Themen: Güterverkehr
06. Januar 2009

„Unverantwortliche Entscheidung pro Monstertruck“

Thüringen verlängert stillschweigend Fahrerlaubnis für Riesen-Lkw

Berlin. Die Allianz pro Schiene hat die heute bekannt gewordene Verlängerung der so genannten Pilotversuche mit Riesen-Lkw in Thüringen scharf kritisiert. Das Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Medien in Erfurt hat die vor einem Jahr erteilte Ausnahmegenehmigung für Transporte des Zwiebackherstellers Brandt auf der knapp 100 Kilometer langen Strecke von Hermsdorf nach Ohrdruf um ein weiteres Jahr verlängert. „Leider tritt Thüringens Verkehrsminister Gerold Wucherpfennig mit seiner unverantwortlichen Entscheidung pro Monstertruck in die Fußstapfen seines Vorgängers Andreas Trautvetter. Es ist unbegreiflich, dass sowohl die Meinung der thüringischen Bevölkerung als auch der Beschluss der Verkehrsministerkonferenz weiterhin komplett ignoriert werden“, so Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene in Berlin. Im Oktober 2007 hatten die Verkehrsminister der Bundesländer den Einsatz der bis zu 25 Meter langen Fahrzeuge abgelehnt. Auch wenn es bei einem Gesamtgewicht von 40 Tonnen bleibt. Ausgelegt sind die Riesen-Lkw sogar für 60 Tonnen. In einer Forsa-Umfrage hatten sich 76 Prozent der Thüringer gegen die Zulassung von Monstertrucks ausgesprochen.

„Es geht bei den so genannten Versuchen doch nicht um neue Erkenntnisse. Durch die stillschweigende Verlängerung der Fahrerlaubnis für Monstertrucks werden Fakten geschaffen, unter denen mit Ausnahme der in Thüringen ansässigen Lkw-Hersteller alle zu leiden haben“, so der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer. Thüringens Verkehrsminister Gerold Wucherpfennig (CDU) begründet die Verlängerung des so genannten Pilotversuches nach Agenturberichten mit positiven Zwischenergebnissen. „Es ist unstrittig, dass die überdimensionierten Fahrzeuge die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zusätzlich gefährden. Herr Wucherpfennig sollte seine Entscheidung nicht leichtfertig damit rechtfertigen, dass es in Thüringen bislang zu keinem Monstertruck-Unfall gekommen ist“, so Flege. Auch das Argument, Riesen-Lkw seien ökologisch sinnvoll, könne man so nicht stehen lassen. „Wenn wir in Deutschland Monstertrucks zulassen, wird es zu einer Verkehrsverlagerung von der umweltfreundlichen Schiene auf die Straße kommen. Das können wir uns im Zeitalter des Klimawandels nicht leisten.“ Schützenhilfe bekommt die Allianz pro Schiene bei dieser Einschätzung auch von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), der sich zum Jahreswechsel noch einmal öffentlich gegen Riesen-Lkw ausgesprochen hat.

Auf EU-Ebene gibt es Bestrebungen, Riesen-Lkw europaweit zuzulassen. Länder wie Dänemark und die Niederlande preschen bereits mit umfangreichen Versuchen vor. Dirk Flege: „Deutschland muss eine europaweiten Zulassung von Riesen-Lkw, die auch vor unseren Straßen nicht Halt machen würde, unbedingt verhindern.“ Internationale Studien belegen eindeutig, dass die Einführung von Monstertrucks weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll wäre.

Die Allianz pro Schiene ist das Bündnis in Deutschland zur Förderung des umweltfreundlichen und sicheren Schienenverkehrs. In dem Bündnis haben sich 16 Non-Profit-Verbände zusammengeschlossen: die Umweltverbände BUND, NABU, Deutsche Umwelthilfe und NaturFreunde Deutschlands, die Verbraucherverbände Pro Bahn, DBV und VCD, die Automobilclubs ACE und ACV, die drei Bahngewerkschaften TRANSNET, GDBA und GDL sowie die Eisenbahnverbände BDEF, BF Bahnen, VBB und VDEI. Die Mitgliedsverbände vertreten mehr als 2 Millionen Einzelmitglieder. Unterstützt wird das Schienenbündnis von 80 Unternehmen der Bahnbranche.

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