Gigaliner: Eine Gefahr für Verkehr und Umwelt

Gigaliner: Sie sind über 25 Meter lang und bis zu 44 Tonnen schwer: Seit dem 1. Januar 2017 fahren die umstrittenen Riesen-Lkw in Deutschland im Regelbetrieb. Das Bundesverkehrsministerium nennt sie Lang-Lkw, in den Medien bezeichnet man sie auch als Mega oder gar Monster Trucks. Hier erfahren Sie, warum der Gigaliner gefährlich und schlecht für Umwelt und Verkehr ist.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren hat das Bundesverkehrsministerium in einem sogenannten Feldversuch den Einsatz von Gigalinern erlaubt. Per Ausnahmeverordnung wurden die überlangen Lkw für den Betrieb auf bestimmten Strecken zugelassen. Nicht jedes Bundesland nahm am Feldversuch teil, Berlin, Saarland und Rheinland-Pfalz verweigerten sich dem Experiment. 161 Gigaliner waren angemeldet, der Feldversuch endete am 31. Dezember 2016. Schon vor dem Abschlussbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) kündigte Verkehrsminister Dobrindt die Regelzulassung der Riesen-Lkw zum 1. Januar 2017 an.

Was ist ein Gigaliner?

Herkömmliche Lkw mit Anhänger haben eine Länge von bis zu 18,75 Metern und dürfen bis zu 40 Tonnen laden. Werden sie im Kombinierten Verkehr (KV) eingesetzt, erhöht sich das zulässige Maximalgewicht auf 44 Tonnen. Bei gleicher Maximallast ist der Gigaliner bis zu 6,5 Meter länger, insgesamt misst er bis zu 25,25 Meter. Das Bundesverkehrsministerium unterscheidet beim Gigaliner in fünf Typen:

  • Typ 1: Sattelzugmaschine mit Sattelanhänger (Sattelkraftfahrzeug) bis zu einer Gesamtlänge von 17,80 Metern (verlängerter Sattelauflieger – Versuch 7 Jahre verlängert)
  • Typ 2: Sattelkraftfahrzeug mit Zentralachsanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern (Versuchsverlängerung ein Jahr)
  • Typ 3: Lastkraftwagen mit Untersetzachse und Sattelanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern (Aufhebung der Befristung)
  • Typ 4: Sattelkraftfahrzeug mit einem weiteren Sattelanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern (Aufhebung der Befristung)
  • Typ 5: Lastkraftwagen mit einem Anhänger bis zu einer Gesamtlänge von 24,00 Metern (Aufhebung der Befristung)

Auf welchen Strecken dürfen Gigaliner fahren?

Das Streckennetz (sogenanntes Positivnetz), auf dem Riesen-Lkw fahren dürfen, hat momentan eine Länge von rund 11.600 Kilometern. Siebzig Prozent der Straßen sind Autobahnen, aber auch viele Bundes- und sogar Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen sind für die überlangen Lkw freigegeben. Auf der Karte sehen Sie das Streckennetz für Gigaliner in schematischer Darstellung, eine Auflistung der freigegebenen Straßen können Sie hier herunterladen.

Im Video: Gigaliner – Albtraum für Autofahrer (5:50 min.)

Protestmail: Gigaliner-Strecken streichen!

Deshalb ist die Allianz pro Schiene gegen Gigaliner

1. Gigaliner sind ein Sicherheitsrisiko im Verkehr

Jedes Jahr kommen mehrere Tausend Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Die Unfallstatistik des Straßenverkehrs zeigt: Sobald ein Lkw in einen Unfall verwickelt ist, verdoppelt sich das Todesrisiko. Heute ist an jedem fünften tödlichen Verkehrsunfall ein Lkw beteiligt. Je schwerer der Lkw ist, desto gravierender sind die Unfallfolgen. In einigen Nachbarländern sind Gigaliner schon bis zu 60 Tonnen schwer. Ein solcher Laster besitzt bei 80 km/h fast die gleiche Bewegungsenergie wie ein 40-Tonner mit Tempo 100 sowie den entsprechend langen Bremsweg. Sicherheitsrisiken beim Betrieb von Gigalinern sind unter anderem:

  • Kurven, Einmündungen und Kreisverkehre: Aufgrund ihrer Überlänge sind Gigaliner ein Sicherheitsrisiko in Kurven und auf Kreuzungen und Kreisverkehren. Beim Abbiegen bleibt links und rechts eines Gigaliners kein Sicherheitsspielraum mehr, häufig müssen benachbarte Fahrspuren mitbenutzt werden.
  • Kreuzungen und Bahnübergänge: Gefahren entstehen auch durch die längeren Räumzeiten von Gigalinern auf Kreuzungen und Bahnübergängen. Ein Lkw mit über 25 Metern Länge braucht deutlich länger beim Ein- und Abbiegen. Gerade auf Kreuzungen behindert er die anderen Verkehrsteilnehmer und macht die gesamte Verkehrssituation unübersichtlich.
  • Überholen: Autofahrer kennen das Problem beim Überholen von Lkw: Sie müssen die Entfernung zum Gegenverkehr einschätzen, Seitenwinde berücksichtigen und haben es nicht selten mit mehreren LKW zu tun. Ein Gigaliner überragt einen konventionellen Lkw um die Länge zweier Kompaktwagen und macht damit Überholvorgänge noch länger, unübersichtlicher und risikoreicher.
  • Tunnel: Unsere Tunnel sind für eine sichere Durchquerung von Gigalinern nicht ausgelegt. Wegen des größeren Transportvolumens steigt die Brandlast. Gleichzeitig sind Tunnel-Nothaltebuchten sind für die 25,25 Meter langen Lkw-Typen zu kurz.

2. Gigaliner sind umweltschädlich

Gigaliner führen so zu mehr Verkehr auf unseren Straßen. Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass die Zulassung der überlangen Laster zu rund 7.000 zusätzlichen Lkw-Fahrten jeden Tag führen würde. Damit steigen auch die Umweltbelastungen.

Die Gigaliner-Befürworter halten dagegen: Angeblich ersetzen zwei Gigaliner drei normale LKW, dadurch sollen Kraftstoffverbrauch und Umweltbelastung sinken. Das ist allerdings zu kurz gedacht, denn die Auswirkungen auf den gesamten Güterverkehrsmarkt werden bei dieser Milchmädchenrechnung außer Acht gelassen: Riesen-LKW verbilligen den Transport auf der Straße um bis zu 30 Prozent. Ein völlig falsches Signal für die dringend benötigte Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene.

Das führt erstens dazu, dass Gütertransporte von umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln wie Bahn und Binnenschiff auf die Straße verlagert werden. Zweitens wird diese Verbilligung das Wachstum des LKW-Verkehrs zusätzlich anheizen, Experten sprechen hier von „induziertem Verkehr“. Drittens können Riesen-LKW aufgrund ihrer Dimensionen viele Ziele nicht direkt erreichen, so dass zusätzliche Zubringerfahrten erforderlich werden.

3. Gigaliner sind ein Problem für Straßen, Brücken und Tunnel

Die Straßeninfrastruktur in Deutschland ist nur bedingt für den Einsatz von überlangen Lkw geeignet. Kreuzungen, Kreisverkehre, Tunnel und Rastplätze gehören zur Straßeninfrastruktur und müssten mit gigantischem Aufwand angepasst werden – alles zu Lasten der Steuerzahler. Dabei wird schon heute die Reparatur teils schwerwiegender Straßenschäden aus Geldmangel vernachlässigt. Verantwortlich für die Schäden ist in erster Linie der Schwerverkehr, denn schwere Lkw verursachen überproportional starke Straßenschäden. Zum Vergleich: Ein 40-Tonner belastet die Straßen wie 160.000 PKW.

Eine besondere Belastung ist der Gigaliner für Brücken. Die Fahrzeuge verbilligen den Transport auf der Straße und sorgen für tausende zusätzliche Lkw-Fahrten. Die Folge: Brücken werden schneller instabil. Die Instandhaltungskosten zahlt wiederum der Steuerzahler.
 
Lkw-Fahrer müssen festgelegte Fahrpausen einlegen, damit ihre Aufmerksamkeit hinter dem Steuer nicht nachlässt. Allerdings sind die heute vorhandenen Lkw-Stellflächen auf Rastplätzen nicht für Gigaliner ausgelegt. Die Parkplätze sind für die 25-Meter-Laster zu kurz. Um die Parkplätze Gigaliner-tauglich zu machen, wäre ein Ausbau sämtlicher europäischer Rastplätze notwendig.

Wie hoch die Kosten wirklich sein werden, die die Riesen-LKW verursachen, kann heute noch keiner genau sagen. Klar ist nur, dass es sich um viele Milliarden handelt. Und wer soll das alles bezahlen? Die Steuerzahler. All diese Kosten soll die Allgemeinheit tragen, damit die Lkw-Industrie und große Verlader ihren Profit maximieren, nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren.

Ende des Feldversuchs und Zulassung

Kurz vor dem Ende des Gigaliner-Feldversuchs veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium die Ergebnisse des Abschlussberichts der Bundesanstalt für Straßenwesen. Verkehrsminister Dobrindt sprach von einem positiven Ausgang des Gigaliner-Feldversuchs und verordnete die Zulassung der Gigaliner Typen 3, 4, und 5. Für Typ 1 und 2 wurde die Testphase verlängert um 7 bzw. 1 weiteres Jahr. Für diesen Alleingang wurde Dobrindt scharf kritisiert. Unter anderem das Bundesumweltministerium protestierte, dass die umstrittene Verordnung nicht innerhalb der Bundesregierung abgestimmt worden sei. In den Medien ist von einem Geschenk für die Auto-Industrie die Rede.

Die Allianz pro Schiene teilt die Einschätzung des Bundesverkehrsministers nicht. Aufgrund der geringen Anzahl teilnehmender Fahrzeuge bleibt der Abschlussbericht wenig aussagekräftig und lässt viele Fragen offen. Der Bericht listet auf, dass in fünf Jahren lediglich 59 Speditionen mit 161 Gigalinern angemeldet waren. Wie viele davon auch tatsächlich gefahren sind, ist der BASt nicht bekannt.

Weitere Meldungen zum Gigaliner

Gigaliner-Zulassung kommt vor Gericht

Ein breites Verbändebündnis aus Allianz pro Schiene, BUND und Deutscher Umwelthilfe (DUH) will die generelle Gigaliner-Zulassung auf deutschen Straßen auf dem Klageweg verhindern. Die zum 1. Januar 2017 vom Bundesverkehrsministerium erteilte Regelzulassung für die mehr als 25 Meter langen Lastwagen verstoße gegen das EU-Recht, teilten die Verbände am Mittwoch in Berlin auf einer Pressekonferenz mit. Zur Pressemitteilung

Diese 6 Sicherheitsbedenken zeigen: Gigaliner sind Risiko im Straßenverkehr

3.280 Menschen kamen im vergangenen Jahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben, das schätzt das Statistische Bundesamt. Nahezu jeden Tag sterben zehn Menschen auf unseren Straßen. Mit der Zulassung der Gigaliner könnte das Risiko steigen, bei einem Unfall verletzt oder gar getötet zu werden. Denn: Der Einsatz der Riesen-Lkw bringt weitere Sicherheitsrisiken mit sich. An jedem fünften Unfall, bei dem Menschen ums Leben kommen, ist ein Lkw beteiligt. Zum Artikel

Kombinierter Verkehr: Überlange Sattelanhänger inkompatibel mit europaweiten Standards

Zum 1. Januar 2017 hat Bundesverkehrsminister Dobrindt (CSU) den umstrittenen Gigaliner für den Regelbetrieb auf „geeigneten“ Strecken freigegeben. Dabei sind nicht nur Lkw-Kombinationen mit bis zu 25,25 Metern Länge erlaubt, sondern auch Lastwagen mit einem verlängerten Sattelanhänger. Diese Fahrzeuge dürfen maximal 17,80 Meter lang sein, 1,30 Meter mehr als bisher. Für den Kombinierten Verkehr sind die verlängerten Sattelanhänger unbrauchbar. Zum Artikel

Gigaliner: Allianz pro Schiene prüft rechtliche Schritte

Während der Streit innerhalb der Regierung um die Zukunft des Riesen-Lkw schärfer wird, stellt sich die Allianz pro Schiene auf die Seite des Bundesumweltministeriums (BMUB). Nach der deutlichen Kritik am Gigaliner aus dem BMUB an der vom Bundesverkehrsministerium zum 1. Januar 2017 ohne weitere Abstimmung erteilten Regelzulassung für bis zu 25,25 Meter lange Lkw erwägt die Allianz pro Schiene den Rechtsweg. Zum Artikel

Fragen und Antworten zum Riesen-Lkw

Sie heißen Gigaliner, EuroCombi, Ökoliner oder Lang-Lkw, doch hinter den harmlosen Namen verstecken sich noch längere und schwerere Lastwagen. Nach dem fünfjährigen Testversuch hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die 25,25 Meter langen und bis zu 44 Tonen schweren Laster mit einer umstrittenen Ministerverordnung zugelassen. Die wichtigsten Punkte zum Lang-Lkw im Überblick. Zum Artikel

Gigaliner-Test lässt viele Fragen offen

Der Abschlussbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ist da. „In zwei Wochen endet der Gigaliner-Test, und Deutschland hat bis jetzt auf die Abschlussstudie warten müssen. Wer das Papier nun kurz vor knapp in Händen hält, erlebt eine Riesen-Ernüchterung. Kein Wunder, dass Verkehrsminister Dobrindt diese Studie lieber in der Schublade lassen wollte“, stellt der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege fest. Zum Artikel

Allianz pro Schiene mahnt fehlenden Gigaliner-Bericht an

Mit Unverständnis hat die Allianz pro Schiene auf den Verordnungsentwurf von Verkehrsminister Alexander Dobrindt zur unbefristeten Zulassung von Riesen-Lkw reagiert: Der Verordnungstext des Verkehrsministeriums war den Verbänden zur Stellungnahme zugeleitet worden, während der Abschlussbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen offenbar geheim gehalten werden soll. Gibt es etwa Sicherheitsbedenken? Zum Artikel

Allianz pro Schiene sieht Dammbruch beim Gigaliner

Mit Bestürzung hat die Allianz pro Schiene auf einen Bericht der Stuttgarter Zeitung von heute reagiert, wonach das Bundesverkehrsministerium bereits an einer Erlaubnis für grenzüberschreitende Fahrten mit überlangen Lkw arbeitet. „Damit droht der Dammbruch beim Gigaliner“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Dadurch könnten auch bis zu 60 Tonnen schwere Gigaliner bald auf deutschen Straßen fahren. Zum Artikel

Forsa: Fast drei Viertel der Bürger gegen Riesen-Lkw

Fast drei Viertel der Deutschen sind gegen einen Einsatz von Riesen-Lkw auf deutschen Straßen. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag der Allianz pro Schiene, des Automobil-Clubs Verkehr und des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen ergeben. Insgesamt sprachen sich 72 Prozent der Befragten gegen eine Zulassung von übergroßen Lastwagen auf deutschen Straßen aus. Zum Artikel

Bahnübergänge sind nicht für Riesenlaster ausgelegt

Noch fahren sie nicht, sorgen aber schon seit Monaten für hitzige Debatten, die Gigaliner. Jetzt gibt es neue Bedenken. „Die Ampelsignale und Schrankenschaltungen der Bahnübergänge in Deutschland sind für die Riesen-Lkw nicht ausgelegt. Die Räumzeiten werden bislang nach der regulären Lkw-Maximallänge von 18,75 Meter berechnet. Es kann zu schweren Unfällen kommen, warnt die Allianz pro Schiene. Zum Artikel

EU-Parlament bleibt beim Gigaliner-Verbot

Das Europäische Parlament hat die neue Richtlinie für Maße und Gewichte von Lastwagen verabschiedet. Die Parlamentarier blieben bei ihrem Nein zu grenzüberschreitenden Fahrten mit dem Gigaliner. Erlaubt wird dagegen ein neues Lkw-Design mit abgerundeten Führerhäusern. Dadurch soll die Verkehrssicherheit für Radfahrer und Fußgänger verbessert werden. Die EU zeigt dem Gigaliner das Stoppschild. Zum Artikel

Für weitere Meldungen zum Gigaliner nutzen Sie bitte unsere Suchfunktion oder besuchen Sie die Seite www.nomegatrucks.eu