Warum wir mehr Bahn brauchen
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Der Schienenverkehr bietet eine Reihe von Vorteilen: Er ist sicher, klimaschonend, reduziert die Abhängigkeit vom Öl, erspart der Gesellschaft wegen seiner geringen externen Kosten nachhaltig Geld und ist ein Beitrag zu mehr Lebensqualität. Diese Vorteile müssen in der künftigen Verkehrspolitik des Bundes stärker berücksichtigt werden.
Fakt 1: 580.000 Arbeitsplätze und 50 Mrd. Euro Umsatz
Die Schienenbranche ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Republik. Die Bahnen stehen zusammen mit den Schienenfahrzeugproduzenten, deren Zulieferern und den Bahnbaufirmen für insgesamt 580.000 Arbeitsplätze in Deutschland und einen Jahresumsatz von 50 Mrd. Euro. Zum Vergleich dazu: Die Automobilindustrie kommt nach Recherchen der Wirtschaftszeitung Capital vom Mai 2009 auf 1,76 Mio. Arbeitsplätze, das entspricht jedem 20. Arbeitsplatz in Deutschland.
Fakt 2: Ohne Schienenverkehr wäre Deutschland kein Exportweltmeister
Jeder vierte Erwerbstätige in Deutschland arbeitet für den Export. Ohne leistungsfähigen Schienenverkehr wäre Deutschland kein Exportweltmeister. Bereits heute werden 70 Prozent aller langlaufenden Containerverkehre sowohl im Export als auch im Import über den Hamburger Hafen auf der Schiene transportiert. Auch die anderen deutschen Seehäfen setzen auf die Bahn. Der Straßenverkehr allein wäre mit den Transporten durch Deutschland heillos überfordert. Als Haupttransitland in der Mitte Europas profitiert Deutschland mehr denn je von einem leistungsstarken Schienengüterverkehr. Denn die globalisierte Wirtschaft transportiert Waren über immer längere Strecken – genau hier liegt eine besondere Stärke der Güterbahnen. Rund 60 Prozent des Schienengüterverkehrs sind grenzüberschreitend – Tendenz steigend.
Fakt 3: Schienenverkehr hat Verfassungsrang
Unabhängig von der wirtschaftlichen Bedeutung des Schienenverkehrs haben die Menschen in Deutschland einen verfassungsrechtlich verbrieften Anspruch auf eine bedarfsorientierte Schienenverkehrspolitik des Bundes. Im Unterschied zum Straßenverkehr hat ein dem Gemeinwohl dienendes Verkehrsangebot auf der Schiene Verfassungsrang. „Der Bund gewährleistet, dass dem Wohl der Allgemeinheit, insbesondere den Verkehrsbedürfnissen, beim Ausbau und Erhalt des Schienennetzes der Eisenbahnen des Bundes sowie bei deren Verkehrsangeboten auf diesem Schienennetz (…) Rechnung getragen wird“, heißt es in Art. 87e des Grundgesetzes.
Fakt 4: Sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr wächst die Schiene schneller als die Straße
Noch nicht ins allgemeine Bewusstsein vorgedrungen ist die Tatsache, dass der Schienenverkehr in Deutschland seit Jahren schneller wächst als der Straßenverkehr. Sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr gewinnt der Schienenverkehr seit Jahren Marktanteile. Die Weltwirtschaftskrise wird diese Entwicklung im Güterverkehr nur vorübergehend bremsen.
Fakt 5: Bahntechnologie aus Deutschland ist weltweit führend
Wirtschaftsbranchen, in denen Deutschland Weltmarktführer ist, gibt es nicht viele. Die Bahnindustrie ist eine von ihnen. Mit innovativer Hochtechnologie haben sich die Hersteller von Lokomotiven, Zügen sowie Signal- und Gleistechnik in Deutschland einen Platz an der Weltspitze erobert. Bahntechnik „made in Germany“ ist ein Gütesiegel für leistungsfähigen Schienenverkehr - in Deutschland und weltweit.
Fakt 6: Schienenverkehr reduziert die Abhängigkeit vom Öl
Wer Erdgas und Öl importiert, ist ökonomisch abhängig und politisch erpressbar. Dies gilt umso mehr, wenn die Lieferungen aus instabilen Regionen oder Diktaturen stammen. Die Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern, ist daher ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit. Handlungsbedarf besteht vor allem im Verkehrssektor: Hier werden in der EU 70 Prozent des Öls verbraucht. Wer diese Abhängigkeit reduzieren will, muss auf die Schiene setzen. Der weitgehend elektrisch betriebene Schienenverkehr bietet schon heute die Möglichkeit, verstärkt auf regenerative und heimische Energiequellen zurückzugreifen.
Fakt 7: Schienenverkehr ist gut für den Klimaschutz
Wegen des geringeren Rollwiderstandes der Rad/Schiene-Technik sind Eisenbahnen dreimal energieeffizienter als Gummireifen auf Asphalt. Da der Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) unmittelbar mit dem Energieverbrauch zusammenhängt, ist der Schienenverkehr ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz: Die Güterbahn stößt pro transportierter Tonne und Kilometer nur ein Viertel soviel CO2 aus wie der Lkw. Personenzüge produzieren pro Reisendem und Kilometer nur halb soviel Kohlendioxid wie Pkw. Das Flugzeug ist bei Inlandflügen viermal klimaschädlicher als der Fernzug, Langstreckenflüge sind pro Personen- und Tonnenkilometer sogar noch klimafeindlicher.
Fakt 8: Schienenverkehr steht für sicheren Verkehr
Sicherheit ist ein weiterer großer Gemeinwohlvorteil der Schiene. Das Risiko, während einer Autofahrt tödlich zu verunglücken, ist pro Person und zurückgelegtem Kilometer 47-mal größer als während einer Zugfahrt. Das Verletzungsrisiko während einer Zugfahrt ist sogar 90-mal geringer. Auch im Güterverkehr ist die Schiene um ein Vielfaches sicherer als die Straße, weshalb etliche Gefahrgüter nur per Bahn und nicht per Lkw transportiert werden dürfen.
Fakt 9: Schienenverkehr erspart der Gesellschaft nachhaltig Geld
Aufgrund seiner Umwelt- und Sicherheitsvorteile verursacht der Schienenverkehr pro Leistungskilometer nur ein Drittel (Personenverkehr) bzw. ein Viertel (Güterverkehr) der „externen Kosten“ des Straßenverkehrs. Unter „externen Kosten des Verkehrs“ versteht man diejenigen Kosten, die durch die Verkehrsteilnehmer verursacht, jedoch nicht von ihnen selbst getragen werden. Bezahlt werden diese Unfall- und Umweltfolgeschäden von allen Krankenkassenbeitrags- und Steuerzahlern sowie teilweise von den kommenden Generationen. Allein in Deutschland betragen die externen Kosten des Verkehrs jährlich 80 Milliarden Euro, davon entfallen 96 Prozent (77 Mrd. Euro) auf den Straßenverkehr und nur 3 Prozent (2,5 Mrd. Euro) auf den Schienenverkehr. Bei einer verursachergerechten Zuordnung der externen Kosten des Verkehrs könnten alleine die Krankenkassenbeitragszahler in Deutschland um Milliardenbeträge entlastet werden.
Fakt 10: Schienenverkehr ist ein Beitrag zu mehr Lebensqualität
Ein Schienenanschluss bedeutet Freiheit bei der Verkehrsmittelwahl. Wer Bus und Bahn in der Nähe seines Wohnortes hat, kommt auch ohne Auto zum Arbeitsplatz und kann seine Kinder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule oder zum Sport fahren lassen. Das ist nicht nur sicherer, sondern spart auch zeit- und kostenintensive Bring- und Holdienste mit dem Auto. Dies ist einer der Gründe, warum ein S-Bahn-Anschluss die Grundstückspreise nach oben schnellen lässt. In den Städten spart der Schienenverkehr Platz. Kirchentage, Messen, Musikfestivals, Turnfeste und Bundesliga sind ohne Schienenverkehr nicht auszurichten. Auch stoßen Bahnen nur ein Viertel soviel Krebs erzeugende Rußpartikel pro Personenkilometer aus wie der Autoverkehr. Bei Allergien auslösenden Stickoxiden schneiden die Bahnen ebenfalls besser ab. Kurz: Schienenverkehr ist ein Beitrag zu mehr Lebensqualität.