Bronzemedaille für Rainer Grundmann

„Ran an den Mann“

Als Kind wollte Rainer Grundmann (32) Polizist werden, seit vier Jahren sorgt er als Zugbegleiter im Metronom für Recht und Ordnung. Für seine Fahrradrettungsaktion wollte der Mann mit der taubenblauen Uniform noch nicht einmal einen Lohn, schließlich fährt er selber Fahrrad. Und bald kommt auch noch die Lokomotive dazu.

Metronom Zugbegleiter Rainer Grundmann über Helfen als Lebensprinzip

Das Interview

Herr Grundmann, Ihr Einsender hat Sie als den „König aller Zugbegleiter“ beschrieben. Im fahrenden Zug haben Sie ihm das Fahrrad repariert.
Das mit dem „König“ fand ich lustig, aber ein wenig übertrieben. Technisch gesehen war es eine Kleinigkeit. Die Kette war ab. Ich finde, wenn man etwas kann, sollte man es tun. Nach dem Motto: Ran an den Mann und fertig.

Herr Würger ist heute wieder mit einem Fahrrad zur Stelle. Schauen Sie mal, würden Sie mit diesem hochkarätigen Modell auch zu Rande kommen?
Das sehe ich sofort: dieselbe Gangschaltung wie damals. Nein, das wäre überhaupt kein Problem.

Sie haben sich inzwischen zum Lokführer weitergebildet. Was tun Sie, wenn eines Tages in Ihrem Zug ein Baby zur Welt kommt?
Das wäre allerdings keine Kleinigkeit. Aber weil ich bei der Geburt meiner beiden Töchter dabei war, würde ich nicht in Ohnmacht fallen. Ich würde mein Bestes geben, um zu helfen.

Ist Helfen ein Lebensprinzip von Ihnen?
Wenn alle Menschen auf der Welt sich vornehmen würden, drei anderen Menschen bei einem beliebigen Problem zu helfen, dann wäre die Welt schon besser. Und glücklicher.

Bronze für den Zauberer im Zug

Die Würdigung der Jury

Die Verbindung zwischen Bahn und Fahrrad ist im Alltag oft verbesserungsbedürftig. Nicht im Metronom: Rainer Grundmanns Tatkraft hat aus einem Bahnmuffel einen Bahnfreund gemacht. Verkantete Kette? Kein Problem. Der Bahnkunde war begeistert („Ich liebe ihn!“), die Jury ist es auch:

Bronze für den radlerfreundlichen Zugbegleiter, der das richtige Signal für die Zukunft setzt.

Das schrieb der Einsender

Die Nominierung

„Ich fahr nicht so gerne Bahn. Nervt. Neulich musste ich. Im „metronom“ traf ich auf Herrn Grundman. Der ist Zugbegleiter: kleines Namensschild, hässliches Hemd, freundliche Augen. Ich liebe ihn! Darum: Ich wollte nach Hamburg und hatte ein Rad dabei. Beim Einsteigen ging die Kette ab, sie verkantete sich und saß fest, wie der sprichwörtliche Hintern auf dem Eimer. Ich frage den Zugbegleiter, wo in Hamburg ein Fahrradladen ist. Und wissen Sie, was der sagte? „Fahrradladen? Fahrradladen brauchen wir nicht! Ich mach das mal.“

Und jetzt kommt’s!: Grundmann, dieser Zauberer im Zug, holten Plastikhandschuhe aus der Tasche, stellte meine Kiste auf den Kopf, fummelte hier, zog da – die Kette war wieder drauf. Sieh an, der Herr Grundmann. Ein Ass. Ich fragte den König aller Zugbegleiter: „Wie viel?“ Der lachte: „Ist im Preis mit drin.“ So schnell können sich die Dinge ändern. Und so gut ist die Welt. Bald fahr ich wieder Bahn. Ich freu mich drauf.“

Karl-Richard Würger (Redakteur bei der Neuen Presse Hannover, links im Bild)