Hauptnavigation


 

Pfadnavigation

Sie sind hier:
  1. Startseite
  2. | Entgleist

Entgleist

Entgleist

TÜV winkt Gigaliner durch – mit steinalten Daten

überladener Lkw in Indien

Die Gegner von Riesen-Lkw haben zähe Vorurteile beim Thema Sicherheit. Daran ändert auch ein gerade aufgetauchter TÜV-Bericht nichts.

17.02.2011. Einen Überraschungscoup vermeldeten Financial Times und Focus Online vor wenigen Tagen: Der Technische Überwachungsverein (TÜV) hätte den sogenannten Gigalinern ein hervorragendes Prüfzeugnis ausgestellt. Überraschend sei vor allem die Eindeutigkeit des Berichts vom TÜV Nord. Endlich werde mit den gängigen Vorurteilen aufgeräumt, Riesenlastwagen könnten gefährlich sein oder der Umwelt schaden.

Wie überrascht die Leser der genannten Medien waren, wissen wir natürlich nicht. Sehr überrascht war allerdings der TÜV Nord. Dort wusste man zunächst nichts von einem hervorragenden Prüfzeugnis. Das mag daran liegen, dass der als brandneu verkaufte Bericht nicht mehr ganz taufrisch war. Das Papier vom Januar 2009 wertet regionale Testfahrten in Nordrhein-Westfalen mit Riesenlastwagen aus den Jahren 2006 bis 2008 aus.

Dass der Leser ebenfalls nicht erfährt, dass der TÜV vor kurzem Mitglied im Club der Riesen-Lkw-Freunde geworden ist, wundert dann auch nicht mehr. Es hätte dem überraschend eindeutigen Prüfzeugnis nur einen unnötig unschönen Beigeschmack verliehen. Lesenswert ist der steinalte Prüfbericht aber dennoch. Schließlich enthält er auf 100 Seiten eine Fülle von Details, die das Gruselkabinett der Riesen-Lkw-Skeptiker aufs Schönste bereichern.

So schreiben die Prüfer mit verblüffender Eindeutigkeit, dass die Spediteure eine Abneigung bekundet hätten, sich sklavisch an die festgelegten Routen zu halten. Auch sei es vorgekommen, dass Pkw-Fahrer beim Auffahren auf die Autobahn auf dem Beschleunigungsstreifen behindert worden wären, weil ein Riesenlastwagen die rechte Fahrbahn einnahm. An einer Baustelle blockierte ein Fahrer trotz Anwesenheit des Prüfers zwei Fahrspuren, um hinter ihm fahrenden Pkws das Überholen unmöglich zu machen. Ein Riesen-Laster der Spedition Hoyer erregte sogar öffentliches Ärgernis auf den Straßen. Im trockenen Deutsch der Prüfer heißt es dazu: „Aufgrund des ungewöhnlichen Erscheinungsbildes mit dem langen Überhang hinter der letzten Achse und dem optisch quasi frei schwebenden zweiten Container zog die Fahrzeugkombination häufiger die Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer erkennbar auf sich.“ Weitere Details zur Katastrophenfahrt des Hoyer-XXL-Lasters finden sich ebenfalls in dem Prüfbericht, gefolgt von einer Darstellung des Teilnehmers Schenker, der mit abgefahrenen Reifen unterwegs war.

 
Riesen-Lkw bei Testfahrten in Nordrhein-Westfalen 2008

Erregte öffentliches Ärgernis und wurde vom TÜV aus dem Verkehr gezogen: Gigaliner der Spedition Hoyer.

 

Noch interessanter sind nur die Details, die der Bericht verschweigt. So gaben sich die Prüfer nicht mit Fahrerbefragungen zufrieden, sondern begleiteten nach eigenen Angaben alle 13 Teilnehmer des Tests auf ihren Fahrten. Trotzdem enthält der TÜV-Bericht nur 12 Berichte zu Fahrerbegleitungen. Eine kleine Recherche kann das Rätsel allerdings schnell aufhellen: Der Riesenlastwagen mutmaßlich der Firma Contrail Transport, den der TÜV unter den Tisch fallen lässt, taucht dafür in einer Polizeimeldung vom Oktober 2007 auf: Der Fahrer des Riesenlastwagens wurde im hohen Norden in Niedersachsen aufgegriffen, hatte aber nur eine Genehmigung für Routen in Nordrhein-Westfalen. Die Beamten stellten außerdem einen Verstoß gegen die Lenk- und Ruhezeiten fest.

Dass ein uralter Bericht mit glänzend polierten Zeugnisnoten ausgerechnet dann auftaucht, wenn das Verkehrsministerium gegen den Willen der meisten Bundesländer Testfahrten durch Deutschland plant, ist natürlich reiner Zufall. Wir erwarten allerdings, dass der TÜV beim Uralt-Pkw des Normalbürgers strenger hinschaut. Sicherheit geht vor: Hier würde nicht mal die „Initiative für Innovative Nutzfahrzeuge“ widersprechen.

 

Entgleist

Rechenkunststück mit Verkehrstoten

Reisende im Bus

„Bus oder Bahn: Wo reist man am sichersten?“ Die Frage treibt den bdo um. Auf der Strecke bleibt aber die Definition von "Insasse".

06.01.2011. „Der Bessere ist der Feind des Guten“, mag sich der Bundesverband der Omnibusunternehmer (bdo) gedacht haben, als er daran ging, die Statistik der Verkehrstoten ein wenig aufzupimpen. „Das Risiko eines Bahninsassen während der Reise ums Leben zu kommen, ist doppelt so hoch, wie das Risiko eines Businsassen“, verbreitete der bdo am gestrigen Mittwoch per Pressemitteilung. Damit auch keine Zweifel aufkämen, hieß es im Nachsatz: „Dies belegt die amtliche Statistik.“ Obwohl die amtliche Statistik nichts dergleichen belegt, zählte der bdo 228 getötete Bahninsassen und nur 134 tote Businsassen in den Jahren von 2000 bis 2009. Der Rechentrick dahinter ist recht einfach: Bahninsassen sind auf einmal auch Lokführer von Güterzügen, Rangierer oder Gleisarbeiter. Businsassen sind dagegen nur Businsassen.

Da bleibt nur zu hoffen, dass es die Busbranche mit ihren Fahrplänen genauer nimmt als mit der amtlichen Statistik. Für künftige Verkehrsmittelvergleiche schlagen wir deshalb „weichere“ Faktoren vor. Wie wär’s mit: „Der Bus ist das coolste Verkehrsmittel.“ Da würde doch wirklich niemand widersprechen.

 

Entgleist

Monstertruck-Fans mit neuem jungen Gesicht

Jörg Bode

Jörg Bode bringt sich positiv ein

29.01.2010. Der niedersächsische Landesverkehrsminister Jörg Bode (FDP) hat sich in den letzten Tagen wiederholt öffentlich für den Riesen-Lkw stark gemacht. Laut dpa schrieb Bode an Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU), um für den bundesweiten Testversuch Stimmung zu machen. Aus Hannover bringt der Rösler-Nachfolger „positive Erfahrungen“ ein: Wie man mit längeren und schwereren Lastwagen die Straßen entlastet und wie man einen Test durchführt, obwohl das Ergebnis schon vorher feststeht. Da passt auch der Name: „Eurocombi“, so wird der Riesen-Lkw von seinen Fans gerne genannt. Warum? Weil die EU ihn zur Zeit noch verbietet. Ist doch logisch, oder?

 

Entgleist

Schlotmann will die Lkw-Maut abschaffen

Volker Schlotmann (SPD)

Einfach abschaffen: Schlotmann löst Verkehrsprobleme

20.01.2010. Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) war schon häufiger für eine Überraschung gut. Sein neuester Vorschlag hat aber das Zeug zu mehr: Der SPD-Politiker forderte die Abschaffung der Lkw-Maut mit dem Argument, dass Anwohner unter Lärm und Abgasen litten. Weil Lastwagen, die der Autobahn-Maut entgehen wollen, vermehrt auf gebührenfreie Bundesstraßen ausweichen, will Schlotmann tätig werden. Ein Weg, das Ärgernis zu beenden? Gleich die ganze Lkw-Maut abschaffen, das sei der "effektivste Weg", sagte Schlotmann laut dpa. Die Logik ist bestechend: Steuerflucht bekämpfen, indem man Steuern abschafft. Die Allianz pro Schiene hat eine bessere Idee: Lkw-Maut auf alle Straßentypen ausweiten. Warum der Minister darauf wohl nicht gekommen ist?