Partizipation

Kinder und Jugendliche haben nicht nur ein Anrecht auf Schutz und Versorgung, auch die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft und ihren politischen Prozessen gilt als Grundrecht.

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei Themen wie Stadtentwicklung, Verkehrsgestaltung oder Umweltfragen ist daher in einigen Bundesländern in den Gemeindeordnungen verankert. Das verpflichtet die Kommunen dazu, Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, zu beteiligen.

Kinder und Jugendliche nehmen ihre Umgebung anders wahr

Wie wichtig die Beteiligung von jungen Menschen an der Verkehrsgestaltung ist, wird deutlich, wenn man sich in ihre Situation hineinversetzt: Kinder und Jugendliche erleben alltägliche Wege mit anderen Augen als Erwachsene – schon alleine aufgrund ihrer Körpergröße. Sie sehen oft nicht über Autodächer hinweg, Verkehrs- und Hinweisschilder befinden sich außerhalb des Blickfelds. Kinder nehmen Geräusche anders wahr, sind oft unaufmerksam und können Gefahrensituationen noch nicht genau einschätzen. Kinder und Jugendliche erleben so eine Reihe von Einschränkungen im alltäglichen Verkehrsgeschehen.

Partizipation als Selbstverständnis

Die Gründe, junge Menschen an der Verkehrsgestaltung zu beteiligen, liegen also auf der Hand:

  1. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Verkehrsplanung stellt die Berücksichtigung ihrer Perspektiven und die unterschiedlichen Raumzugänge sicher.
  2. Durch die Partizipation an Entscheidungsprozessen entwickeln junge Menschen nicht nur Entscheidungskompetenzen, sondern auch ein Bewusstsein für die nachhaltige Gestaltung ihres persönlichen Mobilitätsverhaltens.
  3. Außerdem stärken Partizipationsprozesse die Identifikation der Jugendlichen mit der Gesellschaft und ihrer Verkehrsumwelt. Die Kinder und Jugendlichen erleben sich als wahrgenommene Bürger mit Einflussmöglichkeiten. Gleichzeitig entwickeln sich durch den notwendigen Dialog und Austausch soziale Kompetenzen: ein Gewinn für alle!

Wie können Jugendliche und Kinder an der Gestaltung ihrer Verkehrsumwelt mitwirken?

Einige Kommunen, Verkehrsunternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure zeigen bereits sehr gut, wie man den Mobilitätsbedürfnissen junger Menschen Gehör verschaffen und sie in die Verkehrsgestaltung einbinden kann. Von Kampagnen, die Mobilitätsforderungen von Kindern und Jugendlichen öffentliche Sichtbarkeit verschaffen, bis hin zu künstlerischen Aktionen im öffentlichen Nahverkehrsraum – die Möglichkeiten der Partizipation sind kreativ und vielfältig.

Mit dem Projekt jung und umweltfreundlich mobil möchten wir bereits umgesetzte Projekte in den Fokus rücken, um Anreize für weitere, akteursübergreifende, Maßnahmen zu schaffen und den ÖV für Kinder und Jugendliche attraktiver zu gestalten.

In unserem Schaufenster finden Sie daher spannende Projekte rund um das Thema Partizipation für Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Altersklassen:

Angebote altersübergreifend

Kinderfreundliche Kommunen

Das Ziel der Initiative besteht darin, Kommunen bundesweit zu unterstützen, ihre Angebote, Planungen und Strukturen im Sinne der Kinderrechte zu verbessern.
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Unter Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen entwickeln die Kommunen einen Aktionsplan mit verbindlichen Maßnahmen, für den sie das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ erhalten.

Die Themenbereiche der Initiative sind breit gefächert. Ein wesentlicher Bestandteil des Programms besteht in der Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen bei der Verkehrsgestaltung. Denn der ÖPNV sowie eine fahrradgerechte Infrastruktur sind Grundvoraussetzungen dafür, dass Kinder und Jugendliche sich in ihrer Kommune eigenständig fortbewegen können.

Beispiele aus dem Bereich Standentwicklung und Verkehr

In Regensburg haben Jugendliche in einem kommunalen Beteiligungsverfahren bewiesen, dass sie einen besonderen Blick für die Mängel des ÖPNV und eine fahrradgerechte Infrastruktur haben: Aus Sicherheitsbedenken haben sie sowohl die Einführung von altstadtgerechten Bussen als auch einen Nachtbusbetrieb am Wochenende gefordert. Um ihre eigene Mobilität zu verbessern, sollten außerdem vermehrt Fußgängerzonen für Fahrräder geöffnet werden.
Nach intensiven Testphasen hat die Stadt Regensburg alle drei Forderungen dauerhaft umgesetzt. Regensburger Bürgerinnen und Bürger allen Alters sind nun mobiler und profitieren somit von der Expertise der Jugendlichen.

In Potsdam gaben ca. 500 junge Bürgerinnen und Bürger zwischen 10 und 23 Jahren ihre Meinungen zur Verbesserung des ÖPNV ab. Dabei ging es beispielsweise um Taktzeiten, Anschlüsse, Haltestellen und die Ausstattung der Verkehrsmittel. Die Ergebnisse wurden an die Stadtverwaltung sowie das zuständige Planungsbüro übergeben und fließen nun in den Nahverkehrsplan ein.

Die Fakten im Überblick:


Angebot:
Unter Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen erarbeiten Kommunen einen Aktionsplan mit verbindlichen Maßnahmen für eine kinderfreundliche Stadtentwicklung.

Organisation: Deutsches Komitee für UNICEF/Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

Zeitraum: seit 2012

Ziel: Kinderfreundliche Entwicklung von Kommunen durch Einbeziehung junger Menschen, unter anderem: Attraktivitätssteigerung des ÖV durch Partizipation an der Verkehrsgestaltung

Zielgruppe: altersübergreifend (Kindergarten- und Grundschulklassen, Schulklassen weiterführender Schulen, Azubis und Studierende)

Geltungsbereich: Bundesweit

Webseite: www.kinderfreundliche-kommunen.de

Dieser Steckbrief ist Teil des Projektes „Jung und umweltfreundlich mobil“. Gefördert durch:

 

 

Angebote für Kinder und Jugendliche auf weiterführenden Schulen

HVV Schulprojekte - PaintBus

Bei dem Projekt PaintBus gestalten Schulklassen kreative Entwürfe für einen Bus nach einem vorgegebenen Motto. Die besten zwei Entwürfe werden dann von den Schülerinnen und Schülern auf die Busse gemalt, die im Anschluss mindestens ein Jahr lang im Linienverkehr durch Hamburg fahren.
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Über den Wettbewerb

Alle zwei Jahre wird ein neues PaintBus-Motto bekannt gegeben. Passend zum Motto gestalten die Schulklassen anschließend ein Bus-Design – dabei ist der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Nach dem Ende des Wettbewerbszeitraums wählt eine Jury aus allen Einsendungen die besten zwei Entwürfe aus. Diese werden dann von den Schülerinnen und Schülern selbst auf die Busse gemalt. Bei der Siegerehrung werden die besten Entwürfe der Schulklassen ausgestellt, die Siegerinnen und Sieger bekommen Urkunden und Sachpreise. Anschließend fahren die bemalten Busse dann mindestens ein Jahr lang im Linienverkehr durch Hamburg.

Zum Hintergrund von PaintBus

„Gestalten statt zerstören“ – das war das ursprüngliche Motto eines Wettbewerbs, bei dem Schülerinnen und Schüler die Außenfläche eines HVV-Linienbusses bemalen. Im Mai 1997 wurde der erste „PaintBus“ bemalt, um ein Zeichen gegen die Zerstörungen an Bussen und Haltestellen zu setzen. Seitdem wird alle zwei Jahre ein neuer PaintBus-Wettbewerb unter einem aktuellen Motto ausgeschrieben.

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) ist Mobilitätsdienstleister in der Metropolregion Hamburg. Das Angebot des HVV umfasst neben den Verkehrsleistungen auch Bildungsangebote, die von den HVV-Schulprojekten entwickelt werden. Ziel ist es, junge Menschen für die nachhaltige Mobilität zu gewinnen.

Die Fakten im Überblick:


Angebot:
Alle zwei Jahre wird ein neues PaintBus-Motto bekannt gegeben. Passend zum Motto gestalten Hamburger Schulklassen kreative Entwürfe für einen Linienbus. Die besten Entwürfe dürfen dann von den Schulklassen auf die Busse gemalt werden.

Organisation: Hamburger Verkehrsverbund (HVV) / Schulprojekte

Zeitraum: seit 1997 alle zwei Jahre

Ziel: Unter dem Motto „Gestalten statt zerstören“ bemalen Schülerinnen und Schüler die Außenfläche eines HVV-Linienbusses, um ein Zeichen gegen die Zerstörungen an Bussen und Haltestellen zu setzen.

Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler der 7. bis 13. Klasse

Geltungsbereich: Metropolregion Hamburg

Webseite: www.hvv-schulprojekte.de/paintbus

Dieser Steckbrief ist Teil des Projektes „Jung und umweltfreundlich mobil“. Gefördert durch:

 

 

HVV Schulprojekte - Bus-Engel

HVV-Schulprojekte: Bus-Engel
Bei dem Projekt Bus-Engel setzt sich eine Schulklasse mit Methoden und Inhalten der primären Gewaltprävention auseinander: Die Schülerinnen und Schüler lernen, die eigene Teilnahme am Straßenverkehr als soziales Handeln zu erkennen, Mitverantwortung zu übernehmen und die Bereitschaft zu entwickeln, bei Regelverletzung anderer zu handeln.
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Ziel des Projektes: Zivilcourage stärken.

Ziel des Projektes ist es, Schülerinnen und Schüler für verschiedenen Formen der Gewalt zu sensibilisieren. Durch das Erlernen von Handlungskompetenzen zur Vermeidung von Konflikt- und Gewaltsituationen wird nicht nur das Selbstvertrauen gestärkt, sondern es werden auch Sozialkompetenz und Zivilcourage geschult.

HVV Schulprojekte: Bus-Engel

Die Jugendlichen werden befähigt, in Gewaltsituationen deeskalierend zu handeln, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen – um damit die „Wer nichts sagt, macht mit“ – Situationen abzubauen.

Zivilcouragiertes Handeln basiert auf der inneren Haltung der Schülerinnen und Schüler: Empathie zu empfinden, den Mut zu haben, das zu benennen, was nicht in Ordnung ist und für andere einzustehen. Um gut helfen zu können und sich in Konfliktsituationen nicht provozieren zu lassen, werden Bus-Engel in ihrer sozialen Verantwortung gestärkt und ihre Handlungskompetenz erweitert.
Die Lerninhalte werden von Expertinnen und Experten aus den Bereichen Pädagogik und Kriminologie in Zusammenarbeit mit pädagogisch geschulten Trainerinnen und Trainern aus den kooperierenden Verkehrsunternehmen vermittelt.

Neben der interdisziplinären Zusammenstellung der Trainerinnen und Trainer verfolgt das Ausbildungskonzept einen ganzheitlichen Ansatz. Durch methodische Vielfalt sollen alle Lernkanäle der Schülerinnen und Schüler angeregt werden. Spiele, Rollenspiele und Gesprächsrunden wechseln sich mit theoretischen Einheiten und Filmvorführungen ab. Abgerundet wird dies durch einen Praxistag auf einem Busbetriebshof.

Lesen Sie hier alles zu den Hintergründen des Projektes.

Die Fakten im Überblick:


Angebot: 
Ziel des Projektes ist es, Schülerinnen und Schüler für verschiedenen Formen der Gewalt zu sensibilisieren. Durch das Erlernen von Handlungskompetenzen zur Vermeidung von Konflikt- und Gewaltsituationen im Verkehrsraum wird nicht nur das Selbstvertrauen gestärkt, sondern es werden auch Sozialkompetenz und Zivilcourage geschult.

Organisation: Hamburger Verkehrsverbund (HVV) / Schulprojekte

Zeitraum: seit 2003

Ziel: Gewaltprävention auf dem Schulweg und in der Schule

Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler der 7. bis 9. Klasse

Geltungsbereich: Metropolregion Hamburg

Webseite: www.hvv-schulprojekte.de/bus-engel

Dieser Steckbrief ist Teil des Projektes „Jung und umweltfreundlich mobil“. Gefördert durch: