Themen: Infrastruktur
07. Oktober 2019

Die Schiene gemeinsam in die digitale Zukunft führen

Bund und Branche unterzeichnen Memorandum of Understanding.

Unterzeichnung des Memorandum of Understanding Digitale Schiene
von links nach rechts: Dirk Flege (Allianz pro Schiene e.V.), Susanne Henkel (Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des SPNV e.V.), Martin Schmitz (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V.), Dr. Christoph Hoppe (Verband der Bahnindustrie in Deutschland e.V.), Andreas Scheuer (Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur), Ronald Pofalla (Deutsche Bahn AG), Christian Schreyer (mofair e.V.), Dr. Heike van Hoorn (Deutsches Verkehrsforum e.V.), Michail Stahlhut (Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e.V.)

Die Eisenbahn soll der erste Verkehrsträger sein, dessen Infrastruktur komplett für den digitalen Betrieb hergerichtet wird. Bund und Branche haben in einem „Memorandum of Understanding“ den gemeinsamen Willen für die Digitalisierung der Schiene bekräftigt. Bundesverkehrsministerium, Deutsche Bahn und sieben Branchenverbände, darunter die Allianz pro Schiene, unterzeichneten die Absichtsbekundung Ende September in Berlin.

Der Bund plant bis zum Jahr 2030 eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen im Personenverkehr und eine Marktanteilssteigerung des Schienengüterverkehrs von derzeit 19 auf 30 Prozent. Damit diese Ziele erreicht werden können, müssen Schieneninfrastruktur und Bahnbetrieb leistungsfähiger werden. Einen Schlüssel hierfür sieht die Absichtserklärung in der Digitalisierung.

Im Speziellen sieht das Memorandum of Understanding vor, ein „Digitale Schiene Deutschland-Starterpaket“ als Programmstartschuss zu setzen. Für drei ausgewählte Pilotprojekte stehen bis 2023 570 Millionen Euro zur Verfügung. Durch diese Projekte sollen Erkenntnisse für den weiteren Roll-Out gesammelt werden. Zu den Maßnahmen zählt der ETCS-Ausbau des Transeuropäischen Korridors von Skandinavien bis zum Mittelmeer, die Schnellfahrstrecke zwischen Köln und dem Rhein/Main Gebiet sowie ein S-Bahn-Projekt in Stuttgart.

Der politische Wille

Im Bundeshaushalt für 2020 sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nur ca. 200 Millionen Euro für Fahrzeuge und Infrastruktur vorgesehen. Dieser Betrag müsste in den Folgejahren deutlich erhöht werden, um das Projekt „Digitale Schiene“ schnell und flächendeckend umzusetzen. Gerade für kleinere Eisenbahnunternehmen ist die digitale Ausrüstung ihrer Fahrzeuge ein immenser Kostenfaktor. Ohne Unterstützung des Bundes und der Länder kann die Digitalisierung nicht gelingen. Für die Allianz pro Schiene ist das jetzt unterzeichnete „Memorandum of Understanding“ daher ein wichtiger Anhaltspunkt, dass die Bundesregierung dies erkannt hat und im Folgenden auch darauf hinwirken wird, die erforderlichen Mittel im Haushalt bereitzustellen.

In weiteren Schritten wollen die beteiligten Akteure nun gemeinsam Pläne entwickeln, wie die Fahrzeuge ausgerüstet, technische Standards gesetzt und auch die Prozesse beschleunigt werden. Der Finanzierungsmix aus Infrastrukturmaßnahmen und Fahrzeugausrüstung steht ebenfalls auf dem Programm. Als letzten Eckpunkt sieht das Papier noch die Verständigung zur Entwicklung des Digitalen Bahnbetriebs vor.

Die „Digitale Schiene“

Teil des Generationenprojekts „Digitale Schiene“ ist die Ausstattung des Fahrwegs und der Züge mit dem European Train Control System (ETCS). ETCS löst die bisher mehr als 20 existierenden nationalen Eisenbahnleit- und Sicherungssysteme in Europa ab und soll zusammen mit der Digitalisierung der Stellwerke im bestehenden Schienennetz einen Kapazitätszuwachs von bis zu 20 Prozent bringen. Durch den Einsatz der Digitalisierung können letztlich auch flächendeckend fahrerlose Züge eingesetzt werden – wie es sie bei U-Bahnen schon seit mehr als 30 Jahren gibt.

 

Weitere Informationen: