14. Juni 2018

Mit dem Zug von Paris nach Budapest: Die »Magistrale« verbindet Europa

Mit dem Zug von Paris nach Budapest: Die »Magistrale« verbindet Europa

Mit dem Zug von Paris nach Budapest. Ohne umzusteigen, ohne Lokwechsel, ohne technische und bürokratische Barrieren an Staatsgrenzen. Die Bahnstrecke über Straßburg, Karlsruhe, Stuttgart, Augsburg, München, Salzburg und Wien verfügt durchgehend über Oberleitungen, ist überall mindestens zweigleisig ausgebaut, Güter- und Personenzüge fahren regelmäßig und in kurzen Abständen. Aus heutiger Sicht ein Traum – eine schöne Vision. Die Initiative »Magistrale für Europa«, mit dem Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup an der Spitze, hat es sich seit 1990 zur Aufgabe gemacht, diese Vision mit Leben zu füllen.

Initiative Magistrale für Europa
Von links nach rechts: Karla Peijs (Koordinatorin für den Rhein-Donau Korridor, Europäische Kommission), Hans-Peter Böhner (Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr) und Dr. Frank Mentrup (Karlsruher Oberbürgermeister)
Mitte Juni kamen die Mitglieder der Initiative in Augsburg zu ihrer turnusmäßigen Hauptversammlung zusammen, um den aktuellen und künftigen Handlungsbedarf zu identifizieren. Die Liste ist lang: In der „Augsburger Erklärung“ werden auf drei Seiten sieben Forderungen an vier Staaten gestellt. Unter anderem verlangt die Initiative den beschleunigten zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung des in Bayern gelegenen Magistralenabschnitts „Markt Schwaben-Mühldorf-Freilassing“. Auch zwischen Wien und Bratislava müsse der Schienenweg „bis 2023 elektrifiziert (…) und bis 2030 durchgehend zweigleisig ausgebaut werden“.

Investitionen, die sich lohnen. Das Beratungsunternehmen Ramboll hat im Auftrag der Initiative pünktlich zur Hauptversammlung eine Studie vorgestellt, nach der jährlich 1,56 Millionen Menschen vom Auto und dem Flugzeug auf Schiene wechseln würden, wenn das Schienenangebot auf der Magistrale verbessert würde. Zusätzlich könnten jährlich 220.000 Lkw-Ladungen auf die Schiene verlagert werden, was 400.000 Tonnen klimaschädliche Treibhausgase einsparen würde.

Beflügelt von dieser verheißungsvollen Zukunftsvision will die bislang als lockerer Verbund agierende Initiative sich im kommenden Jahr eine eigene Rechtsform geben. Unter anderem, um Fördermittel aus EU-Fonds „empfangen und verwalten“ zu dürfen. Die Koordinatorin der EU-Kommission für den Rhein-Donau Korridor, die ehemalige niederländische Verkehrsministerin Karla Peijs, stellte auf der Tagung jedoch klar, dass der grenzüberschreitende Infrastrukturausbau in erster Linie Sache der Nationalstaaten sei. Deutschland habe im EU-Vergleich hier noch einen „gewaltigen Nachholbedarf“, wie Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege mit Verweis auf die Pro-Kopf-Investitionen des Bundes feststellte. Ohne eine Anhebung der staatlichen Investitionslinie werde sich der „Magistralen-Traum“ nicht realisieren lassen.

 

Über die Initiative »Magistrale für Europa«

 

Die Initiative „Magistrale für Europa“ engagiert sich für den raschen Ausbau der Schienenachse Paris-Budapest und wurde 1990 gegründet. Um die hohe verkehrliche Bedeutung der europäischen Schienenverbindung Paris-Budapest zu unterstreichen, wählte die Initiative in Anlehnung an städtische Magistralen die Bezeichnung „Magistrale für Europa“. Im Städtebau sind „Magistralen städtische Hauptverkehrsachsen.

Die „Magistrale für Europa“ ist der Eisenbahnkorridor, der Paris via Strasbourg – München – Wien mit Budapest verbindet. Geografisch liegt dieser Korridor in der Mitte zwischen Nordsee und Mittelmeer und stellt eine zentrale West-Ost-Achse in Europa dar. In seinem Einzugsbereich in Frankreich, Deutschland, Österreich, der Slowakei und Ungarn leben 35 Millionen Bewohner und 16 Millionen Beschäftigte.

Mehr Infos gibt es unter: https://magistrale.org/

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