Themen: Güterverkehr
02. August 2006

Schienenverkehr wächst stärker als Straßenverkehr

Vom Bundesverkehrsministerium angeforderte Mittelfristprognose:

Berlin. Der Schienenverkehr in Deutschland ist auf der Überholspur. Sowohl der Personen- als auch der Güterverkehr auf der Schiene wachsen inzwischen schneller als der Pkw- und Lkw-Verkehr. Dies geht aus der „Gleitenden Mittelfristprognose“ im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums hervor, die am Montag dieser Woche veröffentlicht worden ist.

ICE3 neben Autobahn an der Neubaustrecke“Die Schiene gewinnt Marktanteile und legt laut Mittelfristprognose auch in den kommenden Jahren im Vergleich zur Straße weiter zu“, freut sich Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege. Nach jahrzehntelangen Marktanteilsverlusten im Schienengüterverkehr und jahrelanger Stagnation im Schienenpersonenverkehr gebe es nun „eine Trendwende hin zu den umweltverträglichen und zunehmend auch preislich attraktiven Bahnen“. Lkw-Maut, steigende Spritpreise und ein verbessertes Angebot der Bahnen haben nach Einschätzung des Schienenbündnisses die Trendwende befördert.

„Insbesondere der Schienengüterverkehr brummt“, sagte der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer mit Verweis auf die Mittelfristprognose, die für „2006 ein sehr hohes Wachstum des Eisenbahn-Güterverkehrs erwartet“ (S.14). Im laufenden Jahr wird der Schienengüterverkehr „zum fünften Mal in Folge seinen Marktanteil steigern“, sagte Flege. Die eindeutigen Wachstumsprognosen für den Schienengüterverkehr müssten „nun Eingang in den Masterplan Güterverkehr finden“, den die Bundesregierung Anfang kommenden Jahres im Entwurf vorlegen will. „Auf keinen Fall darf dem Schienengüterverkehr durch fehlende oder unzureichende staatliche Investitionen in das Gleisnetz eine Wachstumsbremse angelegt werden“, forderte der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer.

Beim Personenverkehr heißt es in der fürs Verkehrsministerium erstellten Mittelfristprognose: „Auch für 2006 (-0,5 %) wird … mit einem weiteren Rückgang des Pkw-Verkehrs gerechnet“ (S. 50). Im Eisenbahn-Fernverkehr werde es dagegen „erneut kräftige Zuwächse“ geben (S. 60) und im Eisenbahn-Nahverkehr werde die Leistung „nochmals um 2,5 % zunehmen“ (S. 61). Danach befürchten die Prognoseexperten für die Eisenbahnen „erstmals Auswirkungen der Mittelkürzungen für Investitionen, aber auch der zu erwartenden Kürzungen der Regionalisierungsmittel“ (S. 61).

Wachstumsraten im Personenverkehr (jeweils im Vergleich zum Vorjahr): Individualverkehr: 2005: -1,5 %; 2006: -0,5 %; 2007: +0,3 %. Eisenbahnverkehr: 2005: +3,3 %; 2006: +2,4 %; 2007: + 1,1 %.
Wachstumsraten im Güterverkehr (jeweils im Vergleich zum Vorjahr): Straßengüterverkehr: 2005: +3,2%; 2006: +4,8 %; 2007: +3,1%. Schienengüterverkehr: 2005: +3,8 %; 2006: +7,7 %; 2007: +3,6 %. (Quelle: BVU, DLR, ISL: Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr, Juli 2006).