19. Februar 2006

Mehr Kontrollen und höhere Bußgelder gefordert

Neue Details zu Betrug und Sozialdumping im LKW-Gewerbe:

Berlin. Immer mehr LKW wird wegen akuter Gefährdung des Straßenverkehrs und der Umwelt die Weiterfahrt untersagt (2005: 17.270 contra 2004 15.951 Fälle). Das belegen die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG). Dass im Transportgeschäft auf der Straße offenbar im großen Stil sämtliche Sozial- und Sicherheitsstandards missachtet werden, belegt auch eine Neuerscheinung. Das Buch „Tatort Autobahn“ präsentiert neue, alarmierende Details über das LKW-Gewerbe. Die zahllosen gezielten und systematischen Betrügereien bescheren vielen LKW-Spediteuren Kostenvorteile bis zu 50 Prozent. Aus Sicht der Allianz pro Schiene muss rasch gehandelt werden: „Die Kontrollen müssen dichter werden und die Strafen höher. Nur so hat die Schiene auf Dauer eine faire Chance im Wettbewerb gegen den LKW“, so die Reaktion von Norbert Hansen, Vorsitzender der Allianz pro Schiene.

In der Vergangenheit hat das Schienenbündnis immer wieder auf skandalöse Arbeitsbedingungen für LKW-Fahrer, und gravierende Sicherheitsmängel bei den Fahrzeugen aufmerksam gemacht.
„Es ist schon erschreckend, dass bei Polizeikontrollen seit Jahren jeder fünfte LKW Mängel aufweist. (2005: 20,3 Prozent) Hier ist die deutsche Politik gefordert. Schließlich stellen diese LKW ein echtes Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung dar“, so Norbert Hansen. Umso unverständlicher ist aus Sicht der Allianz pro Schiene, dass das BAG im vergangenen Jahr weniger Fahrzeuge kontrolliert hat als im Jahr zuvor.

„Zumindest bei der EU hat man den akuten Handlungsbedarf erkannt und die Lenkzeiten für LKW-Fahrer verkürzt, und die Ruhezeiten ausgeweitet. Das hilft jedoch nur, wenn gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass die Vorschriften auch tatsächlich eingehalten werden“, so Hansen weiter.

Auch die Autoren von „Tatort Autobahn“ sehen in den umfangreichen Betrügereien eine massive Wettbewerbsverzerrung: „Die scheinbar geringen Kosten und die vermeintliche Wirtschaftlichkeit des LKW entstehen nur deshalb, weil die Belastungen zum größten Teil den Fahrern und der Allgemeinheit aufgebürdet werden“, so Uli Röhm und Wilfried Voigt.

Ein Interview mit den Autoren finden Sie hier als PDF-Dokument

„Tatort Autobahn“ von Uli Röhm und Wilfried Voigt, Campus-Verlag, Frankfurt/Main 2006
Eine Pressekonferenz zur Buch-Präsentation findet am 20.2.06 um 11 Uhr statt. Ort: ver.di-Verbindungsbüro, Glinkastraße 25, 10117 Berlin

Die Allianz pro Schiene ist das Bündnis in Deutschland zur Förderung des umweltfreundlichen und sicheren Schienenverkehrs. In dem Bündnis haben sich 15 Non-Profit- Verbände zusammengeschlossen, darunter die Umweltverbände BUND, NABU und NaturFreunde Deutschlands, die Verbraucherverbände Pro Bahn, DBV und VCD, die Automobilclubs ACE und ACV, die drei Bahngewerkschaften TRANSNET, GDBA und GDL sowie die Eisenbahnverbände BDEF, BF Bahnen, VBB und VDEI. Die Mitgliedsverbände vertreten mehr als 2 Millionen Einzelmitglieder. Unterstützt wird das Schienenbündnis von 63 bahnnahen Unternehmen.