Themen: Infrastruktur
18. Dezember 2018

Bund noch ohne Plan für Streckenelektrifizierung

Allianz pro Schiene präsentiert Karte mit Vorschlägen für 3.300 Kilometer

In Deutschland liegen nur 60 Prozent des Bundesschienennetzes unter Fahrdraht. Die Politik will mehr: 70 Prozent sollen bis 2025 elektrifiziert sein. Ein Bundesprogramm Elektrifizierung ist angekündigt.
In Deutschland liegen nur 60 Prozent des Bundesschienennetzes unter Fahrdraht. Die Politik will mehr: 70 Prozent sollen bis 2025 elektrifiziert sein. Ein Bundesprogramm Elektrifizierung ist angekündigt.

Berlin, den 18. Dezember 2018.  Mit dem Elektrifizierungsgrad des Bundesschienennetzes von nur 60 Prozent ist der Bund unzufrieden. Während die Schweiz, Belgien oder Österreich schon große Teile ihrer Netze mit Fahrdraht ausgerüstet haben, hinkt Deutschland mit einem Elektrifizierungsgrad von nur 60 Prozent hinterher. Abhilfe soll ein Bundesprogramm zur Streckenelektrifizierung schaffen, das mit einem Elektrifizierungsziel von 70 Prozent bis 2025 im Koalitionsvertrag verankert ist. Anfang nächsten Jahres will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Eckpfeiler der staatlichen Elektrifizierungsstrategie vorstellen. Zuvor hatte sein Ministerium etliche Elektrifizierungsprojekte aus dem potenziellen in den vordringlichen Bedarf hochgestuft. Eine Auswertung der Allianz pro Schiene ergibt allerdings, dass der Bund mit sämtlichen Projekten aus dem Bundesverkehrswegeplan lediglich auf eine Quote von 67 Prozent bei der Elektrifizierung käme. Die Allianz pro Schiene präsentiert jetzt eine Karte mit weiteren Elektrifizierungsvorschlägen in allen Bundesländern, die bis 2025 realisiert werden könnten. Die Vorschläge haben eine Gesamtlänge von 3.321 Kilometern.

Streckenelektrifizierung klimapolitisch nützlich

„Es ist klimapolitisch und volkswirtschaftlich vorteilhaft, das Schienennetz verstärkt unter Strom zu setzen“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, am Dienstag in Berlin. Dabei reichten die Elektrifizierungsprojekte aus dem Bundesverkehrswegeplan aber nicht aus, um in nur acht Jahren auf 70 Prozent zu kommen. „Wir haben uns gefragt: Wo kann der Bund sofort anfangen? Welche Strecken gibt es in den Bundesländern, die nicht im Bundesverkehrswegeplan stehen und die trotzdem verkehrspolitisch sinnvoll sind.“ Flege verwies auf die aktuelle Elektrifizierungs-Karte der Allianz pro Schiene. „Damit das 70-Prozent-Ziel erreichbar bleibt, muss der Bund schnellstmöglich eine Gesamtstrategie zur Elektrifizierung mitsamt Finanzierung vorstellen“, sagte Flege. „Unsere Karte zeigt: Es gibt einen großen Bedarf und viele sinnvolle Projekte aus den Ländern. Mit dem Rückenwind des Bundes gelingt uns an vielen Stellen des Netzes der Lückenschluss.“

In Deutschland liegen nur 60 Prozent des Bundesschienennetzes unter Fahrdraht. Die Politik will mehr: 70 Prozent sollen bis 2025 elektrifiziert sein. Ein Bundesprogramm Elektrifizierung ist für Januar angekündigt. Die Allianz pro Schiene präsentiert Vorschläge dafür aus allen Bundesländern.

Weitere Informationen:

Streckenkarte: Beschleunigungsprogramm Elektromobilität Schiene 2025

Liste mit Strecken nach Bundesländern

Länderverkehrsminister fordern Rückenwind vom Bund

EU-Vergleich: Deutschland liegt bei der Elektrifizierung zurück