Themen: Güterverkehr
12. September 2008

„Deutschlands Straßen werden noch unsicherer“

Mecklenburg-Vorpommern lässt Riesen-Lkw auf Bevölkerung los

Berlin/Köln. Mecklenburg-Vorpommern hat eine Fahrerlaubnis für 25 Meter lange Riesen-Lkw erteilt. Damit setzt sich nach Thüringen das zweite Bundesland über den Beschluss der Länderverkehrsministerkonferenz vom Oktober vergangenen Jahres hinweg, keine neuen Pilotversuche mit so genannten Gigalinern zu beginnen. Seit zwei Jahren fahren Megatrucks bereits in Baden-Württemberg, das kurz vor der Entscheidung der Länderverkehrsministerkonferenz die laufenden Pilotversuche verlängert hat. „Eigentlich sollte Deutschland Anfang dieses Jahres frei von Monstertrucks sein, jetzt fahren in drei Bundesländern die Riesen-Lkw gegen den Willen der Bevölkerung auf öffentlichen Straßen. In allen drei Bundesländern haben die Landesregierungen dem Druck der in ihrem Bundesland ansässigen Megatruck-Hersteller nachgegeben“, kritisierte Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege am Freitag in Berlin.

„Deutschlands Straßen werden durch die unverantwortliche Entscheidung der Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern noch unsicherer. Riesen-Lkw sind für Autofahrer eine enorme Gefahr. Bereits heute ist an jedem fünften tödlichen Unfall ein Lkw beteiligt“, sagte der Generalsekretär des ACV Automobil-Club Verkehr, Ralf Sanner. „Wir fordern einen sofortigen Stopp der Pilotversuche in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern“, so der Generalsekretär des ACV, der Mitglied der Allianz pro Schiene ist und die Kampagne NO MEGA TRUCKS unterstützt.

Wie erst jetzt bekannt wurde, fahren in Mecklenburg-Vorpommern seit Anfang September „zunächst“ befristet bis zum Jahresende 2008 Riesen-Lkw von Parchim nach Gallin-Valluhn über die Autobahn A 24 und die Bundesstraße 191. „Es muss endlich Schluss sein mit der Politik einiger Landesregierungen immer neue ‚Ausnahmegenehmigungen‘ für den Einsatz von Riesen-Lkw zu erteilen“, forderte Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege. Derartige „Ausnahmegenehmigungen“ dienten nur zur Vorbereitung einer generellen Einführung der Straßenmonster. Die Steuerzahler müssten den Infrastrukturausbau für die überlangen Fahrzeuge zahlen, es würden Güter von der umweltfreundlichen Schiene auf die dann noch billigeren Lkw-Transporte abgezogen und die Verkehrssicherheit würde durch die überlangen Fahrzeuge zusätzlich leiden. Flege: „Riesen-Lkw sind teuer, gefährlich und umweltschädlich. Sie haben auf Deutschlands Straßen nichts zu suchen.“

Weitere Informationen:

Die Allianz pro Schiene ist das Bündnis in Deutschland zur Förderung des umweltfreundlichen und sicheren Schienenverkehrs. In dem Bündnis haben sich 16 Non-Profit-Verbände zusammengeschlossen: die Umweltverbände BUND, NABU, Deutsche Umwelthilfe und NaturFreunde Deutschlands, die Verbraucherverbände Pro Bahn, DBV und VCD, die Automobilclubs ACE und ACV, die drei Bahngewerkschaften TRANSNET, GDBA und GDL sowie die Eisenbahnverbände BDEF, BF Bahnen, VBB und VDEI. Die Mitgliedsverbände vertreten mehr als 2 Millionen Einzelmitglieder. Unterstützt wird das Schienenbündnis von 81 Unternehmen der Bahnbranche.