Elektromobilität: Die Mobilität von morgen schon heute auf der Schiene

Die Zukunft unseres Verkehrs liegt in der Elektromobilität. Längst haben wir erkannt, dass der Verbrennungsmotor ein Auslaufmodell ist. Zu gefährlich sind die Schadstoffe für Mensch und Umwelt, die durch fossile Brennstoffe entstehen. Bei der Eisenbahn ist die Elektromobilität schon heute Standard.

Die Zukunft unseres Verkehrs liegt in der Elektromobilität. Längst haben wir erkannt, dass der Verbrennungsmotor ein Auslaufmodell ist. Zu gefährlich für Klima und Umwelt sind die Schadstoffe, die durch fossile Brennstoffe wie Benzin oder Diesel entstehen – rund 160 Millionen Tonnen schädliches CO2 produziert der Verkehr jedes Jahr. Mit Nachhaltigkeitsstrategien, Klimaschutzprogrammen und Entwicklungsplänen arbeitet die Bundesregierung daran, die Voraussetzungen für die Verkehrswende in Deutschland zu schaffen. Das Ziel ist die Dekarbonisierung des Verkehrs, also die CO2-Emissionen unserer Fahrzeuge auf Null zu senken. Eine Schlüsselrolle dabei spielt die Elektromobilität.

Die Bahnen: Vorreiter in der Elektromobilität

Elektrofahrzeuge fahren abgasfrei, das macht sie zum Motor der Verkehrswende. Darüber hinaus ist der Energieverbrauch von Elektromotoren im Vergleich zu Verbrennungsmotoren geringer und effizienter. Bei der Eisenbahn ist die Elektromobilität schon heute Standard: 90 Prozent der Verkehrsleistung werden elektrisch erbracht. S- und U-Bahnen, Fernzüge, Trams und mehr – sie alle fahren mit Strom. Im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern sind die Bahnen deshalb das klimaschonendste motorisierte Verkehrsmittel für unsere Mobilität im Alltag. Wer mit der Eisenbahn statt mit dem Auto unterwegs ist, produziert je Kilometer über 70 Prozent weniger CO2. Im Vergleich mit dem Flugzeug wird pro Personenkilometer sogar 85 Prozent CO2 eingespart.

Grüne Elektromobilität: Strom aus Erneuerbaren Energiequellen

Besonders klimaschonend sind elektrisch betriebene Fahrzeuge natürlich nur dann, wenn ihr Fahrstrom nachhaltig produziert wird – mit Solar-, Wasser- oder Windkraftanlagen. 2015 lag der Grünstromanteil bereits bei 42 Prozent und damit deutlich höher als in der öffentlichen Versorgung. Und diese Entwicklung setzt sich fort: Seit 2018 ist zum Beispiel jeder Kunde der Deutschen Bahn im Fernverkehr zu 100 Prozent mit Ökostrom unterwegs. Elektromobilität erlaubt zudem die Nutzung erneuerbarer Energiequellen, deren Anteil beständig wächst. Als einziger Verkehrsträger speist der elektrische Schienenverkehr bereits jetzt im Normalfall seine Bremsenergie zurück ins Stromnetz ein und steigert somit zusätzlich die Effizienz des elektrischen Antriebs. Außerdem werden Lokführer in der Regel trainiert, besonders energiesparend zu fahren. Mit neuen Triebfahrzeugen und technischen Komponenten, wie etwa Fahrerassistenzsystemen, wird die Elektromobilität der Eisenbahnen ständig weiterentwickelt und verbessert.

Das Ziel: 100 Prozent Elektromobilität auf der Schiene

Es ist das Ziel der Eisenbahnbranche, die heute noch vorhandene Lücke zu 100 Prozent Elektromobilität zu schließen und zukünftig völlig auf die Nutzung von Dieselantrieben zu verzichten. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Elektrifizierung von Strecken vorangetrieben werden. Unter dem Begriff Elektrifizierung versteht man die Ausrüstung von Gleisstrecken mit Oberleitungen oder Stromschienen, zur Versorgung elektrisch betriebener Bahnen. Das staatliche Schienennetz umfasst derzeit rund 33.300 Kilometer, davon sind 20.000 Kilometer (60 Prozent) elektrifiziert. Dies umfasst nahezu sämtliche Hauptstrecken des Personen- und Güterverkehrs, allerdings gibt es zahlreiche Elektrifizierungslücken. Viele weniger stark frequentierte Strecken verfügen noch über gar keine Elektrifizierung. Häufig können teilelektrifizierte Strecken nur mit Dieselloks befahren werden, da ein Mischbetrieb logistisch und wirtschaftlich nicht tragfähig ist. Dadurch bleiben wertvolle Potentiale ungenutzt und Eisenbahnverkehrsunternehmen sind gezwungen, an überkommener Technik festzuhalten.

Deutschland bei der Elektrifizierung nur Mittelmaß

Im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist das deutsche Schienennetz nur mittelmäßig elektrifiziert, liegt allerdings noch über dem Durchschnitt. In Österreich, Italien und in den Niederlanden ist der Elektrifizierungsgrad wesentlich höher. Vorreiter bei der Elektromobilität auf der Schiene ist die Schweiz.

 

 

Die Allianz pro Schiene setzt sich für die schnellere Elektrifizierung des Schienennetzes ein, nur so lässt sich das Klimaschutz-Potential der Bahnen vollständig nutzen. Meilensteine sind ein Elektrifizierungsgrad von 70 Prozent in Deutschland im Jahr 2025 gegenüber aktuell rund 60 Prozent und ein Elektrifizierungsgrad von mindestens 75 Prozent im Jahr 2030.

Elektromobilität: Alternative Antriebe

Alstom Coradia ILint Wasserstoff-Zug
Der Wasserstoff-Zug Coradia iLint von Alstom

Für die Strecken, die nicht elektrifiziert sind, müssen zukünftig Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zur Verfügung stehen, die auch ohne Oberleitung elektromobil unterwegs sein können. Im Personenverkehr sind dies Brennstoffzellen- und Batterietriebfahrzüge. Diese beiden Konzepte adressieren unterschiedliche Einsatzbereiche: Brennstoffzellenfahrzeuge haben hohe Reichweiten von einigen hundert Kilometern, benötigen aber eine eigene Wasserstoff-Tankinfrastruktur. Batterietriebzüge haben bislang eine kürzere Reichweite auf nicht elektrifizierter Infrastruktur, fahren aber auf elektrifizierter Infrastruktur im konventionellen elektrischen Betrieb und können zudem unter der Oberleitung oder anderer Ladeeinrichtung wiederaufgeladen werden. Hier ist ein großer Systemvorteil der Bahn, dass mit den elektrifizierten Strecken schon heute eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur für Batteriefahrzeuge zur Verfügung steht. Dies bietet auf absehbare Zeit nur die Schiene.

Auch im Güterverkehr gibt es mit Last-Mile-Lokomotiven und Dual-Mode-Lokomotiven Alternativen zum Dieselantrieb. Der Bund sollte dieses Potenzial für mehr E-Mobilität nicht ungenutzt lassen und alternative Antriebe auch bei der Schiene finanziell unterstützen.