16. Mai 2003

Anti-Stau-Maut auch für deutsche Städte sinnvoll

Londoner City-Maut nach 3 Monaten schon ein voller Erfolg

„Deutsche Städte wie München und Frankfurt sollten sich Londons Erfolg zum Vorbild nehmen und ihre Innenstädte ebenfalls mit Hilfe einer City-Maut vom Stau befreien“, schlug der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, am Freitag in Berlin vor. Vor drei Monaten hat London eine City-Maut eingeführt, die das Verkehrsaufkommen in der vorher staugeplagten Innenstadt um 20 Prozent reduziert, die Fahrgeschwindigkeit verdoppelt und den öffentlichen Verkehr verbessert hat.

„Auf deutschen Straßen blüht die Planwirtschaft. Stau ist wie Schlangestehen vor Geschäften in der DDR: Wer die meiste Geduld aufbringt, bekommt das knappe Gut Straße“, so der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Flege. Stau sei ein Indiz für fehlende Marktmechanismen im Verkehr, erläuterte Wolfgang Rauh, Leiter des VCÖ-Verkehrsforschungsinstitutes aus Wien. Erst ein angemessener Preis führe zu einer effizienten Nutzung der Straßenkapazität und einer Stärkung des öffentlichen Verkehrs.

In Deutschland werde nach Rauhs Berechnungen jeder 4. Euro für Verkehr ausgegeben. Der Verkehrsexperte weiter: „Das deutsche Verkehrssystem ist so teuer wie nie zuvor, weil Marktverzerrungen es hochgradig ineffizient machen.“ Eine ökonomisch optimale Bemautung knapper Verkehrsflächen hätte laut Rauh zur Folge, dass der Straßenverkehr um 12% sinke, der öffentliche Verkehr um über 30% zunähme. Das würde in Deutschland einen volkswirtschaftlichen Netto-Nutzen von ca. 70 Milliarden Euro jährlich erbringen. Rauh: „Jeder Pendler, der in deutschen Ballungsräumen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt, erspart der Allgemeinheit durchschnittlich 1400 Euro Stau- und Parkplatzkosten im Jahr.“

Eine aktuelle Umfrage belegt, dass über 30 europäische Städte eine City-Maut einführen wollen. „Nur in Deutschland ist die City-Maut ein Tabu-Thema. Die deutschen Städte trauen sich offenbar nicht, der Autolobby marktwirtschaftliche Vernunft abzuverlangen“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene Flege. Dabei zeigten nicht nur die Erfahrungen in London, sondern auch in anderen Maut-Städten wie dem norwegischen Trondheim, dass die ursprüngliche Ablehnung der Bevölkerung schnell schwinde, „weil die, die aufs Auto angewiesen sind, vom flüssigeren Verkehr profitieren. Außerdem gewinnt die Umwelt und die Städte werden für alle lebenswerter.“