12. Mai 2009

„Tiefensee muss hart bleiben“

Fraunhofer-Studie: Mega-Trucks würden das Klima schädigen

Berlin. Das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat erstmals wissenschaftlich belastbar nachgewiesen, dass die Einführung von überlangen und schweren Lkws klimaschädlich wäre. Anders als frühere Studien wählte das ISI einen theoretisch-dynamischen Ansatz, der deutlich über die räumlich begrenzten Feldversuche hinaus ging. Die Forscher stellten fest, dass eine EU-weite Zulassung der Riesen-Lkw zu beträchtlichen Verkehrsverlagerungen auf die Straße führen würde. Auf dieser Basis errechneten sie die langfristig negativen Klimawirkungen eines „Konzepts Mega-Trucks“. „Wir erfahren jetzt aus berufenem Munde, was wir schon immer vermutet haben“, sagte Martin Roggermann, Koordinator der europaweit agierenden Kampagne „No Mega Trucks!“ und appellierte an Minister Wolfgang Tiefensee, im EU-Verkehrsministerrat bei der Ablehnung der Monster-Lkw „hart zu bleiben“.

Die Autoren der ISI-Studie kommen zu dem Ergebnis, dass überlange Lkw nur kurzfristig ein Potenzial zur Reduktion von Treibhausgasen und Luftschadstoffen bieten. Durch die mit zu betrachtende Verkehrsverlagerung werden die CO2-Einsparungen jedoch „bald überkompensiert, so dass eine negative Klimabilanz entsteht“. „Je größer der Lastwagen, desto weniger CO2: Für uns war das schon immer eine Milchmädchenrechnung“, sagte Kampagnen-Leiter Roggermann. „Das Scheinargument, dass Mega-Trucks die Umwelt schonen, war von Anfang an vorgeschoben. In Wirklichkeit geht es darum, Marktanteile für den Straßengüterverkehr zurückzugewinnen.“ Das Fazit der ISI-Studie lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Die Ergebnisse legen „den Schluss nahe, das Konzept Mega-Truck sowohl aus Umwelt-, Klima- und Sicherheitsgründen abzulehnen“, schreiben die Wissenschaftler.

Erst im Januar hatte die Europäische Kommission eine in Fachkreisen umstrittene Studie zum Thema Riesen-Lkw vorgelegt, die zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen war: Trotz negativer Bilanzen in den Bereichen Umwelt, Verkehr und Sicherheit, wäre der Mega-Truck unter dem Strich doch zu befürworten. „Wissenschaftlich war das Mumpitz, aber für uns sieht es danach aus, als wollten die EU-Bürokraten die Öffentlichkeit schon mal vorbereiten, dass die Monster doch demnächst losrollen“, sagte Roggermann und forderte die EU-Verkehrsminister auf, nicht „irgendwelchen Pseudoargumenten auf den Leim zu gehen“.

Diverse Studien in Deutschland hatten zuvor bereits ergeben, dass bei der flächendeckenden Einführung von überlangen 60-Tonnern mit Verlagerungen vor allem zu Lasten der Schiene zu rechnen sei: Im kombinierten Verkehr sind das Rückgänge von bis zu 55 Prozent. „Wenigstens kann jetzt kein Politiker mehr sagen, Mega-Trucks schonen die Umwelt. Das ist ein für alle Mal widerlegt“, sagte Roggermann.

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