Gigaliner: Eine Gefahr für Verkehr und Umwelt

Gigaliner: Sie sind über 25 Meter lang und bis zu 44 Tonnen schwer: Seit dem 1. Januar 2017 fahren die umstrittenen Riesen-Lkw in Deutschland im Regelbetrieb. Das Bundesverkehrsministerium nennt sie Lang-Lkw, in den Medien bezeichnet man sie auch als Mega oder gar Monster Trucks. Hier erfahren Sie, warum der Gigaliner gefährlich und schlecht für Umwelt und Verkehr ist.

Was ist ein Gigaliner?

Herkömmliche Lkw mit Anhänger haben eine Länge von bis zu 18,75 Metern und dürfen bis zu 40 Tonnen laden. Werden sie im Kombinierten Verkehr (KV) eingesetzt, erhöht sich das zulässige Maximalgewicht auf 44 Tonnen. Bei gleicher Maximallast ist der Gigaliner bis zu 6,5 Meter länger, insgesamt misst er bis zu 25,25 Meter. Das Bundesverkehrsministerium unterscheidet beim Gigaliner in fünf Typen:

  • Typ 1: Sattelzugmaschine mit verlängertem Sattelanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 17,80 Metern zunächst bis 31.12.2023 befristet)
  • Typ 2: Sattelkraftfahrzeug mit Zentralachsanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern unbefristet seit 01.01.18)
  • Typ 3: Lastkraftwagen mit Untersetzachse und Sattelanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern (unbefristet seit 01.01.17)
  • Typ 4: Sattelkraftfahrzeug mit einem weiteren Sattelanhänger bis zu einer Gesamtlänge von 25,25 Metern (unbefristet seit 01.01.17)
  • Typ 5: Lastkraftwagen mit einem Anhänger bis zu einer Gesamtlänge von 24,00 Metern (unbefristet seit 01.01.17)

Auf welchen Strecken dürfen die Riesen-Laster fahren?

Das Streckennetz, auf dem Riesen-Lkw fahren dürfen, hat inzwischen eine Länge von mehr als 11.600 Kilometern. Siebzig Prozent der Straßen sind Autobahnen, aber auch viele Bundes- und sogar Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen sind für die überlangen Lkw freigegeben. Auf der Karte sehen Sie das Streckennetz für Gigaliner in schematischer Darstellung, eine Auflistung der freigegebenen Straßen können Sie hier herunterladen.

Im Video: Gigaliner – Albtraum für Autofahrer (5:50 min.)

Protestmail: Gigaliner-Strecken streichen!

Deshalb ist die Allianz pro Schiene gegen Lang-Lkw

1. Gigaliner sind ein Sicherheitsrisiko im Verkehr

Jedes Jahr kommen mehr als 3.500 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Die Unfallstatistik des Straßenverkehrs zeigt: Sobald ein Lkw in einen Unfall verwickelt ist, verdoppelt sich das Todesrisiko. Heute ist an jedem fünften tödlichen Verkehrsunfall ein Lkw beteiligt. Je schwerer der Lkw ist, desto gravierender sind die Unfallfolgen. In einigen Nachbarländern sind Gigaliner schon über 60 Tonnen schwer. Ein solcher Laster besitzt bei 80 km/h fast die gleiche Bewegungsenergie wie ein 40-Tonner mit Tempo 100 sowie den entsprechend langen Bremsweg. Sicherheitsrisiken beim Betrieb von Gigalinern sind unter anderem:

  • Kurven, Einmündungen und Kreisverkehre: Aufgrund ihrer Überlänge sind Gigaliner ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr. Beim Abbiegen bleibt links und rechts eines Gigaliners kein Sicherheitsspielraum mehr, häufig müssen benachbarte Fahrspuren mitbenutzt werden.
  • Kreuzungen und Bahnübergänge: Gefahren entstehen durch die längeren Räumzeiten von Gigalinern auf Kreuzungen und Bahnübergängen. Ein Lkw mit über 25 Metern Länge braucht auch deutlich länger beim Ein- und Abbiegen. Gerade auf Kreuzungen behindert er die anderen Verkehrsteilnehmer und macht die Verkehrssituation unübersichtlich.
  • Überholen: Autofahrer kennen das Problem beim Überholen von Lkw: Sie müssen die Entfernung zum Gegenverkehr einschätzen, Seitenwinde berücksichtigen und haben es nicht selten mit mehreren LKW zu tun. Ein Gigaliner überragt einen konventionellen Lkw um die Länge zweier Kompaktwagen und macht damit Überholvorgänge noch länger, unübersichtlicher und risikoreicher.
  • Tunnel: Unsere Tunnel sind für eine sichere Durchquerung von Gigalinern nicht ausgelegt. Wegen des größeren Transportvolumens steigt die Brandlast. Gleichzeitig sind Tunnel-Nothaltebuchten sind für die 25,25 Meter langen Lkw zu kurz.

2. Gigaliner sind umweltschädlich

Gigaliner führen zu mehr Verkehr auf unseren Straßen. Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass die Zulassung der überlangen Laster zu rund 7.000 zusätzlichen Lkw-Fahrten jeden Tag führen würde. Damit steigen auch die Umweltbelastungen.

Die Gigaliner-Befürworter halten dagegen: Angeblich ersetzen zwei Gigaliner drei normale LKW, dadurch soll der Kraftstoffverbrauch sinken. Das ist allerdings zu kurz gedacht, denn die Auswirkungen auf den gesamten Güterverkehrsmarkt werden bei dieser Milchmädchenrechnung außer Acht gelassen: Gigaliner verbilligen den Lkw-Verkehr um bis zu 30 Prozent und verlagern so Transporte von der umweltfreundlichen Schiene zurück auf die Straße. Zusätzlich heizt das Preisdumping die Lagerhaltung auf der Straße weiter an.

3. Gigaliner sind ein Problem für Straßen, Brücken und Tunnel

Die Straßeninfrastruktur in Deutschland ist nur bedingt für den Einsatz von überlangen Lkw geeignet. Kreuzungen, Kreisverkehre, Tunnel und Rastplätze müssten mit gigantischem Aufwand angepasst werden – alles zu Lasten der Steuerzahler.

Eine besondere Belastung ist der Gigaliner für Brücken. Die Fahrzeuge verbilligen den Transport auf der Straße und sorgen für tausende zusätzliche Lkw-Fahrten. Die Folge: Brücken werden schneller marode. Die Instandhaltungskosten zahlt wiederum der Steuerzahler.

Auch die heute vorhandenen Lkw- Parkplätze sind für die 25-Meter-Laster zu kurz. Um die Stellflächen Gigaliner-tauglich zu machen, wäre ein Ausbau sämtlicher Rastplätze notwendig.

Wie hoch die Kosten wirklich sein werden, die Riesen-LKW verursachen, kann heute niemand genau sagen. Klar ist aber, dass es sich um viele Milliarden handelt. All diese Kosten soll die Allgemeinheit tragen, damit die Lkw-Industrie und große Verlader ihren Profit maximieren, nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren.

 

Wie es dazu kam

Kurz vor dem Ende des fünfjährigen Gigaliner-Feldversuchs veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium die Ergebnisse des Abschlussberichts der Bundesanstalt für Straßenwesen. Verkehrsminister Dobrindt sprach von einem positiven Ausgang des Feldversuchs und verordnete Anfang 2017 die dauerhafte Zulassung Für diesen Alleingang wurde Dobrindt scharf kritisiert. Unter anderem das Bundesumweltministerium protestierte, dass die umstrittene Verordnung nicht innerhalb der Bundesregierung abgestimmt worden sei. In den Medien ist von einem Geschenk für die Auto-Industrie die Rede.

Die Allianz pro Schiene teilt diese Einschätzung. Aufgrund der geringen Anzahl teilnehmender Fahrzeuge bleibt der Abschlussbericht wenig aussagekräftig und lässt viele Fragen offen. Der Bericht listet auf, dass in fünf Jahren lediglich 59 Speditionen mit 161 Gigalinern angemeldet waren. Wie viele davon auch tatsächlich gefahren sind, ist der BASt nicht bekannt.

 

Weitere Meldungen zum Riesen-Lkw