Dieter Nymbach (DB Schenker Rail)

Dieter Nymbach (55) fährt für DB Schenker Rail die langen und schweren Güterzüge: Wenn er allein mit vollbeladenen 740 Metern hinter sich durch die Nacht braust, schreckt die große Einsamkeit den Brandenburger aus Jüterbog kein bisschen. Die vielen schweigsamen Stunden auf dem Führerstand gleicht seine Frau zu Hause schnell wieder aus: „Sie ist es gewöhnt, dass ich daheim ein bisschen mehr rede“, sagt der Mann mit 35 Jahren Berufserfahrung. Sein Lieblingsthema zu Hause? Da zögert Nymbach nicht lange: „Die Stromrechnung.“

 

Interview: „Ich liebe meinen Güterverkehr“

Herr Nymbach, wir haben Schenker Rail gebeten, für uns den sparsamsten Lokführer im deutschen Schienengüterverkehr zu ermitteln. Der Mann heißt Dieter Nymbach. Was sagen Sie dazu?

Als man mir die Nachricht überbrachte, habe ich mich ganz doll gefreut. Das ist wirklich eine Ehre.

Aber überrascht waren Sie nicht?

Nein, ich kenne ja meine Fahrtaufstellungen. Da sehe ich schon, dass ich nicht drauflosfahre wie ein Macho.

Wie fährt denn ein Macho bei der Eisenbahn?

Egal, was die Pünktlichkeit sagt. Der sieht ein grünes Signal und rast los, obwohl die Zugfolge es gar nicht zulässt. Ständiges Beschleunigen und Bremsen kostet Energie und somit richtig viel Geld.

Kennen Sie auch die Stromverbräuche Ihrer Kollegen?

Ja. Wir zeigen uns die Zettel gegenseitig. Und reden auch drüber. Aber am meisten interessiert sich meine Frau dafür. Wahrscheinlich weil wir zu Hause auch jeden Tag unseren Stromverbrauch notieren.

Sie machen Spaß. Jeden Tag?

Jeden Tag. Das ist eine Leidenschaft von uns beiden. Und meine Frau führt die Tabelle. Bei uns gibt es keine Stromfresser: kein Standby, keine Steckdosenrabatten, keine uralten Glühbirnen. Die Elektrogeräte sind immer auf dem neuesten Stand.

Und wenn Sie ein Zimmer verlassen,…

Mache ich selbstverständlich hinter mir das Licht aus.

Seit wann haben Sie diese Passion?

Schon immer. Wir haben das von meinen Eltern übernommen.

Ihr Vater war nicht zufällig auch Lokführer?

Nein, der war bei der Post, aber dann hat er umgeschult auf Schaffner. Das war noch zu DDR-Zeiten, bei der Reichsbahn: Da kam es vor, dass ich vorne den Zug fuhr und Vater kontrollierte hinten die Fahrkarten.

Aber seit mehr als 20 Jahren sind Sie dem Güterverkehr treu ergeben. Warum?

Ach, das war von Anfang an mein Traumberuf. Ich liebe meinen Güterverkehr.

Spüren Sie die scharfe Konkurrenz zum Lastwagen auch persönlich?

Leider ja. Der Kostendruck ist bei uns enorm. Und wenn ich dann wieder von einem schweren Lkw-Unfall höre, bei dem der Fahrer getötet wurde, etwa auf den Strecken nach Polen, dann denke ich: „Wer weiß, wie lange der arme Kerl unterwegs war.“

Was glauben Sie, warum bei uns in Deutschland so viele Waren auf der Straße transportiert werden?

Das durchschaue ich nicht ganz, das müsste vermutlich die Politik lenken. Geredet wird jedenfalls immer nur über den Preis. Dabei wäre der Transport auf der Schiene, besonders für Gefahrguttransporte, so viel sicherer und einfach besser. Meiner Meinung nach, sollte die rollende Landstraße belebt werden. Leider haben wir da keinen Einfluss.

Wo haben Sie denn Einfluss?

Beim Stromverbrauch.

Laudatio

Ein Güterzug auf der Strecke zwischen München und Nürnberg verbraucht durchschnittlich 3000 Kilowattstunden Strom: Dafür muss eine moderne Windkraftanlage drei Stunden laufen. Die systematisch gepflegte energieeffiziente Fahrweise der Lokführer von Schenker Rail hat dem Güterverkehr der DB seit 2005 sieben Prozent an Strom- und mehr als sieben Prozent an Dieselkosten eingespart. Dieter Nymbach gehört unter den Schenker-Lokführern zu den erfahrensten und sparsamsten. Er ist damit ein aktiver Umweltschützer, der im global wachsenden Logistik-Sektor vorbildliche Leistungen zeigt. Sein Einsatz weist den Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit im Gütertransport. Dafür ehren wir ihn mit dem „Meisterbrief Klimaschutz“.