10. Oktober 2017

Elektrifizierungs-Programm fürs deutsche Schienennetz

Bundesländer-Vergleich zum Elektrifizierungsgrad zeigt große Lücken

Aus Rastatt lernen: Bei der Elektrifizierung hat Deutschland Nachholbedarf. Nur 60 Prozent des Bundesschienennetzes sind elektrifiziert. Zwischen den Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede.

Berlin, den 10. Oktober 2017. Spätestens seit der Streckensperrung von Rastatt ist der Nachholbedarf des Bundes bei der Elektrifizierung des deutschen Schienennetzes einer großen Öffentlichkeit bekannt geworden. Neueste amtliche Vergleichszahlen zeigen nun auch klare Unterschiede beim Elektrifizierungsgrad zwischen den einzelnen Bundesländern. Nach einer Auswertung der Allianz pro Schiene schwankt die Länderquote von 96 Prozent, dem Höchstwert im Stadtstaat Bremen, bis runter auf 29 Prozent in Schleswig-Holstein. Insgesamt liegt Deutschland beim Bundesschienennetz mit einem Elektrifizierungsgrad von 60 Prozent weit hinter europäischen Spitzenreitern wie der Schweiz (100 Prozent) oder Österreich (70 Prozent). Deshalb fordert die Allianz pro Schiene von der neuen Bundesregierung ein Elektrifzierungs-Programm für das deutsche Netz und eine Elektrifizierungsquote von 70 Prozent bis 2025.

Bundesverkehrswegeplan: Basis für das 70 Prozent-Ziel

„Eine konzertierte Elektrifizierungsstrategie des Bundes müsste nicht bei null anfangen“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, am Dienstag in Berlin. „Der Bundesverkehrswegeplan enthält im vordringlichen Bedarf bereits Elektrifizierungsprojekte in vielen Bundesländern, die volkswirtschaftlich bewertet und für gut befunden worden sind. Bei weiteren Vorhaben fehlt lediglich eine abschließende Bewertung“, sagte Flege. Ausstehende Bewertungen, Finanzierung und Bau müssten nun zügig vorangetrieben werden. „Damit kann der Bund Lücken im Netz schließen und die deutsche Elektrifizierungsquote um bis zu sieben Prozentpunkte erhöhen.“

Sonderprogramm Elektrifizierung: Stärkt Güter- und Nahverkehr

„Für den Koalitionsvertrag fordern wir darüber hinaus ein „Sonderprogramm Elektrifizierung“ mit der Aufnahme weiterer Strecken und Lückenschlüsse, um den Schienengüterverkehr gezielt zu stärken“, sagte Flege und verwies auf den im Juni vorgestellten Masterplan Schienengüterverkehr, der ein solches Programm bereits vorsieht. Zugleich erinnerte der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer daran, dass der Bedarf auch im Nahverkehr immens sei. Der Bund habe etliche Elektrifizierungs-Projekte der Länder für den Bundesverkehrswegeplan abgelehnt – mit der Begründung, das sei Nahverkehr und Ländersache. „Während der Bund 500 Ortsumgehungen im Bundesstraßennetz großzügig finanziert, wird beim Ausbau des Schienennetzes seit Jahren geknausert. Unter der neuen Regierung sollte das anders werden.“

Elektrifizierungs-Programm: Höhere Investitionen ins Netz nötig

Als Beleg nannte der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer den aktuellen EU-Vergleich bei staatlichen Infrastrukturinvestitionen. „Anders als viele europäische Nachbarn steckt Deutschland Jahr für Jahr mehr Geld in den Straßenbau als in sein Schienennetz. Für die Schiene gibt der Bund nur 64 Euro pro Bürger im Jahr aus. Das ist eindeutig zu wenig für ein ehrgeiziges Elektrifizierungsprogramm.“

Oberleitungsbau in Arbeit: Diese Strecken stehen für jedes Bundesland im Bundesverkehrswegeplan

 

Baden-Württemberg

 

Fest disponiert – bereits laufend

  • NBS Stuttgart – Wendlingen Ulm (85 Kilometer)
  • Geltendorf – Lindau (52 Kilometer in Baden-Württemberg)

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Ulm – Friedrichshafen – Lindau (118 Kilometer in Baden-Württemberg)
  • NBS Frankfurt – Mannheim (15 Kilometer in Baden-Württemberg)
  • NBS Offenburg – Müllheim (100 Kilometer)

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Keine Projekte

  

Bayern

 

Fest disponiert – bereits laufend

  • Geltendorf – Lindau (104 Kilometer in Bayern)

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Ulm – Friedrichshafen – Lindau (8 Kilometer in Bayern)
  • Markt Schwaben – Freilassing (110 Kilometer)
  • Tüßling – Burghausen (25 Kilometer)
  • Nürnberg – Schirnding – Grenze Deutschland/Tschechien (140 Kilometer)
  • Hof – Regensburg (180 Kilometer)

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Hartmannshof – Irrenlohe (52 Kilometer)
  • Schwandorf – Furth – Grenze Deutschland/Tschechien (74 Kilometer)
  • Neukirchen – Weiden (52 Kilometer)
  • Hochstadt-Marktzeuln – Oberkotzau (81 Kilometer)
  • Schnabelwaid – Neuenmarkt-Wirsberg (39 Kilometer)
  • Landshut – Rosenheim (116 Kilometer)

 

Brandenburg

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Passow – Tantow – Grenze Deutschland/Polen (30 Kilometer)
  • Wustermark – Oebisfelde (30 Kilometer in Brandenburg)

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Cottbus – Görlitz (26 Kilometer in Brandenburg)

 

Berlin

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Keine Projekte

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Keine Projekte

 

Bremen

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Keine Projekte

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Bremerhaven – Rotenburg (3 Kilometer in Bremen)

 

 

Hamburg

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Keine Projekte

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Keine Projekte

 

Hessen

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • NBS Hanau – Fulda (40 Kilometer)
  • NBS Frankfurt – Mannheim (65 Kilometer Anteil in Hessen)
  • Kurve Mönchehof (6 Kilometer)

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Keine Projekte

 

Mecklenburg-Vorpommern

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Keine Projekte

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Lübeck – Bad Kleinen (52 Kilometer in Mecklenburg-Vorpommern)

 

Niedersachsen

 

Fest disponiert – bereits laufend

  • Oldenburg – Wilhelmshaven (67 Kilometer)

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Langwedel – Uelzen (97 Kilometer)

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Lübeck – Büchen – Lüneburg (17 Kilometer in Niedersachsen)
  • Cuxhaven – Stade (62 Kilometer)
  • Bremerhaven – Rotenburg (83 Kilometer in Niedersachsen)

 

Nordrhein-Westfalen

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Keine Projekte

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Keine Projekte

 

Rheinland-Pfalz

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Keine Projekte

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Keine Projekte

 

Saarland

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Keine Projekte

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Keine Projekte

 

Sachsen

 

Fest disponiert – bereits laufend

  • Knappenrode – Horka – Grenze Deutschland/Polen (55 Kilometer)

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Keine Projekte

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Cottbus – Görlitz (68 Kilometer in Sachsen)
  • Dresden-Klotzsche – Görlitz – Grenze Deutschland/Polen (102 Kilometer)
  • Leipzig – Chemnitz (80 Kilometer)

 

Sachsen-Anhalt

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Wustermark – Oebisfelde (78 Kilometer in Sachsen-Anhalt)

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Keine Projekte

 

Schleswig-Holstein

 

Vordringlicher Bedarf – bereits bewertet:

  • Bad Schwartau Waldhalle – Puttgarden (84 Kilometer)

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Lübeck – Bad Kleinen (9 Kilometer in Schleswig-Holstein)
  • Lübeck – Büchen – Lüneburg (60 Kilometer in Schleswig-Holstein)

 

Thüringen

 

Potenzieller Bedarf – inzwischen positiv bewertet:

  • Weimar – Gößnitz/Lehndorf (104 Kilometer)

Potenzieller Bedarf – noch nicht bewertet:

  • Gotha – Leinefelde (67 Kilometer)

Weitere Informationen:

Die Grafiken zum Herunterladen:

Pro-Kopf-Investitionen des Staates in die Schieneninfrastruktur