18. Oktober 2018

5G Mobilfunknetz: Wird die Schiene beim Ausbau vernachlässigt?

5G Mobilfunknetz: Wird die Schiene beim Ausbau vernachlässigt? 5G Mobilfunknetz: Für den Schienenverkehr geht es nicht mehr nur darum, dass Fahrgäste in den Zügen telefonieren und im Internet surfen können, sondern darum, ob innovative Betriebs- und Logistikkonzepte künftig überhaupt umgesetzt werden können.
5G Mobilfunknetz: Für den Schienenverkehr geht es nicht mehr nur darum, dass Fahrgäste in den Zügen telefonieren und im Internet surfen können, sondern darum, ob innovative Betriebs- und Logistikkonzepte künftig überhaupt umgesetzt werden.

Wer bei 5G nur an eine schnellere Datenübertragung auf Handys denkt, der irrt sich. „Die nächste Generation von Mobilfunknetzen wird die Technik und unser Leben revolutionieren“, so schrieb es kürzlich die FAZ. Der Autor des Artikels hat recht: Das Internet und die Qualität des Mobilfunknetztes bestimmt schon heute einen Großteil unseres täglichen Lebens. Und in Zukunft wird die Bedeutung weiter zunehmen. Das superschnelle 5G Mobilfunknetz wird entscheidend dafür sein, wie wettbewerbsfähig ein Unternehmen, eine Branche, eine ganze Region sein wird. Umso schwerer wiegt der Verdacht der Allianz pro Schiene und sieben weiterer Bahnverbände, dass Bahnkunden im Personen- und Güterverkehr vom schnellen Internet abgehängt werden sollen. Den aktuellen Entwurf der Bundesnetzagentur zum Ausbau der Mobilfunknetze hält die Bahnbranche für mangelhaft.

Deshalb kritisieren die Bahnverbände den Entwurf der Bundesnetzagentur

Die Bundesnetzagentur bereitet derzeit im Auftrag der Bundesregierung die Versteigerung der 5G-Frequenzen vor. In einem kürzlich veröffentlichten Konsultationsentwurf wird jedoch klar, dass die technischen Anforderungen zur Mobilfunkausleuchtung an Schienenwegen leider viel zu kurz greifen, technisch rückwärtsgewandt und zudem unzureichend präzise formuliert sind. Zudem wird die Schiene gegenüber der Straße bei Qualität, Zieljahr sowie dem Anteil der zu versorgenden Infrastruktur weiter benachteiligt. Denn während der Konsultationsentwurf für Bundesstraßen flächendeckend eine Übertragungsrate von 100 Mbit/s vorsieht, sind es für die Schiene lediglich „mindestens“ 50 Mbit/s und zwar erst ab Ende des Jahres 2022 und weiter ohne Erhöhung bis zum Jahr 2024. Zudem sollen nur fahrgaststarke Strecken vom dem Ausbau profitieren. Warum die Bundesnetzagentur die Schiene – anders als die Straße – vom schnellen Internet abhängen will, bleibt ihr Geheimnis. Klar ist, dass eine flächendeckende Ausleuchtung des Schienennetzes gewährleistet sein muss, um die Vorteile der digitalen Technik sowohl für den Personen- als auch den Güterverkehr nutzen zu können.

5G: Bedeutung für die Schiene

Die erste Version von 5G baut auf heutigen LTE-Netzen auf, führt aber eine neue Art von Funktechnologie ein, die schneller reagiert, Daten schneller überträgt und weniger Strom verbraucht. Das Highspeed-Internet soll das Rückgrat des viel beschworenen „Internets der Dinge“ werden. Für den Schienenverkehr geht es nicht mehr nur darum, dass Fahrgäste in den Zügen telefonieren und im Internet surfen können, sondern darum, ob innovative Betriebs- und Logistikkonzepte künftig überhaupt umgesetzt werden. Automatische Betriebssysteme, intelligente Warenverfolgung, digitale Leit- und Sicherungstechnik – alles undenkbar ohne vernünftiges Internet. Ein flächendeckender und auch auf künftige Anforderungen ausgerichteter moderner Ausbaustandard des Mobilfunknetzes ist demnach Voraussetzung, um die Anforderungen der Kunden, Verkehrsunternehmen und Eisenbahninfrastrukturbetreiber an die Nutzung mobiler, digitaler Services überall und jederzeit auf der Schiene erfüllen zu können.

Vernachlässigung der Schiene bei 5G verhindert die von der Politik gewünschte Verkehrsverlagerung

Das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel einer signifikanten Verkehrsverlagerung auf die umweltfreundliche Schiene geht einher mit der Erwartung an die Eisenbahnbranche, für mehr Sicherheit, Service, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des Bahnverkehrs zu sorgen. Dem Internetempfang entlang der Bahnstrecken kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Dieser wird der vorliegende Ansatz der Bundesnetzagentur nicht ansatzweise gerecht. Die zweifellos großen technischen und ökonomischen Herausforderungen des notwendigen Ausbaus müssen jetzt angegangen werden. Der Verweis der Bundesnetzagentur, die nächste Frequenzversteigerung im Jahr 2025 eigne sich besser, um die Anforderungen der Eisenbahnen zu erfüllen, hilft nicht weiter, wenn Deutschland seine Ansprüche, Vorreiter bei 5G und insbesondere bei einer klimafreundlichen Verkehrswende zu werden, ernst nehmen will. Der Zug wäre hier dann buchstäblich abgefahren.

Die Allianz pro Schiene fordert den Bund deshalb auf, beim schnellen Internet die Bahnkunden nicht ins offene Funkloch fahren zu lassen.

 

Die gesamte Stellungnahme finden Sie hier.

 

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Bahnverbände begrüßen Start des Zukunftsbündnis Schiene