Schienenausbau schafft zwei Drittel mehr Jobs als Autobahnbau
Gut angelegt: Jede Milliarde Steuergeld für den Schienenausbau schafft 16.000 Jobs
Staatliche Investitionen in die Schieneninfrastruktur schaffen zwei Drittel mehr Arbeitsplätze als der Bau von Autobahnen. Das haben Berechnungen der TU Wien ergeben. Gerechnet in Beschäftigtenjahren pro investierte Milliarde Euro kommt der Autobahnbau auf rund 10.000 Beschäftigte. Der Bau von Bahnhöfen schafft bei gleicher Investition rund 17.400 Arbeitsplätze, der Eisenbahnstreckenbau, Arbeiten im Bereich des ÖPNV und Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung bringen es auf jeweils 16.000 Arbeitsplätze pro Milliarde Euro.
Die Zahlen des „Instituts für Verkehrswissenschaften“ der TU Wien basieren auf Primärdaten des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung. Auch eine deutsche Studie wurde mit vergleichbarem Ergebnis ausgewertet. Danach bringt es der Eisenbahnbau ebenfalls auf rund 17.000 Beschäftigte, Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung schaffen sogar bis zu 25.000 neue Jobs. Damit, so das Fazit der Wiener Verkehrswissenschaftler, bringt jeder Steuer-Euro 1½ bis 2½ Mal so viel Beschäftigung, wenn man ihn in die Eisenbahn, den ÖPNV oder in die nicht-motorisierten Verkehrsträger investiert.
Straßenbau: Materialschlachten und historische Reflexe
Für den Wiener Verkehrswissenschaftler Reinhard Haller, Autor der Studie „Beschäftigungseffekte von Verkehrsinfrastruktur-Investitionen“, ist es kein Zufall, dass die umweltfreundlichen Verkehrsträger zugleich auch die beschäftigungswirksamsten sind. „Ich sehe da einen systemischen Zusammenhang“, sagte Haller in einem Interview mit der Allianz pro Schiene und wies darauf hin, dass Projekte, die beim Bau kapitalintensiv sind, also wenig menschliche Arbeitskraft benötigen, meistens auch im Betrieb ressourcen- und materialintensiv sind. Der hohe Maschinen- und Ressourceneinsatz und der geringe Arbeitskräftebedarf beim Bau von Autobahnen wiederholten sich auch im Betrieb: Jeder Autofahrer schleppe 1,5 Tonnen Stahl mit sich herum, der mit fossilen Ressourcen bewegt werden müsse.
„Straßenbau und Autofahren, das lässt – überspitzt gesagt – an Materialschlachten denken.“ Den heute noch vorhandenen Reflex vieler Politiker, die Konjunktur mit Asphalt anzukurbeln, erklärte Haller historisch. „Anfang der 50er Jahre war der Autobahnbau tatsächlich ein Jobmotor. Das ist wohl bis heute fest in den Köpfen der Menschen verankert und führt zu dem Reflex, in Zeiten schwacher Konjunktur nach Straßenbaupaketen zu rufen. Heute haben aber Eisenbahn und ÖPNV ganz klar die Nase vorn.“
Pro-Kopf Investitionen des Staates in die Schieneninfrastruktur
in ausgewählten europäischen Ländern in 2008
Deutschland investiert nur 47 Euro pro Kopf in sein Schienennetz und rangiert damit weit hinten.
Quelle: Allianz pro Schiene auf Basis von BMVBS (Deutschland), VöV (Schweiz), BMVIT (Österreich),
alle anderen SCI Verkehr.
Nach Ansicht der Allianz pro Schiene haben die europäischen Nachbarn bereits vor der Wirtschaftskrise intelligenter in ihre Infrastruktur investiert als Deutschland. So steckte Österreich 2008 stolze 205 Euro pro Bürger in sein Schienennetz. Dem deutschen Staat war sein Schienennetz nur 47 Euro pro Kopf wert, und er lag damit sogar hinter Italien mit 60 Euro pro Kopf. Dass Deutschland traditionell mehr Geld in die Straße als in die Schiene steckt, ist unter Konjunktur-Gesichtspunkten nicht mehr zu rechtfertigen. Die Allianz pro Schiene fordert die Bundesregierung auf, die knappen Mittel für die Infrastruktur nach den Geboten der ökonomischen Vernunft und nicht nach historisch überholten Reflexen zu verteilen.