Themen: Güterverkehr
13. März 2017

Vitamine auf die Schiene!

Tiefkuehlgemuese auf der Schiene: Gemuese Meyer aus Twistringen setzt auf den Kombinierten Verkehr
Tiefkühlgemüse auf der Schiene: Gemüse Meyer aus Twistringen setzt auf den Kombinierten Verkehr

Was macht eigentlich die italienischen Pastasoßen so besonders lecker? Das Gemüse – vor allem die Möhren und Zwiebeln aus Twistringen bei Bremen. Von hier aus schickt nämlich die familiengeführte Gemüsebearbeitungen Meyer GmbH tiefgekühltes Gemüse nach Deutschland und Europa. Unter anderem eben auch nach Verona in Norditalien, wo es dann in der legendären italienischen Pastasoße landet. Die 1200 Kilometer über die Alpen legt das Gemüse in Tiefkühlaufliegern auf der Schiene zurück. Das spart rund 100 lange Lkw-Fahrten jedes Jahr.

Die Schiene ist schneller und umweltfreundlich

Seit 2013 transportiert Gemüse Meyer, wie die Firma in Twistringen genannt wird, ihr Tiefkühlgemüse auf der Schiene nach Italien. Die Entscheidung, die Transporte auf der Schiene durchzuführen, traf die Firma zusammen mit ihrem Kunden. Zwei Faktoren gaben den Ausschlag: Zum einen ist der Schienentransport schneller und zuverlässiger als die Beförderung auf der Straße. Zum anderen genießt der Umweltschutz für Gemüse Meyer höchste Priorität. „Das Gemüse, das bei uns verarbeitet wird, kommt hier aus der Region. Schon allein deshalb haben wir ein Interesse an einer sauberen Umwelt“, erklärt Christina Marcon, die Nachhaltigkeitsbeauftragte des Unternehmens.

Bei Gemüse Meyer arbeitet man kontinuierlich an einer nachhaltigen Produktions- und Transportkette. So konnte durch die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene der CO2-Ausstoß um 75% reduziert werden. Zu den anderen Maßnahmen zählt beispielsweise die eigens für die Firma entworfene Biogasanlage, in der die Schälreste der Gemüseproduktion zu Energie verwertet werden. Oder das im letzten Jahr aufgestellte, firmeneigene Windrad, das fast 70% der benötigten Energie beisteuert. Und das Unternehmen braucht viel Energie, denn das frisch geerntete Gemüse wird direkt bearbeitet, schockgefrostet und bis zur Auslieferung in acht Kühlhäusern bei einer Temperatur von minus 20 Grad gelagert.

Gemüse Meyer und Paneuropa-Rösch: Die perfekte Partnerschaft

Um den reibungslosen Transport bis in den Süden Europas sicherzustellen, arbeitet Gemüse Meyer mit dem Unternehmen Paneuropa-Rösch GmbH zusammen. Das Logistikunternehmen aus dem benachbarten Vechta hat sich auf den Kombinierten Verkehr spezialisiert. Mittlerweile transportiert Paneuropa mehr als 2.000 Tonnen gefrorenes Meyer-Gemüse jährlich. Hochmoderne Tiefkühlauflieger garantieren dabei eine lückenlose Kühlkette bei frostigen -18 Grad. Blind verlassen muss sich darauf aber niemand. Durch spezielle Sensoren am Auflieger wird die Temperatur zu jeder Zeit gemessen und per GPS an die Mitarbeiter in der Dispo-Zentrale von Paneuropa in Vechta übermittelt. Am Bildschirm verfolgen sie jeden Auflieger und können im Zweifelsfall steuernd eingreifen und Störungen beheben.

Im KV ab über die Alpen

Am Firmensitz in Twistringen wird das Gemüse zunächst in die Paneuropa-Tiefkühlauflieger verladen. Das muss schnell gehen, damit das Gemüse möglichst kalt bleibt. Dank des Kombinierten Verkehrs dürfen die LKW auf dieser Fahrt schon vier Tonnen mehr laden als im herkömmlichen Straßenverkehr. Dadurch kann jeder fünfte LKW gespart werden. Ab Bremen geht es dann auf der Schiene über die Alpen nach Italien, zurück bleibt nur die Zugmaschine des LKWs. Die letzten Kilometer in Norditalien legt das Meyer-Gemüse dann wieder auf der Straße zurück. Gut gekühlt und frisch kommt es bei den Kunden an. Diese loben ausdrücklich den umweltfreundlichen Transport. Denn während Preis und Qualität gleich bleiben, hat sich die CO2-Bilanz der Tiefkühlprodukte durch den Schienentransport verbessert.

Immer auf der Suche nach neuen Ideen

Mehrfach wurde die Paneuropa Rösch GmbH bereits für ihr Engagement ausgezeichnet und erhielt unter anderem den „ECO Performance Award“ sowie den ersten Platz im Wettbewerb „Fit für den Klimawandel“. Ein Ansporn für das Logistikunternehmen, die Nachhaltigkeit ihrer Transporte weiter zu verbessern.

So sollen die Tiefkühlaggregate demnächst vor dem Transport mit Strom vorgekühlt werden, bisher passiert das noch mit Dieselmotoren. Für Gemüse Meyer bedeutet das: Die CO2-Bilanz ihrer Tiefkühlprodukte verbessert sich weiter. „Die Verlagerung auf die Schiene war für uns definitiv die richtige Entscheidung“, freut sich Christina Marcon. Buon appetito!

Die Fakten im Überblick

ProduktTiefgekühltes Obst und Gemüse
Verlagerte Tonnage2.100 Tonnen pro Jahr, entspricht 100 Lkw
UnternehmenMeyer Gemüsebearbeitung GmbH
Motivation für Verlagerung Umweltfreundlichkeit, schneller Schienentransport
VerlagerungszeitpunktJanuar 2013
StreckeVon Bremen nach Verona (Italien)
Streckenlänge1200 km
  

 

Dieses Logistik-Portrait ist Teil des Projekts „Klima Dialog: Mehr Klimaschutz mit Schienenverkehr“