Mobilität ist mehr als Autofahren
Autofahren muss bezahlbar bleiben! Diese Forderung ertönt immer lauter angesichts steigender Benzinpreise. Aber diese Forderung ist falsch. Mobilität ist mehr als Autofahren. Wer beides gleichsetzt, blendet den öffentlichen Verkehr aus. Er ist heute in der Regel schon preiswerter als der motorisierte Individualverkehr – umweltfreundlicher ist er ohnehin.
Die alleinige Fixierung auf die künftige Entwicklung sparsamer Pkw-Motoren führt in die Irre. Bereits heute steht der Öffentliche Personenverkehr als Klima-Problemlöser zur Verfügung. Aber wie kann die Abhängigkeit vom immer knapper werdenden Öl, wie die Abhängigkeit vom Auto weiter reduziert werden?
Steigende Weltmarktpreise für den knappen Rohstoff Öl und das Menschheitsproblem Klimawandel – das sind zwei Megatrends, die uns so schnell nicht loslassen werden. Die Verbraucher sind dadurch zutiefst verunsichert. Die Politik muss den Menschen eine klare, langfristige Perspektive geben, wie Mobilität bezahlbar bleibt und umweltfreundlicher wird.
Deshalb fordern die Allianz pro Schiene und der Verbraucherzentrale Bundesverband einen politischen Masterplan für den Personenverkehr in Deutschland. Dabei geht es nicht um die Abschaffung des Autos. Aber um ein sinnvolles Verbinden von Individualverkehr und öffentlichem Verkehr, und um eine deutliche Angebotsverbesserung bei den preisgünstigen und umweltfreundlichen Bussen und Bahnen.
Im Masterplan Personenverkehr sollten Verbraucher, Anbieter und Politik gemeinsam definieren, um wie viel Prozent der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehr gesteigert werden soll, und wann und wie dieses Ziel erreicht werden soll. Dazu gehören eine gesicherte Finanzierung und ein Zeitplan für die Umsetzung. Koordiniert werden muss dieser Masterplan Personenverkehr von der Bundesregierung.
Warum Verbraucher von mehr öffentlichem Verkehr profitieren
Für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs sprechen die Energieeffizienz, die Kostenvorteile sowie die Umwelt- und Sicherheitseigenschaften von Bus, Straßenbahn und Eisenbahn. Vor allem die Sparsamkeit in punkto Energie spricht für sich: Der öffentliche Verkehr ist doppelt so energieeffizient wie der Pkw-Verkehr und davon profitieren Verbraucher und Umwelt gleichermaßen. Weniger Energieverbrauch bedeutet weniger Mobilitätskosten, weniger Emissionen und weniger Folgekosten durch Umweltschäden.
Für die Verbraucher hat sich die Preisschere zwischen Pkw-Nutzung und der Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr bereits weit geöffnet. Nach Berechnungen des ACE Auto Club Europa von 2007 kostet die Nutzung des öffentlichen Verkehrs derzeit im Mittel weniger als 15 Cent pro Kilometer. Das ist deutlich günstiger als die Fahrt mit dem Pkw. Für die Pkw-Nutzung entstehen reine Betriebskosten von rund 20,4 Cent pro Kilometer. Rechnet man alle Fahrzeugkosten mit ein, kostet die Pkw-Nutzung gut 60 Cent pro Kilometer. Wer sich für den öffentlichen Verkehr entscheidet, spart also schon heute bares Geld – und schont die Umwelt.
Klar ist auch: Autofahren wird nie wieder billig sein, selbst wenn Spritpreise vorübergehend sinken. Die Kostenexplosion bei der Mobilität auf der Straße lässt sich durch das Senken der Energiesteuern oder durch Subventionen nicht in den Griff bekommen. Deutschland als Öl-Importland kann sich auf Dauer nicht gegen steigende Weltmarktpreise stemmen. Der Staat wird den Kostenanstieg beim Straßenverkehr nicht aufhalten können – selbst wenn er es wollte.
Verbraucher honorieren gute Angebote – auch beim Verkehr
Die Menschen steigen gern und dauerhaft auf den öffentlichen Verkehr um, wenn das Angebot stimmt. Überall dort, wo ein Angebot neu geschaffen oder nennenswert verbessert wurde, schnellen die Fahrgastzahlen in die Höhe. Beispielsweise sind heute täglich 19.000 Menschen mit der Regiobahn Kaarst-Mettmann bei Düsseldorf unterwegs. Vor der Modernisierung der Strecke zur Jahrtausendwende gab es gerade einmal 500 Nutzer pro Tag.
Die Allianz pro Schiene und der Verbraucherzentrale Bundesverband fordern deshalb mehr Investitionen in den öffentlichen Verkehr. Allein im Schienenverkehr kann die öffentliche Hand mit schätzungsweise jährlich 1 Mrd. € die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Millionen von Menschen auf den öffentlichen Verkehr umsteigen können. Werden die Weichen für die Angebotsausweitung jetzt richtig gestellt, können bis 2015 Fahrgaststeigerungen von 30 % im Schienennahverkehr und von 50 % im Fernverkehr realisiert werden. Mehr Investitionen und zusätzliche Mittel für die Verdichtung der Fahrpläne wären der Startschuss für eine langfristig angelegte Angebots-Offensive für den öffentlichen Verkehr, die das Mobilitätsverhalten grundsätzlich verändern wird. Schienenbündnis und Verbraucherschützer sind sich einig: Wer heute in den öffentlichen Verkehr investiert, sichert bezahlbare und umweltfreundliche Mobilität für alle.