26. September 2016

So müssen Ströme fließen: Bombardier Energy Performance Managerin Christina Winter im Interview

Christina Winter leitet der Bereich Energy Performance bei Bombardier

Die Bahnbranche gehört zu den klassischen Männerdomänen. Aber muss das so bleiben? Nein. Und man findet sie schon heute, die erfolgreichen Frauen bei der Eisenbahn: Christina Winter (30) leitet den Bereich Energy Performance bei Bombardier und setzt sich nicht nur beruflich für eine effiziente Energienutzung ein.

Unser kleines Team besteht aus vier Mann“, erzählt Christina Winter, Teamleiterin im Bereich Energy Performance bei Bombardier in Hennigsdorf. Natürlich meint sie damit auch die zwei Frauen in ihrem Team, „nur das mit dem Gendern finde ich persönlich anstrengend“. Dem Frauenanteil in ihrem Team schadet das offensichtlich nicht, denn eine Frauenquote von 50 Prozent ist auch bei Bombardier eher die Ausnahme.

Winter hat sich nie bewusst entschlossen gegen den Strom zu schwimmen und einen Job in einer Männerdomäne auszuüben. Sie hat einfach das gemacht, was ihr Spaß brachte und was sie gut konnte.

In die Männerdomäne einfach reingerutscht

In der Schule war Winters Lieblingsfach Mathematik fest in Mädchenhand – es gab schließlich nur zwei Jungs in der Klasse. Auf die Entscheidung, Mathe und Physik in Potsdam zu studieren, reagierte Winters Familie zunächst mit der mecklenburgischen Standardfrage: „Bekommt man damit auch einen Job?“ Aber Winter war sicher, dass Mathe von der Medizintechnik, über Versicherungen bis eben hin zur Verkehrsbranche überall gebraucht wird. Und so konnte sie sich auch der Unterstützung ihrer Familie sicher sein.

Während des Studiums wurde sie von der Siemens AG in ein Mentoring-Programm für junge Frauen in technischen Studiengängen aufgenommen. In dessen Rahmen konnten die Frauen sich austauschen und verschiedene Bildungsangebote nutzen, beispielsweise Bewerbungstrainings oder Besuche von Fachmessen. Zusätzlich bekam jede Studentin einen Mentor zur Seite gestellt. Durch eine Umstrukturierung hatte Winter das Glück, gleich zwei Mentoren kennenzulernen. So schnupperte sie erst in die Automobilindustrie und dann in die Schienenfahrzeugtechnik hinein.

Nach dem Studium überlegte Winter an der Uni zu bleiben, um dort zu arbeiten. „Bei einer Konferenz über Sternenwinde habe ich aber gemerkt, dass mich nicht wirklich interessiert, ob Sternenwinde bananen- oder pfannkuchenförmig sind. Da fehlte mir der Alltagsbezug.“ Eine Kontaktmesse an der Uni war dann der erste Berührungspunkt mit Bombardier. Dort schrieb Winter ihre Diplomarbeit und ist danach gleich im Unternehmen geblieben.

Energy Performance – Das nutzt der Gesellschaft

Als Teamleiterin für den Fachbereich Energy Performance wacht Winter bei neuen Projekten über die optimale Nutzung von Energie. „Ich kann mich mit meinem Job identifizieren, denn Energieeffizienz ist wichtig, und ich denke, dass die Bahnbranche im Bereich Energy Performance durchaus gesellschaftliche Veränderungspotentiale bietet.“

Einer Frauenquote steht Winter skeptisch gegenüber, weil dadurch Vorurteile geschürt würden: „Ich habe es selbst erlebt, dass man sich als Frau dann immer beweisen und zeigen muss, dass man nicht als Quotenfrau eingestellt wurde, sondern weil man fachlich kompetent ist.“ Grundsätzlich gelte aber die Regel: Je gemischter ein Team arbeite, desto besser.

Privat setzt Winter auf 100 Prozent erneuerbare Energien und nutzt am liebsten das Verkehrsmittel Schiff. Wenn der Wind gut steht, hisst sie die Segel und lässt sich treiben. Mit Segelyacht Walross IV überquerte Winter in 19 Tagen den Atlantik, einmal von Brasilien bis zu den Azoren. So ist sie jetzt die erste Äquator getaufte Teamleiterin bei Bombardier.

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