08. Dezember 2017

„Ein Grund weniger für Flüge innerhalb Deutschlands“

Einweihung Schnellstrecke: Allianz pro Schiene fordert fairen Wettbewerb mit Flugverkehr

Fahrplanwechsel: Ab sofort können auch eilige Reisende zwischen München und Berlin auf das Flugzeug verzichten. Nun sollte der Bund unzeitgemäße Wettbewerbsvorteile des Fliegers abschaffen.
Fahrplanwechsel: Ab sofort können auch eilige Reisende zwischen München und Berlin auf das Flugzeug verzichten. Nun sollte der Bund unzeitgemäße Wettbewerbsvorteile des Fliegers abschaffen.

Berlin, den 8. Dezember 2017. Wenn zum Fahrplanwechsel am Sonntag die ersten Reisenden auf der neuen ICE-Schnellstrecke weniger als vier Stunden unterwegs sind, dann bietet der Luftverkehr zwischen Berlin und München keinen Zeitvorteil mehr. „Ab sofort gibt es noch einen Grund weniger, um für Reisen innerhalb Deutschlands den Flieger zu nehmen“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege am Freitag in Berlin. „Bisher gehörte die Strecke Berlin – München zu den am häufigsten gebuchten innerdeutschen Flugrouten. Trotz des vom Bund weiterhin subventionierten Flugverkehrs ist eine Verdoppelung des Bahn-Marktanteils von aktuell 20 Prozent für die neue schnelle ICE-Verbindung realistisch“, sagte Flege. Nach Prognosen der Deutschen Bahn könnte der Marktanteil der Bahn künftig auf 40 Prozent wachsen und den des Fliegers übertreffen.

Schnellstrecke: Fahrzeit unter vier Stunden Schwellenwert

„Eine Fahrzeit von weniger als vier Stunden ist für Fahrgäste ein psychologischer Schwellenwert bei der Entscheidung für die Bahn“, sagte Flege. Doch um das gewaltige Potenzial der schnellen ICE-Strecken im großen Maßstab zu heben, sei jetzt die Politik am Zug. „Damit Flieger und Bahn auch beim Preis in einen fairen Wettbewerb treten können, sollte die neue Bundesregierung unzeitgemäße Wettbewerbsvorteile des umweltschädlichen Flugverkehrs abschaffen“, forderte Flege.

Unfaire Wettbewerbsbedingungen zwischen Flieger und Zug

Ein Vergleich der politischen Rahmenbedingungen zwischen Flieger und Bahn zeigt eine politische Begünstigung des Fliegers bei den Energiesteuern, bei der Mehrwertsteuer, beim Emissionshandel und bei den Fahrgastrechten. Das Umweltbundesamt (UBA) rechnet vor, dass dem Bund durch die wettbewerbsverzerrende Freistellung des Flugverkehrs von der Kerosinsteuer rund sieben Milliarden Euro an Steuern pro Jahr entgehen. Die Mehrwertsteuerbefreiung grenzüberschreitender Flüge macht laut UBA noch einmal rund fünf Milliarden Euro aus. Während der klimaschädliche Luftverkehr keinen Beitrag zur Finanzierung der Energiewende leistet, zahlen Züge in Deutschland EEG-Umlage und die im EU-Vergleich zweihöchste Stromsteuer. „Die Bahn hat das Potenzial, den innerdeutschen Flugverkehr entbehrlich zu machen. Doch die Politik hat es in der Hand, dafür die richtigen Weichen zu stellen“, sagte der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer.

 

Der Wettbewerb zwischen Bahn und Flugzeug ist unfair.

 

Weitere Informationen:

UBA-Studie zu umweltschädlichen Subventionen im Verkehr

EU-Debatte über bisher kostenlose Emissionszertifikate für Fluggesellschaften

Das Luftverkehrskonzept der Umweltverbände

Schnellfahrstrecke in Zahlen: Daten und Fakten zur Eröffnung von München – Berlin

Wettbewerbsbedingungen: Flugzeug – Fernzug

Besteuerung von Eisenbahn-Fahrstrom im EU-Vergleich