19. Januar 2018

Sturm legt erneut Bahnverkehr lahm: Verbände laden zu Workshop-Reihe ein

Erneut hat ein Sturmtief zu massiven Behinderungen im Nah- und Fernverkehr der Bahn geführt. Wie kann der Bahnverkehr bei solch extremen Wettereignissen stabiler gemacht werden? Eine Workshopreihe soll Antworten geben.

Erneut hat ein Sturmtief, diesmal „Friederike“, zu massiven Behinderungen im Nah- und Fernverkehr der Bahn geführt. Wie kann der Bahnverkehr bei solch extremen Wettereignissen stabiler gemacht werden? Der Diskussionsbedarf ist riesig, wie der Anfang dieser Woche vom Uelzener Eisenbahnunternehmen metronom für das Bundesland Niedersachsen veranstaltete „Runde Tisch Grünschnitt“ und die gestrige Diskussion im Verkehrsausschuss der Hamburger Bürgerschaft zeigen.

Sind Umweltvorschriften schuld? Behandelt der Staat die Verkehrsträger Straße und Schiene bei den Grünschnittvorschriften ungleich? Welche Grünschnittvorschriften gibt es überhaupt? Ist die DB-Infrastruktur von Sturmfolgen stärker betroffen als nichtbundeseigene Infrastruktur? Wie gehen Deutschlands Nachbarstaaten mit der Thematik um? Fragen über Fragen, auf die die Allianz pro Schiene, der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und der Deutsche Naturschutzring in einer Workshop-Reihe („Baum und Gleis bei Sturm“) Antworten finden wollen. Die drei Verbände veranstalten den Auftaktworkshop am 19. März in Berlin. Bis zum Sommer möchten die drei Verbände ein Ergebnispapier mit Handlungsempfehlungen präsentieren.

Florian Schöne (Generalsekretär, DNR Deutscher Naturschutzring) über die Schuldfrage bei Sturmschäden und die nächsten Schritte

Florian Schöne (DNR) über die Schuldfrage bei Sturmschäden

Herr Schöne, wer schneidet in Ihrer Familie die Hecken, Sie oder Ihre Frau?

Das teilen wir uns gleichberechtigt auf. 

Als Folge der Stürme „Xavier“, „Herwart“ und „Friederike“ kam es in Deutschland zu großflächigen Störungen im Bahnverkehr. Viele Bäume stürzten auf die Gleise und verhinderten somit die Weiterfahrt der Züge. Sind die Naturschutzvorschriften zu streng, die den Grünschnitt einschränken?

Nein, denn Bahntrassen haben in einigen Regionen eine hohe Bedeutung als ökologische Ausbreitungskorridore und Teil einer zunehmend wichtigen grünen Infrastruktur. Allerdings sollte man bei der Umsetzung künftig etwas flexibler und differenzierter vorgehen, um allen Belangen Rechnung zu tragen. Hierzu gehört, dass die Gehölzauswahl in Abhängigkeit zur Gleisnähe stärker nach Größe und Sturmwurf-Anfälligkeit erfolgt und die Streckenpflege deutlich intensiviert wird.

Was ist nun zu tun? Wie kann man das Problem am besten angehen?

Es gibt noch zahlreiche offene Fragen, wie man das Problem im gemeinsamen Interesse von Naturschutz, Verkehrssicherheit und Stärkung des Schienenverkehrs lösen kann. Zu diesem Zweck sollten die relevanten Experten aus dem Bereich der Bahnbetreiber und des Naturschutzes zu einem Treffen zusammenkommen, um lösungsorientierte, praxisnahe Vorschläge zu erarbeiten. Zugleich ist die Bahn gehalten, die Unterhaltung Streckennetzes vor allem im Fernverkehr zu verbessern.