Digitalisierung der Schiene braucht Beschleunigung

Allianz pro Schiene begrüßt ERTMS-Koordinierungsstelle und fordert Förderrichtlinie für Umrüstung von Fahrzeugen

Berlin, 14.05.2026. Deutschland kommt bei der Digitalisierung der Schiene nur schleppend voran. Weniger als 2 Prozent der Bundesschienenwege sind bislang mit dem Zugsicherungssystem ETCS ausgestattet. Damit hinkt Deutschland im europäischen Vergleich hinterher: Laut Zahlen der Unternehmensberatung SCI Verkehr sind bereits 9 Prozent des europäischen Schienennetzes mit ETCS ausgestattet. Mit der nun eingerichteten ERTMS-Koordinierungsstelle zur Steuerung aller Maßnahmen rund um die Digitalisierung der Schiene in Deutschland ist jedoch ein wichtiger Schritt getan, um künftig schneller voranzukommen. Die Allianz pro Schiene fordert, im nächsten Schritt müsse eine Förderrichtlinie für die anstehende Umrüstung der vorhandenen Fahrzeuge folgen.

Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, sagte: „Wir begrüßen es ausdrücklich, dass nach jahrelanger Diskussion nun unter Federführung des Bundesverkehrsministeriums eine Koordinierungsstelle für die Digitalisierung der Schiene eingerichtet wurde. Damit gibt es erstmalig eine Organisationsstruktur dafür, wie Branche, Bund und Länder das Thema Digitalisierung der Schiene operativ steuern wollen. Die einzelnen Bausteine für die Digitalisierung der Schiene und Fahrzeuge liegen längst vor, nun gilt es, sie zu ordnen und systematisch zusammenzufügen. Denn Schienenwege und Fahrzeuge brauchen dringend ein Update in Sachen Digitalisierung, damit Bahnen im grenzüberschreitenden europäischen Verkehr dieselbe Sprache sprechen und somit schneller und kostengünstiger Menschen und Güter transportieren können.“

Umrüstung von Fahrzeugen fördern

Sowohl Infrastruktur als auch Fahrzeuge müssen für das neue Zugsicherungssystem ETCS umgerüstet werden: Die bisher übliche Signaltechnik an der Strecke wird ersetzt – die Informationen landen künftig direkt digital im Führerstand beim Lokpersonal. Auf die Unternehmen im Personen- und Güterverkehr auf der Schiene kommen hohe Kosten für die Umrüstung ihrer Loks zu. Dirk Flege: „Die Eisenbahnverkehrsunternehmen dürfen mit diesen Investitionen nicht allein gelassen werden. Die ERTMS-Koordinierungsstelle sollte jetzt damit beginnen, die bislang vorherrschende Orientierungslosigkeit zu beenden und einen klaren Fahrplan zu definieren, was in welcher Reihenfolge angegangen werden soll und mit welcher Unterstützung die Eisenbahnverkehrsunternehmen rechnen dürfen.“

ERTMS ist der Oberbegriff für die digitale Schiene. Die Abkürzung steht für European Rail Traffic Management System. Zu diesem System gehören das europäische Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System), die Funkkommunikation und auch das automatisierte Fahren. Bislang müssen Loks mit mehreren nationalen Sicherungssystemen ausgerüstet sein, um grenzüberschreitend in Europa fahren zu können. Mit ETCS sollen die europäischen Sicherungssysteme vereinheitlicht werden, was Zeit und Geld spart.

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