Umweltproblem Lärm
Lärm ist nicht nur lästig, er ist auch schädlich. Lärm führt zu massiven Gesundheitsschäden beim Menschen und vertreibt Tiere aus ihren angestammten Lebensräumen. Dennoch hat das Umweltproblem Lärm lange Zeit ein Schattendasein geführt, weil die Auswirkungen schwer greifbar sind.
Lärm macht krank, und das in zweifacher Weise: Zum einen kann der physikalische Schallpegel das Gehör schädigen und zu Schwerhörigkeit führen. Doch das größere lärmbedingte Gesundheitsrisiko ist psychischer Stress: Die Gesundheit leidet weit unterhalb der physikalischen Schwelle, bei der das Innenohr direkt Schaden nimmt. Lärm „nervt“ – und zwar in unterschiedlicher, subjektiv empfundener Intensität. Messbar ist das über die Frage nach dem persönlichen Belästigungsempfinden. Auf Dauer schädigt Lärm aber jeden Menschen, führt zu Unruhe, Schlafstörungen, Unwohlsein und zum Teil schwerwiegenden seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie erhöhtes Bluthochdruck- und Herzinfarktrisiko.
Mehr als 30 Prozent der Europäer bezeichnen Lärm als eine Umweltbelastung, der sie in ihrem Wohnumfeld direkt ausgesetzt sind. In einer Umfrage des Umweltbundesamtes nennen auch die Deutschen den Verkehr als Lärmquelle Nummer 1. Jeder zehnte Befragte fühlt sich vor allem von Straßenlärm besonders stark gestört und belästigt. Vom Schienenverkehr fühlen sich die Deutschen nicht einmal halb so lärmbelästigt wie vom Straßenverkehr.
Empfundene Lärmbelästigung der Deutschen
Quelle: Umweltbundesamt, Umfrage "Umweltbewußtsein in Deutschland 2004".
Wenn die Geräuschemissionen rein technisch gemessen werden, bei identischem Abstand zu gleich schnell fahrenden Fahrzeugen, erreichen die Bahnen jedoch ein ähnliches Lärm-Niveau wie ihre Konkurrenten auf der Straße. Schienenlärm verursachen vor allem ältere Bremssysteme, die die Waggonräder und damit die auch die Gleise aufrauen. In der Folge entstehen laute Rollgeräusche. Die lange Lebensdauer der Loks und Waggons, die bis zu 40 Jahre einsatztauglich sind, erschwert die Problemlösung. Um die Akzeptanz der Bürger für die politisch gewünschte stärkere Nutzung der Schiene auch in Zukunft zu sichern, müssen die Bahnen leiser werden.
Die gute Nachricht: Technische Lösungen, die die Lärmentstehung bereits an der Quelle vermindern, stehen inzwischen zur Verfügung. Mit Verbundstoff-Bremssohlen – der so genannten „Flüsterbremse“ - kann der Güterzuglärm um etwa 9 bis 10 dB(A) reduziert werden. In der menschlichen Wahrnehmung entspricht das einer Halbierung des Lärms. Der Bund sollte seine Fördergelder für Lärmschutzmaßnahmen deshalb so bald wie möglich auch dafür bereitstellen, dass die Bahnunternehmen ihre vorhandenen Wagenparks auf Verbundstoff-Bremssohlen umrüsten können.
Spezifische Geräuschemissionen im Personenfernverkehr
Mittelungspegel in dB(A) in 25 Meter Abstand bei 120 km/h pro 1.000 Personen/h
Quelle: Umweltbundesamt, 2003
Spezifische Geräuschemissionen im Güterverkehr
Mittelungspegel in dB(A) in 25 Meter Abstand bei 80 km/h pro 1.000 t/h
Quelle: Umweltbundesamt, 2003
Mehr zum Umweltvergleich der Verkehrsträger:
Geräusche können gleich laut sein und doch unterschiedlich beurteilt werden. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist eine Symphonie, die die Konzertbesucher trotz des hohen Schallpegels nicht als Lärm empfinden. Für Verkehrslärm gilt: Menschen empfinden Schienenlärm als weniger störend im Vergleich zum Straßenverkehrslärm.