Wer ist der kundenfreundlichste Bahnhof im ganzen Land? Nach ausgedehnten Testreisen durch Deutschland hat die Bahnhof des Jahres-Jury ihr Urteil gefällt – und am 29. August 2012 in Berlin verkündet.

Das „schönste Eingangsportal in ganz Deutschland“ hat der Hauptbahnhof in Bremen, eine „beeindruckende 360-Grad-Öffnung zur Stadt“ hat der Bahnhof von Aschaffenburg hinbekommen. Beides ein Baustein zum Titelgewinn 2012. Für Bad Schandau blieb ein Sonderpreis Tourismus.

Hauptbahnhof Bremen

Doch obwohl das Eselsbein im Wandmosiak der Kuppel in unerreichbarerer Höhe schwebt, macht der backsteinrote Prachtbau die Jury beim Bahnhofstest auch ohne Märchenzauber wunschlos glücklich: Die Bahnhofshalle erscheint als „Augenschmaus“, der Ostflügel sorgt mit 30 Geschäften fürs Kulinarische, im Westflügel ist ein vorbildlicher Service zu Hause. Besucher, die aus dem historischen Stadtkern kommen, erblicken das mit zwei Türmen eingefasste Eingangsportal mit Rundbogenfestern und müssen zugeben: Kein deutscher Bahnhof hat ein schöneres. Dass in der herrlichen Halle mit dem quirligen Innenleben seit der Restaurierung wieder die kämpferischen Tiere Esel, Hund, Katze und Hahn in altem Glanz erstrahlen, hat die Jury dann restlos überzeugt.

„Diese Halle ist das i-Tüpfelchen, das den Bremer Hauptbahnhof zum Wahrzeichen der Stadt macht.“

Hauptbahnhof Aschaffenburg

Egal durch welchen Ausgang der Reisende diesen Bahnhof betritt oder verlässt: Der Bau ist so eingebunden in sein Umfeld, dass die Übergänge fließend sind. „Stadt und Bahnhof verschmelzen auf eine so positiv selbstverständliche Weise, dass es plötzlich unerklärlich wird, warum nicht jeder Bahnhof diese Kunst beherrscht,“ urteilte die Jury nach dem Incognito-Test. Die Verkehrsexperten fühlten sich in dem lichten leichten Bau „mitgenommen“ und „harmonisch“ geführt. Sogar die Bahnhofsunterführung erregte Begeisterung.

Weil der kürzlich eingeweihte Neubau bei aller Funktionalität auch mit einem Mosaikfußboben glänzen kann, gerieten die Verkehrsexpterten vollends ins Schwärmen: „Traumhaft schön.“

Bahnhof Bad Schandau

Eingebettet in die felsig-grüne Landschaft der Sächsischen Schweiz und direkt an der Elbe gelegen, verheißt das toskanisch anmutende Bahnhofsgebäude mit seinem begrünten Areal schon beim ersten Anblick Urlaubsfreuden. 

Dass es vor allem die sanften Exemplare der Gattung „Tourist“ sind, für die Bad Schandau gastlich seine Pforten öffnet, versteht die Sonderpreis-Jury vor Ort sofort: Keine Hektik herrscht an diesem Drehkreuz des oberen Elbtales, die Reiseverpflegung mit regionalen Spezialitäten übernimmt im Bahnhof ein Bio-Markt und ein Fahrradverleih sorgt fürs umweltbewusste Fortkommen.

„Die Stadt Bad Schandau hat eine gelungene Verbindung von Natur, sanfter Mobilität und Tourismus geschaffen“, jubelt die Jury und gibt damit den Einsendern recht, die seit April ihren Lieblingsbahnhof nominieren konnten: kein Bahnhof in Deutschland hatte beim Bürgerranking mehr Fans als das kleine Bad Schandau - das Königreich für Touristen.