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Unwort des Jahres: „Abwrackprämie“ hat es leider nicht geschafft

Glosse: Unwort des Jahres 2009: „betriebsratsverseucht“

„Abwrackprämie“ hat es leider nicht geschafft

Verschrottete Autos

Sprachkritiker sehen sich gern als Saubermänner des kommunikativen Handelns. So fiel die Wahl der Jury auch 2009 auf ein Unwort, das so unsympathisch ist, dass es bis zum heutigen Tag praktisch unbekannt war: „betriebsratsverseucht“ ist so unbestritten unerfreulich, dass sich die Jury höchstens noch fragen lassen muss, was überhaupt ein „Unwort“ ist. Am Ende ein Unwort, das sich nahtlos in eine Reihe fügt mit Wörtern wie „Unhold“, „Unmensch“ oder „Ungarn“? Seit 1991 schauen die Frankfurter Sprech-Moralisten dem Volke aufs Maul. Holocaust und Fremdenangst lieferten anfangs viele unschöne Unwörter: „Ausländerfrei“ (1991), „ethnische Säuberung“ (1992), „Überfremdung“ (1993) landeten gleich nach der Wiedervereinigung auf der Giftliste der Jury. Nach der Jahrtausendwende kam mit „Gotteskrieger“ (2001) und „Tätervolk“ (2003) der Kampf der Kulturen dazu. Die allermeisten Sprachverhunzungen erzeugten dennoch Politik und Wirtschaft: „Peanuts“ (1994), „Diätenanpassung“ (1995), „Rentnerschwemme“ (1996), „Wohlstandsmüll“ (1997), „Humankapital“ (2004) oder „notleidende Banken“ (2008) gaben überreichlich Anlass zum Tadel. Das Jahr 2009 fügt sich bruchlos in diesen Reigen.

Aus dem politisch heißumkämpften Umweltbereich schafften es nur zwei Begriffe unter Ferner liefen: „Luftverschmutzungsrechte“ (2004) und „klimaneutral“ (2007) landeten als Unwort-Kandidaten auf den hinteren Plätzen. Völlig unerwähnt bleibt im Land der Autofahrer bis heute der Verkehrssektor. Nach Ansicht der Allianz pro Schiene ist das umso unnötiger, als die Bundesregierung im Jahr 2009 die „Abwrackprämie“ am Start hatte, die auch als „Umweltprämie“ in aller Munde war. Für das Unwort des Jahres 2010 wollen wir deshalb unseren Vorschlag ganz unverzüglich einreichen: „Automobil“ – ein Gefährt, dessen antike Wortlogik vorgaukelt, dass es „ganz von selbst fährt“. Die Allianz pro Schiene meint: Ein Unding.