19. Januar 2009

EU bereitet europaweite Zulassung von Riesen-Lkw vor

Neue Monstertruck-Studie der EU-Kommission zeigt:

Berlin/Brüssel. Die Allianz pro Schiene warnt vor einer bevorstehenden europaweiten Zulassung von Monstertrucks, die derzeit von der EU-Kommission vorbereitet wird. Eine neue Studie, die die Kommission vor wenigen Tagen veröffentlicht hat, zeige, dass „Europa von Riesen-Lkw überrollt zu werden droht, wenn sich die Kommission mit ihren Plänen durchsetzt“, sagte Michael Gehrmann, Vorstandsmitglied der Allianz pro Schiene und Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) am heutigen Montag in Berlin. Die negativen Folgen für Mensch und Umwelt seien immens, da die Zulassung der bis zu 25 Meter langen und bis zu 60 Tonnen schweren Fahrzeuge mit erhöhten Sicherheitsrisiken und einer die Umwelt belastenden Verkehrsverlagerung von der Schiene auf die Straße einhergehe. Auch die damit verbundenen Infrastrukturkosten würden von der Kommission bewusst ausgeblendet, so Gehrmann.

Um eine öffentliche Debatte über die umstrittene europaweite Zulassung von Riesen-Lkw vor der Europawahl im Juni 2009 zu vermeiden, hatte die Kommission am vergangenen Freitag stillschweigend ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten über eine mögliche EU-weite Zulassung auf ihre Webseiten gestellt. Die bereits im November 2008 abgeschlossene Studie empfiehlt die europaweite Zulassung von Riesen-Lkw, obwohl die negativen Begleiterscheinungen wie hohe Infrastrukturkosten und die erhöhte Gefährdung aller Verkehrsteilnehmer von den Gutachtern nicht geleugnet werden. „Die EU-Kommission spekuliert offensichtlich darauf, dass sich niemand über den eklatanten Widerspruch zwischen negativen Bewertungen der Monstertrucks und der daraus folgenden Empfehlung pro Monstertruck-Zulassung wundert“, vermutete Gehrmann.

Die vom privaten Gutachterkonsortium Transport & Mobility Leuven (TML) durchgeführte Studie kommt zu dem Schluss, dass die Verbilligung der Straßentransporte die Zulassung der überdimensionierten Fahrzeuge auf EU-Ebene rechtfertigt – ungeachtet der Nachteile in Punkto Sicherheit, Umwelt und Kosten, die der Gesellschaft ungefragt aufgebürdet werden.

„Mit der Veröffentlichung der Studie bezieht die EU-Kommission deutlich Position pro Monstertruck“, sagt Martin Roggermann, Koordinator der europaweit agierenden „No Mega Trucks!“-Kampagne, in der sich bislang 125 Organisationen gegen Riesen-Lkw engagieren. Roggermann warnt davor, Ankündigungen zu glauben, nach denen vor 2010 keine Entscheidung in Sachen Monstertrucks fallen werde: „Zusammen mit der schwedischen Regierung, die sich während ihrer Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2009 für Riesen-Lkw einsetzen will, könnte die EU-Kommission die europaweite Zulassung noch in diesem Jahr durchsetzen.“

Weitere Informationen:

Die Allianz pro Schiene ist das Bündnis in Deutschland zur Förderung des umweltfreundlichen und sicheren Schienenverkehrs. In dem Bündnis haben sich 16 Non-Profit-Verbände zusammengeschlossen: die Umweltverbände BUND, NABU, Deutsche Umwelthilfe und NaturFreunde Deutschlands, die Verbraucherverbände Pro Bahn, DBV und VCD, die Automobilclubs ACE und ACV, die drei Bahngewerkschaften TRANSNET, GDBA und GDL sowie die Eisenbahnverbände BDEF, BF Bahnen, VBB und VDEI. Die Mitgliedsverbände vertreten mehr als 2 Millionen Einzelmitglieder. Unterstützt wird das Schienenbündnis von 80 Unternehmen der Bahnbranche.