11. Dezember 2012

In der Eisenbahn sind Reisende am sichersten

Opferstatistik 2011: Todesrisiko im Auto 55-mal höher als bei der Bahn

Berlin. Überall in Europa ist Bahnfahren sicherer als Autofahren. Auch in Deutschland hält die Bahn ihren Spitzenplatz als sicherstes Verkehrsmittel. Nach Berechnungen der Allianz pro Schiene war im deutschen Mehrjahresschnitt 2004 bis 2011 das Todesrisiko für Insassen eines Pkw 55-mal höher als für Bahnreisende. Bei den Verletzungen ist das Risiko noch höher zu beziffern: Bezogen auf die Personenkilometer ist die Wahrscheinlichkeit zu verunglücken bei jeder Autofahrt rund 105-mal höher als bei einer Bahnfahrt.

Während der Bus in puncto Sicherheit ebenfalls deutlich vor dem Pkw liegt, ist der Abstand zwischen Bus und Bahn dennoch spürbar: Das Todesrisiko für Busreisende ist im Vergleich zur Bahn rund viermal höher, das Verletzungsrisiko rund 30-mal höher. „Die Bahn ist das mit Abstand sicherste Verkehrsmittel“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem Auto-Club Verkehr (ACV) am Dienstag in Berlin.

Todesrisiko im Zug 55-mal geringer als im Auto
Getötete Reisende pro Mrd. Pkm (Durchschnitt 2004-2011)

Quelle: Allianz pro Schiene auf Basis von Statistisches Bundesamt, TREMOD. Stand 11.12.2012.

Verletzungsrisiko im Zug 105-mal geringer als im Auto
Verletzte Reisende pro Mrd. Pkm (Durchschnitt 2004-2011)

Quelle: Allianz pro Schiene auf Basis von Statistisches Bundesamt, TREMOD. Stand 11.12.2012.

An dieser Tendenz ändere auch ein schwerer Zug-Unfall wie Hordorf nichts, bei dem Anfang 2011 acht Bahnreisende gestorben waren. Flege verwies darauf, dass in 2011 bereits über 30.000 Kilometer des insgesamt 33.600 Kilometer langen bundeseigenen Streckennetzes mit dem automatischen Bremssystem (PZB) ausgerüstet waren. „Ein Zeitpunkt für die Ausrüstung der noch ungesicherten Strecke bei Hordorf stand zum Zeitpunkt des Unfalls tragischerweise bereits fest“, sagte Flege. „Die Maßnahme kam wenige Tage zu spät.“ Als Reaktion habe die Deutsche Bahn entschieden, bis Ende 2012 alle noch nicht gesicherten Strecken mit PZB auszurüsten, sagte der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer.

Im mehrjährigen europäischen Vergleich zur Sicherheit der Verkehrsträger liegt Deutschland bei den Opferzahlen bei Auto- und Bahnfahrten auf den guten vorderen Plätzen. Im EU-Durchschnitt 2005 bis 2010 starben 3,98 Pkw-Insassen pro Milliarde Personenkilometer, in Deutschland waren es 2,77. Demgegenüber standen europaweit 0,16 getötete Bahnreisende. Mit 0,03 Toten lag Deutschland im Schnitt von 2005 bis 2010 nur hinter Ländern, die in demselben Zeitraum gar keine toten Bahnreisenden zu beklagen hatten, wie etwa Dänemark oder Irland. „In keinem europäischen Land ist Autofahren sicherer als Bahnfahren“, sagte Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Flege. Am gefährlichsten leben Autofahrer im Osten Europas: in Rumänien (durchschnittlich 15,99 Tote), Lettland (11,46) oder Ungarn (9,94) fordert der Straßenverkehr die höchste Zahl an Todesopfern pro Milliarde Personenkilometern.

Horst Metzler, Geschäftsführer des Auto-Clubs Verkehr (ACV) warnte davor, anlässlich der seit Jahren sinkenden Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr insgesamt vorschnelle Entwarnungen auszusprechen. „Über 4.000 Straßenverkehrstote in Deutschland (Stand 2011) und knapp 31.000 Tote in Europa (Stand 2010) sind kein Grund zum Feiern“, sagte Metzler. „Der europaweite Straßenverkehr löscht jedes Jahr eine Kleinstadt aus.“ Dass die Zahl jedes Jahr verlässlich sinke, sei überdies kein Selbstläufer: Metzler verwies darauf, dass die Zahl der Toten im deutschen Straßenverkehr im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit den 90er Jahren wieder angestiegen sei. „Ein Zuwachs um 10 Prozent von 2010 auf 2011 hat unserer Selbstgewissheit einen herben Schlag zugefügt“, sagte der ACV-Geschäftsführer und rechnete vor, dass allein 614 der Getöteten des Jahres 2011 Fußgänger gewesen seien. „Das sind leider rund 30 Prozent mehr als noch 2010.“

Auch wenn die Opferstatistik für das Jahr 2012 mutmaßlich wieder einen Rückgang bei der Zahl der Verkehrstoten aufweisen werde, sei es wichtig, die künftige Sicherheitsstrategie im Straßenverkehr gezielt um die Gefahrenherde herumzuentwickeln. Metzler nannte in diesem Zusammenhang Bahnübergänge, junge Fahrer und Senioren.

 

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