Bahnhof Halberstadt

Bahnhof des Jahres 2011: Der Bahnhof Halbersadt im Vorharz in Sachsen Anhalt
Der 1868 errichtete Bahnhof Halberstadt hat schlimme Zeiten hinter sich. Im Zweiten Weltkrieg trafen Bomben den Prachtbau und fügten ihm schweren Schaden zu, in der DDR hüllte ihn eine Wellblechfassade ein. Der Mitteldeutsche Rundfunk sprach nach dem jahrzehntelangen Verfall „von dem vielleicht hässlichsten Bahnhof in ganz Sachsen Anhalt“. Spätestens seit der feierlichen Übergabe des renovierten Bahnhofs am 15. August 2010 ist dies jedoch Vergangenheit. Robert Pöls aus Gießen hat den Bahnhof Halberstadt für den Titel „Bahnhof des Jahres“ nominiert und bringt das wundersame Erwachen des Dornröschens mit der für Bahnfans typischen Unterkühlung gut auf den Punkt: „War immer total hässlich und ist jetzt endlich neu und richtig schön.“

Wie aus dem Dornrößchenschlaf geholt

Die Bahnhof des Jahres-Jury der Allianz pro Schiene hat die wiedererwachte Schönheit aus Sachsen-Anhalt gründlich auf Herz und Nieren getestet und ist aus Kundensicht beschwingt aus dem Test hervorgegangen. Entstanden ist ein großzügiger Bahnhof, der die Verkehrsmittel gut miteinander verknüpft und die Reisenden mit einer schönen Atmosphäre beglückt. Das Gesamtensemble ermöglicht und fördert Begegnung unter den Reisenden, nirgendwo erscheint der Raum als Hindernis. Die historische Fassade, das komplett umgebaute Innenleben des Gebäudes und der Bahnhofsvorplatz bilden ein gefälliges, optisch miteinander harmonierendes Ganzes, das bundesweit mit Städten vergleichbarer Größe keinen Vergleich zu scheuen braucht.

Klassische Stilelemente des Gebäudes wurden bei der Neugestaltung des Gesamtareals aufgenommen. Im Innenbereich dominieren optisch die Rundungen, die der mächtige Backsteinbau von außen in Form von Tor- und Fensterbögen vorgibt. Die Innenarchitekten haben sich offenbar von Friedensreich Hundertwasser inspirieren lassen: Keine Ecken und Kanten, alles hübsch halbrund. Bahnhof Halberstadt: Würdigung der Jury 2

Im Bahnhofsgebäude verläuft die Glas-Außenfront der Geschäfte wellenförmig in Richtung Ausgang. Im Halbrund hinter einer beleuchteten und gewölbten Harz-Info-Wand gibt es einen originellen sichtgeschützten Wartebereich. Viele Übergänge und Formen in dem Gebäude sind optisch fließend.

Der Bahnhof des Jahres 2011 in der Bildergalerie

Stimmige Architektur mit Wohlfühlatmosphäre

Auch der Bahnhofsvorplatz setzt eigene Akzente für Reisende und Bahnhofsbesucher. Vier große Metallpyramiden, von Wasser umspielt und von Bäumen und Metall-Sitzbänken umrahmt, bilden den zentralen Blickfang. Entstanden ist insgesamt ein stimmiges Miteinander von Gebäude und Vorplatz, dessen belebendes und verbindendes Element das Restaurant „Gleis 6“ mit seinen Sitzgelegenheiten sowohl im Innengebäude als auch im Außenbereich ist.

Auch, wenn künstlerisch gestaltete Stelen, originelle Stableuchten auf dem Vorplatz – natürlich ohne Ecken – und sogar ein gerahmtes Ölgemälde im Bahnhof weit über das Gewöhnliche hinausweisen, kann sich Halberstadt damit nicht in der Liga der Kunst- oder Kulturbahnhöfe sonnen. Aber der Wohlfühlatmosphäre dienen diese architektonisch durchdachten ästhethischen Einsprengsel allemal. Lediglich die grauen, kastenförmigen Funktions- Anbauten links und rechts vom historischen Hauptgebäude sind Geschmackssache.

Marcel Proust beschrieb 50 Jahre nach Errichtung des Halberstädter Bahnhofs Bahnhöfe als „Stätten, die nicht eigentlich zur Stadt gehören, jedoch die Essenz ihrer Persönlichkeit enthalten“. Demnach muss Halberstadt eine sehr schöne und angenehme Stadt sein. Und falls die Domstadt im Vorharz es in Teilen vielleicht noch nicht ist, wird sie es mit diesem Bahnhof ganz bestimmt in nicht allzu ferner Zukunft noch werden. Bahnhof Halberstadt: Würdigung der Jury 3

Rein aufs Reisen reduziert, bietet der Bahnhof Halberstadt alles, was ein Mensch unterwegs braucht. Schließfächer, einen Übersichtsplan mit Übernachtungsmöglichkeiten, saubere Bahnsteige, elektronische Abfahrtspläne für Bus und Bahn im Bahnhofsgebäude, reichlich Sitzmöglichkeiten, sich automatisch öffnende Seitentüren, eine Bahnhofsmission, beleuchtete Kfz-Stellplätze, überdachte Fahrradstellplätze (das Dach natürlich im Halbrund), eine Straßenbahnhaltestelle, die Reisende direkt vom Vorplatz erreichbar können, ohne eine Straße überqueren zu müssen. Nichts Wesentliches fehlt für einen Bahnhof dieser Größenordnung, alles passt. Halberstadt hat sich mit seinem revitalisierten Bahnhof aus der Kellerliga an die bundesweite Spitze katapultiert. Aus Kundensicht der Bahnhof des Jahres 2011 in der Kategorie Kleinstadt.

Allgemeine Infos zum Bahnhof Halberstadt

Der Bahnhof Halberstadt, im 19. Jahrhundert ein bedeutender Eisenbahnknoten in Sachsen-Anhalt, gilt heute als zentraler Umsteigebahnhof im Nordharzer Verkehrsnetz. Von den drei Bahnsteigen fahren Züge nach Halle, Magdeburg, Hannover, Thale, Goslar, Hildesheim und Blankenburg ab. Das öffentliche Nahverkehrsnetz in Halberstadt ist gut ausgebaut, der in Zentrumsnähe gelegene Bahnhof ist an das örtliche Straßenbahn- und Busnetz angeschlossen.