Peter Lorenz (DB Regio)

Wenn Peter Lorenz (37) die Liste mit den Stromverbräuchen seiner letzten Fahrten in die Hände bekommt, wirft er einen schnellen Blick: „Alles grün? Ja, passt doch.“ Dabei gibt sich der Franke nicht schnell zufrieden: Seine persönliche Bestmarke auf der Fahrt von Würzburg nach Nürnberg kennt Lorenz genau. Und überlegt im Hinterkopf, wie er immer noch besser werden könnte. So sportlich hat das Energiesparen bei dem langjährigen Regio-Lokführer auch begonnen: Kaum gab es den Energiezähler auf dem Führerstand, notierte er sich im Alleingang seine Verbrauchswerte auf einem Zettel. Und versuchte, bei der nächsten Fahrt drunter zu bleiben. Kein Wunder, dass Lorenz inzwischen Energiespar-Projekte bei DB Regio entwickelt und Lehrlinge unterrichtet.

 

Interview: „Wir haben doch den Schalter in der Hand“

Herr Lorenz, wenn Sie mal als Fahrgast im Zug sitzen: Merken Sie, ob der Lokführer vorne die Stromrechnung im Blick hat?

Ja, das merke ich sofort. Wenn ich zum Beispiel auf der Strecke nach Ansbach im Zug sitze und ein Kollege fährt mit Vollgas über die letzte Kuppe rüber, dann weiß ich: Das ist kein Könner auf dem Führerstand.

Wie fahren Sie denn da?

Ich beschleunige zügig auf meine Fahrplangeschwindigkeit und schalte die Leistung komplett ab. Dann lasse ich den Zug einfach rollen, rette mich mit etwa 60 Kilometern pro Stunde über den letzten Hügel, und dann geht es bis Ansbach stetig bergab. Alleine durch das Ausrollen beschleunigt der Zug bis nahezu an die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Einmal bin ich die Strecke genauso gefahren, da meldete sich der Zugbegleiter: Ob bei mir vorne alles in Ordnung sei. Ein Fahrgast hätte Bedenken, der Zug sei kaputt. Der fahre sonst immer viel schneller an dieser Stelle. Da habe ich gesagt: „Kaputt ist nix, ich fahre nur energiesparend. Wir werden pünktlich in Ansbach sein.“ Und genau so war es auch.

Wo müssen die Fahrgäste denn einsteigen, um Ihren entschleunigten Fahrstil zu genießen?

Überwiegend bin ich auf dem Netz der Mainfrankenbahn unterwegs. Auf den Strecken rund um Würzburg. Täglich auf der gleichen Strecke unterwegs zu sein, wäre mir zu monoton. Die Routine ist der größte Feind des Lokführers.

Wie erklären Sie denn Ihren Lehrlingen, worauf es beim Stromsparen ankommt?

Am Anfang gehe ich auf das Thema „energiesparende Fahrweise“ nicht besonders ein. Ich lasse die Teilnehmer erst einmal nach Fahrplan fahren. Dann ermuntere ich sie, sich Energieverbräuche zu notieren. Und beim nächsten Mal wieder. Meistens entsteht dann schon der Ehrgeiz, besser zu werden. Genauso war es bei mir auch, bevor wir für DB Regio daraus ein Projekt entwickelt haben. Dann erst zeige ich den Teilnehmern die Fahrempfehlungen. Ich lasse sie danach fahren und nenne ihnen Energiewerte anhand der Referenzwertkarten. Damit haben sie eine Orientierung.

Wie viel sparen Sie denn Ihrem Unternehmen?

Da kommen schon gewisse Summen zusammen: Mein Bestwert auf der Relation Würzburg – Nürnberg war ein Verbrauch von 640 Kilowattstunden. Alles was bis 690 Kilowattstunden geht, ist auf dieser Strecke gut, bis 750 ist es gerade noch Mittelmaß. Wenn ich diese Strecke 80mal fahre, dann spare ich den jährlichen Stromverbrauch einer 4-köpfigen Familie.

Wie wichtig ist die Technik an Bord, um gute Werte zu erreichen?

Die Technik ist wichtig. Früher kannten wir unsere Verbräuche ja gar nicht. Heute haben wir Stromzähler, eine Datenbank, eine regelmäßige Auswertung. Trotzdem reicht es nicht, in die Lok zu steigen und den automatischen Tempomaten anzuschalten.

Warum nicht?

Mit dem Tempomaten fährt vor allem der bequeme Lokführer. Die Streckenkenntnis und die aktuelle Fahrplansituation werden damit nicht vollautomatisch ausgeschöpft. Insofern ist der gute Lokführer nicht irgendein Naturtalent, sondern einer, der das Bewusstsein hat.

Welches Bewusstsein?

Dass wir es sind, die den Schalter in der Hand haben.

Laudatio

Auch DB Regio schult seine Triebfahrzeugführer seit zehn Jahren systematisch im Fach „energiesparende Fahrweise“. Trotzdem macht sich der individuelle Fahrstil weiterhin deutlich bemerkbar. Bei vergleichbaren Fahrten erreichen gute Lokführer im Laufe eines Monats Verbrauchswerte, die vom CO2-Ausstoß beträchtlich unter denen der Kollegen liegen: Bei einer großen Einsatzstelle ist ein Minderverbrauch von zwei Tonnen CO2 pro Monat vom „Sparer“ zum „Verschwender“ kein unrealistischer Wert. Als einer der Lokführer aus dem Bereich Regio mit dauerhaft niedrigen Stromverbräuchen leistet Peter Lorenz täglich einen Beitrag zum aktiven Umweltschutz. Während der weltweite Anteil des Verkehrs am Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase ungebremst wächst, wollen wir seinen Einsatz für einen umweltfreundlichen Nahverkehr mit dem „Meisterbrief Klimaschutz“ ehren.