„Der Gotthard-Tunnel ist eine verkehrspolitische Großtat“

Gotthard-Basistunnel / Deutsche Wirtschaft hofft auf 740 Meter-Züge

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Berlin, den 31. Mai 2016. Zur Eröffnung des längsten Eisenbahntunnels der Welt am 1. Juni beglückwünscht die Allianz pro Schiene die Schweiz zur Vollendung einer verkehrspolitischen Großtat. „Unsere Nachbarn machen es vor: Der Gotthard-Basistunnel ist ein Meilenstein für Umwelt und Wirtschaft. Er ist eingebettet in ein weitsichtiges von den Bürgern mitgetragenes Verlagerungskonzept, das inzwischen fast 70 Prozent der alpenquerenden Güter auf die Schiene geholt hat“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, am Dienstag in Berlin. „Während die Politik in Deutschland den Güterbahnen vor allem gute Worte gönnt und dabei wichtige Infrastrukturprojekte in der Warteschleife parkt, hat die Verlagerung in der Schweiz Verfassungsrang.“ Dass Deutschland seine Zubringerstrecken zum Gotthard-Tunnel nicht rechtzeitig fertiggestellt habe, sei ein Symptom der fehlenden verkehrspolitischen Vision. „Umweltschutz im Verkehr ist eine lohnende Investition: Von der Tatkraft der Schweiz profitiert auch Deutschlands Wirtschaft“, sagte der Allianz pro Schiene Geschäftsführer.

Michail Stahlhut, Vorstand von SBB Cargo International, geht davon aus, dass durch den neuen Basis-Tunnel aus dem Stand ein Drittel der aktuellen Straßentonnage auf die Schiene verlagert werden kann. „Weil die Züge durch den neuen Gotthard-Tunnel 740 Meter lang werden können, holen wir schon bei gleicher Zugzahl rund 30 Prozent der Transporte von der Straße weg“, rechnet Stahlhut vor. „Der Gotthard ist eine Mega Chance für den europäischen Schienengüterverkehr.“ Allerdings sollten die Anrainerstaaten ihr Schienennetz jetzt ebenfalls für längere Güterzüge ausbauen. „Italien macht sein 740 Meter-Netz bereits fit. Im deutschen Bundesverkehrswegeplan liegt diese Entscheidung überraschenderweise noch auf Eis“, kritisiert Stahlhut. „Mit wenig Geld lässt sich ein großer Effizienzschub erreichen, wenn die Zuglänge auf 740 Meter wächst“, sagt der SBB Cargo International-Vorstand. „Diese Chance sollte Deutschland unbedingt nutzen.“

Auch der Leiter der Hamburger Hafenbahn, Harald Kreft, appelliert an den Bund, seine Infrastrukturpolitik europäisch auszurichten und die Schieneninfrastruktur hierzulande für den Gütertransport auf der Schiene zu stärken: „Die Leistungsfähigkeit eines Verkehrsnetzes kann nur so stark sein wie sein schwächstes Glied. Ausbaumaßnahmen wie der Gotthard-Basistunnel sind ein gutes Beispiel für das erfolgreiche Zusammenspiel von nationaler und europäischer Verkehrspolitik, durch den der Güterverkehr in ganz Europa nachhaltiger und wirtschaftlicher wird. Der Ausbau des deutschen und europäischen Schienennetzes für eine systematische Befahrbarkeit von 740m langen Güterzügen bietet aus Sicht des Hamburger Hafens ein ähnliches Potential“.

Beim Ausbau der Infrastruktur für den Gütertransport auf der Schiene ist Deutschland ins Hintertreffen geraten. Die bereits 1996 auf Regierungsebene vereinbarte Trasse von Rotterdam nach Genua ist auf niederländischer Seite bereits seit 2007 fertig, im gleichen Jahr eröffnete die Schweiz den Lötschbergtunnel. Nun folgt der 57 Kilometer lange Gotthardtunnel. Ende 2020 werden auch in der Schweiz mit der Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels alle Maßnahmen (Kostenpunkt: 23 Mrd. Schweizer Franken) auf dieser europäischen Hauptschlagader des Schiengüterverkehrs abgeschlossen sein. In Deutschland ist lediglich die Strecke von Baden-Baden nach Offenburg fertig sowie der Katzenbergtunnel bei Efringen-Kirchen. Der viergleisige Ausbau Karlsruhe-Basel soll laut Bundesverkehrsministerium erst 2035, der Vollausbau sogar erst 2041 vollendet sein.

Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege: „Immerhin ist am 25. Mai mit 15 Jahren Verspätung der Startschuss für den Bau des Rastatter Tunnels gefallen. Was jetzt als Sofortmaßnahme zusätzlich stattfinden muss, ist die noch ausstehende Bewertung der Maßnahmen aus der Warteschleife des Bundesverkehrswegeplans. Dann können die Zulaufstrecken auf deutscher Seite zum Gotthardbasistunnel für 740 Meter lange Güterzüge ertüchtigt werden. Hier erwarten wir maximales Tempo vom Bundesverkehrsministerium. Zumal die Streckenertüchtigung für 740-Meter-Züge lediglich 60 Millionen Euro kostet.“

 

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