06. Oktober 2016

Keine Bremsklötze für den ÖBB-Nachtzug

Fahrgastverbände bei der Allianz pro Schiene begrüßen Mut der Österreicher

Gute Nacht: In Deutschland macht die Politik dem Nachtzug das Leben schwer. Nun hat die Deutsche Bahn das Staffelholz an die ÖBB übergeben. Fahrgastverbände freuen sich auf den neuen „Night Jet“.

Berlin, den 6. Oktober 2016. Die unter dem Dach der Allianz pro Schiene organisierten Fahrgastverbände begrüßen den Mut der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die im Dezember ausgewählte Nachtzugverbindungen von der Deutschen Bahn übernehmen werden, während sich die DB aus dem Segment zurückzieht. „Das Flair der Eisenbahn hat viel mit der Vorfreude zu tun, mit der wir als Kinder zum ersten Mal einen Schlafwagen bestiegen haben“, sagte der Ehrenvorsitzende von Pro Bahn, Karl-Peter Naumann am Donnerstag in Berlin. „Die ÖBB-Offensive ist mehr als ein alltägliches Mobilitätsangebot. Sie lässt hoffen, dass der Nachtzug als Teil der Eisenbahnkultur lebendig bleibt.“ Naumann wünschte dem Neustart der Österreicher unter dem Markennamen „Night Jet“ gutes Gelingen. Der Bundesvorsitzende des ökologischen Verkehrsclubs VCD, Michael Ziesak, betonte, dass es auch den Nachtzügen der Deutschen Bahn nie an Fahrgästen gemangelt habe. „Was den deutschen Nachtzügen fehlte, waren nicht die Kunden, sondern die Rückendeckung der Politik“, sagte der VCD-Chef. „Im Konkurrenzkampf gegen Billigflieger und ein schnell wachsendes Nachtnetz bei Fernbussen, sind die Bahnen strategisch gut beraten, ein hervorragendes europäisches Nachtzugangebot aufzubauen“. Aufgabe der Politik sei es jetzt, den ÖBB die Bremsklötze aus dem Weg zu räumen und die unfairen Wettbewerbsnachteile für den Nachtzug abzustellen.

Politik macht Nachtzug-Tickets teuer

Naumann und Ziesak kritisierten, dass beim Thema Nachtzug Unternehmen und Fahrgäste in der Vergangenheit von der deutschen Politik allein gelassen worden seien. So müssen Passagiere von grenzüberschreitenden Fahrten mit dem Nachtzug beim Ticketkauf in Deutschland bis zur Grenze den vollen Mehrwertsteuersatz zahlen, während die meisten Staaten in der EU keine Mehrwertsteuer auf grenzüberschreitende Zugtickets erheben. Flugpassagiere zahlen ebenfalls keine Mehrwertsteuer auf grenzüberschreitende Tickets. Dazu kommt eine Ungleichbehandlung bei den Energiesteuern. Airlines und Flugpassagiere zahlen keine Kerosin- und Ökosteuer. „Bahnen und Zugpassagiere werden dagegen mit der Stromsteuer sowie der EEG-Umlage belastet und zahlen Ökosteuer. „Die Politik macht den Nachtzügen das Leben schwer“, sagten die beiden Allianz pro Schiene-Vorstände. Nach Österreich zahlen die Bahnen in Deutschland den höchsten Stromsteuersatz in der EU.

Video: Statements zum Nachtzug von Karl-Peter Naumann  (Fahrgastverband Pro Bahn) und Michael Ziesak (VCD Verkehrsclub Deutschland), 2:22 min.