Die Sieger der vergangenen Jahre – Alle auf einen Blick

 

 

Auf Deutschlands Schienen sind Tag für Tag viele „Eisenbahner mit Herz“ unterwegs. Einige von ihnen haben wir in den nunmehr zehn Jahren unseres Wettbewerbs ausgezeichnet. Angefangen hat alles mit unserem ersten Goldsieger Jonni Käsehage, der mit beherzter Detektivarbeit dafür gesorgt hat, dass ein verlorener Laptop an Heiligabend zu seiner Besitzerin fand.

In den darauf folgenden Jahren haben von der Zugbegleiterin über Mitarbeiter der Bordgastronomie bis zum Triebfahrzeugführer zahlreiche engagierte Eisenbahnerinnen und Eisenbahner ihren Platz auf unserem Siegertreppchen gefunden. Mit jeder Person sind einzigartige Geschichten verbunden, die uns begeisterte Bahnreisende zugesandt haben. Die Einsendungen sprechen eine klare Sprache: Für unsere Eisenbahner mit Herz stehen die Reisenden im Mittelpunkt. Oder um es mit Silbergewinner Mirko Mai (2020) zu sagen: „Wichtig ist, den Wert des Menschen anzuerkennen“.

Für die siegreichen Eisenbahnerinnen und Eisenbahner ist die Auszeichnung mit der Ehrennadel eine Wertschätzung ihrer Arbeit. Oftmals geht der begehrten Auszeichnung jahrzehntelanger Einsatz „an vorderster Front“ voraus. Zu Recht erfüllt es die siegreichen Bahner daher mit einer angemessenen Portion Stolz, sich jetzt auch offiziell „Eisenbahner mit Herz“ nennen zu dürfen. Sie sind unsere Alltagshelden, ohne die die Bahnen nicht funktionieren würden.

Lernen Sie unsere Sieger der vergangenen Jahre kennen! Übrigens: Für uns gilt immer: Nach dem Eisenbahner mit Herz ist vor dem Eisenbahner mit Herz! Reisegeschichten nehmen wir jederzeit HIER entgegen.

Sieger 2022

Auch in schwierigen Zeiten, haben unsere Eisenbahnerinnen und Eisenbahner wieder gezeigt, mit welchem Einsatz sie für die Reisenden da sind.

Unsere Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs sind wieder einmal herausragende Beispiele für besonderes Engagement für unsere Mitmenschen. Unser Goldgewinner ist wahrlich ein Held, unsere Sonderpreisgewinner half in einer der schlimmsten Katastrophen der letzten Jahre und unsere Silbersiegerinnen zeigten entschlossen Herz.

Kurzum: Unsere Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sind Botschafter der Menschlichkeit.

Gold: Kujtim Haziri (mit Video)

Unser Goldgewinner Kujtim Haziri (DB Regio) ist ein wahrer Held der Schiene. Eine junge Frau erleidet einen Herzstillstand. "Tim", wie ihn alle nennen, zögert nicht und beginnt sofort mit lebensrettenden Maßnahmen. So kann er das Leben der jungen Mutter retten.
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Für Shequita Curby und ihren Ehemann Sam ist es ein Tag, den sie nie wieder vergessen werden. Gerade kommen sie mit dem Zug aus Amsterdam zurück ins beschauliche Wittlich, in Rheinland-Pfalz. Die junge Amerikanerin arbeitet dort im Finanzbereich. Drei Jahre sind Sam und sie verheiratet und haben das mit einer Reise in die Niederlande gefeiert. Auf einmal reagiert die Mutter einer 12-jährigen Tochter nicht mehr auf die Fragen ihres Ehemannes. In der Bahnhofsunterführung bricht sie plötzlich zusammen. Ihr Mann gerät in Panik, ruft um Hilfe – aber niemand reagiert.

Auf dem Bahnsteig hört Zugbegleiter Kujtim Haziri die Rufe des verzweifelten Mannes und rennt runter, um nachzusehen, was passiert ist. Er fühlt den Puls und beginnt sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen, während er auch noch den Notruf wählt. Mehr als eine Viertelstunde reanimiert er die junge Frau, bis der Notarzt eintrifft und übernimmt. Eine halbe Stunde kämpfen die Ärzte um das Leben von Shequita. Dann ist klar – sie wird überleben.

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Lieber Herr Kujtim Haziri...

Nennen Sie mich Tim, das tun alle.

Gerne, lieber Tim, herzlichen Glückwunsch zum Eisenbahner mit Herz!

Danke, aber der Preis gilt nicht mir allein, sondern meiner ganzen Umgebung, meinem Vorgesetzten Udo Steffen und meinen Kollegen. Ohne die wäre ich nicht der Mensch, der ich bin. Der Preis geht an alle.

In diesem Fall haben Sie allein Herz und Mut gezeigt und ein Leben gerettet. Wie kam es dazu?

Der Tag, ein kalter Novembertag, fing ganz normal an. Von meinem Teamleiter habe ich gelernt, dass wir auch Spaß bei der Arbeit haben dürfen. Und das habe ich: Wir begrüßen unsere Reisenden per Ansage, ich mache gerne etwas Small Talk, lerne immer neue Reisende kennen. Es ist ein schöner Beruf. Und es war eine ganz normale Fahrt – bis Wittlich.

Und was passierte dort?

Als ich den Zug verließ, hörte ich Hilferufe aus der Unterführung. Andere hörten das auch, aber sie schauten lieber in eine andere Richtung. So einer bin ich aber nicht: Ich bin hingeeilt und habe gesehen, dass ich den Notarzt rufen muss. Die Frau war bewusstlos und hat nicht mehr geatmet. Gemeinsam mit ihrem Mann habe ich mit der Reanimation und Mund-zu-Mund-Beatmung begonnen. Ich habe ihm einfach gesagt, was er machen soll. Zum Glück hatte ich gerade meinen Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt. So haben wir fast 20 Minuten durchgehalten, bis der Notarzt kam. Der hat sie dann wieder ins Leben zurückgeholt. Im Krankenhaus haben sie dann festgestellt, dass sie einen Herzinfarkt hatte und operiert werden muss.

Wie haben Sie sich gefühlt?

Es war ein unbeschreibliches Gefühl, einfach unbeschreiblich. Ich habe gedacht, wir haben sie nicht verloren, das Leben geht weiter. Und nicht nur für sie, sondern auch für alle Menschen, die sie lieben, ihr Mann, ihre 12-jährige Tochter, ihre Mutter.

Haben Sie alle kennengelernt?

Ja, nach drei Tagen im Krankenhaus wollte sie mich kennenlernen. Ich habe später auch ihre ganze Familie kennengelernt. Und ich habe noch heute regelmäßigen Kontakt zu ihr: Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihre Stimme höre und wenn sie lacht.

Das ist ja erfreulicherweise kein Alltag. Aber eine Erste-Hilfe-Ausbildung ist ja zum Glück Pflicht für Zugbegleiter.

In diesem Fall war es auch noch ein Glück, dass ich gerade den Auffrischungskurs gemacht hatte, der alle zwei Jahre fällig ist.

Mussten Sie Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse schon vorher anwenden?

Am Bahnsteig 4 in Koblenz. Da war eine Frau auf einer Rolltreppe ausgerutscht und hatte sich die Knie übel aufgeschlagen. Ich habe sofort den Erste-Hilfe-Kasten geholt und die blutenden Wunden verbunden. Sie und ihr Mann waren Flüchtlinge aus Syrien und kannten sich nicht gut aus. Da habe ich sie dann noch in das Brüderkrankenhaus in Koblenz gebracht.

Wie sind Sie denn zur Bahn gekommen?

Ich bin schon als kleines Kind sehr gerne mit meinen Eltern in der Bahn schöne Strecken gefahren, oft sind wir nach Griechenland gereist, das waren lange Fahrten. Und ich lerne gerne neue Leute kennen. Als ich aus dem Kosovo nach Deutschland kam, habe ich zuerst als Weinverkäufer am Kaiserstuhl gearbeitet. Und mich dann bei der Bahn beworben. Die haben mich genommen, obwohl ich schon den Bewerbungsschluss versäumt hatte. Was für ein Glück! Für mich fühlt sich das manchmal gar nicht nach Arbeit an, sondern ich bin komplett dabei.

Gibt es denn etwas, was sie sich nach so vielen Jahren von Ihren Gästen wünschen?

Ach, die Bahn ist wie mein zweites Zuhause. Ich verbringe hier so viel Zeit und kenne viele meiner Gäste. Hier an der Mosel ist die Natur so schön. Ich freue mich, wenn sie einfach die Fahrt genießen können. Und wenn sie etwas auf dem Herzen haben, können sie mich jederzeit ansprechen.

Haben Sie selbst einen Lieblingsfahrgast?

Ja, das habe ich wirklich: Es ist ein vierjähriger Junge, der regelmäßig mit seiner Mutter Zug fährt. Er ist ein unglaublicher Sonnenschein: Er strahlt mich immer an, wenn er mich sieht, und möchte auf den Arm. Er bringt alle Reisenden zum Lachen, da ist die Stimmung im Zug richtig gut.

Vielen Dank, Tim!

Silber: Janina Küfner/ Julia Schelhorn

Die beiden DB-Fernverkehrsmitarbeiterinnen haben großes Herz bewiesen - und eine ungerechte Sache geradegerückt. Über 200 Euro sollte eine Studentin für ein Ticket bezahlen, obwohl ihr vorheriger Zug ausgefallen war. Unsere Silbersiegerinnen sorgen dafür, dass die Studentin das Geld zurückbekommt.
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Wir treffen Janina Küfner und Julia Schelhorn im ICE von München nach Erfurt. Ab Nürnberg wird es voll. Die beiden behalten einen kühlen Kopf und kümmern sich um die vielen
Fahrgäste. 90 Minuten und einen Kaffee später sitzen wir zusammen in der neu gestalteten Mitarbeiterlounge in Erfurt.

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Liebe Frau Küfner, liebe Frau Schelhorn, herzlichen Glückwunsch zum Eisenbahner mit Herz! Sie haben sich ja gleich zu zweit für einen Fahrgast eingesetzt...

JS: Das war selbstverständlich. Wir waren auf dem Rückweg im ICE von Hamburg nach Nürnberg via Berlin. Ich traf bei der Fahrkartenkontrolle auf eine weinende Studentin, die wegen
eines ausgefallenen Zugs ihren Super-Sparpreis für 49 Euro nicht nutzen konnte und ein Ticket für 233 Euro kaufen musste. Das geht ja gar nicht.

JK: Julia kam gleich zu mir. Und wir waren uns sofort einig, dass hier etwas schief gelaufen war.

JS: Der EC von Berlin nach Budapest war ausgefallen, im Reisezentrum am Berliner Hbf gab es ein Missverständnis mit Celia - so hieß die Studentin - sodass sie ein neues Ticket für die
Strecke über Nürnberg und Wien kaufte. Das war aber nicht nötig. Wenn ein Zug ausfällt, kann der Fahrgast jeden anderen Zug nehmen, damit er möglichst schnell an sein Ziel kommt.

Was haben Sie unternommen?

JS: Wir mussten erst einmal die völlig aufgelöste Studentin beruhigen und haben ihr einen Snack und Getränke auf Kulanz besorgt. Sie hatte ihre halbe Monatsmiete in Budapest für die Fahrkarte ausgegeben. Da sie gar nicht soviel Geld dabei hatte, musste sie die Notfall-Kreditkarte ihrer Eltern nutzen. Sie wusste nicht, wie sie das Geld jemals zurückzahlen könnte.

Das dauerte sicher lange, bis die Sache geklärt war?

JS: In jedem Fall war es nicht so einfach. Ich wollte das Reisezentrum im Berliner Hbf anrufen. Doch die Reisezentren sind telefonisch nicht erreichbar, nicht einmal für uns. Da fiel mir ein, dass die DB Lounge in Berlin direkt neben dem Reisezentrum liegt. Also habe ich dort angerufen und die Kollegin ist mit dem schnurlosen Telefon ins Reisezentrum gegangen. Nachdem ich den Fall geschildert hatte, war klar, dass die Studentin gar keine neue Fahrkarte gebraucht hätte. Bei Zugausfall dürfen Fahrgäste alternative Verbindungen nutzen, und zwar ohne Mehrkosten, auch wenn es eine längere Strecke ist.

Und dann?

JK: Wir wollten erreichen, dass die Studentin ihr Geld sofort zurückbekommt. In Nürnberg war unser Dienst zu Ende, und Celia hatte 90 Minuten Umsteigezeit. Also sind wir zusammen ins Nürnberger Reisezentrum.

JS: Und nach etwas Diskussion hat sie den Betrag abzüglich 19 Euro Bearbeitungsgebühr auch direkt auf die Kreditkarte zurückgebucht bekommen. Und die 19 Euro Bearbeitungsgebühr gab es später auch noch zurück.

Dafür gab es sicher auch ein riesiges Dankeschön der
Studentin.

JK: Sie bedankte sich gleich nach ihrer Ankunft in Budapest noch einmal über WhatsApp. Wenn ich daran denke, macht mich das heute noch froh.

JS: Wir waren dann sehr überrascht, als wir erfuhren, dass wir für den Eisenbahner mit Herz nominiert sind.

Warum, es war doch eine tolle Serviceleistung von Ihnen?

JK: Für uns war das so selbstverständlich. Wir erleben regelmäßig, dass wir Fahrgästen in wichtigen Situationen mit individuellem Einsatz helfen müssen.

JS: Ich muss an die kleine Amelie denken, deren Mutter es aus der Zigarettenpause am Bahnsteig in Fulda nicht mehr in den ICE geschafft hatte. Wir haben sie mit Süßigkeiten und Spielen getröstet – und gleich in Kassel einem Kollegen übergeben, der sie dann in den darauf folgenden Zug mit der Mutter gebracht hat.

Dann wird es ja nicht lange dauern, bis sie wieder nominiert werden.

JK: Ach, das muss gar nicht sein. Wir freuen uns genauso, wenn die Leistungen unserer Kolleginnen und Kollegen ausgezeichnet werden.

Vielen Dank für eure Zeit!

Bronze: Mohammed Boujettou

Eigentlich ist es ein ruhiger Tag in der Bahn. Plötzlich muss Eurobahn-Mitarbeiter Mohammed Boujettou aber einen wilden Fahrgast beruhigen. Gleichzeitig will er nicht, dass seine Fahrgäste alle wichtigen Anschlusszüge verpassen. Ein Drahtseilakt.
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Strahlender Sonnenschein. Nachmittags. Viele Familien und Ausflügler fahren in der Bahn von
Mohammed Boujettou wieder zurück in die Stadt. Eigentlich eine ruhige Strecke. Nicht so aber
an diesem Tag. Ein Gast wird ausfällig, beleidigt andere Reisende. Und unser Bronze-Gewinner,
seit 20 Jahren Kundenbetreuer bei der eurobahn, mittendrin. Durch seine offene, herzliche und
doch bestimmte Art schafft er es, den Gast ruhig zu stellen. Die Reisenden sind ihm dankbar und
nominieren ihn umgehend für den Eisenbahner mit Herz-Wettbewerb.

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Herr Boujettou, herzlichen Glückwunsch zum Bronze-Preis. Sind Sie nervös?

Ich habe noch nie ein Interview gegeben.

In einer anderen Situation haben Sie keine Nervosität gezeigt.

Da war keine Zeit. Ich musste meine Fahrgäste schützen. Aber für mich ist das Alltag, damit haben wir jeden Tag zu tun.

Wie sieht denn der Alltag bei Ihnen aus?

Das Schöne ist: In diesem Beruf gibt es keine normalen Arbeitstage. Es ist immer unterschiedlich, mal mit etwas Stress, mal ein ruhiger Tag. Ich kann nie vorher sagen, wie es wird.

Und an diesem besonderen Tag?

Zuerst war alles ganz normal. Ein sonniger Tag, viele Fahrgäste unterwegs. Ich bin in Altenbeken in den Zug nach Bielefeld eingestiegen. Ich bin zuerst einmal ganz durch den Zug gegangen, um mir einen Überblick zu verschaffen. Das mache ich immer so, denn die Fahrgäste haben oft Fragen, ein falsches Ticket oder sitzen sogar im falschen Zug. An diesem Tag ist mir ein Fahrgast gleich aufgefallen.

Warum?

Er saß ganz ruhig da, hatte keine Maske auf. Ich ermahnte ihn, und er sagte nur „Jaja, okay“. Ich dachte er hätte etwas getrunken, vielleicht stand er auch unter Drogen. Als wir losfuhren, geht er auf die Knie und beginnt mit rituellen Gebeten. Bevor er sich hingekniet hat, hat er mich gefragt, wie ich heiße. Okay, sagte er, dann bete ich jetzt für dich.

Das ist nicht alltäglich, oder?

Ganz und gar nicht, obwohl ich schon einiges erlebt habe. Dann begann er Fahrgäste anzusprechen und zu belästigen. Da habe ich eingegriffen und ihm gesagt, wir setzen uns jetzt hin und reden.

Warum das? Sie hätten doch einfach die Polizei rufen können.

Das ist richtig. Aber auf dem Land gibt es keine Bundespolizei, da kann ich nur die normale Polizei rufen und das dauert meist eine halbe Stunde, bis die da ist. Ich wollte aber, dass meine Fahrgäste ihren Anschluss in Bielefeld bekommen.

Wie ging es weiter?

Er hat sich geweigert sich zu setzen, hat nochmal einen kräftigen Schluck Wodka genommen und mich umarmt. Dann habe ich weiter Fahrkarten kontrolliert. In Detmold war inzwischen ein älterer Mann eingestiegen, der von einem Wanderausflug kam. Auf einmal bekam der Störenfried einen Wutanfall, hämmerte mit den Fäusten auf die Sitze und schrie durchs Abteil. Der Wanderer entfernte sich, der Störenfried hinterher, er schrie ihn an und biss sogar in seinen Wanderstock. Da bin ich dazwischen gegangen und habe ihn festgehalten. „Lass die Leute in Ruhe“, habe ich gesagt und ihn in dem Raum zwischen Fahrkartenautomat und Toilette gedrängt und den Ausgang blockiert.

War das nicht gefährlich?

Ich hatte ja keine Wahl. Er ist jeden Fahrgast angegangen, der ihn angeguckt hat. Nur vor mir hatte er irgendwie Respekt. Er hat danach ganz zutraulich gesagt: „Du bist mein Bruder.“ Ich habe gesagt: „Ja, ich bin sogar dein Vater, wenn du willst, Hauptsache, du bist jetzt ruhig.“ Das hat dann auch geklappt, auch wenn es noch lange 30 Minuten zwischen Detmold und Bielefeld waren.

Was war das Beste an diesem Tag?

Wir waren pünktlich in Bielefeld.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sonderpreis Pasquale D‘Ambrosio

Flutkatastrophe im Ahrtal. Unser Sonderpreisträger Pasquale D‘Ambrosio überlegt nicht lange. Er fährt mit seinen ehemaligen Kameraden aus der Bundeswehr sofort in das betroffene Gebiet und hilft dort den Menschen. Der National Express-Mitarbeiter konnte unsere Jury sofort überzeugen.
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Jury verleiht Sonderpreis an tatkräftigen Lokführer für Fluthilfe im Ahrtal
Pasquale D‘Ambrosio ist Lehrlokführer. Er sorgt dafür, dass aus Auszubildenden hervorragende Lokführerinnen und Lokführer werden. Mit dem diesjährigen Sonderpreis hat unsere Jury Pasquale D‘Ambrosio allerdings für sein besonderes Engagement außerhalb seiner Arbeitszeit ausgezeichnet. Im Sommer 2021 kommt es zu einer Flutkatastrophe, die besonders das Ahrtal hart trifft. Viele Menschen dort stehen vor dem Nichts und sind dringend auf helfende Hände angewiesen. So auch Niki Kozisek aus Ahrweiler, der uns Pasquale D‘Ambrosio für den Wettbewerb vorgeschlagen hat: „Pasquale war einer der ersten, helfenden Leute vor Ort und packte ohne zu fragen an mehreren Tagen „mit Herz“ und Muskelkraft an, schleppte Schlamm, räumte schwerste Lasten aus dem Weg und war eine „echte Bank“ in der Eimerkette.“ - ein preiswürdiges Engagement!

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Pasquale, wie kam es, dass Du zum Fluthelfer wurdest?

Einer meiner damaligen Kameraden, aus meiner Zeit als Berufssoldat, hat über Whatsapp zur Fluthilfe aufgerufen und ich habe sofort zugesagt. Wir sind dann recht schnell in die Region gefahren und haben Niki kennengelernt, einen der betroffenen Anwohner.

Wie war der erste Eindruck dort?

Das Ausmaß der Zerstörung war wirklich gewaltig. Wir haben dann ohne zu zögern angepackt. Erstmal waren wir zwei Tage in Folge vor Ort und sind dann immer wieder hingefahren und haben gearbeitet. Ich wohne nicht sehr weit vom Ahrtal, habe eine gute Stunde Anfahrt. Wir haben immer kurzfristig erfahren, wo der Schuh besonders drückt und sind direkt dorthin. Das Netzwerk der Helfenden wurde Tag für Tag größer. Die Solidarität war beeindruckend hoch.

Was hast Du im Zuge deiner Hilfsaktion gelernt?

Wenn man zusammenhält, kann man viel bewegen! Und man muss nicht viel können oder besonders kräftig sein. Mir ist immer noch eine ältere Dame im Kopf, die mit einem Tablett mit geschmierten Stullen umherging und diese verteilt hat. Das hat mich bewegt. Alle können helfen, es ist eine Einstellungssache.

Was hat Dich motiviert hinzugehen und anzupacken?

Für mich war das eine moralische Frage. Kann ich ruhig zu Hause sitzen, wenn unweit von mir die Hölle losbricht? Das muss jeder für sich beantworten. Für mich gab es da keine Ausreden. Mir war klar, dass die Frage nicht ist, ob ich helfe, sondern: Wann geht‘s los? Durch die tatkräftige Unterstützung meiner Frau, die trotz ihrer Berufstätigkeit zu Hause viel gestemmt hat, war es dann möglich, dass ich in meiner Freizeit vor Ort sein konnte.

Nun wirst Du mit dem Eisenbahner mit Herz Sonderpreis ausgezeichnet, was bedeutet Dir das?

Der Preis ist eine sehr schöne Anerkennung. Ich freue mich darüber und war total überrascht. Vielleicht spornt die Auszeichnung ja auch andere Menschen an, anzupacken, wenn Hilfe gefragt ist. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, an jeden Menschen zu appellieren: Haltet zusammen und helft, wo ihr könnt.

 

Sieger 2021

Natürlich war das vergangene Jahr auch für die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner ein besonderes Jahr. Auch in der Hochphase der Pandemie hielten sie ein Großteil des Angebots auf der Schiene aufrecht. Menschlichkeit wurde in diesen herausfordernden Zeiten besonders wichtig.

Unsere Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs sind wieder einmal herausragende Beispiele für besonderes Engagement für unsere Mitmenschen. Unsere Goldgewinnerinnen haben wildfremde Menschen kurzerhand im eigenen Pkw ans Ziel gefahren, unsere Sonderpreisgewinner organisierten eine Beerdigung für einen Fahrgast und unser Bronzegewinner zeigt, dass Humor viele Situationen erträglicher macht.

Kurzum: Unsere Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sind Botschafter der Menschlichkeit.

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Gold: Manuela Burkhardt

Manuela Burkhardt
In rekordverdächtigem Tempo zur Eisenbahnerin mit Herz: Das hat Zugbegleiterin Manuela Burkhardt geschafft. Mit 57 eingestiegen bei der Bahn – ein dreiviertel Jahr später wird sie zur Retterin in der Not. Mit Einfühlungsvermögen und mit Entschlossenheit sorgt sie dafür, dass für eine kleine Familie die Anreise zur Mutter-Kind-Kur ein glückliches Ende nimmt.   
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Liebe Frau Burkhardt, herzlichen Glückwunsch – Sie sind Eisenbahnerin mit Herz!

Burkhardt: Ich bin überrascht, weil ja viele Menschen helfend unterwegs sind. Und ich bin ja auch erst vor einem dreiviertel Jahr zur Bahn gekommen. Ich freue mich aber sehr!  

Erzählen Sie, was im Mai 2020 passiert ist.

Burkhardt: Wir hatten gerade eine Phase mit super Wetter und einer Öffnung in der Corona-Pandemie. Die Züge waren voll. Die Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern kam von München zu uns in den Norden. Aber wir hatten Verspätung. Der Bus zum Fähranleger nach Langeoog konnte nicht warten. Taxen waren auch nicht vor Ort. Da habe ich bei der Fähre angerufen – aber die wollten pünktlich ablegen. Und damit hätte die kleine Familie die Fähre verpasst.

Entsprechend verzweifelt war die Mutter…

Burkhardt: Es war ihre allererste Zugfahrt. Sie war zuvor noch nie in ihrem Leben mit der Bahn gefahren. Und dann das. Sie hatten auch nichts zu essen und zu trinken mit. Und die junge Frau wurde immer verzweifelter.

Konnte sie nicht eine Fähre später nehmen?

Burkhardt: Dann hätte sie das ganze Begrüßungsprogramm der Mutter-Kind-Kur verpasst. Sie wäre auf Langeoog nicht wie alle anderen abgeholt worden für die gemeinsame Kutschfahrt. Und sie hätte über die ganze Insel mit den beiden Kindern laufen müssen.

Wann war für Sie klar, dass Sie aktiv werden müssen?

Burkhardt: Die Kinder waren sehr lieb. Aber irgendwann fingen sie an zu weinen, weil sie sahen, wie bei ihrer Mutter die Tränen flossen. Da habe ich gesagt: Nein, da muss ich helfen und sie privat mit meinem Auto zur Fähre bringen. Meine Kollegen waren sofort einverstanden. Der Lokführer hat gewartet. So konnten wir nach dem Aussteigen den Bahnsteig schnell zweimal überqueren – erst zu Fuß zum Parkplatz und dann mit dem Auto zurück Richtung Küste. Erst dann ist er mit dem Zug weitergefahren. Sonst hätten wir es nicht geschafft.

Da ging es um jede Minute...

Burkhardt: Wirklich. Ausgerechnet an dem Tag war die Küstenstraße gesperrt. Wir mussten einen Umweg nehmen. Zwei Minuten, bevor die Fähre ablegte, kamen wir an.

Vielleicht haben Sie mit diesem Einsatz in Ihrer Freizeit die Mutter ja zur begeisterten Bahnfahrerin gemacht…

Burkhardt: Das hoffe ich! Einmal Bahn und nie wieder – das wollte ich auf keinen Fall zulassen.

Der einzig Leidtragende war Ihr Mann.

Burkhardt: Wir wollten eigentlich abends zusammen essen gehen. Aber dafür wurde es zu spät. Da habe ich ihn angerufen: Heute musst Du Dir eine Pizza im Ofen warmmachen.  

Und Ihr Mann – war der einverstanden?

Burkhardt: Der kann das verstehen. Er ist inzwischen auch Zugbegleiter. Nach meinem schönen Start hat er vor einem Jahr seine Ausbildung angefangen. Jetzt macht es ihm genauso Spaß wie mir.

Wie sind Sie denn zur Bahn gekommen?

Burkhardt: Mit 57 bin ich darein geschlittert. Lange habe ich als Kosmetikerin gearbeitet und in vielen anderen Dienstleistungsjobs, etwa in Hotels. Aber in diesen Zeiten ist es ja wichtig, etwas für sein Rentenkonto zu tun. Also habe ich mich bei der Bahn beworben. Zwei Tage später hatte ich ein Vorstellungsgespräch und zwei Tage danach habe ich angefangen.

Seiteneinsteigerin mit 57!

Burkhardt: Mein Mann war sogar ein bisschen älter, als er anfing. Jetzt sind wir drei in der Bahnfamilie. Der Bruder meines Mannes ist seit 45 Jahren bei der Bahn. Der hat als Schlosser angefangen. 

Toll, wenn man kurz vor der Rente eine neue Chance bekommt.

Burkhardt: Auf jeden Fall. Wir sind ein bisschen älter, dafür aber auch verlässlicher. Die Kinder sind nicht mehr zu Hause, so dass wir uns darum nicht mehr kümmern müssen. Das ist das Schöne beim Wechsel in die Bahnbranche: Es muss der Wille da sein und dann kriegt man auch eine Chance.

Gold: Claudia Menges

Fasste sich ein Herz: Claudia Menges.
Mehr als eine Extrameile nimmt Claudia Menges auf sich, wenn es um das Wohl ihrer Kunden geht. Zur Not fährt die metronom-Zugbegleiterin sie auch nach Mitternacht mit dem privaten Pkw nach Hause.  Mit 54 kam die gelernte Erzieherin zur Schienenbranche – seitdem begeistert sie mit ihrer Begeisterung die Reisenden.
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Liebe Frau Menges, schon beim Einstieg ist dem begeisterten Zugreisenden Ferdinand Wanzek bei seiner Fahrt im August Ihre freundliche Art aufgefallen. Haben Sie ein Rezept für den Umgang mit Kunden?

Claudia Menges: Ich mag Menschen.

So einfach ist das?

Claudia Menges: Wenn ich morgens am Bahnsteig stehe, freue ich mich. Und im Zug freue ich mich, mit einem schönen ‚Guten Morgen‘ die Fahrgäste begrüßen zu können. Oder mit einem Lächeln bei der Fahrscheinkontrolle. Freundlich zu sein ist für mich nicht anstrengend. Ich mag den Job im Zug und gehe gerne auf Menschen zu. Das entspricht meinem Naturell.

Wie gehen Sie mit schwierigen Situationen um, etwa wenn die Stimmung im Zug nicht gerade fröhlich ist…?

Claudia Menges: Da helfen die Lebenserfahrung und die Menschenkenntnis, die man über die Zeit erworben hat. Ich bin zwar erst seit vier Jahren dabei. Wichtig ist, ruhig zu bleiben. Ich bin niemand, der auf Konfrontationskurs geht.

Auch bei Ihrer Goldgeschichte geht es um eine heikle Lage und Ihren tollen Umgang damit. Was war im August vergangenes Jahr passiert?

Claudia Menges: Wir bekamen an dem Tag auf meiner letzten Fahrt von Hildesheim nach Wolfsburg kurz vor Braunschweig das Signal Rot. In Braunschweig kam es nach einem Personenunfall zu Sperrungen.  Also mussten wir bis nach Lengede-Broistedt zurücksetzen. Dort sollten wir aussteigen. Und ich bekam über die Leitstelle die Info, dass ein Bus als Schienenersatzverkehr uns nach Braunschweig und weiter nach Wolfsburg bringt.

Und da wurde es schon sehr spät…

Claudia Menges: Ja, es war fast Mitternacht. Also habe ich mich erkundigt, wer wohin muss. Ich hatte zwei minderjährige Mädels an Bord, die in Braunschweig nicht mehr mit dem Bus nach Hause kamen. Um die Zeit konnte ich sie nicht allein dort stehen lassen. Da hat der Busfahrer vom Schienenersatzverkehr zugesagt, dass er sie auf dem Rückweg von Wolfsburg aus nach Hause bringen könnte. Zudem aber waren noch Ferdinand und ein ausländischer Mitbürger mit Ziel Wolfsburg im Bus.  Als wir dort ankamen, war es schon nach ein Uhr. Und die Bürgersteige waren hochgeklappt. Also habe ich die beiden mit meinem Pkw nach Hause gebracht. Um die Zeit überlasse ich Menschen nicht einfach sich selbst.  

Keine Angst?

Claudia Menges (lacht): Junger Mann!

Danke! Aber man kann ja auch an den Falschen geraten…

Claudia Menges: Ich bin fast 59 Jahre alt und in meinem Leben schon ein bisschen in dieser Welt herumgekommen. Bis jetzt durfte ich mich immer auf meine Menschenkenntnis verlassen. Mit einem komischen Gefühl hätte ich es nicht gemacht. Ich hatte aber kein komisches Gefühl.

Wo in der Welt waren Sie denn?

Claudia Menges: Drei Jahre habe ich in der Türkei gelebt und dort meinen Sohn geboren. Mit meinen Kindern habe ich drei Jahre in Südindien gelebt und in einem Projekt mit 2000 Menschen gearbeitet. Ich war schon immer gerne unterwegs, früher auch mit Interrail.

Und wie sind Sie beruflich zur Schiene gekommen?

Claudia Menges: Ich bin froh, dass metronom mir mit 54 Jahren noch einmal die Chance gegeben hat, neu anzufangen. Vorher habe ich als Erzieherin im Behindertenbereich gearbeitet. Das war eine erfüllende Aufgabe. Irgendwann aber war ich damit körperlich und psychisch durch. Und die Frage stellte sich: Was mache ich jetzt? Plötzlich stand metronom vor der Tür – sozusagen. Die Schienenbranche hat Menschen mit Lebenserfahrung wirklich etwas zu bieten.

Und jetzt sind Sie auch noch Eisenbahnerin mit Herz...

Claudia Menges: Das finde ich super. Damit hätte ich nie gerechnet. Leider konnte ich mich nie bei Ferdinand dafür bedanken, dass er mich vorgeschlagen hat. Das würde ich sehr gerne nachholen.

Das können Sie: Wir laden auch die Einsender der Siegergeschichten zur Preisverleihung auf der EimiH-Feier ein. Da treffen Sie Ferdinand noch einmal – virtuell oder je nach Corona-Lage hoffentlich sogar persönlich.

Claudia Menges: Das wäre ja toll. Ich möchte mich wirklich bei ihm bedanken, dass er das nicht vergessen hat.

Bronze: Daniel Farny

Daniel Farny vor einem ICE
Ein Zugchef wird mit einer Durchsage im ICE zum Star in den sozialen Medien – das hat Bronze-Gewinner Daniel Farny von DB Fernverkehr geschafft. Seine Ausführungen zur Maskenpflicht gestaltet er so kreativ, dass eine riesige Fangemeinde ihm applaudiert.
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Lieber Daniel Farny, „In Kürze erreichen wir Düsseldorf…“ Das ist eine typische Durchsage im ICE. Haben Sie mal gezählt, wie oft Sie das im Jahr ankündigen?

Daniel Farny: Sehr häufig – so viel kann ich sagen. Ich wollte mal Buch führen, wie viele Kilometer ich im Jahr fahre. Aber auch das habe ich noch nicht gemacht.

Sie sind mit einer ganz speziellen Durchsage bundesweit bekannt geworden. Wie ist Ihnen das gelungen?

Daniel Farny: Ich denke, dass ich den Zahn der Zeit getroffen habe. Das Thema Corona beschäftigt jeden. Offenbar fanden viele lustig, was ich dazu gesagt habe.

War das eine spontane Aktion?

Daniel Farny: Ich hatte mir den Text vorher zurechtgelegt und aufgeschrieben.

Und wie haben die Fahrgäste im Zug reagiert? Und wie die Kollegen?

Daniel Farny: Mit den Kollegen hatte ich vorher gesprochen und sie informiert. Die Fahrgäste haben mir durchweg positives Feedback gegeben. Schon bei der Durchsage habe ich Lachen gehört.

Ihr Video ist unglaublich oft angeklickt worden im Netz. Hat Sie diese Welle überrascht?

Daniel Farny: Das hat mich überwältigt. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas so schnell öffentlich werden kann.

Sympathischer Zeitgenosse: Daniel Farny

Corona und die Maskenpflicht sind ein heikles Thema für alle Verkehrsunternehmen. Gab es schwierige Situationen in der Pandemie für Sie?

Daniel Farny: Leider gab es die. Wir haben immer wieder Maskenverweigerer an Bord. Zum Glück ist das sehr selten geworden. Das war am Anfang noch schlimmer.

Denken Sie sich öfter etwas Besonderes aus für Ihre Durchsagen?

Daniel Farny: Im normalen Alltag ja. Da versuche ich gerne, ein bisschen Witz in die Durchsagen zu bringen. Während der Pandemie habe ich damit aufgehört. Im Zug sind weniger Reisegruppen und andere, die auf so etwas anspringen. Jetzt sind nur noch die unterwegs, die wirklich reisen müssen.

Dennoch: Bitte schildern Sie uns ein Beispiel.

Daniel Farny: Einmal hat mir ein Reisender über den QR-Code an den Sitzen eine witzige Mitteilung auf mein Handy geschickt: „Das W-Lan ist langsam und meine Sitznachbarin fällt durch die Prüfung“. Ich wusste, das kam von einer Schulklasse. Daraufhin habe ich durchgerufen: „Die Sitznachbarin in Wagen 6, die durch die Prüfung fällt, möge sich bitte beim Zugchef melden.“ Und tatsächlich: Sie kam – und hat von mir einen Getränkegutschein erhalten.

Können Sie sich noch an Ihre erste Zugdurchsage erinnern? Waren Sie nervös?

Daniel Farny: Nein. Ich hatte schon als Schüler im Praktikum in der neunten Klasse im Bahnhof Braunschweig die Anschlüsse durchgesagt. Daran kann ich mich erinnern, vor allem an die Reaktion meiner Betreuerin. Ich hätte das gut gemacht, sagte sie. Noch besser aber wäre es gewesen, wenn ich nicht die Anschlüsse der vergangenen Stunde, sondern die aktuellen durchgesagt hätte.

Apropos: Jeder Tagesschau-Sprecher kann tolle Geschichten über Pannen erzählen. Was ist Ihr Lieblings-Versprecher?

Daniel Farny: Zwischen Essen und Bochum habe ich einmal angesagt: „Nächster Halt Hildesheim“. Bis heute weiß ich nicht, wie ich darauf gekommen bin. Hildesheim liegt nicht mal auf der Route.

Freut sich ein Profi wie Sie auf die nächste Durchsage? Oder ist das nur noch Routine?

Daniel Farny: Ich mache wahnsinnig gerne Durchsagen – auch heute noch. Damit kann man die Stimmung an Bord beeinflussen. Wenn man in einer schwierigen Situation humorvolle, aber auch zuverlässige Durchsagen macht, kann man möglicherweise sogar verhindern, dass die Stimmung kippt.

Social Media Hero: Sebastian Fröschke

Mit großem Abstand Deutschlands beliebtester Eisenbahner im Jahr 2021: Der ODEG Mitarbeiter Sebastian Fröschke hat mit seinem Handeln nachhaltig für Eindruck gesorgt.
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Sebastian Fröschke
Mit seinem selbstlosen Einsatz für einen Fahrgast ohne Ticket und gültige Bankkarte hat ODEG-Zugbegleiter Sebastian Fröschke das Herz der Zugkunden gewonnen. Der 33-Jährige aus Finsterwalde bei Berlin holte bei der bundesweiten Online-Abstimmung der Schienenallianz über Deutschlands Eisenbahner mit Herz die meisten Stimmen. Mit großem Vorsprung kürten ihn die Kunden beim Wettbewerb Eisenbahner mit Herz zu ihrem „Social Media Hero“. „Meine herzlichen Glückwünsche gehen an einen Zugbegleiter, der seine Kunden mit Herz, mit Verständnis und großer Hilfsbereitschaft betreut“, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Das gemeinnützige Verkehrsbündnis veranstaltet den Wettbewerb.

Das kann sich jeder Kunde vorstellen:  Kein Geld, kein Ticket – und dann?

In diese Lage kann sich wohl jeder Bahnreisende gut hineinversetzen: Die junge Frau Lieselotte Zein saß nach dem Besuch der Familie in der Niederlausitz auf dem Weg zurück nach Berlin glücklich im Zug und freute sich auf eine entspannte und ruhige Fahrt. Ihr Ticket wollte sie bei dem freundlichen Zugbegleiter Sebastian Fröschke erwerben, mit dem sie bereits vorher ins Gespräch gekommen war. Da merkte Lieselotte Zein zu ihrem Schreck, dass ihre Bankkarte abgelaufen war. Kein Bargeld, kein Ticket, keine gültige Bankkarte – was also tun? Eisenbahner mit Herz Sebastian Fröschke bot sofort seine Hilfe an und kauft das Ticket erst einmal auf eigene Kosten. Zurück in Berlin überweist Lieselotte Zein dem netten Zugbegleiter den Betrag. Und sie schlägt ihn gleich bei der Schienenallianz als ihren Eisenbahner mit Herz vor. „Herr Frösche hat mir den Jahresanfang wirklich gerettet und mich inspiriert, in Zukunft ebenso couragiert und menschlich zu handeln“, schreibt Zein.

Sonderpreis: Vanessa Rohs

Ein Stammgast, ein lieb gewonnener Kunde, ein Freund stirbt – ohne Familie und ohne Ersparnisse. Da organisieren die Eisenbahner und Eisenbahnerinnen eine würdige Trauerfeier, sammeln tausende Euro an Spenden. Werner Meyer, wegen seines Lieblings-Anzugs auch Karate-Werner genannt, finanzierte sich seine BahnCard 100 durch einen spartanischen Lebensstil und das Sammeln von Pfandflaschen. Der Eisenbahnerfamilie bleibt er unvergessen. Federführend mit dabei: Zugbegleiterin Vanessa Rohs.
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Frau Rohs, Glückwunsch. Sie haben stellvertretend für die Gruppe, die Werner Meyers Bestattung ermöglicht hat, einen Sonderpreis beim „Eisenbahner mit Herz“ erhalten – Glückwunsch!

Vanessa Rohs: Dankeschön. Wir waren überrascht, weil der Wettbewerb ja eigentlich auf Fahrgasteinsendungen basiert und es hier etwas anders war. Wir haben uns sehr gefreut. So kommt es vielleicht etwas mehr an die Öffentlichkeit, was Mitarbeiter der Deutschen Bahn zusammen geschafft haben.

Wie haben Sie Werner Meyer kennengelernt?

Vanessa Rohs: Vom Sehen kannte ich ihn schon, als ich noch ein Kind war. Wir waren regelmäßig in Hannover und haben ihn dort oft mit seinem Karateanzug gesehen. Bei der Bahn bin ich „erst“ seit fünf Jahren und habe ihn dann im Zug wieder gesehen. Er war jemand, der auch mal gefragt hat, wie es einem geht und ob der Tag gut läuft. Man ist gerne auf ihn zugegangen und hat mit ihm geplaudert. Manche Kollegen kannten und schätzten ihn seit Jahrzehnten.

Er war also ein gerngesehener Stammgast im Zug?

Vanessa Rohs: Ja. Gerade in hitzigen oder chaotischen Situationen war er oft derjenige, der besänftigt und einen dann quasi gerettet hat.

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Im letzten Winter ging es Meyer dann plötzlich gesundheitlich schlechter, was war passiert?

Vanessa Rohs: Er hatte im Dezember 2020 einen Schlaganfall. Im Januar habe ich ihn dann im Zug angesprochen, weil ich sah, dass er in keiner guten Verfassung ist. Er erzählte mir, dass er mit dem „Papierkram“ nicht gut zurechtkam. Also habe ich ihm angeboten, ihm bei Organisation einer Betreuung zu helfen. Das hatte ich für einen älteren Nachbarn schon einmal gemacht. Er hat sich sehr darüber gefreut. Ich habe mich dann per E-Mail an das zuständige Betreuungsgericht gewandt, um alles Weitere anzustoßen.

Dazu ist es dann leider nicht mehr gekommen?

Vanessa Rohs: Nein. Wenige Tage später ist Werner Meyer in München gestorben. Ich selbst habe davon einem Freitagabend durch unsere Facebook-Gruppe „DB-Family“ erfahren. Dort hatte ich die Tage zuvor schon auf seinen Gesundheitszustand hingewiesen, damit die Kollegen Bescheid wissen.

Wie ging es dann weiter?

Vanessa Rohs: Wir haben dann direkt in der Gruppe eine Spendenaktion gestartet – zunächst um einen Kranz zu kaufen. Da kamen dann schon in der ersten Nacht 1.800 Euro zusammen. Kurz darauf habe ich mich dann in München an das Krankenhaus und die Behörden gewendet. Wir wollten nicht, dass Werner Meyer in München anonym beerdigt wird. Da sich keine Angehörigen finden ließen, war die einzige Möglichkeit, dass wir als Gruppe die Kosten für Rückführung und Bestattung komplett übernehmen.

Eine große Verantwortung.

Vanessa Rohs: Ja. Wir haben unsere Spendenaktion öffentlich gemacht und weiter mobilisiert. Schließlich haben etwa 600 Kolleginnen und Kollegen und weitere 100 Privatpersonen insgesamt über 7.000 Euro gespendet.

Was für eine Summe. Somit haben Sie dann auch die Rückführung und eine würdige Trauerfeier realisieren können?

Vanessa Rohs: Genau. Wir konnten dann alles in die Wege leiten. Mit passenden Blumenkränzen in Hannover- und DB-Farben haben wir ein stimmiges Arrangement gefunden. Der Bestatter hat sogar noch ein großes ICE-Modell dazugestellt. Die Musikbegleitung bei der Beisetzung der Urne auf dem Waldfriedhof Seelhorst kam übrigens auch von DB-Kolleginnen und Kollegen.

Die Landessieger: acht Mal besonderes Engagement

Überall sind Eisenbahner mit Herz unterwegs. Deswegen kürt die Jury neben den Bundessiegern auch Landessieger – diesmal aus acht Bundesländern.
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Landessieger Berlin

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Klaus Dieter Kabus
Eisenbahner mit Herz 2021 - Nominierter Klaus Dieter Kabus

Klaus Dieter Kabus

DB Fernverkehr

 

 

 

 

Vollblut-Eisenbahner im 50. Dienstjahr

 

Seit 50 Jahren tut Klaus Dieter Kabus Dienst auf dem Zug! Sein Elan ist dabei ungebremst. So haben gleich drei Einsender ihn zum Favoriten erklärt. Darius Lange bekommt von Kabus ein Getränk spendiert und  erhält Infos zum Design des Zuges. „Es war ein tolles Erlebnis und eine sehr schöne Bahnfahrt“, schreibt er. Henning Röhls Sohn Theo darf eine Durchsage machen. „Eine unvergessliche Zugerinnerung“, so Röhl. Auch Dr. Alexander Jehn ist begeistert: „Kabus zeigt Haltung mit Humor, gepaart mit einem Schuss Selbstironie. Ein Botschafter mit Seele und Herz für den Betrieb Bahn.“

Landessieger Bayern

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Gunther Egerer
Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Gunther Egerer

Gunther Egerer

DB Fernverkehr

 

 

 

 

 

Courage in Zeiten der Pandemie

 

Nathalie Garcia Hartl ist im Nachtzug nach Berlin unterwegs. Ihre Uroma ist an Covid-19 erkrankt und wird stationär behandelt. Hartl nutzt die Fahrt, um sich telefonisch nach ihrer Urgroßmutter zu erkundigen. Ein Fahrgast, der sich vom Gespräch gestört fühlt, bedrängt Hartl. Zugbegleiter Gunter Egerer eilt ihr zu Hilfe und weist den Störenfried zurecht. „Obwohl man viel liest und hört, dachte ich bisher eigentlich nicht, dass Deutschland ein Land ist, in dem man als Frau nachts nicht allein (angstfrei) Zug fahren kann. Mit solchen Zugbegleitern kann es dabei bleiben!“, schreibt Hartl.

Landessiegerin Baden-Württemberg

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Susann Kilian
Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Susann Kilian

Susann Kilian

Abellio

 

 

 

 

 

Gelebte Barrierefreiheit

 

Rollstuhlfahrer Nicolas Bellm ist unterwegs nach Heidelberg. In Mannheim will er in den Abellio-Regionalzug umsteigen. Die Aufzüge liegen am anderen Ende des Bahnsteigs, so dass es knapp wird. Als er am Zug eintrifft, schließen sich bereits die Türen. Zugbegleiterin Susann Kilian informiert ihn, dass er die Fahrt eigentlich 24 Stunden vorher über die Mobilitätszentrale anmelden müsse, fasst sich aber ein Herz und sorgt dafür, dass er noch zusteigen kann. „Dadurch bescherte sie mir gute Laune und eine halbe Stunde Qualitätszeit“, schreibt Bellm. Ein Statement in Sachen barrierefreies Reisen!

Landessiegerinnen Sachsen-Anhalt

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Eva Händly

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Martina Wedell

Eva Händly & Martina Wedell

Abellio

 

 

 

 

 

Tasche auf Reisen

 

Frank Mertens lässt im Regionalexpress seine Reisetasche stehen. Immer ein großes Ärgernis. Zum Glück findet Abellio-Zugbegleiterin Eva Händly die Tasche, nimmt sie an sich und registriert sie sogleich im Fundsachensystem. Wie kommt die Tasche nun zum Besitzer? Dank des beherzten Einsatzes von Abellio-Kollegin Martina Wedell kann unser Einsender das Fundstück wenige Tage später auf seiner Rückreise auf der gleichen Strecke an sich nehmen. „Starke Leistung am Kunden, Respekt!“, schreibt uns Frank Mertens.

Landessieger Hessen

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Mehmet Yorulmaz
Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Mehmet Yorulmaz

Mehmet Yorulmaz

DB Fernverkehr

 

 

 

 

 

Hand in Hand

 

Lars Naundorf ist mit seiner Familie auf dem Weg nach Amsterdam und lässt in der Frankfurter DB Lounge seinen Fahrschein liegen. Im Zug fällt ihm der Verlust auf. Er ruft in der Lounge an und erfährt, dass das Ticket dort ist.

DB-Mitarbeiter Mehmet Yorulmaz eilt mit dem Fahrschein noch zum Gleis. Der Zug rollt aber schon. Die weitere Kommunikation gelingt: Zugbegleiterin Andrea Gutfrucht kommt zu den Naundorfs. Sie hat schon eine digitale Kopie des Tickets erhalten. Zudem organisiert sie, dass ein Kollege aus dem Folgezug das Ticket in Amsterdam an Naundorf übergibt. Ende gut, alles gut.

Landessieger Bremen

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Dylan Bevers
Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Dylan Bevers

Dylan Bevers

NordWestBahn

 

 

 

Kleiner Abenteurer an Bord

 

Den 10-jährigen Sohn von Birigt Bergmann packt die Abenteuerlust. Er büxt ohne Wissen seiner Eltern aus und fährt mit der Bahn von Verden nach Bremen. Dort überkommt ihn dann das Heimweh, er steigt wieder in den Zug, leider in den falschen.

Bei Bremerhaven fällt ihm der Fehler auf. Er wendet sich an Zugbegleiter Dylan Bevers. Dieser beruhigt den kleinen Fahrgast, spendiert Kakao und findet die Telefonnummer der Bergmanns heraus. Diese sind schon voller Sorge und die Erleichterung ist riesig, als der Anruf kommt. Ende gut, alles Gut: Der kleine Passagier wird in Verden wohlbehalten von seinen Eltern abgeholt.

Landessieger Sachsen

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Sebastian Fröschke

Sebastian Fröschke

ODEG

 

 

 

Ein echter Vertrauensvorschuss

 

Lieselotte Zein hat ihre Familie besucht und sitzt im Zug zurück nach Berlin. Sie kommt mit Zugbegleiter Sebastian Fröschke ins Gespräch.

Den Fahrschein möchte sie im Zug lösen. Leider hat sie versäumt, dass ihre Bankkarte abgelaufen ist - Zahlung nicht möglich. Fröschke bietet an, das Ticket zu bezahlen, wenn sie ihm den Betrag anschließend überweist.

„Herr Fröschke hat mir den Jahresanfang wirklich gerettet und mich inspiriert in Zukunft ebenso couragiert und menschlich zu handeln. Wir leben in einer schnelllebigen, egoistischen Welt- da ist solches Handeln wirklich die Ausnahme“, so Zein.

Landessiegerinnen Nordrhein-Westfalen

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2021 - Jeanette Mollenhauer

Jeanette Mollenhauer

DB Fernverkehr

 

 

 

 

Mobil zum Automobil

 

Die Leibers fahren mit dem Zug nach Wolfsburg um ihr neues Auto abzuholen. Durch eine Verspätung klappt der Anschluss nicht. Sie suchen eine Alternative, steigen aber in den falschen ICE. Kurt Leiber informiert Zugchefin Mollenhauer. Sie findet eine Verbindung zurück. Aber: Durch die Verspätung wäre die Abholung des Autos erst tags darauf möglich.

Die Leibers, über 80 Jahre alt, sind auf eine Übernachtung nicht vorbereitet. Da der Zug in dem sie sitzen eh über Wolfsburg fährt, organisiert Mollenhauer einen kurzen Halt. Die Leibers kommen so noch rechtzeitig zum neuen Auto. „Wir waren und sind Frau Mollenhauer unendlich dankbar“, schreibt Leiber.

 

Die Preisverleihung 2021

Vorschaubild Eisenbahner mit Herz Preisverleihung
Hier können Sie sich die feierliche Preisverleihung noch einmal im Re-Live anschauen - oder Sie klicken sich durch die Fotos der Gala.
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Klicken Sie sich hier durch die Highlights unserer diesjährigen Eisenbahner mit Herz Preisverleihung:

Sieger 2020

Dieses Jahr wird der Eisenbahner mit Herz 10 Jahre alt! Eigentlich war ein brausendes Fest für unsere Helden des Alltags geplant. Aber auch in ungewöhnlichen Corona-Zeiten haben wir unsere Eisenbahner mit Herz natürlich nicht vergessen. Mehr denn je stehen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in und an den Zügen momentan im Mittelpunkt. Sie halten den Verkehr als Rückgrat unserer Gesellschaft am Laufen. Wir sagen Danke dafür!

Auch in diesem Jahr haben uns wieder unzählige Einsendungen von Bahnkunden erreicht, die uns ihre Erlebnisse mit Eisenbahner*Innen geschildert haben. Aus den besten Geschichten kürte die Jury die Gold-, Silber- und Bronze-Preisträger sowie die Landessieger aus elf Bundesländern.

Fest etabliert hat sich inzwischen auch der "Eisenbahner mit Herz - Social Media Hero", für den auf Facebook abgestimmt werden konnte. Zudem vergab die Jury einen Sonderpreis für eine außergewöhnliche Leistung.

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Gold: Christoph Angstl

Eigentlich wartet unser Goldmedaille-Gewinner Züge für die Bayerische Oberlandbahn GmbH. Im Dezember wird er aber zum Lebensretter. Mit seinem beherzten Eingreifen in einer dramatischen Situation rettet er das Leben einer Reisenden und verhindert ein schlimmes Unglück.
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Als Elektroniker wartet und repariert Christoph Angstl im Alltag Züge für die Bayerische Oberlandbahn GmbH. Mit Fahrgästen kommen Techniker wie der 32-jährige Vater zweier kleiner Kinder kaum in Kontakt. Ganz selten nur haben sie daher die Chance, beim Eisenbahner mit Herz zu gewinnen. Denn hier geht es um die KollegInnen, die sich über das normale Maß hinaus um ihre Kunden verdient gemacht haben. Das aber trifft auf den diesjährigen Bundessieger ganz besonders zu.

Lieber Herr Angstl, den 12. Dezember 2019 werden Sie sicher nie vergessen. Es ist der Tag, an dem Sie zum Lebensretter und Helden wurden. Was ist passiert?

Angstl: In der Tat kann ich mich an den Tag noch erinnern, als sei es gestern gewesen. Wir hatten Betriebsversammlung in Rosenheim. Als die fertig war, bin ich zum Bahnhof gelaufen. Als ich ankam, hatte ich bis zur Abfahrt des Zuges noch eine halbe Stunde Zeit. Also bin ich auf dem Bahnhof ein bisschen hin und her gelaufen, um mir die Zeit zu vertreiben. Dann stand ich auf Gleis 1. Auf einmal habe ich im Augenwinkel eine Person gesehen, die ins Gleis gestürzt ist.

Was haben Sie gedacht?

Angstl: Was kann ich jetzt machen? Das kann nicht sein. Ein Schockmoment. Da ging der Puls richtig hoch. Es war dunkel. Ich konnte die Person kaum sehen, die auf Gleis 2 lag.

Aber Sie mussten schnell handeln – schließlich konnte jeden Moment ein Zug einfahren.

Angstl: Richtig. Am Bahnsteig habe ich schnell nach einer Notrufsäule gesucht, in der Hektik aber keine gefunden. Dann rief ich laut: „Achtung! Person im Gleis!“. Zum Glück meldete sich auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig ein Mann, der Florian. Für uns war klar, dass wir schnell handeln mussten. Also sind wir beide auf die Gleise gesprungen, haben die Frau gepackt und auf Gleis 1 herübergezogen. Dann kam auch schon der Zug aus Richtung Salzburg. Die Lichter konnten wir schon sehen. Der Lokführer des Zuges setzte schon ein Signalhorn ab.

Wie konnten Sie sich in Sicherheit bringen?

Angstl: Erst einmal möchte ich mich bei Florian bedanken. Allein und ohne ihn hätte ich es nicht geschafft. Wir konnten uns in letzter Minute noch aufs andere Gleis retten, auf das wir ja auch die Frau gezogen hatten.

Hatten sie keine Angst?

Angstl: Viel nachgedacht habe ich nicht. In der Situation wollte ich einfach nur helfen. Es war mir ja klar, dass es hier um Leben oder Tod geht. Ich wollte wenigstens versuchen, die Frau zu retten.

Wie hat der Lokführer reagiert?

Angstl: Der Lokführer hat uns gesehen und sofort eine Notbremsung eingeleitet. Aber bis ein so langer Zug stehen bleibt, dauert es eben.

Jetzt sind Sie nicht nur ein Held, sondern auch Eisenbahner mit Herz. Was bedeutet die Ehrung für Sie?

Angstl: Für mich zählt, dass es der Frau wieder gut geht. Das ist das Wichtigste.

Aber über die Auszeichnung freuen Sie sich schon?

Angstl: Selbstverständlich. Zunächst war ich überrascht, dass ich überhaupt nominiert wurde. Nie hätte ich damit gerechnet, dass mich die Jury zum Bundessieger wählen würde. Das ist eine tolle Sache. Vor allem finde ich es schön, dass auch wir Techniker einen solchen Preis gewinnen können. Das Werkstattpersonal hat es verdient, auch einmal im Mittelpunkt zu stehen.

Bundespolizeidirektion München: Frau stürzt ins Gleis – Retter setzen ihr eigenes Leben aufs Spiel

Pressemitteilung der Polizei vom 13. Dezember 2019 (Auszug):

Am Bahnhof in Rosenheim haben zwei Männer unter Inkaufnahme einer erheblichen Selbstgefährdung einer 51-Jährigen das Leben gerettet. (….) Der herannahende Fernzug hatte schon einen Achtungspifff abgegeben. Unter Gefährdung ihres eigenen Lebens sprangen die 32 und 41 Jahre alten Männer ins Gleis und zogen die verletzte Frau unvermittelt aufs Nachbargleis. Aus Sicherheitsgründen stoppte die Bahn sofort den Zugverkehr für diese Gleise. Die verständigten Beamten der Landes- und Bundespolizei leisteten Erste Hilfe und versorgten die Verletzte gemeinsam mit den Rettungskräften. Die Münchnerin hatte vom Sturz eine stark blutende Wunde davongetragen und musste in eine Klinik eingeliefert werden.“

Würdigung der Eisenbahner mit Herz-Jury:

„Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Jahr mit Christoph Angstl einen Eisenbahner auszeichnen können, der gewöhnlich nicht in direktem Kundenkontakt steht. Die Goldmedaille hat sich Christoph Angstl wahrlich verdient – mit einer echten Heldentat.“

Silber & Social Media Hero: Mirko Mai

Der Silbergewinner von 2020 sorgt in den Sonderzügen zum Stadion der Eintracht Frankfurt dafür, dass die Fans nicht nur in Torlaune sind, sondern auch friedlich und entspannt anreisen. Aber nicht nur das: Mit seinem Einsatz zeigt er Herz und unterstützt soziale Organisationen.
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Mit Fußballfans auf dem Weg ins Stadion kann es unangenehm werden. Könnte man meinen. Nicht aber, wenn DB-Zugbegleiter Mirko Mai mit den Anhängern von Eintracht Frankfurt unterwegs ist. Dann herrscht nicht nur beste Laune. Zusammen stellen Mirko Mai und die Fans auch noch eine tolle Aktion für krebskranke Kinder auf die Beine. Für die Jury ist Mirko Mai ein echter Eisenbahner mit Herz.

Herr Mai, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem tollen Erfolg beim Eisenbahner mit Herz!

Mirko Mai: Danke. Das hätte ich nie erwartet. Ich bin ja eher der ruhigere Typ. Ich mache meine Arbeit. Ich versuche, die Fußballfans und die andere Kundschaft bei Laune zu halten. Die Kunden wollen etwas für ihr Geld bekommen Die Fans wollen unterhalten sein. Und sie wünschen sich jemanden, der für sie ansprechbar ist.

Verraten Sie uns Ihr Geheimrezept! Wie schaffen Sie es, Fußballanhänger so friedlich zu stimmen wie einen Kirchenchor auf Wochenendausflug?

Mirko Mai:  Das ist ganz einfach. Schon als junger Eisenbahner habe ich ein Konzept gelernt, um mit allen Reisenden so wenig wie möglich auf Konfrontation zu gehen. Das ist das Shake-Hand-, das Kumpel-Prinzip. Wichtig ist, immer das Gespräch zu suchen, wenn jemand einmal ein Problem hat. Und ich bin flexibel. Unser Regelwerk halte ich selbstverständlich ein, lege es aber so kundenfreundlich aus wie möglich. 

Die Eintracht-Fans sind als leidenschaftlich bekannt, können aber auch mal ruppig werden. Haben Sie auch negative Sachen erlebt?

Mirko Mai: Natürlich. Ich kann mich gut erinnern, wie sich einmal ein Fußballfan richtig danebenbenahm, obwohl Kinder im Zug waren. Erst einmal habe ich ihm die Tür gezeigt und ihn gebeten, den Zug freiwillig zu verlassen. Später bin ich deutlicher geworden und habe ihm den Einsatz von Ordnungsdienst und Polizei angekündigt. Er ist ausgestiegen. Vorher aber richtete er noch beträchtlichen Schaden auf der Toilette an.

Das sind ja schon schwere Herausforderungen auch für den Zugbegleiter…

Mirko Mai: Es sind Straftaten, die natürlich entsprechend geahndet werden. Ich habe über die Lautsprecheranlage allen Fans klar gesagt: Wenn wir miteinander fahren, müssen wir miteinander auskommen. Ihr könnt feiern und Spaß haben. Aber lasst mir die Züge ganz. Wer ein Problem hat, soll sich an mich wenden. Dann klären wir das im persönlichen Gespräch. Ich glaube, die Botschaft ist gut angekommen. Seitdem hatten wir Ruhe im Zug.

Selbst sind Sie bestimmt auch Eintracht-Fan, oder?

Mirko Mai: Eigentlich bin ich neutral. Selbst habe ich nie Fußball gespielt und bin auch nicht fußball-besessen. Die Leidenschaft hat sich aus dem Beruf entwickelt. Einen Vereins-Schal und einen Aufkleber auf dem Auto habe ich heute aber schon.

Wenn Fußballfans unterwegs sind, fallen viele leere Pfandflaschen an. Sie haben die Erlöse daraus der Kinderkrebshilfe Mainz gespendet. Wie kam es dazu?

Mirko Mai: Selber habe ich keine Kinder. Ich habe mir aber gedacht, dass es genügend bedürftige Kinder gibt. Also habe ich den Fans und den Fanbeauftragten gesagt: Ihr bringt die Flaschen ja eh nicht zurück in die Supermärkte. Lasst uns doch die Flaschen sammeln und etwas Gutes damit bewirken.

Was ist daraus entstanden?

Mirko Mai: Die Fans fanden das super und haben freiwillig ihr Leergut gesammelt und mir übergeben. Den Pfanderlös daraus habe ich der Kinderkrebshilfe Mainz übergeben – das waren immerhin 1011 Euro.

Tolle Sache. Die Fußballfans sind also besser als ihr Ruf.

Mirko Mai: Viele denken, die seien alles nur Säufer und wilde Kerle ohne Benehmen. Aber ich habe es ganz anders erlebt. Wichtig ist, den Wert des Menschen anzuerkennen.

So Loben Kunden Mirko Mai:

„Dieser Eisenbahner hat den Titel Eisenbahner mit Herz redlich verdient. Wer seinen Job so liebt, dass man unglaublich viel private Zeit zusätzlich investiert, der ist ein wahrer Vollbluteisenbahner!”

„Selten so einen Vollbluteisenbahner gesehen. Kenne ihn jetzt seit zwei Jahren. Immer engagiert
und mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen im Sonderzug.”

„Kundenorientiert, immer ein offenes Ohr und sozial!”

„Er ist immer sachlich und sehr freundlich. Mirko, Du bist und bleibst der Beste!”

Bronze: Tamara Lang

"Ein Engel in der Not.“ Mit diesen Worten bedankt sich ein 87-jähriger Kunde bei Tamara Lang, der Gewinnerin der Bronzemedaille. Als Mitarbeiterin der Bayerischen Oberlandbahn GmbH leistet sie erste Hilfe und kümmert sich vorbildlich, als ein Fahrgast im Zug Probleme mit dem Kreislauf bekommt.
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Komplimente von Fahrgästen bekommt Tamara Lang, freundliche Kundenbetreuerin bei der Bayerischen Oberlandbahn GmbH, immer mal wieder. Der 87-jährige Roman Mayr aber war besonders dankbar für die professionelle Herzlichkeit, mit der Tamara ihm nach einem Kreislaufkollaps am Münchner Hauptbahnhof zur Seite stand. Und jetzt ist Tamara Lang auch noch Bronzegewinnerin beim Eisenbahner mit Herz.

„Sie war ein Engel in der Not.“ Das hat Roman Mayr, Kunde der BOB, über Sie geschrieben. Kann es ein schöneres Kompliment von einem Fahrgast geben?

Tamara Lang:  Ich fühle mich schon geschmeichelt. Das ist toll, so ein Kompliment von einem Kunden zu bekommen. Besonders hat mich gefreut, dass es Roman in Erinnerung geblieben ist. Und natürlich, dass er mich als Eisenbahnerin mit Herz vorgeschlagen hat.

Sie haben dem Rentner, der einen Kreislaufkollaps erlitten hatte, geholfen und dafür gesorgt, dass er sicher nach Hause kommt. Wie gut kennen sich in medizinischen Dingen aus?

Tamara Lang: Ich helfe gerne, wenn Not am Mann oder der Frau ist. Eine medizinische Ausbildung habe ich nicht. Aber im Rahmen meiner Ausbildung zur Kundenbetreuerin habe ich einen Kurs in Erster Hilfe absolviert. Und mein Papa hat als Sanitäter gearbeitet. So gesehen liegt es bei mir vielleicht ein bisschen in der Familie.

Der Vorfall ereignete sich am 21. Oktober. Können Sie sich noch gut erinnern?

Tamara Lang: Sicher. Ich stand am Starnberger Flügelbahnhof, der ja zum Münchner Hauptbahnhof gehört. Im Augenwinkel sah ich, dass am Bahnsteig ein Fahrgast zu Boden gegangen ist. Zum Glück stand ein jüngerer Mann dahinter und konnte den älteren Herren auffangen. Sonst wäre er auf den Boden gefallen.

Sie waren als Kundenbetreuerin mit der BOB unterwegs. Wie konnten Sie Roman Mayr helfen?

Tamara Lang: Ich habe mitbekommen, dass Roman unbedingt mit der BOB weiterfahren wollte, um nach Hause zu kommen. Dabei stand ihm der kalte Schweiß auf der Stirn. Also habe ich mich erst einmal mit Roman auf die Bank gesetzt und mit ihm geredet. Ob er denn genügend gegessen habe? Seine Antwort: Hmmm. Ja. Ein Zwetschgendatschi (für alle Nicht-Bayern: Pflaumenkuchen Anm. d. Red.). Wie schaut es aus mit Trinken? Hmmm. Na ja. Auch nicht so richtig. Ein paar Kekse hatte ich noch im Rucksack. Ein Herr brachte ihm Wasser. So konnten wir ihn versorgen, damit er in die Pötte kommt.

Eigentlich mussten Sie ja weiter mit der BOB…

Tamara Lang: Richtig. Also habe mit dem Zugführer gesprochen. Der hat von der Leitzentrale das Ok bekommen, dass ich in München bleiben und mich um den Fahrgast kümmern kann. Dann kamen die Rettungssanitäter, haben einen Kreislaufkollaps diagnostiziert, aber gesagt, dass er im Grunde wieder stabil sei. Nur wollte ich ihn nicht allein nach Hause fahren lassen. Meine Sorge war, dass noch mal etwas passieren könnte.

Also habe Sie Ihren Kunden begleitet…

Tamara Lang: Genau. Bis er unterwegs eine Dame getroffen hat, die ihn dann bis nach Hause gebracht hat. Ich habe ihn abends angerufen, um sicher zu gehen, dass es ihm auch wirklich gut geht…

Was Roman Mayr besonders begeistert hat. „Ich bin ihr sehr dankbar für ihre nette und kompetente Hilfe“ – so seine Worte. Kommen Sie immer so gut mit ihren Fahrgästen zurecht?

Lang: 99 Prozent der Fahrgäste sind einfach lieb. Einzelne Leute haben natürlich auch mal einen schlechten Tag. Aber ich denke mir: Vielleicht kann man ihnen mit einem Lächeln den Tag wieder schön machen. Meistens klappt`s.

Sonderpreis: Tim Geisler, Torsten Grünebaum & Stefan Leib

Der fünfjährigen Bennett ist ein riesengroßer Eisenbahn-Fan. Als Stefan Leib und seine Kollegen von der Hessischen Landesbahn von der Bahn-Leidenschaft des Jungen erfahren, lädt die HLB den Jungen zu ihrem Standort in Butzbach ein. Nach einer Werksbesichtigung inklusive Mitfahrt im Führerhaus hat Bennett keine Zweifel mehr an seinem Traumberuf: Lokführer.
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Der Traum vom großen Glück des Lokomotivführers lebt nirgends in Deutschland wie im kleinen hessischen Ort Hungen bei Gießen. Dort wächst der heute fünfjährige Bennett auf.

Für Bennett ist es ein besonderes Geschenk, dass direkt hinter dem Wohnhaus mehrmals am Tag Züge auf den nah gelegenen Gleisen vorbeifahren. Täglich stellt er sich auf die Mauer am Garten, um den Triebwagenführern der Hessischen Landesbahn (HLB) zuzuwinken. Wenn Bennett morgens aufwacht ist, fragt er seine Eltern, wann die nächste Bahn kommt. Abends geht er freiwillig ins Bett, um seinem „Gute-Nacht-Zug“ lauschen zu können. 

So viel Enthusiasmus lässt keinen Profi kalt – und schon gar nicht die Eisenbahner mit Herz von der Hessischen Landesbahn. Als Tim Geisler, Torsten Grünebaum und Stefan Leib von dem Nachwuchseisenbahner erfahren, lädt die HLB Bennett zu einer Besichtigungstour nach Butzbach ein.

Weihnachtsmärchen im Werk

Kurz vor Heiligabend ist es so weit. „Für uns unser diesjähriges Weihnachtsmärchen“, schreibt die glückliche Mutter Desiree C. „Für Bennett ging ein absoluter Herzenswunsch in Erfüllung.“ Einen ganz Vormittag führen ihn die Eisenbahner mit Herz durch die Werkstatt, statten ihn mit einer echten Warnweste der HLB aus, überreichen ihm Arbeitsschuhe und ein Set zum Basteln eines Zuges. Mit Triebwagenführer Tim Geisler am Steuer darf Bennett die Hupe auslösen und das Steuerrad anfassen. Durch die Waggons rennt der Junge und klettert auf das Dach eines Zuges.

Für Bennett war das ein „ganz besonderer Tag“, sagt Mutter Desiree und schlägt die HLB-Kollegen für den Eisenbahner mit Herz vor. Die haben streng genommen nicht einen Kunden begeistert und passen aus formalen Gründen nicht ins Raster des Wettbewerbs. Doch der Jury gefällt die Leistung so gut, dass sie das Trio mit einem Sonderpreis würdigt.

Jury würdigt Einsatz der Eisenbahner

„Tim Geisler, Torsten Grünebaum und Stefan Leib haben mit ihrem herzlichen Empfang für einen kleinen Jungen dafür gesorgt, dass der seinen Lokführertraum weiter träumen kann“, stellt die Jury fest. „Das System Schiene lebt trotz aller Technik von den Menschen, ohne die kein Zug fahren könnte“, so die Jury weiter. „Für die Freude an der Zugbranche und deren vielen schönen Seiten haben die HLB-Kollegen mit ihrem warmen Empfang für einen jungen Fan auf vorbildliche Art und Weise ein Zeichen gesetzt.“ 

Die Warnweste trug Bennett selbstverständlich beim Fasching in Hungen. Auf seine Kappe klebte ihm die Mutter die Buchstaben HLB. Zugtickets hatte Bennett ebenfalls dabei, den offensichtlich alle Eisenbahn-Berufe faszinieren. Die Mutter drückt das so aus: „Bennett träumt davon, später einmal Teil der HLB-Familie zu werden.“

Bahn-Begeisterung die ansteckt

Woher die Begeisterung ihres Sohnes stammt, fragt sich die Mutter immer wieder einmal. Fußball hat er gespielt, im Kinderchor mitgesungen. Doch tief im Inneren gepackt haben ihn nur Schienen, Signale und Züge. Am Stammbaum der Familie kann es kaum liegen. Ein Uropa von Bennett hat in einem Stellwerk gearbeitet. Doch das wusste der Nachfahre nicht, als es ihn im zarten Alter von eineinhalb Jahren erstmals zu den Gleisen zog. Mit der Holzeisenbahn ging es weiter.

Inzwischen kutschieren Märklin-Eisenbahnen – jedenfalls nach Empfinden der Mutter – „in allen Variationen“ durch das Kinder- oder auch das Wohnzimmer. Bennett können es nicht genug (Modell-)Züge sein. Wenn sich die Jungen und Mädchen im „Wackelzahn“-Projekt des Kindergartens einen Ausflug aussuchen können und ein Wunsch lautet, mit dem Zug zu fahren, rätselt keiner lange, von wem der Vorschlag stammt. Als ein freundlicher Mann in Uniform Bennett fragt, ob er denn später auch einmal Polizist werden wolle, bekommt er eine klare, unmissverständliche Antwort: „Nein. Lokführer.“

Die Landessieger: eine Meister-Elf

Überall sind Eisenbahner mit Herz unterwegs. Deswegen kürt die Jury neben den Bundessiegern auch Landessieger – diesmal aus elf Bundesländern. So kam eine Meister-Elf zusammen.
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Landessieger Baden-Württemberg

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Patrick Späth

Patrick Späth

DB ZugBus RAB

Einsenderin: Natalie Njimet

 

 

 

 

Ein Azubi mit perfektem Service

 

Noch ist Patrick Späth Azubi. Doch als er sieht, dass Fahrgäste auf dem Bahnhof Aulendorf lange auf die Regionalbahn nach Altshausen warten müssen, liefert er den perfekten Service. Natalie Njimet und drei andere Wartende nimmt er im eigenen PKW nach Altshausen mit und heitert sie mit Bonbons und guter Laune auf. Schon in jungen Jahren ist Patrick Späth ein Eisenbahner mit Herz.

Landessiegerin Berlin

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Doreen Punkt

Doreen Punkt

Zugbegleiterin DB Fernverkehr

Einsenderin: Annkatrin Rahf

 

 

 

 

Zwischenstopp mit Herz

 

Eine ältere, gehbehinderte Dame will im ICE in Spandau aussteigen, übersieht jedoch das „Defekt“-Schild an der Tür. Der Zug rollt los – nächster Stopp: Hamburg! Wenig später hält der ICE außerplanmäßig an einem Regionalbahnhof. Gegenüber steht eine Regionalbahn, mit der die Dame zurückfahren kann. Dank Zugbegleiterin Doreen Punkt. Sie ist für Kundin Annkatrin Rahf eindeutig eine „Eisenbahnerin mit Herz“.

Landessieger Brandenburg

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Sebastian Fröschke

Sebastian Fröschke

Zugbegleiter ODEG

Einsenderin: Sigrid Hugo (Geb.-kind)

 

 

 

 

Geburtstagsfeier im Zug

 

An ihrem Geburtstag reist Sigrid Hugo mit Gästen im ODEG-Zug von Görlitz nach Hoyerswerda. Vorher bittet sie die ODEG um einen Geburtstagssekt. Mit Erfolg. Zugbegleiter Sebastian Fröschke serviert zum perfekt gekühlten Sekt aus „fast echten“ pinkfarbenen Gläsern, ein Geburtstagsständchen, zudem Süßigkeiten, kleine Präsente und Anekdoten. „Für uns alle ein unvergessliches Erlebnis“, schreibt die Einsenderin.

Landessieger Bremen

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Eduard Skura

Eduard Skura

Zugbegleiter NordWestBahn

Einsenderin: Friedlinde Runge

 

 

 

 

Tasche auf Reisen

 

Für das Wohl der Kundin gibt Eduard Skura alles. Das zeigt er, als Friedlinde Runge in der NordWestBahn auf der Fahrt von Bremen nach Lunestedt ihre Handtasche vergisst. Zugbegleiter Skura ruft auf dem Handy der Kundin die letzte gewählte Nummer und erreicht ihre Schwester. Da er am selben Abend noch einmal in Lunestedt Halt macht, kann er die Tasche ihrer überglücklichen Besitzerin übergeben.

Landessieger Hamburg

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Florian Möller

Florian Saß

DB Station & Service

Einsenderin: Hanna Jöst

 

 

 

 

Stechmücken für Forschung gerettet

 

Eine Box voller toter Stechmücken hat DB-Mitarbeiter Florian Saß rechtzeitig ans Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg gebracht. Für die Forschung an Medikamenten gegen Malaria eine wertvolle Fracht. Wissenschaftlerin Hanna Jöst hatte sie im ICE liegen gelassen. Doch Florian Saß legte Überstunden ein und eilte vom Hauptbahnhof zum Institut. „Vielen Dank für den tollen Einsatz“, schreibt Jöst.

Landessieger Hessen

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Wytze De Jong

Wytze De Jong

Vias-Triebfahrzeugführer

Einsender: Lukas Jakobi und viele andere

 

 

 

 

Der freundliche Holländer

 

Vom Vias-Triebfahrzeugführer Wytze De Jong mit seinem wohlklingenden holländischen Akzent schwärmt nicht nur ein Pendler auf der Strecke Wiesbaden – Frankfurt am Main. Stellvertretend für viele schreibt Lukas Jakobi, wie De Jong „die Reisenden mit  humorvollen Ansagen bei Laune hält. „Weiter so, Herr de Jong“, schreibt Dauerpendlerin Kerstin S. über den Eisenbahner mit Herz.

Landessiegerin Mecklenburg-Vorpommern

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Antje Puchert

Antje Puchert

ODEG

Einsenderin: Anna Groschwitz

 

 

 

 

Teddy wieder da

 

Als die Tochter von Anna Groschwitz das geliebte Stofftier am Bahnsteig in Ludwigslust verliert, hat sie Glück im Unglück. ODEG-Mitarbeiterin Antje Puchert wird sofort aktiv, als Fahrgäste ihr den Rucksack übergeben. Sie schnürt ein Paket mit dem Fundstück, in das sie auch artverwandte Gummibärchen packt. Familie Groschwitz hat ihre Eisenbahnerin mit Herz gefunden!

Landessiegerinnen Nordrhein-Westfalen

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Jutta Bittner
Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Heidemarie Wurm

Jutta Bittner / Heidemarie Wurm

Zugbegleiterinnen Keolis

Einsender: Guido Hornert

 

 

 

 

Erste Hilfe mit Herz

 

Guido Hornert beobachtet in der Regionalbahn von Hamm nach Münster, wie eine Mitreisende einen Kreislaufzusammenbruch erleidet. Und er erlebt, wie die beiden Keolis-Zugbegleiterinnen Heidemarie Wurm und Jutta Bittner sich umgehend und beherzt um die junge Frau kümmern, Erstversorgung leisten und Trost spenden. „Alles funktionierte Hand in Hand und die Versorgung der Patientin war top“, schreibt Hornert. Ein vorbildlicher Einsatz, mit dem die beiden Eisenbahnerinnen mit Herz zum glimpflichen Ausgang des Vorfalls beitragen.

 

Landessieger Rheinland-Pfalz

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Heike Bayer

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Peter Langner
Heike Bayer / Peter Langner

Vlexx-Triebfahrzeugführerin /
Vlexx-Zugbegleiter

Einsenderin: Ulrike Becker

 

 

 

 

Eine Tasche in St. Wendel

 

Ulrike Becker steigt in St. Wendel in den vlexx nach Mainz. Der Zug rollt schon, als ihr auffällt, dass sie ihre rote Reisetasche am Gleis hat stehen lassen. Ein Schockmoment. Gemeinsam sorgen Triebfahrzeugführerin Heike Bayer und Zugbegleiter Peter Langner dafür, dass die Tasche zurück zur Besitzerin kommt. Zugbegleiter Langner leiht der Reisenden sein privates Mobiltelefon, so dass sie ihre Familie in St. Wendel anrufen kann. Die freut sich über den „guten Service“ der Eisenbahner mit Herz.

Landessieger Sachsen-Anhalt

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2020 - Martin Mietschke

Martin Mietschke

Abellio-Zugbegleiter

Einsenderin: Dorit Rauch

 

 

 

 

Mit Ruhe und Gelassenheit

 

Dorit Rauch ist auf dem Weg von Weimar nach Dresden – zur Beisetzung ihres Onkels. Zwischen Naumburg und Leising hört sie eine Besorgnis erregende Durchsage: Ein Güterzug ist in Brand geraten und es geht erst einmal nicht mehr weiter. Doch Zugbegleiter Martin Mietschke sorgt dafür, dass der Zug nach Naumburg zurückfährt, kümmert sich um ein Taxi für Dorit Rauch und weitere Fahrgäste. Das alles, so schreibt Rauch, „in einer Ruhe und Gelassenheit, die schon allein einer Würdigung bedarf“. Sie kommt pünktlich zur Kapelle, um sich von ihrem Onkel zu verabschieden.

 

Sieger 2019

Jedes Jahr schicken Bahnkunden ihre Erlebnisse mit tollen Eisenbahner*innen an die Allianz pro Schiene. Aus den besten Geschichten kürte die Jury die Gold-, Silber- und Bronze-Preisträger sowie die Landessieger aus elf Bundesländern. Zum zweiten Mal wurde außerdem ein "Social Media Hero" geehrt, der auf Facebook fast 1.000 "Gefällt mir"-Angaben erhielt. Zudem vergab die Jury einen Sonderpreis für eine außergewöhnliche Leistung.

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Gold: Mareen Harder

Die Hamburger Zugchefin Mareen Harder hat im Wettbewerb „Eisenbahner mit Herz“ der Allianz pro Schiene den ersten Preis gewonnen.
Die Hamburger Zugchefin Mareen Harder hat im Wettbewerb „Eisenbahner mit Herz“ der Allianz pro Schiene den ersten Preis gewonnen. Die Mitarbeiterin der Deutschen Bahn überzeugte die Jury mit ihrem mutigen, entschlossenen Einsatz für eine junge Reisende, die als kleines Kind ihre Mutter beim Zugunglück von Eschede verloren hat.
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Über Goldgewinnerin Mareen Harder schreibt die Jury: „In einer absoluten Ausnahmesituation zeigte sie menschliche Größe. Mareen Harder ist eine echte Eisenbahnerin mit Herz.“ Es war der 2. Juni 2018, als Charlotte mit ihrem Freund Alexander nach Eschede anreist, um an dem für sie so wichtigen Gedenkgottesdienst teilzunehmen. Als sie voller Verzweiflung auf ihrer Bahn-App die wachsende Verspätung des ICE sieht, sucht Alexander Hilfe – und findet Mareen Harder. Sie sorgt dafür, dass wenige Minuten später auf Charlottes Bahn-App die unglaubliche Botschaft erscheint: „Nächster Halt Eschede“.  Charlotte vermutet einen Fehler oder ein Missverständnis. Doch es stimmt: Mareen Harder hat binnen weniger Minuten einen Sonderhalt des ICE organisiert. Als der Zug in Eschede stoppt, steigen zwei Leute aus: Charlotte und Alex. Gerade noch rechtzeitig erreichen sie die Kirche.

„Mir war klar – ich muss helfen“

DB-Zugchefin Mareen Harder über ein kurzes Telefonat und eine beherzte Tat 

 

Frau Harder, wie präsent ist das Unglück von Eschede 20 Jahre später bei Ihnen und Ihren Kollegen?

Wir haben häufig im Kollegenkreis über das Unglück gesprochen. Es sind dabei auch viele Kollegen gestoben. Der 3. Juni – das ist ein wichtiger Tag für uns Eisenbahner.

Ihre Geschichte spielt einen Tag vor dem 20. Jahrestag, am 2. Juni 2018. Können Sie sich noch erinnern, wie ein junger Mann in dem ICE Richtung Hamburg auf Sie zukam?

Sehr gut. Das spielte sich kurz vor Hannover ab. Der junge Mann schilderte mir, dass er mit seiner Freundin unterwegs sei und sie bei dem Zugunglück von Eschede ihre Mutter verloren habe. Und wie wichtig es für sie ist, am Gedenkgottesdienst am 2. Juni teilnehmen zu können. Dass es aber zeitlich nicht mehr zu schaffen ist.

Und dann haben Sie nicht lange überlegt und sofort gehandelt.

Als ich von dem Verlust der Mutter hörte, war mir klar: Ich muss helfen. Dementsprechend: Telefon heraus. Einmal telefonieren. Und dann ging es seinen Gang.

Was genau spielte sich in den wenigen Minuten im Hintergrund ab?

Ich habe mit der Verkehrsleitung in Hannover telefoniert. Die Kollegen dort müssen alles regeln. Das OK für den Halt in Eschede kam innerhalb von zwei Minuten. 

Es geht dann ja auch um die Sicherheit in einem kleinen Bahnhof...

Genau. Es muss geschaut werden, ob wir komplett an den Bahnsteig passen, ob wir genug Personal im Zug haben, um gegebenenfalls zu sichern. In Eschede haben wir nur eine Tür geöffnet, weil der Bahnsteig zu kurz war und ja auch nur zwei Leute aussteigen wollten. Die Kollegen in der Zentrale müssen zudem Verzögerungen im Fahrplan einkalkulieren.

Die junge Frau, Charlotte, hat beim Ausstieg versucht, sich bei Ihnen zu bedanken. Sie mussten gleich weiterfahren. Haben Sie gemerkt, wie wichtig das für Charlotte war?

Wie erleichtert sie ist, konnte ich sehen. Für mich zählt in dem Moment, dass die Menschen dort hinkommen, wo sie hinmöchten. Das ist das Wichtigste für mich.

 

Das sagt Charlotte

„Die Selbstverständlichkeit, mit der sie in diesem Moment handelte, und ihre darauf folgende Bescheidenheit haben mich dazu bewegt, Ihnen an dieser Stelle von dem Vorfall zu berichten. Diese große Geste zeugt von enormer Menschlichkeit und hat in mir eine ewig anhaltende, tiefe Dankbarkeit ausgelöst. Für mich war das alles andere als selbstverständlich.“

Silber: Alexander Pojonie

Silber erhält ein DB-Zugbegleiter, der jede Bahnfahrt zu einem Erlebnis macht. „Alexander Pojonie ist ein wahrer Alltagsheld, der mit seiner Herzlichkeit und Menschlichkeit eine rekordverdächtige Fanschar um sich gesammelt hat“, urteilt die Jury.
Silber erhält ein DB-Zugbegleiter, der jede Bahnfahrt zu einem Erlebnis macht. „Alexander Pojonie ist ein wahrer Alltagsheld, der mit seiner Herzlichkeit und Menschlichkeit eine rekordverdächtige Fanschar um sich gesammelt hat“, urteilt die Jury.
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Wenn Alexander  Pojonie einen Zug betritt, fährt die gute Laune mit. Eine rekordverdächtige Zahl von Bahnreisenden hat den Zugbegleiter für die Auszeichnung „Eisenbahner mit Herz“ vorgeschlagen. Als wir ihn am Kölner Hauptbahnhof treffen und ein Passant an einer Treppe stürzt, ist Pojonie sofort zur Stelle.  Wenn andere vorbeilaufen, kümmert er sich um Verbandsmaterial und leistet erste Hilfe. Für seinen Charme, seinen Witz und seine Freundlichkeit im Umgang mit Passagieren gewann er bereits einen Landespreis – diesmal war für die Jury eine Auszeichnung auf Bundesebene fällig. Mal sehen, was nächstes Jahr kommt.

„Bahnkunden sind meine Gäste

DB-Zugbegleiter Alexander Pojonie über Freude und Liebe – und über Wünsche an die Fahrgäste

 

Stress und schlechte Laune – gibt es das bei Alexander Pojonie?

Natürlich. Aber ich weiß, wie ich mit Stress-Situationen umzugehen habe. Wenn es kritisch wird, hilft mir meine Liebe zum Beruf. Sobald ich im Zug bin, ist die schlechte Laune ohnehin weg.

Und jetzt die Auszeichnung als Eisenbahner mit Herz. Was bedeutet diese Wertschätzung für Sie?

Das ist für mich Gänsehaut pur. Es ist für mich eine ganz große Freude, weil ich offensichtlich die Herzen der Fahrgäste erreiche. Ein schönes Gefühl.

Für einen Zugbegleiter gibt es viele Pflichtaufgaben. Wie finden Sie die Zeit, sich intensiv um das Wohlbefinden der Passagiere zu kümmern?

Wir sind nie allein im Zug. Wir sind gemeinsam stark. Der Schaffner gemeinsam mit den vielen Kollegen, die hinter den Kulissen arbeiten.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Mein Lebensmotto ist, dass sich meine Fahrgäste wohl fühlen sollen. Für mich sind Bahnkunden wie Gäste, die ich zu Hause empfange.

Bekannt sind Ihre Gesangseinlagen. Wo haben Sie das Talent dafür entwickelt?

Schon als Schüler habe ich gerne gesungen. Einmal habe ich es geschafft, im Fernsehen den Raab der Woche zu gewinnen. Und das für eine Gesangseinlage, die mich sehr stolz gemacht hat.

Eine kleine Kostprobe, bitte.

(Singt) Junge Leute brauchen Liebe – ohne Liebe kann doch keiner leben…

Ist der ICE Ihre Bühne?

Den Eindruck will ich auf keinen Fall erwecken. Ich mache da schon meine Arbeit. Aber immer mit dem Wunsch, den Fahrgast ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Genießen Sie bei Zugfahrten auch mal die Stille, wenn Sie weniger zu tun haben?

Das tue ich. Gestern bin ich zum Beispiel aus Brüssel gekommen und konnte mir den wunderschönen Sonnenaufgang anschauen. Da konnte ich Energie tanken.

Wenn Sie einen Wunsch an Bahnreisende frei hätten, was wäre das?

Ich würde mir wünschen, dass die Fahrgäste entspannter sind. Nicht zu gestresst. Das ist einfacher gesagt als getan – aber das würde ich mir wünschen.

 

Das schreibt die Einsenderin

„Nach einem verspäteten Flug verpassten wir in München unseren Anschlusszug nach Frankfurt/Wiesbaden. Völlig genervt suchten wir daraufhin ein Hotel und probierten unser Glück mit der Bahn am nächsten Tag. Nach 15 Stunden Rückreise und weiteren viereinhalb Stunden Zugfahrt vor uns konnten wir uns kaum vorstellen, dass unsere Laune sich noch einmal aufrappeln würde. Doch wie das Schicksal es wollte, lernten wir Alexander Pojonie kennen. Letztendlich bin ich sogar froh, dass wir unseren anderen Zug verpasst haben und wir Alexander Pojonie kennenlernen durften. Ich hoffe seitdem, dass wir ihn bei jeder Bahnfahrt treffen.“

Michelle Schmid (Ditzingen)

 

Bronze: Ronald Kwapinski

Bronze hat sich Ronald Kwapinski verdient durch seine selbstlose Unterstützung für den zehnjährigen Dominik. Als der Junge ohne Geld und Monatskarte im Zug auf ihn zukommt, kauft ihm der Transdev-Mitarbeiter auf eigene Kosten ein Ticket.
Der Bronze-Gewinner kam erst spät zur Eisenbahn – nach einer langen Karriere im Maschinenbau. Dafür fährt er jetzt auch als Rentner weiter als Zugbegleiter der NordWestBahn durch die Lande. Sehr zur Freude eines Schuljungen, dem Ronald Kwapinski als Eisenbahner mit Herz selbstlos aus der Patsche half.
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Bronze hat sich Ronald Kwapinski verdient durch seine selbstlose Unterstützung für den zehnjährigen Dominik. Als der Junge ohne Geld und Monatskarte im Zug auf ihn zukommt, kauft ihm der Transdev-Mitarbeiter auf eigene Kosten ein Ticket. „Es ist auch in einem solchen Fall mit einem Kind alles andere als selbstverständlich, dass jemand sein eigenes Geld einsetzt, um helfen zu können“, befindet die Jury.

„Sofort sicher, dass er ehrlich ist“

Transdev-Zugbegleiter Ronald Kwapinski über ehrliche und andere Passagiere, über Großzügigkeit und einen blitzartigen Einfall 

 

Sie sind der Eisenbahner, der einem kleinen Jungen aus der Patsche geholfen hat. Wie sind Sie überhaupt auf ihn aufmerksam geworden?

Wir sind gerade in Bremen vom Hauptbahnhof losgefahren. Da kam der Junge auf mich zu und sprach mich an: Er hätte kein Portemonnaie dabei, kein Geld und auch kein Ticket. Es ging nur um wenige Stationen. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie ich blitzartig auf die Idee kam, ihm einen Fahrschein zu kaufen.

Haben Sie überlegt, den Jungen einfach ohne Ticket fahren zu lassen?

Eigentlich nicht. Das ist nicht erlaubt. Der Zug war auch voll und viele Fahrgäste haben die Situation beobachtet. Alle kaufen sich ja ihr Ticket, die Kinder genau wie die Erwachsenen. Deswegen gibt es nur die Möglichkeit, entweder den Passagier aufzuschreiben oder ihm ein Ticket zu kaufen. Man muss auch den Frieden mit den anderen Fahrgästen wahren.

Und jetzt sind Sie Eisenbahner mit Herz…

Damit hätte ich nie gerechnet. Ich habe mich sehr, sehr gefreut, dass die Mutter das so positiv aufgenommen und gemeldet hat. Ich war froh, dass ich dem Jungen geholfen habe. Damit war die Sache für mich erledigt.

Sind Sie generell ein großzügiger Typ?

Es hängt bei mir von der Situation ab. Das war ja auch kein Riesenbetrag. Und als Kontrolleur entwickelt man mit der Zeit ein Gefühl: wer schwindelt einen an, wer schwindelt einen nicht an. Bei Dominik war ich mir sofort sicher, dass er ehrlich ist.

Sie arbeiten im Rentenalter weiter. Was ist das Besondere an dem Beruf?

Ich liebe das Gespräch mit den Kunden, die Betreuung, den Kontakt. Ich wäre kein Mann dafür, vorne alleine in der Lok zu sitzen. Ich suche den Umgang mit den Menschen. 

Ihr Rat an alle Vergesslichen: Was sollte man machen, wenn man sein Monatsticket vergessen hat?

Nicht einfach warten und hoffen, dass einen keiner erwischt. Ich empfehle, jemanden von der Bahn zu suchen und zu fragen, wo der Kontrolleur ist. Dann findet sich eine Lösung. 

 

Das schreibt die Einsenderin

„Normalerweise hätte Dominik sofort auf der Strecke aussteigen müssen oder er hätte eine Strafe bekommen. Was macht der Schaffner? Er kauft  Dominik von seinem eigenen Geld eine Fahrkarte und lässt ihn  damit weiterfahren. Denn Dominik hatte gar kein Geld dabei. So kam er pünktlich zu Hause an. Sonst hätte ich mir um die Uhrzeit sicherlich Sorgen gemacht. Das war doch wirklich supernett von dem Schaffner. VIELEN VIELEN DANK!“

Katharina Urban (Bremen)

 

Social Media Hero: Peter Hohmann

Peter Hohmann ist Eisenbahner mit Herz 2018.
Er ist der beliebteste Eisenbahner der Online-Gemeinde: Peter Hohmann bekam bei der Facebook-Abstimmung die meisten Likes und holte sich zum zweiten Mal den Titel des Social Media Hero.
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Deutschlands Reisende haben den Zugbegleiter Peter Hohmann aus Fulda zum beliebtesten Eisenbahner Deutschlands gewählt. In der von der Allianz pro Schiene organisierten Online-Abstimmung kürten die Kunden den 47-Jährigen mit großem Vorsprung zu ihrem „Social Media Hero“. Damit verteidigte der Zugbegleiter der Deutschen Bahn seinen Titel aus dem Vorjahr. Am Ende sammelte er über 38 Prozent mehr Likes ein als der zweitplatzierte Mario Meier aus Oberbayern.

Hohmann begeistert als Zugbegleiter der Deutschen Bahn auf seiner Stammstrecke von Fulda nach Frankfurt die Reisenden durch seine freundliche, offene Art und seine Hilfsbereitschaft im Umgang mit den Kunden. „Durch ihn sieht man, dass Menschlichkeit doch noch möglich ist“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. „Bester  Mann ever“, heißt es in einem anderen Kommentar. „Er hat immer gute Laune und kennt die Dauerpendler.“ Eine frühere Kundin des Social Media Heros bedauert ihren Ortswechsel: „Leider sind wir umgezogen. Wir werden ihn definitiv vermissen. Zug fahren ist nie langweilig mit ihm.“

Seit zwei Jahren vergibt die Allianz pro Schiene beim „Eisenbahner mit Herz“ zusätzlich zu den Jury-Preisen die Auszeichnung „Social Media Hero“. „Hier können alle Bahnkunden im Internet direkt abstimmen“, sagt Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. „Mit ihrer Entscheidung zeigen die Reisenden klar und deutlich, dass Peter Hohmann mit seiner herzlichen Art auf einzigartige Weise die Wünsche der Kunden erfüllt.“

 

Lieber Peter, Glückwunsch zur Wiederwahl. Wie fühlt man sich als souveräner Titelverteidiger?

Vielen Dank. Ich freue mich sehr, dass ich gewonnen habe. Erst wollte ich nicht noch einmal mitmachen. Aber es kamen so viele Fahrgäste auf mich zu und haben mich motiviert. Da habe ich mir dann gesagt: Einmal kann man den Titel ja ruhig verteidigen.

Du hast ja eine große Fangemeinde in den sozialen Netzwerken. Hilft Deine Großmutter Dir nach wie vor, im Internet den Überblick zu behalten?

Ja, sie ist vor Kurzem 95 geworden und ist immer noch ständig online und hat die Facebook-Seite vom „Eisenbahner mit Herz“ gut im Blick.

Was uns mit Blick auf die Zukunft noch interessieren würde: Was macht einen guten Eisenbahner aus und was würdest Du dem Nachwuchs mit auf den Weg geben?

Ich bin stetig im Kontakt mit unseren Nachwuchskräften und sage immer: Ansprechbar sein, Präsenz zeigen, Blickkontakt zum Fahrgast aufbauen und vor allem immer ein offenes Ohr haben. Damit bin ich 27 Jahre gut gefahren.

Sonderpreis: Benjamin Ritter & Thomas Wiese

Mit einem Sonderpreis würdigt die Jury Triebfahrzeugführer Benjamin Ritter sowie Zugbegleiter Thomas Wiese von National Express. Beide leisteten 2017 herausragende Dienste, konnten  2018 jedoch nicht am Wettbewerb teilnehmen, da damals noch juristische Ermittlungen liefen.
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Am Abend des 5. Dezember 2017: Der National Express-Triebfahrzeugführer Benjamin Ritter und der Zugbegleiter Thomas Wiese haben Dienst auf dem Rhein-Münsterland-Express, der Linie RE 7. Auf der Strecke fährt ein leerer Güterzug Richtung Rotterdam. Aufgrund von Fehlinformationen aus dem Stellwerk muss Ritter davon ausgehen, dass der vor ihm liegende Streckenabschnitt frei ist. Als er den Güterzug in einiger Entfernung wahrnehmen kann, ist die Kollision unvermeidlich. Er bremst den Zug so stark wie möglich ab und stürmt nach hinten, um seine Fahrgäste zu warnen. Bei Meerbusch-Osterath kommt es zum unvermeidlichen Aufprall und zahlreiche Fahrgäste werden verletzt. Zugbegleiter Wiese kümmert sich – obwohl selbst unter Schock – umgehend um die Verletzten. Glücklicherweise ist eine Krankenschwester an Bord, die tatkräftig mit anpackt. So kann die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte überbrückt werden, ohne dass Panik ausbricht. Die Berichterstattung über den Unfall bewegt Arndt Finkenrath zu einer Nominierung des Triebfahrzeugführers Ritter für den „Eisenbahner mit Herz“. Inge Schürmann war als Passagierin im Zug und nominiert Thomas Wiese. Da die juristische Aufarbeitung des Vorfalls abgewartet werden musste, konnten die Nominierungen im vergangenen Jahr nicht berücksichtigt werden. Nun hat die Jury sich entschieden, das außergewöhnliche Engagement der beiden tapferen Eisenbahner mit einem Sonderpreis zu würdigen. „Ritters und Wieses beherzter Einsatz trug maßgeblich dazu bei, dass der ohnehin schwere Unfall nicht noch weitaus schlimmere Folgen hatte“, lobt die Jury.

Die Landessieger: eine Meister-Elf

Überall sind Eisenbahner mit Herz unterwegs. Deswegen kürt die Jury neben den Bundessiegern auch Landessieger – diesmal aus elf Bundesländern. So kam eine Meister-Elf zusammen.
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Landessieger Bayern

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2019 - Thomas Hindellang

Thomas Hindelang

Triebfahrzeugführer Bayerische Oberlandbahn Meridian

Einsender: Gaby Seydel, Jannik Schubert

 

 

 

 

Reiseführer am Zugsteuer

 

Auf der Strecke von Holzkirchen Richtung München kommt Jannik Schubert kaum noch dazu, sich mit seinen Begleitern zu unterhalten. Wenn Thomas Hindelang den Zug steuert, lauschen die Passagiere fasziniert seinen Durchsagen. Mit gekonnten Streckenbeschreibungen und seinen Oden an den malerischen Tegernsee oder die herrliche Herbstlandschaft wird der Triebfahrzeugführer zum allseits beliebten Reiseführer.

Landessieger Baden-Württemberg

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2019 - Michael Schweiger

Michael Schweiger

Triebfahrzeugführer AVG

Einsenderin:  Silke Becker

 

 

 

 

Erste Hilfe an Heiligabend

 

Eine Weihnachtsgeschichte der besonderen Art schreibt Michael Schweiger mit seinem couragierten Einsatz für einen Passagier, der mit starken Brustschmerzen und einem Kribbeln in der Hand an einer Haltestelle sitzt. Schweiger stoppt den Zug, verständigt sofort den Notarzt und sorgt für den schnellen Transport ins Krankenhaus. „Mit diesem überzeugenden Engagement hat Michael Schweiger wahrscheinlich ein Leben gerettet“, lobt die Jury.

Landessieger Berlin

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2019 - Thomas Lehmann

Thomas Lehmann

Zugbegleiter ODEG

Einsender: Hans-Joachim Nauck

 

 

 

 

„Begeistert und dankbar“

 

Ausweis, Bankarten, Monatskarte verloren – das passiert Passagieren jeden Tag. Ein Glück, wer dann auf einen Eisenbahner mit Herz wie Thomas Lehmann trifft. Der ehrliche Finder ruht auch in der Freizeit nicht, um die wertvollen Sachen an den Reisenden Hans-Joachim Nauck zurück zu geben. „Ich war begeistert und dankbar“, schreibt der.

Landessieger Brandenburg

 

Eisenbahner mit Herz: Nominierte 2019 - Oliver Ott

Oliver Ott

Zugbegleiter ODEG

Einsender: Martin Wenzel

 

 

 

 

Nie mehr ohne ihn

 

So stressig der Alltag auch sein mag, Oliver Ott ist stets ein Eisenbahner mit Herz. Gerade diese Freundlichkeit und Souveränität im täglichen Betrieb beeindrucken Jury und Fahrgäste. Eine Einsenderin möchte gar „nie mehr ohne ihn“ Zug fahren.

Landessieger Hessen

 

Eisenbahner mit Herz: Nominierte 2019 - Peter Hohmann

Peter Hohmann

Kundenbetreuer DB Regio Fulda

Einsender: Sabine Wachholz und andere

 

 

 

 

Die Legende

 

In den Online-Medien ist Peter Homann ohnehin ein Held – der Social Media Hero eben. Die Grundlage dafür legt er immer wieder im wirklichen Leben mit seiner zugewandten, freundlichen, geduldigen Art. Ein Wettbewerb „Eisenbahner mit Herz“ ohne Peter Hohmann ist fast schon nicht mehr vorstellbar.

Landessiegerin Mecklenburg-Vorpommern

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2019 - Yvonne Heise

Yvonne Heise

Kundenbetreuerin Usedomer Bäderbahn

Einsender: Mario Bointner

 

 

 

 

Die Alltagsheldin

 

Ein Trost für einen Jungen, der den ersten Zahn verliert. Eine freundliche Geste für einen älteren Fahrgast. Diese große Herzlichkeit begeistert Jury wie Passagiere gleichermaßen. „Solche Mitarbeiter/-innen wünscht man sich täglich, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist“, schreibt Bahnkunde Mario Bointner.

Landessieger Niedersachsen

 

Eisenbahner mit Herz: Nominierte 2019 - Heinz Korte

Heinz Korte

Bahnhofsmitarbeiter DB Station & Service

Einsenderin: Hildburg Kautzsch

 

 

 

 

Zum Durchblick verholfen

 

Als sie sich bei einem Autounfall verletzt, verliert Hildburg Kautzsch auch noch ihre Brille. Da kann die Bahn helfen – oder genauer Heinz Korte. Er organsiert nicht nur den Fahrkartenkauf, sondern schenkt der Frau auch noch eine Lesebrille. So kann sie sehenden Auges nach Hause fahren und findet zugleich einen Eisenbahner mit Herz.

Landessieger Nordrhein-Westfalen

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2019 - Shawn Glaeser

Shawn Glaeser

Zugbegleiter DB Fernverkehr Dortmund, DB Fernverkehr Münster

Einsender: Helge Vieweg

 

 

 

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2019 - Jonna Upmeyer

Jonna Upmeyer

Zugbegleiterin DB Fernverkehr Dortmund, DB Fernverkehr Münster

Einsender: Helge Vieweg

 

 

 

 

Sturm gemeistert

 

Ein Sturm, der den Fernverkehr zum Erliegen bringt, und ein zwölfjähriger Junge allein im Zug. Da springt der Zugbegleiter Shwan Glaeser zusammen mit Jonna Upmeyer, die gar nicht im Dienst ist, ein. Beide kümmern sich rührend um Robin, ersparen ihm eine Übernachtung im Hotelzug und so gelangt der Junge sicher zurück zu seinen Eltern in Lohne bei Hamm. 

Landessieger Sachsen

 

Eisenbahner mit Herz Nominierte 2019 - Jan Krehl

Jan Krehl

Triebfahrzeugführer railmen Sachsen

Einsender: Andreas Schreiber

 

 

 

 

Mit Herz und Verstand durch einen schweren Tag

 

„In einem äußerst schweren Moment für jeden Eisenbahner zeigt Jan Krehl Menschlichkeit und Persönlichkeit“ – so schreibt die Jury über den Triebfahrzeugführer. Als der Zug ausgelöst durch einen Selbstmörder einen Unfall erleidet, setzt Jan Krehl nicht nur einen Notruf ab und informiert die Passagiere. Mehrfach geht er auch durch die Waggons, steht den Fahrgästen Rede und Antwort und beruhigt sie.  Eine großartige Leistung, findet auch die Jury.

Landessieger Schleswig-Holstein

 

Eisenbahner Mit Herz Nominierte 2019 - Klaus Radix

Klaus Radix

Kundenbetreuer DB-Regio Schleswig-Holstein

Einsender: Christian Stolz

 

 

 

 

Als Geldbote den Urlaub gerettet

 

Einen Urlaub zu retten – das gelingt auch einem Zugführer nicht jeden Tag. Klaus Radix hat es vollbracht. Aus Versehen fährt eine Leipzigerin mit dem Portemonnaie eines Freundes im Rucksack von der Ostsee zurück in die Heimat. Ihr Bekannter Christian Stolz will am nächsten Tag in den Urlaub fahren - aber ohne Geld und Papiere? Zugführer Klaus Radix bietet sich als Geldbote an und bringt mit der nächsten Tour nach Flensburg alles zurück zum überglücklichen Besitzer.

Landessiegerin Thüringen

 

Eisenbahner mit Herz: Nominierte 2019 - Gabriele Kiesel

Gabriele Kiesel

Zugbegleiterin Abellio

Einsenderin: Daniela Danz

 

 

 

 

Doppelte Hilfsbereitschaft

 

Gleich zweimal leistet Gabriele Kiesel Hilfe, als Daniela Danz ihren Koffer sucht und ihr Anschlusszug losfährt. Die Zugbegleiterin lässt Danz noch zusteigen und informiert die Polizei, über die der Koffer den Weg zurückfindet zur erleichterten Besitzerin.

Die Siegergala 2019 in Bildern

Nach der Preisverleihung ging es in den Speisesaal des Kaiserbahnhofs in Potsdam.
Auf einer festlichen Gala im Kaiserbahnhof in Potsdam wurden die Preisträgerinnen und Preisträger für ihr Engagement ausgezeichnet. Unser Fotograf hat den Abend in Bildern festgehalten.
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Sieger 2018

Die "Eisenbahner mit Herz 2018"-Sieger stehen fest: Bahnkunden hatten bis zum Januar rund 200 Geschichten an die Allianz pro Schiene geschickt. Aus den besten Reisegeschichten kürte die Jury die Gold-, Silber- und Bronze-Preisträger sowie die Landessieger aus acht Bundesländern. Erstmals wurde außerdem der "Social Media Hero" geehrt, der auf Facebook knapp 6.000 "Gefällt-mir"-Angaben von den Bahnkunden erhielt.

Gold: Hartmut Dreßler

Hartmut Dressler erhielt 2018 die GOLD-Auszeichnung für den Wettbewerb Eisenbahner mit Herz der Allianz pro Schiene
Mit Gold ehrt die Jury ICE-Zugchef Hartmut Dreßler, der während des Orkans Xavier einen liegengebliebenen Zug vorbildlich gemanagt hat. Der Mitarbeiter von DB Fernverkehr Berlin „ist mit Herzblut für seine Fahrgäste dagewesen“, urteilte die Jury.
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Das schreibt der Einsender:

Philipp Reske fährt am 5. Oktober 2017 mit dem ICE. Wegen des Orkans Xavier bleibt sein ICE zunächst stundenlang am Bahnhof Ludwigslust stehen. Irgendwann fällt die Stromversorgung aus, und die Fahrgäste verbringen weitere sechs Stunden in einem dunklen, auskühlenden Zug. Einziger Lichtblick ist Hartmut Dreßler, „der beste Zugchef ever!“, schreibt der Einsender. Sein Eisenbahner hat zu jeder Zeit gute Laune. Als klar ist, dass es gar nicht mehr weiter geht, quartiert er alle Fahrgäste mit Hilfe des Katastrophenschutzes, der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes in einer Sporthalle ein, sorgt für Feldbetten, Gulaschsuppe und Bohneneintopf. Dreßler schläft die ganze Nacht nicht, und doch hat er am nächsten Morgen eine gute Nachricht für seine nicht-mehr-Zuggäste: es kommen Busse, die nach Hamburg und zurück nach Berlin fahren. Zuvor aber solle jeder noch ein Brötchen essen. Reske schreibt bewundernd: „Hartmut Dreßler hat immer noch Späße gemacht, obwohl er so etwas in 40 Dienstjahren nicht erlebt hat.“

Philip Reske (Buxtehude)

 

Das sagt die Jury:

Der Mitarbeiter von DB Fernverkehr Berlin „ist mit Herzblut für seine Fahrgäste dagewesen“, urteilte die Jury. „Durch seine Fürsorglichkeit hat er ein Katastrophenszenario in ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis verwandelt, während sich das restliche Bordpersonal bereits abgesetzt hatte.“

„Es kann nicht immer die Sonne scheinen“

ICE-Zugchef Hartmut Dreßler über Tränen nach dem Orkan und Deutschlands Wiedervereinigung auf der Schiene

 

Herr Dreßler, muss erst ein Orkan kommen, damit sich die Menschen näher kommen?

Normalerweise nehme ich meine Fahrgäste nicht zum Kuscheln in den Arm, aber nachdem wir gemeinsam einen Tag in dem ausgekühlten Zug verbracht haben und dann noch eine Nacht in der Turnhalle, da sind mir beim Abschied schon die Tränen gekommen. So schön war das. Fast familiär.

 

Sie sind erst ganz zum Schluss in den Bus nach Berlin gestiegen. Wie der berühmte Kapitän, der als letzter von Bord geht.

Aber vorher habe ich noch gesagt: Ohne Frühstück fährt hier keiner weg. Und so war’s dann auch.

 

Wie schlimm war denn der Orkan?

Als unser Zug in Ludwigslust gestrandet ist, stand ganz in der Nähe ein Baum an der Strecke. Nachher stand der nicht mehr da. Natürlich kann nicht immer die Sonne scheinen, aber so ein Unwetter habe ich in 40 Dienstjahren nicht erlebt.

 

40 Dienstjahre? Dann waren Sie ja schon von Anfang an bei der Bahn.

Die Eisenbahn war meins. Ich wollte immer reisen und habe als Kind unter der Bettdecke mit der Taschenlampe Reisemagazine gelesen. Dabei habe ich mir dann die Augen verdorben, was doof war. Denn mit Brille konnte man in der DDR nicht Lokführer werden. Also lernte ich Zugbegleiter.

 

Aber mit der Reiselust war das in der DDR ja nicht so leicht.

Stimmt, wir hatten diesen Gartenzaun, aber ich habe sofort ein Auge auf den internationalen Verkehr geworfen. Da fuhr der D-Zug Berlin – Warschau. Und dann bekam ich das Angebot, im Transitverkehr in den Westen zu fahren.

 

Wie viele Ihrer Kollegen hatten so eine Erlaubnis?

Wir waren etwa 30 Reichsbahner, die fahren durften. Wir sind auch über Nacht im Westen geblieben und haben regelmäßig gemütlich mit den Bundesbahnern geschnattert. Manche von den Kollegen sind auch heute noch im Dienst.

 

Was dachten Sie über den Westen?

Es gab dort viel mehr Bananen, und endlich konnte ich mir jede Menge Bahnhöfe ansehen. Aber im Ernst: Es ist ein großes Glück, dass wir den Mauerfall erlebt haben. Ich werde nie vergessen, wie voll die Züge nach Westberlin waren: Wir hatten so viele Fahrgäste, dass wir fast auf dem Drehgestell gefahren sind. Mehr als Tempo 40 war da nicht drin.

 

Jetzt sind Sie Eisenbahner mit Herz. Was kann danach noch kommen?

Nix mehr. Jetzt kommt nur noch die Rente. Und dann werde ich ... raten Sie mal?

 

Verreisen und Bahnhöfe ansehen.

Ganz genau.

Silber: Recep Buluter

Recep Buluter erhielt 2018 die SILBER-Auszeichnung für den Wettbewerb Eisenbahner mit Herz der Allianz pro Schiene
Silber erhält der ICE-Zugbegleiter Recep Buluter, der sich einer Horde von randalierenden Hooligans entgegenstellte und die Fahrgäste vor deren Übergriffen schützte. Der Mitarbeiter von DB Fernverkehr Hannover „ist ein mutiger Mensch, der auch an seinem Platz bleibt, wenn es brenzlig wird“, begeisterte sich die Jury.
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Das schreibt der Einsender:

Robert Mewes ist beeindruckt über einen Vorfall im ICE nach Berlin: Fußballfans der Hertha geraten nach einem klar verlorenen Auswärtsspiel außer Rand und Band. Sie rauchen, kleben Aufkleber ihres Clubs überall hin und reißen die Wandverkleidung runter. Zugbegleiter Recep Buluter greift ein und wirkt auf die meisten Fans beruhigend. Bei anderen zeigen seine Worte dagegen keine Wirkung. Als einige von ihnen Fahrgäste belästigen und anpöbeln, ruft er die Bundespolizei und verweist die Störer des Zuges. „Auch hier sorgt sein umsichtiges Auftreten dafür, dass die Lage an Bord nicht eskaliert. So viel Einsatz und Besonnenheit sollten gewürdigt werden.“

Robert Mewes (Möchengladbach)

 

Das schreibt die Jury:

Der Mitarbeiter von DB Fernverkehr Hannover „ist ein mutiger Mensch, der auch an seinem Platz bleibt, wenn es brenzlig wird“, begeisterte sich die Jury. Allerdings sei künftig auch die Politik gefragt, um Bahnbetreiber, Zugpersonal und die Reisenden besser vor gewaltbereiten Fußballfans zu schützen.

„Wenn sie verlieren, drehen sie durch“

ICE-Zugbegleiter Recep Buluter über Hooligans und wann für ihn der Spaß beim Fußball aufhört

 

Herr Buluter, Sie sehen nicht so aus, aber schauen Sie schon mal Fußball?

Natürlich! Ich bin leidenschaftlicher Hannover 96-Fan. Mit einem kleinen Etat bringt dieser Club wirklich einiges zu Stande.

 

Haben Sie also Verständnis für Fans, die an Bord der Züge ein bisschen Dampf ablassen?

Wenn Fans singen und feiern, dann habe ich dafür ein Grundverständnis. Sogar eingefleischte Hooligans haben übrigens fast immer vorbildlich gebuchte Fahrkarten – mit Platzreservierung. Erst wenn der Alkohol dazu kommt und wenn ihre Mannschaft verliert, dann drehen sie manchmal durch. 

 

Wie bei dem verlorenen Auswärtsspiel der Hertha.

Das war schon wild: Wir haben sofort die erste Klasse abgesichert und das Bordbistro, aber in der zweiten Klasse war die Lage außer Kontrolle. Sobald andere Reisende bedroht und belästigt werden und mein Zug beschädigt wird, hört bei mir jedes Verständnis auf. Da stelle ich mich vor meine Fahrgäste.

 

Hatten Sie keine Angst?

Ich habe eine gute Menschenkenntnis. Und ich wirke selber nicht aggressiv. Einige der Randalierer konnte ich mit Vernunft beruhigen. Beim Rest musste dann die Polizei durchgreifen.

 

Die Jury fand Ihr Eingreifen mutig, und jetzt sind Sie Eisenbahner mit Herz.

Ich war sprachlos, als ich das erfahren habe. An meinem freien Tag rief mich mein Gruppenleiter um 6.44 Uhr an.

 

Arg früh, oder?

Das dachte ich auch. Also schlief ich weiter und rief dann mit dem ersten Kaffee in der Hand zurück. Er sagte: „Herzlichen Glückwunsch“. Fast ist mir die Tasse aus der Hand gefallen.

 

Wenn Sie Ihren türkischen Verwandten daheim von Ihrer Arbeit erzählen, welche Reaktionen kriegen Sie da?

Im Ausland ist es immer noch wenig bekannt, wie modern unsere Eisenbahn ist. Wir sind top in Europa. Und unsere Fahrgäste - das ist wirklich wie im Fußball: Die Deutschen sind 80 Millionen Bahnchefs.

 

Wenn es eine Eisenbahn-Weltmeisterschaft gäbe, wo sehen Sie die Deutsche Bahn?

Ganz klar: Anwärter auf den Titel.

 

 

Bronze: Swen Sengebusch

Swen Sengebusch erhielt 2018 die BRONZE-Auszeichnung für den Wettbewerb Eisenbahner mit Herz der Allianz pro Schiene
Bronze gewinnt der NordWestBahn-Lokführer Swen Sengebusch, der einen vergessenen Koffer mit Babynahrung aus den Fängen der Polizei befreite und ihn höchstpersönlich auf die letzte Fähre zur Nordseeinsel Langeoog dirigierte.
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Das schreibt die Einsenderin:

Susanne Bauer-Wermuth macht eine Familienreise auf die Nordseeinsel Langeoog. Weil sie Anschluss-Pech haben, verzögert sich die Reise der vier Erwachsenen und fünf Kinder um eine Stunde. Das ist vor allem für die beiden Babys, vier und sechs Monate alt, sehr nervenaufreibend. Bei einem weiteren Umstieg lässt Bauer-Wermuth in dem ganzen Trubel einen der vier Koffer versehentlich auf dem Bahnsteig stehen. Das fällt ihr erst 20 Minuten später auf. Inzwischen hat der Koffer allerdings schon die Bundespolizei auf den Plan gerufen. Just in diesem Koffer befinden sich allerdings sämtliche Babysachen. Buchstäblicher Retter gegen die Hungersnot ist jetzt der Lokführer Swen Sengebusch. Der NordWestBahn-Mitarbeiter erkennt die Zwickmühle seiner Fahrgäste und handelt sofort. Er erwirkt als erstes, dass der Koffer wieder aus der Sicherungsverwahrung kommt. Dann teilt er seinen Fahrgästen mit, dass er heute diese Strecke nochmal fahren und dabei den Koffer mitnehmen werde. Schließlich sorgt er dafür, dass ein Busunternehmen den Koffer bis zur Küste transportiert und auf das letzte Schiff zur Insel an diesem Tag bringt. „Swen Sengebusch hat meinem Baby und mir den Urlaub gerettet! Wir hatten noch am selben Abend den Koffer auf der Insel und damit rechtzeitig für die abendliche Flasche Milch! Für mich war das die hilfsbereiteste Tat, die ich je von einem Bahnmitarbeiter erfahren habe! Es verdient meinen größten Dank und Anerkennung!“

Susanne Bauer-Wermuth (Ochsenfurt)

 

Das schreibt die Jury:

„Mit beachtlichem logistischem Wissen hat dieser Triebfahrzeugführer seinen Fahrgästen den Urlaub gerettet“, lobte die Jury. „Swen Sengebusch bewegt nicht nur Züge, sondern auch Polizeibeamte, Busfahrer und das Fährpersonal: Wirklich ein Meister der Reisekette.“

„Die letzte Fähre nach Langeoog – das ist doch Ehrensache“

NordWestBahn-Lokführer Swen Sengebusch über knifflige Anschlussketten und Notbremsungen an Bahnübergängen

 

Herr Sengebusch, die Jury lobt Sie als Meister der Anschlusskette. Wussten Sie überhaupt, wie dramatisch das mit der letzten Fähre nach Langeoog ist?

Ich hatte mal eine Freundin, die von Langeoog kam. Und obwohl die Insulaner ja sonst sehr entspannt sind, bei der letzten Fähre am Abend auf die Insel, da geht es um was. Die darf man nicht verpassen.

 

Der Koffer mit dem Babybrei war bei der Bundespolizei, das Bombenräumkommando schon unterwegs und Sie haben Ihren Fahrgästen trotzdem Mut gemacht?

Ich dachte, das ist doch Ehrensache, dass dieser Koffer noch am selben Abend auf die Insel kommt. Aber natürlich konnte ich das nicht fest versprechen. Die Eisenbahn mit ihren Anschlüssen ist ein komplexes System. In so einem Fall müssen alle zusammenarbeiten: Fahrgäste, Polizei, Lokführer, Busfahrer, Fährpersonal.

 

Also war es gar nicht Ihr Verdienst?

Es gehört auch Glück dazu. Zufällig hatte ich an diesem Tag Verstärkung an Bord. Eine Kollegin musste ihre Streckenkunde auffrischen und konnte den Zug weiterfahren. Wäre ich allein im Führerhaus gewesen, hätte ich nicht so intensiv nach den Besitzern des Koffers forschen können.

 

Steht Ihnen das Glück auch sonst zur Seite?

Unbedingt. Ich hatte schon mehrere Beinahe-Unfälle an Bahnübergängen. Einmal stand ein Pkw auf den Gleisen. Trotz Notbremsung habe ich ihn am Kotflügel erwischt. Das Auto mit einer ganzen Familie drin flog in den Straßengraben. Ich schaute aus dem Zug, und sah: Da steigt Rauch auf.

 

Und dann?

Ich bin rausgesprungen und war auf alles gefasst. Aber der Rauch war zum Glück nur Kühlwasser. Ich war dananch außer Dienst und wurde nach Hause gebracht. Dort habe ich es aber nicht ausgehalten und fuhr ins Krankenhaus. Da sagten sie mir, dass die Familie schon wieder entlassen worden war.

 

Wie gut haben Sie die Orkane in letzten Jahr überstanden?

Gegen entwurzelte Bäume habe ich eine Handsäge an Bord. Ganz so leicht lassen wir uns nicht aufhalten. Auch wenn in den Zeitungen oft was anderes steht. Unsere Fahrgäste wissen das besser: In der Not sind wir für sie da.  

Social Media Hero: Peter Hohmann

Peter Hohmann ist Eisenbahner mit Herz 2018.
Erstmals hatten die Reisenden in diesem Jahr auch die Möglichkeit, auf Facebook einen Publikumspreis zu vergeben. Unangefochtener Sieger ist demnach DB Regio-Zugbegleiter Peter Hohmann, der zum Stichtag 5.802 Likes von Pendlern bekommen hatte.
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Erstmals hatten die Reisenden in diesem Jahr auch die Möglichkeit, auf Facebook einen Publikumspreis zu vergeben. Unangefochtener Sieger ist demnach DB Regio-Zugbegleiter Peter Hohmann, der zum Stichtag 5.802 Likes von Pendlern bekommen hatte.

Das schreibt der Einsender

Frank Dieter pendelt regelmäßig nach Frankfurt am Main. Dabei fällt ihm seit Jahren der DB Regio-Zugbegleiter Peter Hohmann auf: „Man hat als Fahrgast das Gefühl, dass Herr Hohmann all seine "Gäste" persönlich kennt, da er mit fast jedem einen kurzen Smalltalk hält, worüber die Fahrgäste sichtlich erfreut sind“, schreibt der Einsender. Er habe schon mehrfach beobachten können, wie Hohmann den Reisenden ein Lächeln ins Gesicht gezaubert habe. Und das mache er schon viele Jahre. Für Dieter ist da „ein wahrer Eisenbahner mit Herz“ an Bord seines RE.

Frank Dieter

Das schreiben die Facebook-Fans

"Mit Peter an Bord lassen sich selbst legendäre Verspätungen ertragen." - Simone D.

"Solche Menschen braucht die Welt." - Ira D.

"Wenn Herr Hohmann Dienst hat, freut sich der ganze Zug" - Petra G.

"Der freundlichste Bahnmitarbeiter, den ich kenne." - Harald K.

"Ein großartiger Mann! Er hat mir schon so oft meine Stimmung gerettet und mir Mut gemacht." - Monsder S.

 

„Ich rede lieber mit echten Menschen“

DB Regio-Zugbegleiter Peter Hohmann im Interview

 

Herr Hohmann, Sie haben in fünf Tagen 6.000 Likes bei Facebook bekommen und mehr als 1.000 Kommentare. Haben Sie schon alle gelesen?

Nein, hundert habe ich geschafft, aber dann brauchte ich eine Pause. Ich habe keinen Computer zu Hause. Keinen Laptop. Nicht mal einen Drucker. Das ist alles nix für mich. Ich rede lieber mit echten Menschen.

 

Wie? Sie überleben ohne Facebook-Profil?

Wenn ich dazu etwas wissen will, dann frage ich meine Großmutter. Die weiß mit Facebook Bescheid, hat Whatsapp und druckt mir auch mal was aus. Sie ist 94 und noch gut in Schuß.

 

Dann sind Sie ja in Ihrer neuen Rolle als „Eisenbahner mit Herz“ und „Social Media Hero“ in besten Händen.

Guten Rat kann ich wirklich brauchen. Seit die Nachricht öffentlich ist, habe ich keine ruhige Minute mehr. Radio, Fernsehen, alle wollen mit mir sprechen. Und die Nachbarn haben es in der Zeitung gelesen und fragen …

 

Was denn?

.. ob ich jetzt überhaupt noch arbeiten muss. So berühmt wie ich bin. Oder ob ich ihnen eine Autogrammkarte geben könnte.

 

Wie fühlt sich das an?

Stressig.

 

Offenbar sind Sie ein überaus großartiger Zugbegleiter.

Ich hatte gerade mein 25. Dienstjubiläum. Und mein Job, ja, der macht mir Spaß. Ich denke, dass ich die nächsten 20 Jahre auch noch sehr gut bei der Bahn rumkriege. Obwohl: Einer meiner Fahrgäste ist ein hochkarätiger Manager und wollte mich abwerben.

 

Peter Hohmann im Frankfurter Bankenviertel – das wäre doch was.

Um Gotteswillen. Meine Pendler machen sich schon Sorgen, wenn sie mich mal drei Tage nicht auf dem Zug sehen, weil ich eine andere Schicht fahre. Nein, ich kann hier nicht weg.  

Landessieger 2018

Das sind die Landessieger 2018 im Wettbewerb Eisenbahner mit Herz
Auch auf Landesebene hat die Jury herausragende Leistungen gewürdigt. Immer mehr Bundesländer stellen einen Landessieger.
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Auch auf Landesebene hat die Jury herausragende Leistungen gewürdigt. Immer mehr Bundesländer stellen einen Landessieger.

Das sind die Landessieger 2018 im Wettbewerb Eisenbahner mit Herz

Saubere Leistung im ICE

 

Nominiert für den Wettbewerb Eisenbahner mit Herz 2018.
Landessieger BAYERN

Giuseppe Soraci, Mitarbeiter DB Services

Einsenderin: Maria Bechmann

 

Maria Bechmann fährt sehr oft die Strecke Nürnberg-Regensburg mit dem ICE. Immer wieder bemerkt sie, wie sauber die Toiletten sind und wie aufmerksam das Reinigungspersonal und hier besonders Guiseppe Soraci an Bord für die Annehmlichkeit der Fahrgäste sorgt. Die Jury meint: „Saubere Leistung“.

Der Teddy-Retter

 

Nominiert für den Wettbewerb Eisenbahner mit Herz 2018

Landessieger BERLIN

Jens Uhlig, Mitarbeiter der S-Bahn Berlin

Einsenderin: Juliane Noculak

 

Der sechsjährigen Mia fällt ihr Teddy ins Gleisbett – genau in den schmalen Spalt zwischen Bahn und Bahnsteig. Tränen helfen da wenig, aber Jens Uhlig von der Verkehrsaufsicht der Berliner S-Bahn weiß Rat. Für die Rettung „Brummis“ malt Mia dem Eisenbahner ein Bild. Und die Jury sagt: Große Klasse!

Dann eben mal den Zug umleiten

 

Nominiert für den Wettbewerb Eisenbahner mit Herz 2018.

Landessiegerin BREMEN

Christine Wrieden, Zugbegleiterin DB Regio

Einsenderin: Rita Krumbeck

 

Rita Krumbeck ist gehbehindert, aber Zugbegleiterin Christine Wrieden macht ihr das Reisen leicht. Sogar einen Zug leitet sie um, damit die Eisenderin nicht an einem kaputten Aufzug scheitert. Die Jury findet: „Solch zupackende Hilfe ist leider nicht selbstverständlich.“

Hund auf Händen getragen

 

Ralf Hohn ist nominiert für Eisenbahner mit Herz 2018

Landessieger HAMBURG

Ralf Hohn, Zugbegleiter DB Regio

Einsenderin: Pia Hemmerling

 

Blindenhund Moritz ist panisch, als er in einen Regio alter Baureihe mit Klapptüren steigen soll. Pia Hemmerling hat Angst vorm Ausstieg, aber Zugbegleiter Ralf Hohn hebt den 35 Kilo-Hund und trägt ihn aus dem Zug. Die Jury meint: „Das ist nicht Pflicht, sondern ganz klar Zugbegleiter-Kür.“

Irrfahrt verhindert

 

Nominiert für den Wettbewerb Eisenbahner mit Herz 2018.

Landessiegerin HESSEN

Barbara Dybus, Zugbegleiterin DB Fernverkehr Frankfurt/M

Einsenderin: Dagmar Turlach

 

Die bange Frage, ob man im falschen Zug sitzt, quält so manchen Fahrgast. In diesem Fall geraten die Reisenden an ICE-Chefin Barbara Dybus aus Frankfurt/M. Sie bringt die Fahrgäste an den richtigen Platz im richtigen Zug. „Großartig: Die Notlage erkennen, bevor der Notfall eintritt“, meint die Jury. 

Der Fürsorgliche

 

Heinz Korte ist nominiert für Eisenbahner mit Herz 2018

Landessieger NIEDERSACHSEN

Heinz Korte, Mitarbeiter DB Station & Service, Bahnhof Leer

Einsenderin: Jutta Haegele

 

Ein hochbetagtes Ehepaar will die Tochter besuchen, doch die Reise beginnt dramatisch: Die Frau stürzt und muss in Krankenhaus. Heinz Korte betreut den verwirrten Mann. Er sorgt dafür, dass die beiden die Reise später antreten können. Die Einsender sind begeistert, die Jury ebenfalls.

King of Kundenlob

 

Nominiert für Eisenbahner mit Herz 2018

Landessieger NORDRHEIN-WESTFALEN

Alexander Pojonie, Zugbegleiter DB Fernverkehr Köln

17 Einsender

 

Ob Orkan, Jungesellenabschied oder Politiker-Reise: Alexander Pojonie ist in allen Situationen er selbst und der meistbelobigte Zugbegleiter der Republik. Wie schon im Vorjahr schätzen die Fahrgäste seinen Witz, seine Klasse und sein Auftreten. Die Jury zögert nicht, ihn gleich nochmal auszuzeichnen. 

Ein Naturtalent

 

Tom Seifert ist nominiert für Eisenbahner mit Herz 2018
Landessieger SCHLESWIG-HOLSTEIN

Tom Seifert, Zugbegleiter bei der neg

Einsenderin: Margit Bassler

Der junge Tom Seifert ist erst im zweiten Ausbildungsjahr bei der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (neg) und springt den Fahrgästen bei wie ein alter Hase im Kundendienst. „Kein Zweifel, das ist ein Naturtalent“, urteilt die Jury.

 

Die Siegergala 2018 in Bildern

Auf einer festlichen Gala in Berlin wurden die Preisträgerinnen und Preisträger für ihr tolles Engagement ausgezeichnet. Unsere Fotografen haben den Abend in Bildern festgehalten.
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Auf einer festlichen Gala in Berlin wurden die Preisträgerinnen und Preisträger für ihr tolles Engagement ausgezeichnet. Dabei erhielten sie viel Lob von den versammelten Bahnchefs und den Vertretern der Jury. Unsere Fotografen haben den Abend in Bildern festgehalten:

Sieger 2017

Die Eisenbahner mit Herz 2017 stehen fest: Aus über 160 Einsendungen von Bahnkunden wählte unsere Jury die Gold-, Silber- und Bronze-Preisträger. Den Sonderpreis Naturschutz erhält ein Lokführer von DB Cargo, der sich vorbildlich für ein verletztes Tier eingesetzt hat.

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Gold: Dirk Otte und Maria Voigt

Mit Gold ehrt die Jury zwei Mitarbeiter von Abellio, die eine blutige Messerstecherei auf einem Zug mit kühlem Kopf bestanden haben. Der Lokführer Dirk Otte und die Zugbegleiterin Maria Voigt „sind trotz der Gefahr fürs eigene Leben vorbildlich für die Verletzten und ihre Fahrgäste dagewesen“, urteilte die Jury.
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Das schreibt die Einsenderin:

Zwei Männer geraten in einem Zug bei Halle in Streit um eine Frau. Die Zugbegleiterin Maria Voigt kontrolliert die Fahrkarten, da sticht einer der Männer mit dem Messer auf den anderen ein. Voigt informiert den Lokführer und versucht, die Streitenden zu trennen. Als auch die Begleiterin des Opfers Stichwunden erleidet, leistet Voigt erste Hilfe. Sie kümmert sich um die Evakuierung der Fahrgäste und ist Ansprechpartnerin für die Polizei. Lokführer Dirk Otte fürchtet, seine Kollegin könnte ebenfalls verletzt sein und eilt zum Tatort. Auch er leistet erste Hilfe. Augenzeugin Clara Münzner ist voll des Lobes: „Das Bahnpersonal hat hervorragend reagiert. Der Zug hielt so schnell wie möglich. Die Fahrgäste wurden sofort nach draußen geschickt. Dabei bewahrten die beiden Mitarbeiter jederzeit die Ruhe. Für beide war der Vorfall sichtlich belastend. Also: Großes Lob an Maria Voigt und Dirk Otte für ihr besonnenes Handeln!“

Clara Münzner (Leipzig)

Das sagt die Jury:

„Gewalt gehört leider zum Berufsalltag der Eisenbahner in Deutschland: Keiner von uns weiß, wie er in solch einer Ausnahmesituation reagieren würde. Die beiden Abellio-Mitarbeiter wissen es. Polizeiprotokolle belegen, dass Maria Voigt und Dirk Otte trotz Lebensgefahr vorbildlich für die Verletzten dagewesen sind. Während des blutigen Zwischenfalls brach bei den Fahrgästen keine Panik aus: Auch weil das Zugpersonal die Ruhe bewahrte. Das verdient Gold. Der Preis ist auch eine Anerkennung für alles, was Maria Voigt und Dirk Otte durchlitten haben.“

"Da dachte ich, das war'se" - Die beiden Eisenbahner mit Herz im Interview

Herr Otte, Sie sind auf die Messerstecher losgegangen und haben versucht, die beiden zu trennen. Dürfen wir Sie einen Helden nennen?

Otte: Sagen Sie lieber: „leichtsinnig“. Das hat nämlich meine Frau zu mir gesagt.

Aber Sie waren doch in Sorge um Ihre Kollegin Maria Voigt.

Otte: Das stimmt. Nach Marias Notruf schaute ich durch den Zug und sah ganz hinten etwas Graues am Boden liegen. Da dachte ich: „Das war’se.“ Als ich dann näher kam und die beiden Männer voneinander wegziehen wollte, da hielt mir der Angreifer sein Messer vor die Nase.

Und Sie haben dann die Abteiltür zugehalten?

Damit der nicht noch auf die Fahrgäste losgeht. Aber die ganze Brutalität der Situation habe ich erst später richtig verstanden. Als die Polizei mir das Video gezeigt hat.

Frau Voigt, haben Sie das Video auch schon gesehen?

Voigt: Nein, ich war jetzt zehn Wochen lang krank geschrieben und bin gerade erst wieder im Dienst.

Wie haben Sie den Vorfall verkraftet?

Voigt: Ich wusste schon nach einer Woche, dass ich wieder auf die Schiene zurück will. Aber die Auszeit habe ich gebraucht. Ich hatte Albträume und Angstzustände, das hat mich selber überrascht.

Und jetzt sind Sie beide „Eisenbahner mit Herz“.

Voigt: Das war nicht der Plan. Aber ich nehme es als großes Kompliment. Manchmal denke ich sogar: Es ist gut, dass es mich getroffen hat. Ich weiß jetzt, dass ich in Notlagen die Ruhe bewahre. Und dass unser Beruf gefährlich werden kann, das wusste ich von Anfang an.

Wie haben die Fahrgäste reagiert?

Voigt: Sehr besonnen. Alle haben ohne Murren den Zug verlassen, als ich ihn evakuiert habe. Und keiner hat Handy-Aufnahmen vom Tatort gemacht. Das fand ich bemerkenswert. Dabei waren das durchaus starke Bilder: Auf dem Bahnsteig lag Schnee und der war voller Blut.

Was ist mit den Verletzten geschehen?

Voigt: Die Kripo hat uns gesagt, dass alle überlebt haben. Auch die schwangere Frau, um die sich der Streit der beiden Männer wohl gedreht hat. Der Messerstecher sitzt jetzt natürlich in Untersuchungshaft. 

Herr Otte, Sie haben eine Beziehungstat auf dem Zug erlebt. Eine Frau, zwei Männer, ein Messer. Und die Kollegin mittendrin. Würden Sie persönlich auch zur Gewalt neigen, wenn es um Ihre Frau und einen anderen Mann geht?

Otte: Ich wäre viel schlimmer. Ich würde meiner Frau sofort das Handy sperren.

Silber: Sadik Tubay

Silber erhält der Zugbegleiter Sadik Tubay von National Express, der die Notlage einer Flüchtlingsfrau ohne Fahrkarte mit kreativen Dolmetscherkünsten löste. „Das ist ein Eisenbahner, der alle Sprachgrenzen überwindet“, begeisterte sich die Jury.
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Das schreibt die Einsenderin

Auf einer Fahrt nach Neuss erlebt die Bahnreisende Yasmin Theile einen multikulturell versierten Einsatz des National Express-Zugbegleiters Sadik Tubay. Bei der Fahrkartenkontrolle fragt er eine junge Frau nach ihrem Ticket. Sie kann es nicht vorzeigen, aber wiederholt immer wieder das Wort "husband". Sadik Tubay versucht es auf Deutsch und auf Englisch, aber beides beherrscht die Reisende nicht. Statt die Frau aus dem Zug zu weisen, erkundigt sich der Zugbegleiter bei den Fahrgästen, ob einer etwas von diesem „Ehemann“ mitbekommen habe. Ein Mann berichtet, dass die Frau in Münster eingestiegen sei. Vor ihrem Mann hätten sich die Türen geschlossen. Inzwischen hat Tubay herausgefunden, dass die Frau Afghanin ist. Er geht durch den Zug auf der Suche nach einem Dolmetscher. Als der dann gefunden ist, kann Sadik Tubay einen Treffpunkt für die Eheleute vereinbaren. Yasmin Theile ist beeindruckt. „Ich fand seinen Einsatz wirklich klasse. Er hat sich die Zeit genommen, die Lage wirklich zu verstehen.“

Yasmin Theile (Köln)

Das sagt die Jury

„Das Thema Flüchtlinge beschäftigt die Bahnkunden. Häufig spielen dabei Sprachbarrieren eine Rolle. Der Zugbegleiter Sadik Tubay geht damit geistreich und kreativ um. Statt die Frau ohne Sprache und ohne Fahrkarte als Schwarzfahrerin hinzustellen, besorgt er sich einen Dolmetscher. Als ihm klar wird, dass die Reisende unterwegs ihren Mann verloren hat, bestimmt er einen Treffpunkt für beide. Silber für einen Eisenbahner, den keine Sprachgrenze aufhält.“

„Die wollen alle Zugbegleiter werden“- Sadik Tubay im Interview

Herr Tubay, haben Ihre Freunde Sie schon mal einen Frauenversteher genannt?

Das kriege ich wirklich zu hören. Ich glaube nämlich, dass Frauen mehr Hilfe brauchen als Männer.

Haben Sie deshalb so einfühlsam reagiert, als Ihnen die Reisende ohne Fahrkarte begegnet ist?

Ich wusste einfach, dass diese Frau nicht lügt. Sie war in Panik. Sie wusste nicht, was jetzt mit ihr geschieht. Da habe ich ihr erstmal klargemacht: „Keine Angst. Ich bin da, um Ihnen zu helfen.“ Das hat sie sogar verstanden, ohne dass ich es ihr sagen konnte.

Wie viele Sprachen sprechen Sie?

Ich bin in Deutschland geboren, aber kurdisch ist meine Muttersprache. Da meine Familie aus der Türkei stammt, spreche ich außerdem türkisch. Und englisch. Und ein paar Brocken arabisch.

Ganz ordentlich. Brauchen Sie das alles auf dem Zug?

Natürlich. Gerade auf dem Zug. Wenn zum Beispiel syrische Flüchtlinge bei uns mitfahren, dann spreche ich die auf kurdisch an. Gerade wenn Kinder dabei sind, dann kriegen die leuchtende Augen. Mitten in Deutschland, und auf einmal spricht der Zugbegleiter ihre Heimatsprache.

Müssen Sie häufiger helfen?

Durchaus. Zum Beispiel erzählen sie, dass einer von ihnen immer „aufgeschrieben“ wird.

Als Schwarzfahrer?

Genau. Und sie wollen wissen, was mit dem „Kollegen“ passiert. Oder die Kinder: Die fragen mich, was sie tun müssen, um einmal so zu sein wie ich. Weil ich ihnen Kinderfahrkarten gebe und sie abknipsen lasse, wollen die alle später Zugbegleiter werden. Ich habe das Gefühl, dass diese Leute oft keinen haben, der ihnen einfach mal die Dinge erklärt.

Leute von der Security sind eigentlich nicht dafür bekannt, dass sie gerne und gut erklären.

Deshalb habe ich ja auch die Branche gewechselt. Als Zugbegleiter müssen Sie vor allem gut sein im Reden und im Verstehen.

Wie fühlt es sich an, dass Sie genau deshalb „Eisenbahner mit Herz“ geworden sind?

Wie bitte? Meine Chefs haben nur gesagt, dass ich nominiert bin.

Herr Tubay, Sie gehören zu den Siegern.

Wirklich? Das ist ja nicht zu fassen. Mann, das macht mich richtig stolz.

Bronze: Christian Mainka

Bronze gewinnt der ICE-Zugbegleiter Christian Mainka von DB Fernverkehr München, der eine versprengte Reisegruppe aus den USA wieder zusammengeführt hat. „Dieser Zugchef macht keine halben Sachen“, lobte die Jury. „Er lieferte die beiden Schüler aus Texas höchstpersönlich am Bestimmungsort ab.“
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Das schreibt der Einsender

Zwei Lehrer und 33 Schüler aus den USA sind auf Deutschlandreise mit der Bahn unterwegs. Im ICE vom Frankfurter Flughafen nach Nürnberg gehen beim Umsteigen zwei Schüler verloren. Zugchef Christian Mainka erkennt die missliche Lage der beiden Jungen, die allein im Zug sitzen geblieben sind. Er lässt sich die Notfalltelefonnummern geben und benachrichtigt die Lehrer. Mit Schrecken stellt die Gruppe fest, dass die beiden Schüler tatsächlich fehlen. Doch für den Lehrer Benjamin Marx nimmt die Reise jetzt eine überraschende Wendung. „Ohne Wenn und Aber teilte Christian Mainka mit, dass er sich darum kümmern wolle, dass meine zwei Schützlinge sicher in Regensburg ankommen würden.“ Gesagt getan: Nach seinem Dienstende in München verfrachtet Christian Mainka die zwei Schüler in den nächsten Zug nach Regensburg und begleitet sie höchstpersönlich bis ins Hotel. „Christian Mainka hat uns gerettet, und ich finde es absolut außergewöhnlich, dass sich ein Zugbegleiter so für seine Fahrgäste engagiert.“

Benjamin Marx, Texas, USA

Das sagt die Jury

„Der ICE-Zugbegleiter Christian Mainka hätte viel weniger tun können, und es wäre immer noch lobenswert gewesen: Schon dass er so aufmerksam war, die beiden Abgänger sofort zu bemerken. Dann: Dass er die Gruppe aus den USA informierte und einen Vorschlag hatte, wie das Problem zu lösen wäre. Die Kür aber: Er lieferte die beiden Schüler höchstpersönlich am Bestimmungsort ab. Bronze für diesen Eisenbahner, der keine halben Sachen macht.“

„Der ICE ist meine Welt" - Christian Mainka im Interview

Herr Mainka, Sie haben zwei Schüler in Not gerettet, dabei sehen Sie selbst noch aus wie ein Schüler.

Meine Kollegen denken öfter, ich bin der Auszubildende, wenn ich den ICE besteige. Wenn ich dann die Zugchef-Armbinde anlege, machen sie große Augen.

Finden Sie auch, dass Sie noch sehr jung sind?

Ich sehe jünger aus, als ich bin. Die Ausbildung als Zugchef habe ich vor allem absolviert, damit ich den Fahrgästen noch besser helfen kann.

Sie kriegen häufiger Post von dankbaren Reisenden. Wie oft passiert es, dass Sie eingreifen müssen?

Das kommt gar nicht so selten vor. Auf Reisen können viele Dinge schief gehen. Und genau dafür sind wir da: Dass unsere Fahrgäste sicher und bequem ans Ziel kommen.

Aber die beiden Jungs hatten selber noch gar nicht bemerkt, dass sie in der Klemme steckten. Wie haben Sie das so schnell gesehen?

Ich habe meine Fahrgäste genau im Blick. Wenn vorher eine Gruppe im Zug saß und plötzlich nur noch zwei 16-Jährige übrig bleiben, die kein deutsch sprechen und ziemlich ängstlich wirken, dann fällt mir das natürlich auf.

Die Jungs kamen aus Texas. Haben Sie sich mit ihnen unterhalten?

Natürlich. Und es hat mir Spaß gemacht, dass mein Englisch mal richtig gefordert war. Ich haben ihnen erklärt, wie das Leben in Bayern so läuft.

Bayern und Texas, das ist ja von der Lebensart gar nicht so weit auseinander. Jedenfalls sind Sie jetzt Eisenbahner mit Herz.

Das war eine große Überraschung. Schon die Nominierung hat mich riesig gefreut. Aber dass die Jury mich auch noch auszeichnet, damit hätte ich nie gerechnet. Eigentlich war die Aktion doch selbstverständlich.

Nicht so ganz. Es sei denn, Sie machen Ihren Job mit Herzblut.

Zugbegleiter ist mein Traumberuf. Schon als Kind war ich glücklich, wenn mein Vater mit mir zum Bahnhof ging. Er ist selber Eisenbahner und arbeitet bei DB Netz. Der ICE, das ist meine Welt.

Was kommt als nächstes? Bahnchef?

Dazu fehlt mir leider das Studium. Aber alles, was mit Mobilität zu tun hat, interessiert mich brennend.

Also würden Sie auch auf dem Hyperloop arbeiten und Reisende in Kapseln mit Schallgeschwindigkeit durch die Lande sausen lassen?Zum Beispiel von München nach Texas?

Da bin ich ganz offen. Ich freue mich darauf, was die Zukunft bringt. Zum Glück bin ich noch jung genug.

Sonderpreis Naturschutz: Kai Steinkamp

Der Sonderpreis Naturschutz geht an den DB Cargo-Lokführer Kai Steinkamp, der eine verletzte Eule zwischen den Rädern seiner Lokomotive geborgen und der Tierrettung übergeben hat. Dass der Uhu den Zusammenstoß mit dem Güterzug überlebt hat, „zeigt dass dieser Lokführer viel Herz besitzt und viel Verstand dazu.“
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Das schreiben die Einsender

DB Cargo-Lokführer Kai Steinkamp ist mitten in der Nacht in der Region Pforzheim unterwegs, ganz allein mit sich, seiner Lok und unzähligen Waggons im Rücken. Doch auf einmal macht es „Bumm“. Er hält an und stellt fest, dass ein kleiner Uhu sich unter der Lok verfangen hat. Steinkamp befreit den Vogel und bettet ihn in einen Karton neben sich. Während Steinkamp noch um Hilfe telefoniert, ist die Eule auf dem warmen Führerstand eingeschlafen. Am Morgen kommt der Uhu in eine Auffangstation bei Karlsruhe. Zwei Lokführerkollegen, die von der Geschichte auf Facebook erfahren, sind begeistert. „Es kommt oft vor, dass Loks Wildtiere erfassen“, schreibt Stefan Kömp, „aber dieser Lokführer hat wirklich Herz gezeigt und sich den Respekt aller Kollegen verdient.“ Sven Hausmann schreibt: „Danke, Kollege, dass du nicht aufgegeben hast.“

Stefan Kömp (Tostedt) und Sven Hausmann (Luckenwalde)

Das sagt die Jury

„Obwohl eine Eule strenggenommen wohl nicht als Fahrgast anzusehen ist, hat Lokführer Kai Steinkamp das Tier im besten Sinne wie einen Fahrgast behandelt. Während viele Kollegen wohl einfach weitergefahren wären, hat der DB Cargo-Mitarbeiter den Unglücksort inspiziert, die Eule geborgen und sie dann in erfahrende Hände gegeben. Dass der Uhu überlebt hat, beweist, dass dieser Lokführer viel Herz besitzt und viel Verstand dazu. Der gekonnte Einsatz für einen vom Aussterben bedrohten Vogel verdient den Sonderpreis Naturschutz.“

„Wir hatten beide große Angst voreinander“ - Der Preisträger im Interview

Herr Steinkamp, haben Sie ein Händchen für Raubtiere?

Überhaupt nicht. Meine kleine Eule und ich, wir hatten beide große Angst voreinander.

Wie verlief denn die Rettung?

Es war drei Uhr nachts, ich war mit 100 Stundenkilometern unterwegs, als ich diesen Rums hörte. Ich dachte, ich habe vielleicht ein Reh erwischt. Als ich unter die Lok schaute, sah ich den kleinen Uhu. „Oh Gott, der lebt noch. Was mache ich jetzt?“ Ich habe null Erfahrung mit Wildtieren.

Sie haben erst mal telefoniert.

Lokdienst, Feuerwehr, Bundespolizei, keiner konnte mir was sagen. Beim NABU bekam ich wenigstens einen Rat, wie ich den Vogel aus dem Räderwerk holen kann.

Wahrscheinlich war der Schnabel gefährlich.

Der Schnabel ging noch. Aber er hatte wirklich lange Greifklauen. Ich zog mir dicke Handschuhe an und versuchte mit einem Stock, den Uhu da rauszuholen. Aber der Kleine wehrte sich. Er wusste ja nicht, dass ich ihm helfen will. Er hat gefaucht. Es klang wie ein wütendes Miauen.

Und dann?

Ich habe ihn in einen Karton getan, meine Jacke drübergelegt. Im Führerstand habe ich die Fußbodenheizung angemacht. Da hat er sich langsam beruhigt. Als ich dann so kleine Schlafgeräusche hörte ...

Wie klang das?

Wie ein ganz leises Zischen. Da wusste ich, dass er sich wohl fühlt. Morgens habe ich dann die Tierrettung erreicht. Sie kamen mit einem winzigen Käfig. Und waren auch noch zu spät.

Und Ihre Lok stand am Bahnhof und hielt den ganzen Betrieb auf?

Zum Glück konnte ich ohne allzu große Verspätung weiterfahren.

Sind die Kollegen denn jetzt stolz auf Sie?

Die meisten finden es gut. Aber einige machen auch Witze. Wenn ich mal eine Schicht verhandeln will, sagen sie: „Der Steinkamp kümmert sich lieber um Eulen.“

Haben Sie Ihren Uhu noch mal wiedergesehen?

Ich habe später in Karlsruhe in der Wildtierstation angerufen, und sie haben mir erzählt, dass mein Uhu seinen gebrochenen Flügel auskuriert hat. Inzwischen wurde er ausgewildert und lebt nun wieder seine Freiheit.

Sind Sie denn auch sonst ein Umweltschützer?

Ich betrachte die Welt und alles Lebendige mit Respekt. Meinen Kaffee nehme ich in der Thermoskanne mit. Wir müssen doch nicht mit Wegwerf-Pappbechern rumlaufen. Das sage ich auch den Kollegen.

Sie sind also eine Art Vorbild?

Wohl oder übel. Aber es gibt schlimmeres, was man sein kann.

Landessieger 2017

Sie bringen den ganzen Zug zum Lachen oder zum Singen, kleine Abenteurer sicher nach Hause und den Geschäftsmann pünktlich ans Ziel: Auch auf Landesebene hat die Jury herausragende Leistungen gewürdigt. Immer mehr Bundesländer stellen einen Landessieger. Wir sagen: Weiter so!

Kleiner Junge auf großer Fahrt

BADEN-WÜRTTEMBERG: Saskia Schönlebe, Triebfahrzeugführerin AVG

Einsender: Marcus Grün

Ein vierjähriger Junge wird fieberhaft gesucht, sogar ein Polizeihubschrauber ist schon im Einsatz. Triebfahrzeugführerin Saskia Schönlebe weiß von alldem nichts, als sie den verängstigten Emilio in ihrem Zug entdeckt. Sie sorgt dafür, dass der kleine Ausreißer sicher nach Hause kommt. Vorher zeigt sie ihm aber noch den Lokführerstand. „Absolut vorbildlich“, findet die Jury.

Fremdenführer durchs Isartal

BAYERN: Thomas Hindelang, Lokführer bei der BOB

Einsenderin: Gabriele Schneider

Lokführer Thomas Hindelang, der regelmäßig von Teggernsee nach München fährt, hat immer einen launigen Spruch auf den Lippen. Mal weist er wie ein Fremdenführer auf das wunderschöne Isartal hin, mal wartet er mit praktischen Umsteigetipps auf. Die Jury sagt: „Klasse – und weiter so!“

Starke Nerven gegen die Panik

BERLIN: Simone Kroll, ODEG-Zugbegleiterin

Einsender: Joachim Preuß

Bei sommerlich-hitzigen Temperaturen steht der Einsender, trotz Klimaanlage im Zug, kurz vor einem Kreislaufzusammenbruch. Obwohl sie gleichzeitig noch einen Notarzteinsatz koordinieren muss kümmert sich Zugbegleiterin Simone Kroll sorgsam um den Fahrgast und verwandelt so seine Angst in Sicherheit. Die Jury lobt ihr umsichtiges Verhalten.

Der Gute-Laune-Garant

BRANDENBURG: Heiko Schmidt-Dworschak, Zugbegleiter DB Regio Potsdam

Einsender: Andre Barthels

Der Brandenburger Zugbegleiter „Schmitti“ ist für seine lustigen Ansagen bekannt und beliebt. Seit Jahren zählt er zu den meistnominierten Lieblingseisenbahnern. Für die Jury ein typischer Fall der goldenen Regel: Einmal Eisenbahner mit Herz – immer Eisenbahner mit Herz.

Geburtstagsparty im Zug

BREMEN – NIEDERSACHSEN: Cornelia Gerke, Metronom Lokführerin

Einsender: Volker Weidemann

An seinem 12. Geburtstag lädt Lokführerin Cornelia Gerke das Geburtstagskind und seine Freunde spontan in die Fahrkanzel ein. Kurzerhand dürfen die Gäste selbst eine Durchsage machen und als Cornelia Gerke dann noch ein Geburtstagslied anstimmt lassen sich die anderen Fahrgäste nicht lange bitten. „Über Nachwuchs brauchen wir uns so nicht zu sorgen“, freut sich die Jury.

Rettung nach dem Opernball

HAMBURG: Sven Krolikowski, Lokführer S-Bahn Hamburg

Einsenderin: Birgit Stolzke

Nach dem Opernball strandet die Einsenderin mitten in der Nacht in ihrem dünnen Kleid auf dem Bahnsteig in Stade. Es fährt keine Bahn mehr und für das Taxi reicht die schmale Witwenrente nicht. Rettung bringt Lokführer Sven Krolikowski. Er fährt die Dame mit seinem Auto bis nach Hause. Die Jury ist von so viel Einsatz, auch noch nach Feierabend, begeistert.

Das Naturtalent

HESSEN: Kevin Grün, Lokführer S-Bahn Frankfurt

Einsender: N. Wiesenäcker, D. Boucsein, R. Feick

Erst vor einem Jahr beendete Lokführer Kevin Grün seine Ausbildung und schon ist er für viele Frankfurter Bahnfahrer nicht mehr wegzudenken. Gleich mehrere Einsender preisen seine humorvollen Durchsagen und seinen charmanten Umgang. „Chapeau!“, sagt auch die Jury

Den Umstieg gesichert

MECKLENBURG-VORPOMMERN: Christine Herrwaldt, DB Information Bahnhof Rostock

Einsender: Andreas Mohr

Manchmal braucht auch ein Mann von Welt, der sonst „alles im Griff“ hat, Hilfe. Unser Einsender hatte Glück und traf auf die DB-Info Mitarbeiterin Christine Herrwaldt, die ihm mit viel Geduld und einem kurzen Draht zu Flinkster die Weiterfahrt am nächsten Morgen sicherte. Der Jury imponiert diese professionelle Hilfe.

Tränen gelacht

NORDRHEIN-WESTFALEN: Alexander Rezek, Zugbegleiter DB Fernverkehr Köln

Einsender: Dirk Fourie und elf weitere

Wahre Begeisterungsstürme löst Zugbegleiter Alexander Rezek aus. Mit viel Witz und Humor sorgt er für das Wohlergehen seiner Fahrgäste. Sie beschreiben ihn als „würdevollen und eleganten sowie freundlichen und humorvollen Repräsentant der Zugbegleiterzunft“. Für die Jury eine bravouröse Leistung.

Die Siegergala 2017 in Bildern

Auf einer festlichen Gala in Berlin wurden die Preisträgerinnen und Preisträger für ihr tolles Engagement ausgezeichnet. Dabei erhielten sie viel Lob von den versammelten Bahnchefs und den Vertretern der Jury. Unser Fotograf hat den Abend in Bildern festgehalten:

Sieger 2016

Eine Zugbegleiterin, ein Lokführer und ein Reisecenter-Mitarbeiter gewinnen den Titel „Eisenbahner mit Herz 2016“. Erstmals würdigt die Jury auch die herausragenden Leistungen auch auf Landesebene: Acht Bundesländer stellen in diesem Jahr einen Landessieger.

https://www.youtube.com/watch?v=CS0qQF6h7Ks&ab_channel=AllianzproSchienee.V.

Die Sieger-Gala

Eisenbahner mit Herz 2016 - Die Sieger-Gala

Rund 100 Gäste feierten im Restaurant "Two Buddhas" im Berliner Nordbahnhof die Preisträger der sechsten Auflage des Wettbewerbs "Eisenbahner mit Herz". Neben den drei Hauptsiegern wurden erstmals auch Landessieger gekürt und von ihren Bahnchefs geehrt. Der Gold-Gewinner von 2012, Peter Gitzen, gab ein Ständchen zum Besten.

Video: Eisenbahner mit Herz - Die Sieger-Gala (3:41 min.)

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Gold: Lena-Sophia Nobbe

Lena-Sophia Nobbe - Eisenbahner mit Herz 2016 (Gold)
Auf dem Weg von Siegen nach Essen bewahrt Zugbegleiterin Lena-Sophia Nobbe eine Flüchtlingsfamilie vor rassistischen Anfeindungen eines Fahrgasts.
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Goldmedaille für Lena-Sophia Nobbe

Umgestiegen auf Zugbegleiterin

Lena-Sophia Nobbe (46) hat in ihrem Berufsleben schon viele Stationen gemeistert. Die gelernte Friseurin aus Castrop-Rauxel mit türkischen Wurzeln arbeitete an der Kasse eines Baumarkts und bei McDonald’s, bevor sie sich bei Abellio bewarb. Es war Liebe auf den ersten Blick, und das Jobangebot aus Hagen kam prompt. Dass sie mit dem neuen Arbeitsplatz auch gleich die Eisenbahn für sich entdeckte, freut die erklärte Autofahrerin besonders. Ihr Mann ist ihr darin gefolgt: Seit zwei Jahren ist er Lokführer im Güterverkehr. Lena-Sophia Nobbe fühlt sich trotzdem als Pionierin: „Ich bin die erste Eisenbahnerin in der Familie.“ Und die Beste.

Die Würdigung der Jury

Moralisches Stoppschild gegen Rassismus

Es ist sicher nicht die Aufgabe von Zugbegleitern, die eigenen Fahrgäste zu erziehen. Umso intelligenter die Reaktion von Lena-Sophia Nobbe. Ohne den Kunden vor den Kopf zu stoßen, hat sie ihm ein moralisches Stoppschild gesetzt. Dass der Einsender selbst nicht wusste, wie er damit umgehen sollte, zeigt die alltägliche Dimension der deutschen „Flüchtlingskrise“. Die Reaktion der Abellio-Mitarbeiterin steht dafür, dass jeder Mensch in unseren Zügen einen guten Platz findet. Die Jury meint: Gold für ein nachahmenswürdiges Verhalten.