29. April 2014

Jury kürt drei Sieger aus 30 Titel-Kandidaten

NordWestBahn gewinnt Gold, metronom Silber, Deutsche Bahn Bronze

Das sind die Eisenbahner mit Herz 2014
Das sind die Eisenbahner mit Herz 2014 (v.l.): Der metronom-Lokführer Gerard Versteeg gewinnt Silber, Bronze bekommt DB-Zugchefin Anja Hoche und Gold geht an Dylan Bevers, Zugbegleiter bei der NordWestBahn.

Berlin/Bremen/Uelzen/Kassel, 29. April 2014. Die Jury hat entschieden, die Sieger stehen fest: Zwei Zugbegleiter und ein Lokführer gewinnen den Titel „Eisenbahner mit Herz 2014“. Gold geht an NordWestBahn-Zugbegleiter Dylan Bevers (24), der für das Regio-S-Bahn-Netz Bremen/Niedersachsen arbeitet. Bevers überzeugte die Jury durch „einen ungewöhnlich smarten Einsatz“ bei der Fahrkartenkontrolle: Als eine Reisende ihre Monatskarte nicht vorzeigen konnte, weil ihr Portemonnaie verschwunden war, griff Bevers zu seinem Handy und telefonierte die Stationen der Kundin vor Reiseantritt ab: Börse und Monatskarte fanden sich wieder, die Reisende war vom Verdacht des Schwarzfahrens gereinigt. „Gold für einen Zugbegleiter, der den „Kontrolleur“ alter Schule mühelos in den Schatten stellt“, lobte die Jury unter dem Vorsitz der Allianz pro Schiene.

Silber gewann der metronom-Lokführer Gerard Versteeg (54) aus Uelzen, der gleich von zwei Kunden für den Preis vorgeschlagen worden war. Für einen gehbehinderten Pendler steuerte der gebürtige Niederländer seinen Zug so passgenau an eine strategisch wichtige Treppe, dass sein Fahrgast seine knappen Anschlüsse erreichen konnte. Weil der metronom-Mann Verspätungen mühelos „rausfährt“ und bei Rollstuhlfahrern gerne selber mit anfasst, statt auf den Fahrgastbetreuer zu warten, nennen ihn die Stammgäste auf der Strecke den „fliegenden Holländer“. Die Preisrichter waren begeistert: „Gerard Versteeg ist ein Könner im Führerstand und ein herausragender Teamspieler. Das System Eisenbahn wäre unschlagbar, wenn es mehr solcher Mitarbeiter gäbe.“

Bronze bekam die ICE-Zugchefin Anja Hoche vom Fernverkehr der Deutschen Bahn in Kassel, weil sie einem verirrten 11-Jährigen geholfen hatte. Der Junge war auf der Fahrt ins Internat zu lange im Zug sitzen geblieben und hatte seinen Ausstieg verpasst. Hoche organisierte einen Sonderhalt des ICE, eine Begleitung zurück und verständigte die Schule. „Solch vorbildliche Behandlung macht aus Kindern treue und vertrauensvolle Fahrgäste. Bronze für die Zugbegleiterin mit dem ausgeprägten Verantwortungsgefühl“, urteilte die Jury.

Im Beisein von Bahnchef Rüdiger Grube, NordWestBahnchef Henning Weize und metronom-Geschäftsführer Jan Görnemann feierten die frisch gekürten Eisenbahner mit Herz gemeinsam mit 50 geladenen Gästen bereits am Montag abend die Jury-Entscheidung. Die Laudatio auf die Sieger hält in diesem Jahr Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD). „Seit ich vom Saarland aus ins politische Berlin pendele, kommt es mir auf Kundennähe und Freundlichkeit an. Als Verkehrsminister war ich mehr auf Schnelligkeit bedacht“, sagte der frühere saarländische Verkehrsminister bei der Pressekonferenz am Dienstag in Berlin. „Gute Bahnverbindungen ermöglichen bis heute gute politische Beziehungen – vor allem in Europa“, sagte Maas. Der TV-Entertainer Harald Schmidt hatte 2012 die Laudatio gehalten. „Die Deutschen sind zu dämlich zum Bahnfahren“, hatte Schmidt angemerkt und sich pauschal auf die Seite des Personals gestellt: „Liebe Zugbegleiter, wen auch immer Sie aus dem Zug schmeißen, ich stehe auf Ihrer Seite.“ 2013 sprach TV-Köchin Sarah Wiener die Lobrede. „Bahnfahren ist wunderbar, aber am Caffe latte könntet ihr noch arbeiten“, sagte die Bahnvielfahrerin Wiener bei der Feier im Hamburger Bahnhof.

Die Jury hatte auch 2014 die Qual der Wahl: Sie kürte die Sieger aus einer Galerie von rund 30 Titel-Kandidaten, die aus fast allen Teilen Deutschlands stammen. Auf der Grundlage von rund 300 Kundeneinsendungen hatten die Bahnen seit dem Februar alle Recherchekräfte mobilisiert, um das richtige Gesicht zur Geschichte herauszufinden. Die Allianz-pro-Schiene-Galerie spiegelt daher auch viele Bereiche wider, in denen Bahnmitarbeiter mit ihren Kunden in Kontakt kommen: Eisenbahner mit Herz begleiten Züge im Nah- und Fernverkehr, steuern tonnenschwere Loks, arbeiten auf Bahnhöfen, in Reisezentren und sogar ICE-Werkstätten. Unter den Nominierten ist die DB-Lokführerin Claudia Franke, die eine verirrte Entenfamilie vor dem sicheren Tod rettete. Zugchef Philipp Ulbrich räumte eine Schienenstrecke im Sturm mit bloßen Händen wieder frei. Alexander Bohne vom DB-Fernverkehr Berlin leitete souverän einen Katastropheneinsatz mit ICE-Evakuierung. Zugbegleiter Heinz-Jürgen Homberger teilte sein Frühstück mit hungrigen Fahrgästen, während Evelyne Schulz von der S-Bahn Berlin blutende Schnittwunden versorgte. Auch der Kundenliebling der Schwarzwaldbahn, der Zugbegleiter Herbert Kusche, war 2014 wieder unter den Favoriten: Keinen anderen Zugbegleiter haben die Reisenden seit dem Start des Wettbewerbs so häufig auf den Schild gehoben wie den DB-Regio-Mann aus Singen.

Der Wettbewerb Eisenbahner mit Herz findet in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge statt. Die Zahl der Einsendungen ist seit dem Start kontinuierlich gewachsen: Schickten 2011 rund 100 Bahnreisende einen Vorschlag an die Allianz pro Schiene, waren es 2012 rund 150 und 2013 bereits 250 Einsendungen. „Stolze 300 Bahnkundenbriefe im vierten Jahr zeigen, dass wir auf dem richtigen Kurs sind: wir planen jedes Jahr eine Art Schienentagebuch über das deutsche Netz“, sagte Jury-Mitglied Dirk Flege. Unter dem Dach des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene haben sich Fahrgastverbände, Verbraucherschützer, Gewerkschaften und alle großen Umweltverbände zusammengeschlossen, um den Eisenbahnverkehr im Sinne der Fahrgäste voran zu bringen. Unterstützt wird das Bündnis von mehr als 100 Unternehmen der Bahnbranche, darunter alle wichtigen Eisenbahnverkehrsunternehmen wie die Deutsche Bahn, Veolia, Keolis oder Abellio. In der Jury des Wettbewerbs sitzen neben der Allianz pro Schiene auch die beiden Eisenbahngewerkschaften EVG und GdL, der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Fahrgastverband Pro Bahn, der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV), der Bundesverband Deutscher Eisenbahnfreunde (BDEF) und das Bündnis der Aufgabenträger BAG-SPNV.

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