Elektrifizierung: Beschleunigungspotenzial ausschöpfen

Allianz pro Schiene fordert vom Bund schnelle Fortschritte bei Oberleitungs-Ausbau im Schienennetz

2025 waren 63% des staatlichen Eisenbahnnetzes in Deutschland elektrifiziert

Berlin, 02.06.2026. Deutschland kommt bei der Elektrifizierung seines Schienennetzes nur quälend langsam voran. Wie die Allianz pro Schiene mitteilt, gab es bei den elektrischen Oberleitungen im Bundesschienennetz in den zurückliegenden 15 Jahren lediglich einen Zuwachs von vier Prozentpunkten. Insgesamt ist im vergangenen Jahr das mit Oberleitungen versehene Schienennetz um gut 60 Kilometer gewachsen. Damit waren Ende 2025 insgesamt knapp 63 Prozent des Bundesschienennetzes elektrifiziert.

Der Geschäftsführer des gemeinnützigen Verkehrsbündnisses, Dirk Flege: „Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, mehr Tempo zu machen bei der Elektrifizierung der Schiene, und auf vielen Strecken könnte es auch direkt losgehen. Doch ausgerechnet das Bundesverkehrsministerium steht gerade bei zahlreichen Projekten auf der Bremse. Das passt nicht zu der Ansage, dass alles, was baureif ist, auch gebaut werden soll. Die Schiene darf beim beschleunigten Infrastrukturausbau nicht außen vor gelassen werden.“

Um die Kapazitäten im Schienennetz optimal nutzen zu können, braucht es dem gemeinnützigen Verkehrsbündnis zufolge deutlich mehr Oberleitungen als bisher. Auch vor dem Hintergrund, dass angesichts hoher Spritpreise immer mehr Menschen auf die Bahn umsteigen, könnten Kapazitäten auf der Schiene mit mehr Oberleitungen besser genutzt werden. Dirk Flege: „Wo Züge mit Strom fahren, kann der Personen- und Güterverkehr auf der Schiene besser fließen. Je mehr Oberleitungen wir im Schienennetz haben, desto mehr Ausweichmöglichkeiten gibt es für Züge, gerade auch bei größeren Baumaßnahmen. Oberleitungen bedeuten, dass im Schienengüterverkehr längere und schwerere Züge fahren können. Und mehr Oberleitungen bewirken auch, dass wir die letzten Diesel-Loks bald in Rente schicken und die Züge ihren Klimavorteil noch stärker ausspielen können. Aus all den Gründen ist es so wichtig, dass der Bund hier schneller wird.“

Die Beschleunigungskommission Schiene hatte bereits Ende 2022 Vorschläge vorgelegt, wie man unter anderem beim Oberleitungsbau Tempo machen kann. Dazu sagte Dirk Flege: „Es gäbe schon in der Planungsphase die Möglichkeit, den Turbogang einzulegen, indem man bei der Elektrifizierung im Bestandsnetz auf aufwändige und zeitraubende einzelfallbezogene Kosten-Nutzen-Berechnungen verzichtet. Zusätzliche Mittel für die Elektrifizierung sollten aus dem Klima- und Transformationsfonds bereitgestellt werden. All das hat sich die Bundesregierung auch in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, umgesetzt hat sie es allerdings noch nicht. Der Bund darf hier nicht noch mehr wertvolle Zeit verlieren. Wir halten es durchaus für realistisch, dass man bis zum Jahr 2035 80 Prozent des Streckennetzes elektrifizieren könnte – wenn man diese Maßnahmen umsetzt.“

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