Joachim Knoll (DB Fernverkehr)

Joachim Knoll (53) war nicht überrascht, als der Anruf kam. Dass er beim DB Fernverkehr zu den Meistern des Fachs „energieeffiziente Fahrweise“ gehört, weiß der gebürtige Baden-Württemberger sehr gut: „Ich bin Schwabe, da bin ich von Haus aus sparsam.“ Einen Heimvorteil hat der Mann aus Calw außerdem: Er kommt aus einer Eisenbahnerfamilie. Sein Vater hat im Oberbau die Schnellfahrstrecke Stuttgart – Mannheim gebaut, auf der sein Sohn nun mit dem mächtigen ICE pfeilschnell, aber umweltschonend unterwegs ist. Wie er das macht? „Gute Streckenkenntnisse sind das A und O“, sagt Knoll. Seit 32 Jahren ist der Mann auf der Lok unterwegs: Er muss es also wissen. 

Interview: „Wenn es läuft, dann läuft es“

Herr Knoll, Sie sind jetzt „Meister im Klimaschutz“, wie wird man das?

Das haben uns schon die alten Lokführer beigebracht: „Wenn der Zug den Berg runter rollt, musst du nicht noch Gas geben.“ Damals hieß das noch nicht „energiesparende Fahrweise“, und wir wussten auch nicht, was unser Zug genau verbraucht. Die Stromzähler in den Zügen gibt es erst seit ein paar Jahren. Trotzdem war mir damals schon klar: Ich bin keiner, der einfach so in der Gegend rumfährt. Gute Streckenkenntnis ist das Zauberwort.

Das klingt einfach. Aber wie lässt man denn einen ICE einfach mal „rollen“?

Das darf man sich nicht in einem kleinen Maßstab vorstellen. Wenn ich auf die Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern angefahren bin, dann rollt der Zug ohne Mühe die nächsten 30 Kilometer. Auf der Strecke zwischen Stuttgart und Mannheim gibt es Abschnitte, da habe ich den ICE schon 70 Kilometer lang rollen lassen.

Und was tun Sie derweilen?

Das fragen mich die Fahrgäste auch manchmal: Seit der ICE die transparente Fahrerkabine hat, kommt es vor, dass Leute mich von hinten beobachten. Einmal sagte ein Reisender: „Der macht ja gar nichts.“ Ich habe mich umgedreht und gesagt: „Wenn einer viel macht, versteht er seine Sache nicht.“ Insofern hat Energiesparen viel mit intelligenter Faulheit zu tun: Mit möglichst wenig Aufwand von A nach B kommen, das ist das Ziel. Statt an allen Hebeln herumzuschieben, beobachte ich lieber meine EBuLa.

Ihre was?

„Elektronische Buchfahrplananzeige“: die gibt mir einen Überblick, wie gut ich in der Zeit bin, ob ich noch Fahrplanreserven habe. Wenn der Zug unpünktlich ist, geht meist der Energieverbrauch in die Höhe, weil ich die Zeit wieder reinfahren muss. In der Wertigkeit gibt es einen Dreiklang: Zuerst kommt die Sicherheit, dann die Pünktlichkeit und erst zum Schluss die Energieeffizienz.

Wie sehr hängt der Energieverbrauch eines Zuges überhaupt von Ihnen ab?

Sehr grob geschätzt könnte man sagen: zehn Prozent des Verbrauchs hängen am persönlichen Fahrstil des Lokführers. Andere Faktoren kann ich natürlich nicht beeinflussen: Die Witterung, wie viele Fahrgäste mitfahren, ob Laub auf den Schienen liegt, wie oft mich die Zugüberwachung anhalten lässt, ob ich Verspätungen aufholen muss, all diese Faktoren treiben den Stromverbrauch in die Höhe. Andererseits gibt es auch Fahrten, da geht alles glatt. Mein bester Wert war mal 20 Prozent unter dem Durchschnittsverbrauch auf einer Strecke. Wenn es läuft, dann läuft es.

Was sagt Ihr Vater dazu, wie gut es bei Ihnen läuft?

Als Eisenbahner war er immer stolz darauf, dass sein Sohn die Strecke befährt, die er mal gebaut hat. Überhaupt bin ich gerne Lokführer: Viele Menschen sind begeistert und bewundern, wie viel Verantwortung wir tragen. Und jetzt fahre ich auch noch als Klimaschützer nach Paris.

Laudatio

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn hat zwischen 2005 und 2014 den spezifischen Energieverbrauch seiner Flotte um mehr als zwölf Prozent gesenkt. Allein durch die effiziente Fahrweise seiner Lokführer konnte im letzten Jahr die jährliche Strommenge einer Stadt mit 50.000 Einwohnern eingespart werden. Als einer der Lokführer aus dem Bereich Fernverkehr mit dauerhaft niedrigen Stromverbräuchen ist Joachim Knoll ein aktiver Umweltschützer, der nicht nur seinem Arbeitgeber, sondern auch dem Gemeinwohl unschätzbare Dienste erweist. Seinen messbaren und gesellschaftlich vorbildlichen Einsatz für die Umwelt wollen wir mit dem „Meisterbrief Klimaschutz“ ehren.