17. Februar 2003

"Auch deutsche Städte sollten über Anti-Stau-Maut nachdenken"

Allianz pro Schiene begrüßt City-Maut in London

Die Allianz pro Schiene äußerte sich zustimmend zu der Mautgebühr, die London ab heute für das Autofahren in der Innenstadt erhebt. „Wenn der motorisierte Individualverkehr dadurch tatsächlich um die erwarteten 15% sinkt, sollten auch staugeplagte deutsche Städte über die Einführung einer City-Maut nachdenken“, schlug der Geschäftsführer des Schienenbündnisses, Dirk Flege, vor.

„Erst wenn das in Städten äußerst knappe Gut Straße einen angemessenen Preis hat, wird es optimal genutzt“, erläuterte Flege die Funktionsweise der Maut in Ballungsgebieten. Das sei ein rein marktwirtschaftlicher Mechanismus, denn in der Maut kämen die Staukosten des Verkehrs zum Ausdruck. Diese belaufen sich in Deutschland laut einer BMW-Studie auf bis zu 100 Milliarden Euro jährlich.

Flege: „Wer ein öffentliches Verkehrsmittel benutzt oder eine Fahrgemeinschaft bildet, verhält sich nicht nur umweltbewusst, sondern wird dann endlich auch ökonomisch belohnt.“ Wichtig ist nach Auffassung der Allianz pro Schiene, die Mauteinnahmen auf jeden Fall zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs einzusetzen. „Dies macht das Verkehrssystem insgesamt leistungsfähiger“, so der Geschäftsführer. Davon profitierten die Wirtschaft, die Umwelt und „vor allem die Verkehrsteilnehmer selbst, die weniger Lebenszeit im Stau vergeuden“ müssten.

Erfolgreiche Maut-Beispiele

Dass eine gezielt eingesetzte Maut zu einer effizienteren Nutzung der Verkehrsinfrastruktur führt, haben andere Städte nach Angaben der Allianz pro Schiene längst bewiesen:

  • In Singapur wurde bereits in den 70er Jahren eine Maut von nur 2,50 € pro Tag für den Stadtbereich erhoben und mit deren Einnahmen das öffentliche Verkehrssystem ausgebaut. Die Stadt verzeichnete einen Rückgang der Autofahrten in das Stadtzentrum um 45%. 1997 wurde das Mautsystem weiter ausdifferenziert mit dem Ziel, die Spitzenzeiten zu entzerren. Mit Erfolg: Zur Hauptverkehrszeit ging das Verkehrsaufkommen um 15% zurück.
  • In Europa ist Norwegen der Vorreiter beim so genannten Road Pricing. Die Hauptstadt Oslo konnte den PKW-Verkehr in der Innenstadt durch eine City-Maut um 10% reduzieren – und das schon ein Jahr nach ihrer Einführung.
  • Dank einer Gebühr, die die Stadt Seoul für die Benutzung des hoffnungslos zugestauten Nam-Sam-Autobahntunnels erhebt, ging die Verkehrsstärke um 13% zurück. Um 38% beschleunigte sich die Durchschnittsgeschwindigkeit im Tunnel. Trotz gesunkener Fahrzeugzahl stieg die Zahl der Reisenden pro Tag um ganze 58%. Der Grund für die effizientere Nutzung des Tunnels: Die Anzahl der Personen pro Fahrzeug erhöhte sich um mehr als 80%.

Die Allianz pro Schiene ist ein Zusammenschluss von 16 Non-Profit-Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Verbraucher und Arbeit, sowie 30 Unternehmen der bahnnahen Wirtschaft.