02. November 2016

Newsletter vom 2. November 2016

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BdL) springt mal wieder vor Freude in die Luft: Im jüngsten Verbraucherbarometer der EU Kommission liegt der Luftverkehr auf Platz vier, gleich hinter Ferienunterkünften, Kulturangeboten und Sportevents. Und wer hätte das gedacht: Pauschalreisen landen ebenfalls ganz vorne auf Platz fünf. Der öffentliche Verkehr und die Bahn rangieren – Überraschung! – weit abgeschlagen auf den Plätzen 15 und 24. Vielleicht sind Sie jetzt befremdet und denken: „Moment mal, gab’s nicht gerade die pauschale Luftnummer mit Tuifly? Sind unsere Verbraucher etwa Masochisten?“ Die Antwort ist zum Glück einfacher: Die Datenbasis des BdL ist schon ein wenig älter. Und nach dem neuesten ZDF-Bahn-Check und den Jungfernfahrten des ICE 4 wissen wir: Die Eisenbahn ist viel besser als ihr Ruf.

 

AUS DER POLITIK

Bundestag berät zum Bundesverkehrswegeplan

Alexander Dobrindts umstrittener Bundesverkehrswegeplan beschäftigt den Bundestag. Die Parlamentarier beraten darüber, wie die Straßenlastigkeit des Konvoluts mit Ausbaugesetzen für Schienenprojekte auf den letzten Metern vielleicht noch abgemildert werden kann. Die besondere Aufmerksamkeit der Verkehrspolitiker richtet sich dabei auf Elektrifizierungsmaßnahmen für wichtige Schienenstrecken und die Ertüchtigung des Netzes für 740-Meter lange Güterzüge. Bei einem parlamentarischen Frühstück im Bundestag haben Allianz pro Schiene, BUND und der ökologische Verkehrsclub VCD mit 18 Abgeordneten leidenschaftlich diskutiert.

Parlamentarisches Frühstück im Bundestag

Viel Sympathie gab es für die Forderung namhafter deutscher Güterbahnchefs nach längeren Güterzügen: Zur Zeit können nur 11 Prozent der Güterzüge in Deutschland in der europäischen Standardlänge fahren. Die Güterbahnen wollen endlich das 740-Meter-Netz, und sie brauchen es schnell. Dazu müssten oft nur punktuell Signale und Weichen umgesetzt werden, und eigentlich sind alle dafür: Wirtschaft, Verkehrspolitiker aller Fraktionen, Länderverkehrsminister, Umweltexperten. Nur das Bundesverkehrsministerium hat die Bewertung der Projekte immer noch nicht fertig. Kopfschütteln bei vielen Abgeordneten. Am 7. November wird der Verkehrsausschuss des Bundestags Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege als Sachverständigen anhören. Thema, siehe oben: Kommt der Bundesverkehrswegeplan doch noch aufs richtige Gleis?

 

AUS DER BRANCHE

60 Millionen Innovationsprämie für leise Güterwagen

Der von der Allianz pro Schiene bereits mehrfach angemahnte Gesetzentwurf zum Verbot lauter Güterzüge ab Ende 2020 liegt nun endlich vor. Das Bundesverkehrsministerium hat uns gebeten, den Entwurf bis zum 11. November im Rahmen der Verbändeanhörung zu bewerten. Eine positive Ersteinschätzung unseres Geschäftsführers brachte die FAZ vom 28.10.2016: Schließlich gehörte Rechtssicherheit für die Branche zu unseren Forderungen. Auch weitere, in der Allianz pro Schiene-Broschüre „Sieben Schritte auf dem Weg zu einem leisen Schienengüterverkehr“ geforderte Maßnahmen sind auf gutem Weg.

Die im „Schritt Drei“ der Broschüre geforderten bundesweiten Lärmmessstationen sollen nun mit Hilfe eines „externen Auftragnehmers“ konzeptionell vertieft werden, wie die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von B’90/DIE GRÜNEN mitteilt. Mit der Installation der 17 Lärmmessstellen an aufkommensstarken Hauptstrecken, die „mehr als zwei Drittel des gesamten Schienengüterverkehrs“ erfassen sollen,  ist für das kommende Jahr zu rechnen. Ebenfalls ab dem kommenden Jahr soll es die von der Allianz pro Schiene geforderte Innovationsprämie für die Anschaffung besonders leiser Güterwaggons bei gleichzeitiger Verschrottung eines alten, lauten Güterwaggons geben. Das Programm wird TSI+ heißen, bis 2021 laufen und ein Fördervolumen von 60 Millionen Euro haben, die bereits im Haushalt eingestellt sind. Ob die neu beschafften Güterwaggons für die Förderung mindestens 3 dB(A) oder 5 dB(A) leiser sein müssen als die von der TSI Noise vorgeschriebenen 83 dB (A), ist noch unklar. Wir rechnen damit, dass der Entwurf der Förderrichtlinie noch in diesem Monat vom Bundesverkehrsministerium vorgelegt wird.

 

Newsletter 11-16 Erklaervideo

Erklärvideo: Das Ziel der Allianz pro Schiene ist die Förderung des Umweltschutzes durch Steigerung des Marktanteils des Schienenverkehrs. Was heißt das konkret? Im Video zeigen wir Ihnen, wie wir arbeiten.

 

NACKTE ZAHLEN

Österreicher zahlen mehr fürs Auto als für Bildung

Dass ein gut ausgebauter öffentlicher Verkehr für die Bürger ein Gewinn ist, hat gerade der österreichische Verkehrsclub VCÖ vorgerechnet: Danach gibt ein Wiener Haushalt im Durchschnitt nur rund 3000 Euro für die Mobilität aus, während Haushalte in Niederösterreich mit rund 6000 Euro das Doppelte aufbringen müssen. Die Unterschiede für die Verkehrsausgaben werden je nach Region in den kommenden Jahren noch weitaus größer werden, warnt der VCÖ. Kurze Wege und ein dichtes Bahnnetz schonen also nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbörse. Doch warum spricht sich dieses Muster nicht sofort in ganz Europa herum? Eine Antwort findet sich ebenfalls in der VCÖ-Studie: Im Schnitt geben die Haushalte in Österreich für das Auto zwölf Mal mehr aus als für Bildung. Wie wär’s mit so einem Vergleich für Deutschland? Steht schon auf unserem Wunschzettel fürs nächste Jahr.

 

Newsletter 11-16 Sitz S-Bahn

UNTERWEGS

Reisen in der VIP-Klasse

Das Zwei-Klassen-System der Bahn ist historisch gesehen ein Schritt hin zu mehr Volkstümlichkeit: Die traditionelle dritte Klasse – auch „Proletarier-“- oder „Holzklasse“ genannt – lebt heute fort als zweite Klasse. Die frühere zweite Klasse bietet dem Bürgertum das, was jetzt als erste Klasse unterwegs ist und die alte elitäre Luxusklasse für den faulenzenden Adel konnte ersatzlos entfallen. Die Lücke im Klassensystem der Bahn ist natürlich schwer zu füllen. Umso mehr freut es uns, dass die S-Bahn Berlin offenbar neue Wege gefunden hat, um unseren häufig reisenden Bahnexperten Dr. Geißler mit einem eigenen Sitz zu ehren. So kommt er unter Leute und reist trotzdem abgehoben, wie es ihm zukommt.

Wenn Sie unterwegs auch etwas entdecken, was das System Eisenbahn in neuem Glanz erscheinen lässt, schreiben Sie uns.

 

NEU AN BORD

Willkommen in der Allianz pro Schiene

Newsletter 11-16 Linearis

LINEARIS hat sich auf Personal- und Strategieberatung in der Mobilitätsbranche spezialisiert. Die Firmenphilosophie hat es in sich: „Mobilität ist nicht alles, aber ohne Mobilität ist alles nichts.“ Herzlich willkommen in unserem Verkehrsbündnis.

 

ENTGLEIST

Nochmal der Luftverkehr: Klimaschutz mit dem Flieger

Manchmal schlagen wir mit unserem Newsletter einen schönen runden Bogen: Vielleicht gefällt der Luftverkehr (siehe oben) den Reisenden auch deshalb so gut, weil sie damit eine ganz neuartige Form von „Klimaschutz“ treiben können. In der Postille „Luftfahrt aktuell“ verrät der BdL wie es geht: „Wachstumsbedingte CO2-Emissionen in der Luftfahrt werden durch CO2-Einsparungen in anderen Sektoren ausgeglichen.“ Noch Fragen?

 

KALENDER

8. und 9. November, Dresden: „IZBE-Symposium: Bundesverkehrswegeplan 2030 – Nachhaltig investieren und betreiben“. Unser Politikreferent Dr. Andreas Geißler trägt eine Bewertung aus Schienensicht vor.

22. bis 23. November, Kassel: 12. Eisenbahnforum. Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege blickt in die Zukunft: „Die Verkehrspolitik braucht einen radikalen Kurswechsel“.

31. Januar bis 1. Februar, Kassel: DB Training bittet zum „Expertendialog Bauen 2017“. Diese Veranstaltung widmet sich rundum erfreulichen Fragen: Etwa wie sich die höheren Bundesmittel gemeinsam verbauen lassen. Unsere Förderer bekommen 10 Prozent Rabatt, hier geht es zur Anmeldung und zum Programm.