05. Dezember 2016

Newsletter vom 5. Dezember 2016

Schon ist das Jahr fast vorbei. Es ging mal wieder viel zu schnell, das höre ich allerorten, und auch in der Geschäftsstelle sind wir uns darüber einig. Aber bedenken Sie dies: Wäre Ihnen ein Jahr lieber, das so zähfließend vergeht, wie die Fahrt in einem verspäteten ICE? Eben.

In den letzten Wochen bricht stets noch einmal hektische Geschäftigkeit aus. Auch die Verkehrspolitik hat einen Gang zugelegt und irgendwie geht es auch um Weihnachtsgeschenke. Denn in diesem Jahr erblickte ein neuer Bundesverkehrswegeplan das Licht der Welt. Die Ausbaugesetze, die die programmatischen Vorgaben des BVWPs in konkrete Maßnahmen übersetzen, wurden in Windeseile am vergangenen Freitag im Bundestag beschlossen. Allen „Verkehrspessimisten“ zum Trotz, so Verkehrsminister Dobrindt. Die Bescherung für die Abgeordneten fällt üppig aus. Endlich werden die vielen dringend benötigten Umgehungsstraßen gebaut. Aber ich möchte nicht zu pessimistisch klingen, auch für die Schiene sind mehr Mittel eingeplant und viele wichtige Projekte wurden neu in die Ausbaugesetze aufgenommen. 112,3 Milliarden Euro sind für Schienenprojekte bis zum Jahr 2030 vorgesehen.

Der BVWP hat eine Laufzeit von 15 Jahren, dann wird er neu aufgelegt. Auf 15 Jahre zurück, blickt dagegen unser Geschäftsführer Dirk Flege. Am 1. Dezember 2001 übernahm er die Leitung unseres Verkehrsbündnisses und streitet seitdem mit stichfesten Argumenten und scharfer Zunge für den Schienenverkehr. Wir gratulieren! (Auch zu seinem heutigen Geburtstag.) Jetzt wünsche ich Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre der Dezember-Newsletters.

 

SAVE THE DATE

Wer macht eigentlich die Verkehrswende – die Politik oder die Bürger? Darüber diskutieren wir auf dem öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung der Allianz pro Schiene am 12. Dezember ab 15 Uhr in Berlin. Noch haben wir wenige Plätze frei. Wenn Sie uns besuchen möchten, schreiben Sie meiner Kollegin Frau Mierz bitte eine Email: nicol.mierz@allianz-pro-schiene.de

 

AUS DER POLITIK

Die Güterzüge werden messbar leiser

2017 werden 17 Lärmmesstationen an verschiedenen Bahnstrecken in Deutschland installiert. Das haben wir aus dem Haushaltsausschuss des Bundestags erfahren. 20 Millionen Euro stellt der Bund dafür zur Verfügung, darin enthalten sind auch die Kosten für den Betrieb bis zum Jahr 2030. In unserem Forschungsprojekt „Plattform Leise Bahnen“ hatten wir im März dieses Jahres den Bau von Lärmmesstationen als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem leiseren Schienengüterverkehr gefordert. Mit einheitlichen, bundesweiten Werten lassen sich die Fortschritte bei der Lärmminderung nachvollziehbar dokumentieren. Das hilft, dem Schienengüterverkehr in der Gesellschaft den Rückhalt zu sichern.

 

AUS DEM AUSLAND

Selbstfahrende Metros auf dem Vormarsch

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Eine Milliarde Menschen sind in Europa jedes Jahr mit selbstfahrenden Metros unterwegs. In den Metropolen Paris, London und Rom sind die autonomen Bahnen ebenso selbstverständlich wie in Turin, Toulouse und Nürnberg. Die Nürnberger U3 ist der Vorreiter für autonomes Fahren auf der Schiene in Deutschland und sowohl die Fahrgäste als auch der Betreiber sind hochzufrieden, wie Sie in unserem Video-Portrait sehen können. Die Vorteile selbstfahrender Bahnen haben wir in einem längeren Hintergrundstück für Sie zusammen gefasst. Darin räumen wir auch mit dem Vorurteil auf, dass fahrerlose Bahnen den Beruf des Lokführers gefährden würden. Die meisten Fahrgäste befördern übrigens die Linien M1 und M4 in Paris: 2015 waren es satte 280 Millionen. Wir haben eine interaktive Karte erstellt, auf der Sie Steckbriefe der vollautomatisierten Metrosysteme in Europa einsehen können.

 

GUTE NACHRICHTEN

Lokführer-Akademie gegründet

Lokführer werden händeringend gesucht – aller selbstfahrenden Bahnen zum Trotz. Nicht nur die Deutsche Bahn wirbt ganz offensiv für den stark unterschätzten Beruf, auch die SBB Cargo International verstärkt ihre Bemühungen ums Personal. Mit der neu gegründeten „Lokführer-Akademie“ spricht die SBB gezielt technikaffine Menschen an, die gerne auch einmal 2.000 Tonnen bewegen wollen. Wir haben mit Matthias Birnbaum gesprochen, dem Leiter der Lokführer-Akademie. Im Interview mit der Allianz pro Schiene spricht der Güterbahnchef über das schlechte Image des Berufs und wie er trotzdem in den nächsten Jahren 200 neue Lokführer ausbilden will. Die Aussichten sind hervorragend: „In der Eisenbahnbranche haben Lokführer über Jahrzehnte einen sicheren Job“, so Birnbaum.

 

 

NACKTE ZAHLEN

Güterbahnen legen zu

Der Marktanteil der Bahnen am Güterverkehr in Deutschland ist gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt liegt der Anteil der Güterbahnen 2015 bei 18 Prozent (116,6 Mrd. tkm), das entspricht einem Wachstum von 0,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Der Straßentransport steht bei 70,8 Prozent. Auch in der Schweiz verschiebt sich der Modal Split weiter zugunsten der Eisenbahn. Der Anteil der Güterbahnen stieg dort um 0,7 Prozentpunkte, gab das Bundesamt für Statistik bekannt. Das Ergebnis der konsequenten Verlagerungspolitik: Rund 39 Prozent der gesamten Transportleistung werden von den Güterbahnen erbracht, der Straßentransport liegt bei 61 Prozent. Da haben wir noch viel Nachholbedarf.

 

SCHLAUER WERDEN

Neue Geschäftsmodelle für den Nachtzug

Welche Zukunft hat der Nachtzug? Das fragten sich viele, nachdem bekannt wurde, dass die Deutsche Bahn ihr Nachtzugangebot zum Fahrplanwechsel an die ÖBB abtreten wird. Warum lohnt es sich offenbar für die Österreicher, für die DB aber nicht? Das mediale Echo zumindest hat gezeigt: Der Nachtzug hat einen guten Ruf, und viele Deutsche halten ihn für sinnvoll – insbesondere als Alternative zum Flieger. Welche Geschäftsmodelle den Nachtzug rentabel machen können, darüber promoviert aktuell Marco Bellmann an der TU Dresden. Wichtig zu wissen sind dabei die Wünsche und Erwartungen der Kunden. Deshalb führt Bellmann zusammen mit der Studentin Elisabeth Ziaja eine Online-Befragung durch, zu der ich Sie einladen möchte. Die Teilnahme dauert in etwa 20 Minuten. Bellmann wird die Ergebnisse im nächsten Jahr auf einer unserer Veranstaltungen vorstellen.

 

UNTERWEGS

Post von den Riesen-Lkw

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Nach einem Gastkommentar unseres Geschäftsführers Dirk Flege im Weser Kurier („Gigaliner: Dauerbetrieb mit der Brechstange“, Printausgabe) erreichte uns eine Postkarte, über die wir uns sehr gefreut haben. Frau Lange aus Riede schrieb uns: „Immer mehr Lkw sind an Unfällen beteiligt, die Straßen kaputt, Radwege und sichere Querungen fehlen. Gigaliner gehören verboten!“ Mit dieser Meinung ist Frau Lange nicht allein. Drei Viertel der Deutschen wollen die Riesen-Lkw nicht, das hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Juli erhoben. Den Minister kümmert es nicht. Der versammelten Lkw-Lobby machte er vor rund zwei Wochen ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk: Die Zulassung für den Gigaliner kommt. Acht Jahre haben wir Menschen gegen die Monstertrucks mobil gemacht, jetzt soll es noch schnell vor der Bundestagswahl den Freifahrtsschein des Verkehrsministers geben. Das Gutachten, das den Gigalinern positive Effekte für Verkehr und Klima andichtet, werde man aber vorerst nicht veröffentlichen, heißt es aus dem Ministerium. Öffentlich einsehbare wissenschaftlichen Gutachten sagen voraus: Die erneute Verbilligung des Straßentransports hat 7.000 zusätzlichen Lkw-Fahrten jedes Jahr zur Folge. Aber vielleicht geht es ja auch gar nicht um den Klimaschutz. Braucht man die Riesen-Lkw vielleicht nur, um die ganzen neuen Umgehungsstraßen zu bevölkern?

Haben auch Sie etwas Spannendes rund um die Schiene entdeckt? Schicken Sie uns ein Foto und erzählen Sie Ihre Geschichte.

 

NEU AN BORD

Willkommen in der Allianz pro Schiene

LAT Fernmelde-Montagen und Tiefbau Gmbh & LAT Funkanlagen-Service GmbH, das Unternehmen baut rund ums Gleis und ist Spezialist für Videoüberwachung für Verkehrsunternehmen.

 

ENTGLEIST

Besser als Balkonien

Wenn Sie zwischen den Feiertagen noch nichts geplant haben, wie wäre es mit Urlaub auf der Autobahn? „Die Ferien genießen und dabei dem Rausch der Geschwindigkeit frönen? Ob alleine oder mit Freunden – Selfdrive-Touren im Mietwagen sind total im Trend!“, heißt es auf der PS-Plattform www.autobahntourismus.de. Das ist also dieses autonome Fahren, selfdrive eben. Weiter: „Wer möchte nicht einmal in seinem Lieblingsauto mit Tempo 200 über die deutsche Autobahn brettern?“ Besonders im Winter wärmstens zu empfehlen und mit zahlreichen Extras: Regen, Frost und Ferienstaus. Entspannung für platte Bleifüße gibt es angeblich in schicken Hotels entlang der Autobahnen. Für die Festtagsbeleuchtung sorgt die angeschlossene Tankstelle. Wir finden das Konzept von Autobahntourismus.de ist genial. Unserer Zeit aber offenbar noch weit voraus, denn noch gibt es keine Anbieter für diese tollen Touren. Vorschläge der Allianz pro Schiene: „Affenzahn auf der A1“, „Druck auf drei Spuren: Ab durch die Mitte!“ oder ganz klassisch „Wer bremst verliert“.  

Wir wünschen Ihnen eine erholsame Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

KALENDER

  • 12. Dezember, Berlin: „Wer macht eigentlich die Verkehrswende – die Politik oder die Bürger?“ Öffentlicher Teil der Mitgliederversammlung der Allianz pro Schiene in der Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité
  • 14. Dezember, Berlin: Pressekonferenz zum Bundesländerindex Mobilität 2016