09. November 2017

Interview: So hat der Lokführer den Train to Bonn erlebt

Lokführer Arne Siewert spricht mit der Allianz pro Schiene über den Train to Bonn
Lokführer Arne Siewert fuhr den Train to Bonn von Berlin bis nach Hannover.

Am 04.November rollte der „Train to Bonn“ von Berlin zur 23. UN-Klimakonferenz (COP 23) in Bonn. Mit an Bord: Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks, Bahnchef Dr. Richard Lutz und andere wichtige Vertreter von Regierung, Umweltorganisationen, Verbänden und Unternehmen. Während über den Train to Bonn und die Klimakonferenz in der Presse bereits ausführlich berichtet wurde, blieben die Lokführer des Klimazuges bisher weitestgehend unbekannt. Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, hat einen der beiden Lokführer kennengelernt und ihm ein paar Fragen gestellt. Denn beim aktiven Klimaschutz nimmt der Lokführer eine bedeutsame Rolle ein – immerhin hängen bis zu zehn Prozent des Stromverbrauchs eines Zuges vom individuellen Fahrstil des Triebfahrzeugführers ab.

 

Lokführer Arne Siewert (55) über energiesparende Fahrweise, Fahrerassistenzsysteme und das Gefühl, wenn man die die Bundesumweltministerin fahren darf.

Herr Siewert, wollten Sie schon immer Eisenbahner werden?

Ja, schon immer.

 

Hatten Sie also noch nie einen anderen Traumberuf? Auch nicht als Kind?

Ne, ich wollte schon als Kind Lokführer werden. Ich fand das immer gut.

 

Haben Sie sich speziell beworben, um den Train to Bonn fahren zu dürfen?

Nein, das hat sich einfach so ergeben aus meinem Dienstplan.

 

Hatten Sie denn schonmal eine Schulung im energiesparenden Fahren?

Ja, das machen wir Mitarbeiter der Deutschen Bahn relativ regelmäßig. Es gibt viele Tricks, wie man beim Fahren zusätzlich Energie einsparen kann.

 

Stichwort energiesparende Fahrweise. Haben Sie denn eigentlich Fahrerassistenzsysteme an Bord Ihres ICEs?

Ja, die haben wir. Diese Systeme kann man nutzen, manchmal ist es aber sogar energiesparender, wenn man die abschaltet und selber fährt.

 

Und wie haben Sie das heute gemacht? Mit Fahrerassistenzsystem oder ohne?

Sowohl als auch.

 

Sind Sie denn heute besonders energiesparend gefahren, weil der Bahnchef hinten im Waggon saß?

Ich habe mir Mühe gegeben, so zu fahren wie immer. Nämlich am energiesparendsten.

 

Es heißt ja immer so schön, der Lokführer sei ein „einsamer Wolf“. Trifft das auch auf Sie zu?

Hm, einsamer Wolf. Ja, einsam ist man schon. Ich sitze ja die meiste Zeit alleine da vorne. Die einzige Verbindung besteht dann zum Zugchef, der sich um die Betreuung der Fahrgäste kümmert. Manchmal begleiten mich aber auch Kollegen, zum Beispiel für eine neue Einweisung. Das finde ich auch mal ganz angenehm. Manchmal find ich es aber auch ganz gut alleine zu sein.

 

Ist das ein besonderes Gefühl eine Bundesministerin zu fahren?

Ja, die fährt man nicht jeden Tag. Das fühlt sich schon anders an. Zumal ja nicht nur die Frau Hendricks dabei war, sondern viele aus der Regierungsdelegation.

 

Wie stehen Sie denn privat zum Thema Umweltschutz? Sind Sie der Lokführer, der ins Gleisbrett springt, wenn jemand Plastik rein schmeißt?

Eher nicht. Also ins Gleisbett springen. Aber Umweltschutz liegt mir schon am Herzen. Im Rahmen meiner Möglichkeiten setze ich mich auch dafür ein. Zum Beispiel trenne ich Müll. Aber ich bin keiner, der an großen Klimademos teilnimmt. Das mache ich eher mit mir selbst aus.

 

Letze Frage: Was erwarten Sie von der Klimaschutzkonferenz?

Weitere positive Impulse für den Klimaschutz.

Hintergrund: Als Train to Bonn oder auch „Der Klimazug“ wird der Sonderzug der Deutschen Bahn bezeichnet, der am 04. November 2017 wichtige Vertreter aus Regierung, Umwelt und Wirtschaft zur 23. UN-Klimakonferenz (COP 23) brachte. COP steht für Conference of the Parties. Zu den Gästen an Bord gehörten neben dem Bahnchef und der Bundesumweltministerin auch der Botschafter der Republik Fidschi, Herr Deo Saran, Jochen Flasbarth (Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, BMUB) und Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin im BMUB). An Bord konnten sich die Fahrgäste in speziellen Programmwagen über verschiedene Klimainitiativen, wie etwa die Stiftung 2° oder die Nationale Klimaschutzinitiative, informieren. Die COP23 findet vom 06. bis zum 17. November in Bonn statt. Seit 1995 treffen sich die Vertragsstaaten, um eine gemeinsame internationale Klimaschutzpolitik durchzusetzen. Weitere Informationen zur Klimakonferenz finden Sie hier.

 

Bildergalerie: Der Train to Bonn