kautschuk- und Harz-Verbindungen sowie zusätzliche Materialien verarbeitet, weshalb man auch von der „Verbundstoffbremssohle“ spricht. Verbundstoffbremssohlen können auf glatter Gleisoberfläche eine Lärmreduktion des Rollgeräusches von 8-10 dB (A) bewirken, was vom menschlichen Ohr wie eine Lärmhalbierung wahrgenommen wird. Der Nachteil der Flüsterbremse: Das Komposit verschleißt schneller und verursacht höhere Wartungskosten für die Eisenbahnverkehrsunternehmen. Eine Weiterentwicklung sind die sogenannten LL-Sohlen („low noise, low friction“ – wenig Lärm, wenig Abrieb).

Ein Rad eines Güterwaggons der Deutschen Bahn mit einer Flüsterbremse (LL-Sohle)

Entscheidend für die Lärmemissionen eines Zuges sind die Rollgeräusche, die zwischen Rad und Schiene entstehen: Je glatter die Oberflächen sind, desto leiser sind die Rollgeräusche. Während bei jedem Bremsvorgang mit Grauguss-Bremssohlen die Laufflächen der Räder aufgeraut werden, bleiben bei der Flüsterbremse die Räder glatt oder zumindest glatter. Deshalb verursachen Güterzüge, die mit Flüsterbremsen ausgerüstet sind, während ihrer Fahrt und bei Bremsvorgängen weniger Lärm. In diesem Zusammenhang spricht man von lauten und leisen Güterwaggons.

Dennoch ist der Begriff Flüsterbremse ein werblicher Begriff, da auch um 8-10 dB (A) leisere Güterzüge nicht „flüstern“, sondern immer noch deutlich lauter als leises Sprechen sind. Verwendet wird der Vergleich insbesondere von der Deutschen Bahn, die damit die Fortschritte bei der Senkung des Schienenlärms beschreibt.

Nachrüstung mit der Flüsterbremse bis 2020

Bis 2020 soll der Schienenlärm insgesamt halbiert werden. DB Cargo, das größte Eisenbahnverkehrsunternehmen im europäischen Güterverkehr, kauft seit 2001 nur noch neue Güterwaggons mit leiseren K-Sohlen bzw. seit Sommer 2013 mit ebenfalls leiseren, aber in der Anschaffung deutlich günstigeren LL-Sohlen. Die K-Sohle ist bei neuen Waggons ohne Probleme einbaubar. Die Umrüstung eines ursprünglich mit Grauguss-Bremssohlen ausgestatteten Güterwaggons ist allerdings aufwändig. Die gesamte Bremsanlage des Fahrzeugs muss zu diesem Zwecke umgebaut und je nach Wagenbauart neu zugelassen werden. Pro Güterwaggon beziffert die Deutsche Bahn die Kosten für die Umrüstung eines Güterwaggons auf die Flüsterbremse auf einen Betrag zwischen 5.000 und 7.000 Euro.

Wesentlich reduzierte Kosten entstehen durch die Umrüstung auf die seit Juni 2013 zugelassene LL-Sohle. Weil der Reibungskoeffizient dieser leisen Sohle mit dem der herkömmlichen Grauguss-Sohle vergleichbar ist, können die alten Grauguss-Sohlen bei Standardgüterwagen ohne weiteren Umbau 1:1 gegen die neue Verbundstoffbremssohle ausgetauscht werden. Die Kosten liegen mit rund 1.700 Euro pro Wagen um rund zwei Drittel niedriger als beim Einsatz der K-Sohle.

Leise Güterzüge fahren günstiger

Eine LL-Bremssohle einer Flüsterbremse
Seit Dezember 2012 wird der Einsatz leiserer Güterwaggons mit Flüsterbremsen vom Bund finanziell unterstützt und der Betrieb lauter Güterwaggons finanziell benachteiligt. Auf Initiative des Bundesverkehrsministeriums gilt seit dem Fahrplanwechsel 2012/2013 auf Bundesschienenwegen ein lärmabhängiges Trassenpreissystem: Laute Güterzüge zahlen einen Malus und dadurch für die Nutzung der Schienentrassen mehr als leise Güterzüge. Parallel dazu läuft ein mit bis zu 152 Mio. Euro dotiertes Förderprogramm des Bundes zur Umrüstung lauter Güterwagen auf lärmarme Bremstechnik bis zum Fahrplanwechsel 2020/2021.

Die im Verband der Güterwagenhalter in Deutschland (VPI) organisierten privaten Halter von Güterwaggons werden nach eigenem Bekunden bis zum Jahresende 2016 mindestens die Hälfte ihrer rund 60.000 in Deutschland fahrenden Güterwaggons mit lärmarmer Bremstechnik ausgestattet haben. Auch DB Cargo hat dies für ihre 60.000 in Deutschland fahrenden Güterwagen angekündigt. Bis Ende 2020 sollen sowohl bei den im VPI organisierten Unternehmen als auch bei der DB Cargo 100 Prozent der Güterwaggons mit lärmarmer Bremstechnik ausgestattet sein.

Außer der Flüsterbremse mit Verbundstoff-Bremssohle kommen im Schienengüterverkehr zunehmend auch Scheibenbremsen zum Einsatz – eine Technik, die seit jeher für das Bremsen der leichteren Personenzüge verwendet wird. Mit Scheibenbremsen lassen sich die Rollgeräusche der Güterbahnen noch stärker reduzieren als mit Flüsterbremsen.

Das Bundesverkehrsministerium plant ab 2020 den Einsatz lauter Güterwagen auf dem deutschen Schienennetz zu verbieten. In den nächsten Jahren werden deshalb zahlreiche Güterwaggons mit der Flüsterbremse ausgestattet. Ein europaweites Verbot ist bisher aber nicht in Sicht.

Die Allianz pro Schiene hat in dem Dialogprojet „Plattform Leise Bahnen“ weitere Schritte identifiziert, um die Güterbahnen in Deutschland leiser zu machen.