27. März 2009

Ambitionierte Umweltmerkmale schützen vor Wertverlust

Allianz pro Schiene stellt neuen Leitfaden zur Fahrzeugbewertung vor:

Berlin. In Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise müssen große Investitionen, wie sie beim Kauf von Schienenfahrzeugen anfallen, besonders gut überlegt sein. Die umfassende Information über Chancen und Risiken ist unverzichtbar. Immerhin kostet eine moderne Lokomotive mehrere Millionen Euro und hat eine Lebensdauer von bis zu 35 Jahren – eine lange Zeitspanne, in der sich laut Matthias Pippert, Projektleiter Umweltwirkungen Schienenverkehr der Allianz pro Schiene, die Anforderungen an die Umweltverträglichkeit von Schienenfahrzeugen auch in Zukunft weiter verschärfen werden. „Insbesondere in den Bereichen Lärm sowie Rußpartikel- und Stickoxidausstoß werden sich die Umweltstandards in den kommenden Jahren europaweit deutlich erhöhen, aber auch die Energieeffizienz wird spürbar an Bedeutung gewinnen“, so Pippert.

Umwelt- und Finanzexperten sind sich darüber einig, dass sich betriebswirtschaftliche Risiken bei der Finanzierung von Schienenfahrzeugen minimieren lassen, wenn hohe Umweltstandards bei der Kaufentscheidung rechtzeitig berücksichtigt werden. Das ist das Ergebnis des vom Bundesumweltministerium geförderten Allianz pro Schiene-Projektes „Umweltbezogene Risikobewertung bei der Finanzierung von Schienenfahrzeugen“. Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, zum Projektergebnis: „Der vorliegende Leitfaden kann Eisenbahnunternehmen und Finanzierungsinstitutionen helfen, ihre wirtschaftlichen Risiken zu minimieren. Zugleich leistet er einen Beitrag, Umweltinnovationen voranzubringen. Das nutzt auch den Schienenfahrzeugherstellern im weltweiten Wettbewerb. Voraussetzung ist die Einhaltung höherer Umweltstandards als gesetzlich gefordert. Nur so wird die Schiene ihren Umweltvorteil langfristig halten und ausbauen können.“

„Es ist zu erwarten, dass Lokomotiven, deren Umweltmerkmale lediglich den gesetzlichen Mindestanforderungen genügen, stärker als früher an Wert verlieren werden, wenn umweltrelevante Standards und Normen umgesetzt werden. Der Unterschied zu einem anspruchsvollen Fahrzeug kann – bei gleichem Neupreis – auf dem Gebrauchtmarkt nach zehn Jahren durchaus 100.000 Euro ausmachen“, sagt Projektteilnehmer Christian Forster, Eisenbahn-Verantwortlicher im Bereich Transport bei der HSH Nordbank.

Um Eisenbahnunternehmen und Kreditinstitute vor unkalkulierbaren Risiken bei der Finanzierung von Schienenfahrzeugen zu schützen, hat die Allianz pro Schiene gemeinsam mit der HSH Nordbank AG und der KfW IPEX-Bank GmbH einen Kriterienkatalog entwickelt. Dieser Katalog soll Kreditgebern als Grundlage dafür dienen, ihre Finanzierungskonditionen nach Umweltkriterien zu überprüfen. Ein derartiges Bewertungssystem ist in Deutschland ein absolutes Novum, das dringend benötigt wird, und in Europa Schule machen könnte. Denn allein in Deutschland handelt es sich bei der Beschaffung von Schienenfahrzeugen um einen Markt mit einem Jahresvolumen von rund drei Milliarden Euro.

Erklärtes Ziel des Projektes ist es, über das neue Bewertungssystem die Markteinführung von Umweltinnovationen bei Schienenfahrzeugen zu beschleunigen und die Kaufentscheidung für leise, energieeffiziente und schadstoffarme Schienenfahrzeuge zu erleichtern. Eisenbahnunternehmen, die bei der Beschaffung neuer Fahrzeuge wesentliche Umweltkriterien beachten, können davon profitieren. Auch zunächst teuer erscheinende Neuanschaffungen, die die verlangten Anforderungen übertreffen, können sich auszahlen, da spätere kostspielige Nachrüstungen überflüssig werden.

Derart positive Erfahrungen mit neuen Fahrzeugen nach neuesten Umweltstandards macht seit einigen Jahren die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). „Niedrige Lärm- und Abgaswerte spielen bei unseren Fahrzeugkäufen bereits eine wichtige Rolle. Durch die Projektergebnisse fühlen wir uns bestätigt, dass die Beachtung anspruchsvoller Umweltkriterien und betriebswirtschaftliches Kalkül durchaus Hand in Hand gehen können,“ sagt LNVG-Geschäftsführer Hans-Joachim Menn. Viele Fahrzeuge der LNVG entsprechen bereits heute höheren als den aktuell geforderten Umweltstandards. Hans Leister, Geschäftsführer der SNCF-Beteiligung Keolis in Deutschland, beurteilt den neuen Kriterienkatalog der Allianz pro Schiene ebenfalls als sehr hilfreich: „Der Allianz pro Schiene-Kriterienkatalog bietet mir eine wertvolle Orientierung beim Kauf neuer Fahrzeuge.“

Die Projektergebnisse:

Die Allianz pro Schiene ist das Bündnis in Deutschland zur Förderung des umweltfreundlichen und sicheren Schienenverkehrs. In dem Bündnis haben sich 16 Non-Profit-Verbände zusammengeschlossen: die Umweltverbände BUND, NABU, Deutsche Umwelthilfe und NaturFreunde Deutschlands, die Verbraucherverbände Pro Bahn, DBV und VCD, die Automobilclubs ACE und ACV, die drei Bahngewerkschaften TRANSNET, GDBA und GDL sowie die Eisenbahnverbände BDEF, BF Bahnen, VBB und VDEI. Die Mitgliedsverbände vertreten mehr als 2 Millionen Einzelmitglieder. Unterstützt wird das Schienenbündnis von 85 Unternehmen der Bahnbranche.