Projekt
Auch beim umweltfreundlichsten Verkehrsträger Bahn gibt es noch Potenzial, um Energieverbrauch, Schadstoffausstoß und Lärmemission zu senken. Wenn die Bahnunternehmen weiterhin als Nummer Eins im Umweltschutz gelten wollen, müssen sie ihre Umweltbilanz weiter verbessern - so die Analyse der Allianz pro Schiene. Auf dieser Überlegung basiert das Projekt, zum ersten Mal das Umweltengagement der deutschen Bahnbetreiber zu vergleichen. Das Motto: Von den besten Bahnen lernen.
Seit August 2005 liegt die Auswertungsbroschüre zum Umweltvergleich Schienenverkehr vor. In ihr werden die Zielsetzung des Projektes, das Bewertungssystem, die Jury und die Preisträger vorgestellt. Im zweiten Teil des Heftes werden systematisch die Möglichkeiten dargestellt, die Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU) haben, um die Umweltwirkungen ihres Betriebes zu verbessern. Wichtige und vorbildliche Maßnahmen werden vorgestellt, die die Vermeidung von Lärmemissionen, Energieverbrauch und Schadstoffausstoß betreffen. Es werden sowohl Maßnahmen im Zusammenhang mit Neubeschaffungen und Modernisierungen als auch ökologische Verbesserungen im Betriebseinsatz vorgestellt. Ergänzend werden auch Themen aus dem stationären Bereich angesprochen.
Eine gedruckte Version ist ebenfalls erhältlich. Sie kann direkt bei der Allianz pro Schiene bestellt werden. Außerdem stellen wir den Leitfragebogen aus dem "Ersten Umweltvergleich Schienenverkehr" und eine Zusammenstellung von umweltrelevanten Verbesserungen an Eisenbahnfahrzeugen und im Eisenbahnbetrieb bereit. Diese Zusammenstellung werden wir in unregelmäßigen Abständen ergänzen und aktualisieren.
Sie ist jetzt auch in englischer Übersetzung verfügbar.
Die Umweltvorteile der Eisenbahn beruhen auf den physikalischen Eigenschaften des Rad-Schiene-Systems. Dennoch gibt es auch bei der Bahn Potenziale, um Energieverbrauch, Schadstoffemissionen und Lärmbelastung zu senken. Werden diese Potenziale nicht genutzt, so droht der Verkehrsträger Schiene gegenüber den anderen Verkehrsträgern an Vorsprung und Sympathie zu verlieren. Die öffentliche Wahrnehmung der Eisenbahn als umweltfreundlichstem Verkehrsträger hängt nicht nur von ihren im Prinzip vorhandenen Systemvorteilen ab, sondern auch davon, ob die Unternehmen des Schienenverkehrs aktiv dazu beitragen, ihre Umweltbilanz weiter zu verbessern.
Das Umweltproblem Verkehrslärm wird angesichts des generellen Verkehrswachstums an Bedeutung gewinnen. Lärmemissionen sind bereits jetzt ein Hauptproblem auch des Eisenbahnverkehrs. Anlieger von Bahnlinien fühlen sich von Lärm belästigt, an stark befahrenen Strecken kann Lärm sogar zu gesundheitlichen Schäden führen. Hierin liegt ein Hindernis für den Neu- und Ausbau von Strecken, Bahnhöfen und Umschlaganlagen, das nicht unterschätzt werden sollte und der Verlagerung von Verkehrsanteilen auf die Schiene entgegensteht. Dies gilt gerade auch für den schwerpunktmäßig nachts stattfindenden Güterverkehr. Schallschutzwände und -fenster sind keine optimale Lösung, weil sie im Vergleich zu fahrzeugseitigen Maßnahmen teuer sind. Zudem stellen sie eine optische Einschränkung für Reisende und Anwohner dar. Neben Maßnahmen am Gleiskörper selbst sind es vor allem Verbesserungen an den Fahrzeugen und im Fahrzeugeinsatz, mit denen kostengünstig und flächendeckend der Schienenverkehrslärm verringert werden kann. Wegen der politischen Brisanz für die Bahnen haben wir das Thema Lärm als Schwerpunkt für den Ersten Umweltvergleich ausgewählt. Daneben werden die Verringerung von Schadstoffausstoß, CO2-Emissionen, Energieverbrauch und die Umweltorientierung des Managements eine wichtige Rolle spielen.
Die Allianz pro Schiene hat die Initiative zum ersten Umweltvergleich Schienenverkehr ergriffen, weil sie darin die Chance sieht, die Unternehmen der Branche zugleich zu fordern und zu fördern. Mit diesem Ziel fördert auch das Bundesumweltministerium das Projekt ideell und finanziell. Vom Umweltvergleich Schienenverkehr profitieren nicht nur diejenigen Unternehmen, die mit einem Preis ausgezeichnet werden und damit werben können, sondern es werden auch Handlungsmöglichkeiten identifiziert, die zur Nachahmung anregen können. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden zudem eine Grundlage dafür bieten, Anreizsysteme für umweltfreundlicheren Schienenverkehr praxisgerecht zu gestalten sowie Hinweise zum Forschungs- und Entwicklungsbedarf für die Bahntechnologie zu geben. Als Anreizsysteme stehen derzeit nicht nur Grenzwerte und klassische Regelwerke zur Debatte, sondern es muss auch damit gerechnet werden, dass Trassenpreise in Zukunft lärmabhängig gestaffelt werden oder SPNV-Ausschreibungen ambitionierte Lärm- und Schadstoffgrenzwerte vorschreiben.
Die wichtigste Förderung des Eisenbahnverkehrs durch dieses Projekt sieht die Allianz pro Schiene allerdings darin, die Betreiberunternehmen selbst zu sensibilisieren: für die Notwendigkeit, die Umweltbilanz des Bahnverkehrs zu verbessern, und für die betriebswirtschaftlichen Risiken, die entstehen, wenn Umweltschutzinvestitionen unterlassen werden. Diese Risiken liegen zum einen in der Gefahr, dass der Bahnverkehr die politische Unterstützung verliert, die stark durch den Umweltvorteil der Bahnen motiviert ist. Zum anderen kann es teuer werden, wenn neue Fahrzeuge, die nur wenig ambitionierten Umweltschutznormen genügen, aufgrund neuer Richtlinien oder neuer Instrumente wie z. B. lärmabhängiger Trassenpreise, nachgerüstet werden müssen. Selbst ein Bestandsschutz für deutsche Altfahrzeuge muss künftig nicht für den Wettbewerb auf ausländischen Strecken gelten. Umweltengagement dagegen zahlt sich aus: Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs schlagen sich unmittelbar auf der Kostenseite positiv nieder. Auch leise Fahrzeuge können sich positiv auf der Kostenseite auswirken, wenn dadurch teure Lärmschutzbauten an der Strecke vermieden und die Trassenkosten gesenkt werden können. Das Umweltthema aktiv anzugehen, bietet betriebswirtschaftlich vor allem Chancen. Die Problematik abwehren und aussitzen zu wollen, birgt dagegen viele Risiken.
Wie können im Umweltvergleich die unterschiedlichen betrieblichen und kommerziellen Rahmenbedingungen der EVU und ihre unterschiedlichen Handlungsspielräume berücksichtigt werden? Die Entwicklung der Bewertungskriterien ist eine besondere Herausforderung für das Projekt Erster Umweltvergleich Schienenverkehr. Bei einem Unternehmen, das Dieseltriebwagen im Personennahverkehr einsetzt, müssen z. B. die Kriterien anders gewichtet werden, als bei einem EVU, das Güterzüge auf weiten Strecken befördert. Einem Unternehmen, das vor fünfzehn Jahren eine größere Fahrzeugserie beschafft hat, kann man nicht ankreiden, dass es diese heute noch nicht durch neue, leisere Fahrzeuge ersetzt. Aber Nachrüstungsmaßnahmen an vorhandenen Fahrzeugen lassen sich ebenso bewerten wie aktuelle Neuanschaffungen, auch wenn diese möglicherweise nur einen kleinen Teil des Fahrzeugparks betreffen. Positiv kann z. B. auch hervorgehoben werden, wenn bei einem gemischten Fahrzeugpark auf Strecken durch lärmempfindliche Gebiete bevorzugt leise Fahrzeuge eingesetzt werden.
Die Allianz pro Schiene hat die SCI Verkehr GmbH damit beauftragt, in Kooperation mit der ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH einen Vorschlag für das Bewertungssystem zu entwickeln. Dieses Bewertungssystem soll auf mehreren Veranstaltungen und in Einzelgesprächen im Lauf des Herbstes 2003 vor- und zur Diskussion gestellt werden. Eine wichtige Rolle kommt dem Beirat zu, der über das Bewertungssystem entscheidet und der als Jury später die Preisträger auswählen wird. In diesem Beirat werden Praktiker aus dem Eisenbahnverkehr, Wissenschaftler und VertreterInnen von Umweltverbänden zusammenarbeiten. Die Zusammensetzung gewährleistet Fachkompetenz und Neutralität. Wir freuen uns besonders darüber, dass Frau Margareta Wolf, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, den Vorsitz des Gremiums übernimmt.
Alle EVU, die auf deutschen Strecken Personen- oder Güterverkehr betreiben oder Triebfahrzeuge dafür bereitstellen, werden dazu aufgerufen, am Projekt "Umweltvergleich Schienenverkehr" mitzuwirken. Für Fragen und Anregungen steht die Projektleitung bei der Allianz pro Schiene jederzeit zur Verfügung. Wir wünschen uns eine besonders rege Teilnahme der für Umweltmanagement, Fahrzeugtechnik und -einsatz sowie Marketing zuständigen Entscheider aus den EVU an unserem für Anfang Dezember 2003 in Berlin geplanten Workshop zum Bewertungssystem. Aufgrund der Workshopergebnisse werden ggf. noch Korrekturen am Bewertungssystem und Wettbewerbsverfahren vorgenommen, über die dann der Beirat endgültig entscheiden wird. Im ersten Quartal 2004 werden die Wettbewerbsunterlagen an die EVU verschickt, die Preisverleihung ist für den Spätsommer 2004 geplant.
Dipl.-Ök. Matthias Pippert
Projektleiter Umweltwirkungen Schienenverkehr
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Fax +49 (30) 24 62 599-29
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